Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1918)
- Date
- 1918-07-19
- Page
- Seite 342 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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342 Die Ehasanim Londons nebst den Chören wetteiferten dabei, ihr Bestes zu leisten. So wurde von verschiedenen Komponisten zu Ehren der Feier der 15. Psalm komponiert; die originellste und tüchtigste Leistung war die von Hast, und sie wurde auch bei der Aufführung mit Beifall ausgenommen. Nicht allein als Komponist, sondern auch als Leiter des Gesangvereins Amateur Choral Society bewährte sich Hast, indem er oft zu wohltätigen Zwecken Konzerte gab, die von der Elite der Gemeindemitglieder besucht wurden. So war Hast durch seine vielseitige Begabung eine anziehende Persönlichkeit geworden und das musikliebende Publikum verehrte den „gemütlichen Hast". Aber auch durch seine hervorragenden talmudischen Kenntnisse erwarb er sich viel Anhänger, so daß er im Verein mit dem Chief Rabbi Nathan Adler die Hauptperson im religiösen jüdischen Leben Londons bildete. Zur Amtseinführung des Chief Rabbi Dr. Hermann Adler am25. Juni 1891 bewährte Hast wiederum sein Kompositionstalent, indem er zu dieser Feier Gesänge für Chor und Orchester schuf. Ermuntert durch den Erfolg und durch die Ehren, die ihm das Oratorium „Azariü" eingebracht hatte, vollendete er inzwischen ein zweites Oratorium, „Der Tod Moses", welches kurz nach seinem 25jährigen Amtsjubiläum 1906 in der Queens Hall in London zur Aufführung kam. Die „Londoner Zeitung" schrieb folgendes darüber: „Wenn man daran denkt, daß der Komponist kein Musiker von Beruf ist und daher nicht den Vorteil gründlicher Vorbereitung hat, sondern ein schwerarbeitender Beamter des Ost- - Endes ist, der mühsam seinen erschöpfenden und drückenden Pflichten einige Mußestunden abringt, so muß der vortreffliche Aufbau seines Werkes und besonders sein zarter Ausdruck den wärmsten Beifall Hervorrufen. Die besten Nummern im ersten Teil („Die Bestrafung Mirjams") waren der brillante Chor: „Freue dich vor dem Herrn", das Solo der Zipporah und „Wisse wohl, -daß er Gott ist". Im 2. Teil („Das Sterben Moses") ergriff die Musik des Engels und des Moses das Publikum bis ins Innerste, sowohl wegen des innigen Pathos und der Schönheit als auch infolge des Verdienstes der Solisten. Am Schlüsse der Aufführung erntete Hast begeisterten Beifall, den er im reichen Maße verdiente, und seine Gemeinde kann stolz sein auf die ihm zuteil gewordene Auszeichnung, da dieselbe auch auf sie übergeht durch das erfolgreiche Beschreiten ihres Kantors auf das Gebiet der epischen Musik, wodurch einige dieser ergreifenden Gesänge, die ihren Gottesdienst zieren, vor einem breiteren, nicht weniger schätzenswerten Publikum zu Gehör gebracht wurden." („Jew. Chron." Juni 1897.) Me große Mehrheit der Mitglieder und Notabilitäten der eigenen Gemeinde Hafts, der Großen Synagoge waren zugegen und gaben der .Aufführung bas Gepräge einer inoffiziellen Feier seines Jubiläums. Am Schluffe der Ausführung wurde Hast begeistert applaudiert. So krönte diese Aufführung Hasts 25jährige Amtstätigkeit aufs schönste. In der Dankesadresse der Gemeinde, der ein Scheck von 500 Pfund beigelegt war, stand u. a.: „Nicht allein als Vorbeter, sondern auch als Geistlicher der Synagoge hat er ay den Leiden und an den Freuden seiner Gemeinde teilgenommen und ist auf diese Weife mit chr fest verwachsen, da er als Vorbild eines Scheliach Zibbur handelte." Zum diamantenen Jubiläum der Königin Viktoria komponierte Hast eine „Lobeshymne", die in der Queens Hall am 9. Juni 1897 äufgeführt wurde. Das letzte Oratorium aus Hasts Feder betitelt sich „Der Fall Jerusalems", in dem die Geschichte Jerusalems vom Standpunkt der jüdischen Tradition aus geschickt behandelt ist. Es war Hasts höchster Wunsch, der Aufführung seines letzten großen Werkes" beiwohnen zu können. Diese ideale Freude sollte ihm aber nicht zuteil werden. Wäre das Werk zur Darstellung gebrach worden, sagte ein namhafter Musiker, so wäre sein Erfolg noch größer als der von „Der Tod Moses" gewesen. Und über Hasts Musik im allgemeinen äußerte sich derselbe Musiker: „Je mehr wir sie hören, um so mehr bewundern wir sie. Mag es ein Solo, ein Chor für gleich oder gemischte Stimmen fein, immer genießen wir die Frische der Melodik und der schönen Harmonie." Am 2. Januar 1910 vollendete Hast sein 70. Lebensjahr. Im Festartikel der „Jowish Ehronicle" bemerkt der Verfasser u. a.: „Hast ist ein Talmudist von großer Bedeutung. Bei mehr als einer Gelegenheit hat Hast in der Synagoge gepredigt, und seine Predigten gaben Beweise feiner bedeutenden biblischen und rabbinifchn Forschungen, und sie zeugten auch von großem Ernst. Diese Eigenschften in Verbindung mit mehr als einem gelegentlichen Hervorbrechen des reichen Schatzes an Humor, den er im Privatleben entfaltete, würzten auch die Ansprachn, die er manch mal den Brautpaaren hielt, die er unter der Chuppe fürs Leben verband." — Aus Anlaß seines 70. Geburtstages wurde ein besonderer Festgottesvienst in der Großen Synagoge abgehalten. Der Chief Rabbi Dr. H. Adler feierte Hast in einer Predigt, die in ein ergreifendes Gebet für das fernere Wohlergehen des Jubilars ausklang. Hast veröffentlichte bei Gelegenheit seines 70. Geburtstages sein großes Werk „Awodas Hakkodesch", das den Sabbatgottesdienst fürs ganze Jahr, alle Fest- und besonderen Gottesdienste und auch die Psalmen umfaßt. Auch dieses Werk widmete Hast Baron und Baronin v. Rothschild. Die das Werk Marcus Hast, erster Vorbeter an der Großen Synagoge in London.