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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-19 · Heft 29 (19.7.1918) · p. Seite 339

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 29 (19.7.1918)
Date
1918-07-19
Page
Seite 339 (sequence 3)
Language
German
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339 worden sind. Di-e Behauptung, daß jüdischen Zeitun-gen verboten worden ist, irgend etwas über die Flugblätter zu schreiben, entspricht nicht den Tatsachen. O- Jm Anschluß andas eben Erwähnte' mag nachstehende Mitteilung hier ihren Platz finden: Eine Erklärung über die Judenfrage in Litauen. Wie die Berliner „Neuen Jüdischen Monatshefte" in -ihrer dieser Tage erscheinenden Nummer dom 10. Juli 1918 (Nr. 19) mitteilen, hat der Herr Reichskommissar für -die Ostseegebiete und Litauen, Exzellenz v. Falkenhau se n, am 6. d. M. die Herren Dr. Adolf Friedeman.n> und Prof. Dr. Moritz Sobernheim vom „Komitee für den Osten" empfangen und ihnen folgendes erklärt: „Wir verkennen nicht die große Wichtigkeit -des Ostjudenproblems. Grundsätzlich überläßt die Kaiserliche Regierung dem soeben anerkannten litauischen Staate die endgültige Regelung, seiner inneren Verhältnisse. Das schließt indessen nicht aus, daß sie beim inneren Ausbau gemäß den Wünschen des Landesrates mitwirkt und ihren Einfluß für die Erfüllung der berechtigten Wünsche des Judentums einsetzt, wie sie dies übrigens auch bisher getan hat. In dem Litauen größeren Umfanaes, das voraussichtlich bei der endgültigen Regelung der Verhältnisse im Osten entstehen wird, muß allen nationalen Minoritäten ihr Recht auf bürgerliche Gleichberechtigung, freie Religionsübung und Pflege ihrer Eigenart und Ueberlieferung voll bewahrt werden. Deshalb soll auch der indischen Nationalitä.k das Recht auf selbständige Ordnung ihrer kulturellen Angelegenheiten, a-lio eine weitgehende kulturelle Autonomie. zustehen, und sie kann darüber hinaus auf Zugeständnisse, a. B. auf dem Gebiete der Selbstbesteuerung, für ihre eigenen Angelegenheiten rechnen. Die Regierung verfolgt die nach dieser Richtung hin geäußerten Wünsche mit ihrer vollen Sympathie. Sie teilt auch die aus berufliche Umschichtung der Juden Litauens gerichteten Wünsche und ist bereit, die auf landwirtschaftliche Betätigung gerichteten Bestrebungen nachdrücklich zu fördern." Der Herr Reichskommissar wies dann noch darauf hin, daß schon die gegenwärtige Verwaltung Litauens ihr Wohlwollen für die jüdische Bevölkerung durch zahlreiche Maßnahmen erwiesen, sogleich bei Beginn ihrer Tätigkeit die volle Gleichberechtigung mit der übrigen Bevölkerung verkündet und alle einschränkenden Bestimmungen der russischen Judengesetzgebung außer Kraft gesetzt habe. Ein besonderes Referat für jüdische Angelegenheiten sei errichtet und auf dom Gebiete der Schulen der jüdischen Eigenart nach Möglichkeit Rechnung getragen worden. Der Arbeitersürsorge und den Wohlfahrtsbestrebungen der jüdischen Komitees werde volles Interesse zugewendet. Der Herr Reichskommissar gab zum Schlüsse seiner Hoffnung Ausdruck, daß es bei gegenseitigem Entgegenkommen aller likaui- Mn Nationalitäten bald gelingen werde, die durch den Krieg geschlagenen Wunden zu heilen und das an Hilfsquellen reiche Land einer freundlichen Zukunft entgegenzuführen. * Unser Mitarbeiter L. F. schreibt uns: Aus der halbamtlichen englischen Darstellung der Verhältnisse in Palästina. Das 178. Heft (15. Band) der „Times History and Encyclopaedia of the War" behandelt die Kriegsereignisse seit dem Wiederaufbau der Offensive an der 'Sinaifront im Winter 1916/17 bis zu den letzten heurigen Zusammenstößen in Judäa. Die erste Hälfte, „The first Battles of Gaza", schildert das Zurückdrängen der Türken von der Sinaihalbinsel und das Ringen um die starke Festung Gaza. Schon da fallen mancherlei fesselnde Streiflichter auf die einheimischen Bevölkerungsbestandtei'le und ihre Eigentümlichkeiten. Wichtiger für unsere Teilnahme ist die zweite Hälfte, „The Jews in Palestine" überschrie'ben, die den neuesten Vorgängen im Heiligen Lande und der zionistischen Bewegung gewidmet ist. Urige-? schminkt und doch packend, so ist einzuräumen, wivd die be- * zügliche Entwicklungsstufe im modernen Judentum geschildert, dabei der Zionismus als die nationaljüdische Bewegung in ihrer politischen und innerlichen Bedeutung für Israel und die Welt in stark günstigem Sinne. Eine kurze Geschichte der bisherigen Erfolge der jüdischen Kolonisationsbewegung in Palästina, mit Hervorhebung besonders auffälliger Umstande, wie der Wiedereinsetzung des Hebräischen als Muttersprache, der bis ins einzelne durchgeführten eigenen jüdischen Kolonieverwaltung und ähnliches. Man muß gestehen, die englische Absicht bestrebt sich, europäischen Lesern einen greifbaren, möglichst anmutenden Begriff von den bisherigen Leistungen der zionistischen Sie'dlungspraxis zu gewähren. Wie weit diese Darbietung tendenziös einseitig gefärbt sein mag, bleibe heute unberührt. Ein besonderer Abschnitt beschäftigt sich aber mit „den türkischen Verfolgungen gegen die Zionisten und die Werke jüdischer Kulturarbeit in Palästina"! Und schon die Fassung dieses Kapiteltitels läßt ja tief blicken. Schließlich wird die bekannte britische Regierungserklärung über die Gründung eines Judenstaates-in Palästina und deren Wirkung auf „die gesamte jüdische Nation" (diese Auffassung beherrscht durchsichtig die ganze angeblich historische Darstellung) eingehend besprochen und ins hellste Licht der Menschen- und Judenfreundlichkeit gerückt. Die durch diese Erklärung geschaffene rechtliche und politische Läge wird dahin beurteilt, daß dadurch erstens den durch die russischen Kriegsereignisse „aus ihren zerstörten Wohnsitzen vertriebenen Hunderttausenden von Juden" eine gesunde, aus moderner staatlich-autonomer Basis aufgebaute Existenz im Lande ihrer Pater geboten, sodann aber im Orient selbst eine Aera ihrer Versöhnung und Verständigung zwischen den einzelnen bis dahin vom „Panturanismus" hart bedrängten (!!) Nationalitäten — welche völlig grundlose Hetze! —, in der Hauptsache der Armenier, Juden und Araber, angebahnt worden sei! So bewußt lügenhaft sprechen und schreiben die Gönner und Schutzherren des Zionismus! G Wie das völkerbeglückende England die Juden behandelt, geht aus folgender Notiz hervor: Aus Odessa wird berichtet: In jüdischen Kreisen herrscht eine starke Empörung über die Rücksichtslosigkeit, mit der die englischen Behörden die militärische Einziehung der in England wohnenden russischen Juden vornehmen. Der Umstand, daß England auf die russische Regierung keine Rücksicht mehr zu nehmen braucht, hat dahin geführt, daß die Einberufung der russischen Inden verfügt ist, obwohl völkerrechtlich hierzu selbstverständlich nach dem Ausscheiden Rußlands und der Ukraine aus dem Krieg kein Recht vorliegt. Wie aus Nachrichten, die aus London über Kopenhagen hierher gekommen sind, sich ergibt, herrscht auch in jüdischen Kreisen in England wegen der Vorgänge starke Erregung. Ein Teil der englischen Presse benutzt den durchaus berechtigten Widerstand der jüdischen Kreise gegen die unerhörte Verfügung der englischen Regierung zu maßlosen Angriffen auf die Juden. Charakteristisch ist für die Lage der Beschluß, den der jüngst stattgefundene Kongreß der Zionistischen Arbeiterpartei Poale-Zion in Manchester gefaßt hat. Der Beschluß lautet: „Die 13. Konferenz der Jüdischen Arbeiterpartei Poale-Zion in Großbritannien, die in Manchester abgehalten wurde, protestiert sehr scharf gegen die niedrigen Angriffe eines Teiles der englischen Presse gegen die ausländischen Juden. Diese Hetze ist der Ausdruck eines sehr starken Antisemitismus, der sich unter der Ausrede verbirgt, er sei bloß sremdenfeindlich, gegen den hilflosen Teil der jüdischen Bevölkerung; denn diese ist hilflos, weil sie keine Presse in englischer Sprache hat, in der sie ihre Meinungen und Gefühle ausdrücken konnte." Die Resolution wendet sich an die englischen Arbeiterorganisationen mit der Aufforderung, sie sollen gegen diese „niedrige und organisierte Hetze" protestieren. * Dafür, daß es in dieser bitterernsten Zeit auch an Humor nicht fehlt, sorgt folgende in verschiedenen Zeitungen abgedruckte Notiz:

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