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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-19 · Heft 29 (19.7.1918) · p. Seite 343

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 29 (19.7.1918)
Date
1918-07-19
Page
Seite 343 (sequence 7)
Language
German
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343 einleitende Vorrede schließt mit folgenden Worten: „Ich möchte nur noch hinzufügen, daß, wenn meine Bemühungen der Gemeinde, -deren treuer Diener ich seit meiner Jugend bin, auch ttür geringen Dienst leisteten, dieses Bewußtsein die größte Freude meines Alters sein und meine Dänkbarkeit gegen den Gott Israels erhöhen wird, durch dessen Gnade und liebevolle Güte es mir vergönnt war, diese schwierige Arbeit zu vollenden." Bei dieser Arbeit tonnte Hast das Wort, das Gott einst seinem Diener Moses zugerufen:-o"1 spVl “fb 3“l >Es ist genug! Fahre nicht mehr fort, zu beten' aus sich beziehen. Und in der Tat, kurz nach seinem 70. Geburtstage, am 28. August 1911, schloß der „ehrwürdige Chasan" seine Augen zum ewigen Schlafe und sein Mund hörte auf zu beten. Die Beisetzung fand unter sehr großer Teilnahme auf dem Willeschen Friedhofe statt, wobei Kantor Gerson mit tiefer Empfindung die üblichen Gesänge vortrug. Der Träuerzug passierte die Dalston- Synagoge. Eine Anzahl jüdischer Zeitschriften würdigten das Wirken und Schaffen Haft' in ehrenden Nachrufen. „Als Chasan war Hast durch eine besonders süße und iveiche Stimme, die reich an Fülle und groß an Umsang war, ausgezeichnet. Niemals jedoch schien er seine stimmlichen Mittel bis zur äußersten Grenze auszunutzen. In allen Umständen schien er sich eine große Reserve aufzuerlegen. Die Wahrheit ist, daß er ein ebenso trefflicher Chasan wie vollendeter Künstler war, der das Beste auS der gütigen Gabe, mit der die Natur ihn bedacht hatte, machte. Hast besaß eine vornehme und würdige Haltung und einen ebenso - liebenswürdigen und anziehenden Charakter, wie seine Stimme zu ihren besten Zeiten süß und einschmeichelnd war. In ihm haben wir einen großen Chasan verloren, einen, der die vornehmen Traditionen des Kantors bis zur höchsten Potenz emportrug, und einen guten und treuen Gemeindebeamten. Ein großer Kreis von Freunden wird, den genialen großherzigen Freund, dessen immer 'heiteres Temperament dem Verkehr einen besonderen Reiz verlieh, vermissen. T>er Abgesandte der Gemeinde vor Gottes Altar', um seine eigene beredte Definition des Chafan zu gebrauchen, ist zur ewigen Ruhe einberufen worden. Möge seine Seele zum ewigen Leben eingegangen sein!" — Am Sonntag nach der Bestattung fand ein eindrucksvoller Trauergottesdienst in der Großen Synagoge, der Stätte seiner mehr als 40jährigen Wirksamkeit, statt. Die Gedächtnisrede hielt Dajan A. Feldman, in der er das Wirken des Verewigten in eindrucksvollen Worten schilderte. „Marcus Hast," sagte er, „wird in den Annalen der englisch-jüdischen Geschichte als ein großer, geistanregender, gelehrter Chasan fvrtleben ... Ein bedeutender Talmudist, ein Talmud Ehacham im wahren Sinne des Wortes, ein würdiger Nachfolger der Rabbiner-Chasanim des Mittelalters, wie Rabbi Elieser ben Meschullam und wie Maharil." Feldman beendete seine ergreifende Rede mit folgenden Worten: „Es hat Dir, o Gott, gefallen, unfern verehrten Marcus Hast zu Dir zu rufen. Möge die Kraft seines edlen Beispiels und die Glut seines Andenkens in unserer Mitte ungeschwächt und ungetrübt bleiben! Möge seine Lebensarbeit uns helfen, die Gebete unserer Lippen Dir mit der Reinheit des Herzens darzubringen. Tröste neben der Familie mit Deiner liebenden Güte die Mitglieder der Großen Synagoge, welche den Heimgang einer so bezaubernden Persönlichkeit, eines so mächtigen Fürsprechers und aufrichtigen Freundes tief beklagen! Sein Name sei immerdar für uns und das gesamte Judentum ein gesegneter!" Niwifche Merirhrrr in Orruhrn. as Erscheinen von „Kunzes Kalender für das höhere Schulwesen Preußens" für das Jahr 1917 hat sich unliebsam verzögert, weil der Hauptherausgeber dieses für alle Angehörigen 'des höheren Lehrerstandes unentbehrlichen Kalenders, Pros. Dr. 'Emil Toeplitz (Breslau)^ am 23. August 1917 nach längerer Krankheit dahingeschieden ist. Dieser jüdische Oberlehrer war in Lissa i. P. geboren, wo bereits sein Vater, Julius Toeplitz, Ghmnasialprosessor gewesen war. Der Direktor des dortigen Gymnasiums war 0. K. Kunze, der Begründer des Kalenders. Da Kunze bald nach der Begründung des Kalenders starb, so übernahm Toeplitz die Herausgabefür die er mehr als 20 Jahre tätig gewesen ist. Der Kalender, der für das Schuljahr 1918/19 zum 25. Male herauskommen soll, wird nun. von anderer Seite herausgegeben, hoffentlich mit derselben Sorgfalt wie bisher. Der diesjährige Kalender läßt diese Sorgfalt an manchen Stellen vermissen. Das liegt daran, daß der langjährige Mitarbeiter Toeplitz', der Geheime Studienrat Mälberg, während des vergangenen Jahres schwer erkrankt war und die meisten sonstigen Gehilfen zum Heeresdienst eingezogen waren. Auch für die Ueberstcht über die jüdischen Oberlehrer in Preußen, die an dieser Stelle schon seit mehreren Jahrzehnten veröffentlicht wird, machte sich diese mangelnde Sorgfalt an einigen Stellen bemerkbar. Allzuviel Aenderungen sind in der Zeit vom 1. Mai 1916 bis 1. Mai 1917 nicht eingetreten. In Danzig und Berlin ist je ein Oberlehrer gestorben; in Berlin ist ein anstellungsfähiger '■ Kandidat' an einem städtischen Gymnasium zum Oberlehrer befördert, «in anderer, der bisher an einem Lyzeum Oberlehrer war, nunmehr an einem städtischen Gymnasium angestellt worden. Auch das jüdische Philanthropin in Frankfurt am Main hat einen neuen Oberlehrer erhalten. An staatlichen Anstalten ist, wie bereits in der vorigen Ueberstcht erwähnt wurde, eine Neuanstellung in Zaborze (Hindenburg) erfolgt, und zwar am 1. Oktober 1916. Es sind zurzeit acht jüdische Oberlehrer staatlich angestellt, nämlich je —einer in Graudenz, Strasburg, Berlin, Wittstock, Bromberg, Posen, Zaborze und Dillenburg (die letztere Anstalt ist in den : jüngsten Uebersichten durch einen bedauerlichen Irrtum als städtisch bezeichnet worden). Die Zahl der Städte, die jüdische Oberlehrer an ihren Anstalten beschäftigen, beträgt zurzeit elf, nämlich Königsberg (einer am Lyzeum), Berlin (51 an Knabenschulen, drei an Lyzeen), Charlottenburg (vier an Knabenschulen, ein Lyzealdirektor), Crossen (einer an der Knabenschule), > Breslau (drei an der Knabenschule), Kattowitz (zwei an der Knabenschule, einer am Lyzeum), Oppeln, (einer an der Knabenschule), Magdeburg (einer an der Knabenschule), Kassel (einer an der Knabenschule), Frankfurt am Main (vier an der Knabenschule, einer am Lyzeum), Düsseldorf (einer an der Knabenschule). Die einzige jüdische Oberlehrerin, die bisher an einer städtischen Anstalt in Preußen angestellt war, ist am 1. April 1918 von Kattowitz nach Dortmund berufen worden. Das ist um so mehr hervorzuheben, als die Provinz Westfalen bisher nur judenreine Lehrerkollegien gekannt hat. In Dortmund selbst unterrichtete bisher nur ein getaufter Jude, der übrigens vor kurzem gestorben ist. Die 'Gesamtzahl der jüdischen Oberlehrer an nichtjüdischen Anstalten beträgt also 77 für die Knabenanstalten, 7 für die Mädchenschulen. Dazu kommen 19 jüdische Oberlehrer an den. beiden israelitischen Realschulen in Frankfurt am Main. Nicht angestellte jüdische Kandidaten gab es in Preußen 40, und zwar 26 anstellungsfähige (unter 2996), vier Probanden (unter 539), zehn Seminarmitglieder (unter 803). Diese Kandidaten sind, soweit sie nicht zum Heeresdienst eingezogen sind (14), fast alle voll beschäftigt. M- G-

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