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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-12 · Heft 28 (12.7.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 28 (12.7.1918)
Date
1918-07-12
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Karriere zu machen. Dagegen sehen wir aber Menschein die deshalb in die Höhe gestiegen sind, weil der liberale ungarische Staat ein Beispiel dafür bieten wallte, das; auch Juden hohe Stellen bekleiden können. Diese verlassen erst später ihren Glauben, jenen Glauben, der, sie in die Höhe gehoben hat. Die wahre Mittelklasse ist bei uns erst jetzt im Entstehen begriffen, und das ungarische Judentum kann zu einem wichtigen und sehr wertvollen Faktor der Entwicklung der Bürgerklasse werden. Wenn der ungarische jüdische Kaufmann oder Gewerbetreibende sich in nationaler Beziehung unbedingt für einen Ungar, in religiöser Beziehung aber unbedingt für einen Juden hält, dann wird seine Zugehörigkeit zur Mittelklasse diese Klasse kräftigen. Wenn er aber den Versuch unternimmt, sich einer anderen Gesellschaftsklasse anzubiedern, wenn er seinen Namen mit einem Dpsilon am Ende schreiben will, wenn er Güter kauft, wenn seine Söhne als Juden hoch zu Rotz in den Städten zu sehen sind, behaftet mit allen den historischen Klassen abgeguckten schlechten Eigenschaften — von dieser Art der nationalen Entwicklung will der Vortragende nichts wissen. Gerade jetzt ist in Arad ein Beispiel dieser Entwicklung verurteilt worden: der Reichstagsabg. Ladislaus Hamori, Präsident des Katholischen Volksverbandes, der stets betonte, daß er mit dem Judentum nichts zu schaffen habe, und Redner glaubt, daß Hümori jeden insultiert hätte, der ihn daran erinnert hätte, daß sein verstorbener Vater noch Präsident‘ der Ara der israelitischen Gemeinde gewesen. Pflicht des ungarischen Judentums ist es, gegen die Einwanderung der nu§ Galizien stammenden Juden, die weder in moralischer Beziehung noch, was ihre Weltanschauung anbelangt, zu uns gehören, mit den strengsten Maßnahmen Stellung zu nehmen. (!!) Denn es ist Aufgabe des Judentums, die ungarische Nation vor solchen Dingen zu bewahren, an die zu rühren andere nicht imstaude sind oder nicht den Mut besitzen. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Dann sprach Präsident Jlles Poll a k. Generalsekretär Wilhelm Kecskemeti erstattete den Jahresbericht, der nach Ansführnngen des Direktors Wilhelm Braun einstimmig zur Kenntnis genommen ward. Die Versammlung wurde von Dr. Alexander Lederer geschlossen. Von Ash und Fern. — Der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Berliner- Jüdischen Gemeinde, Direktor Dr. Georg Minden, ist zum Geheimen Regierungsrat ernannt worden. — Die Kanfleute Bernhard K a ß und Albert Kirsch st ein haben den Charakter als Kommerzienrat erhalten. — Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe wurde folgenden Damen des Vereins „Mädchenhort" verliehen: Jda Cohn, Else E p h r a i nt, Frau Fre u n d , Klara G o l d s ch m i d t, Elisabeth H o l l a e n d e r, Tora K a y s e r , Käte M e n d e l s o h n, Selma R o s e n b e r g. — Die neue Zusammenkunft aller derer, welche Angehörige in englischer Gefangenschaft haben, findet am Sonntag, den 21. Juli, vormittags JO Uhr, hu Restaurant Hofjäger, Königgrützer Straße 121, statt. — Ans Posen wird uns geschrieben: Zwanzig Jahre sind vergangen, seit die Ostbank für Handel und Gewerbe ihren früheren Titel „Provinzial-Aktienbank des Großherzogtums Posen" ablegte und ihren jetzigen annahm. Das Aktienkapital ist nunmehr auf fünfunddreißig Millionen Mark gestiegen. Die Beamtenzahl, die damals etwa zehn betrug, beträgt jetzt über 1000. Alts der einen Arbeitsstelle der Bank in der Friedrichstraße 8 sind mit Depositenkassen und Agenturen ltngefähr 70 geworden. Diese Vermehrung ist besonders auch darauf zurückzuführen, daß sie im Herbst des Jahres 1898 die Firma Hermann Saul in Posen und im Jahre 1905 die Ostdeutsche Bank Aktien-Gesellschast vorm. Simon Witwe und Söhne übernahm. — Rechtsanwalt und Notar Dr. Wolfs in Lissa, zurzeit Unterzahlmeister im Westen und Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, ist zum Justizrat ernattnt worden. —- In Neustadt (Oberschtesien) verschied Herr Louis Löwe. Er war seit einer langen Reihe von Jahren Repräsentant und vom Jahre 1892 bis 1912 Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde. — Alts Beuthen (Oberschl.) wird uns geschrieben: Stud. ing. Ernst G r ü n w a l d, Sohn des Vorstandsmitglieds unserer Synagogengemeinde Herrn Max Grünwald, ist wegen hervorragender Tapferkeit zum Leutnant befördert und gleichzeitig ztnn Eisernen Kreuz erster Klasse eingegeben worden. — Der Ausschuß des Varbandes der Synagogengemeindeu für die Regierttngsbezirke Breslau, Liegnitz hat 'auf Anregung der letzten Hauptversammlung beschlossen, der Frage der Verbesserung der Gehakter für die Beamten in den kleinen Gemeinden näherzu treten und sich zur Erreichung dieses Zweckes an die großen Gemeinden der Bezirke zu wenden. Die Shnagogengemeinde Breslau, an welche der Ausschuß in erster Reihe herangetreten isthat demselben für diesen Zweck eine einmalige Beihilfe von 2000 Mark bewilligt. — Von der Synagogengemeinde Breslau wurde der dortigen Krankenverpslegungsanstalt für ihre Lazarettabteilung wiederum eine, außerordentliche Kriegsbeihilfe bewilligt für die Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1918 in Höhe von 7000 Mark monatlich, insgesamt 63 000 Mark. — Geheimer Justizrat Friedmann, Rechtsanwalt trnd Stadtverordnetenvorsteher in Glogau, erhielt das Verdienstkreuz für Kriegshilse. — Am 1. b. M. beging Herr Kantor und Lehrer Groß mann in Görlitz sein 25jähriges Amtsjubilänm. Neben ausgezeichneter kantoraler und musikalischer Befähigung ist er ein bedeutender Kenner des rabbinifchen Schrifttums. Er steht int 74. Lebensjahr und ist 48 Jahre im Amte. — Herr Max Bachen - h e i m e r in Frankfurt a. M., Inhaber der Roten-Kreuz-Medaille ttnd der Oesterreichischen Ehrenmedaille für Verdienste um das Rote Kreuz, erhielt das Verdienstkreuz für Kriegshilfe. — Der Schuhmachermeister Simon Dav id in Frankfurt a.M., Börnestraße 50, feierte am 1. Juli sein 50jähriges Handwerkerjubiläum. — Baron Moritz L. Herzvg hat für die Errichtung eines Kriegswaisenhauses in Budapest, in dem 100 bis 150 Waisemnädchen Ausnahme finden sollen, eine Million Kronen gespendet. Die neue, keinen konfessionellen Charakter tragende Anstalt wird von der Landes-Kinderschtchliga geleitet werden. — Der vor einigen Wochen in Budapest verstorbene Hosrat Heinrich Körösi hat der Pester israelitischen Religionsgemeinde 250 000 Kronen für einen beliebigen kulturellen Zweck hinter lassen. Tie Gemeinde beabsichtigt, diese Stiftung int Einvernehmen mit den Erben für ihre Unterrichtszwecke 31t verwenden. - Beim Instituto rabbinico in Livorno besteht ein Gytnnasium, an welchem Hebräisch und jüdisck)e Geschichte unterrichtet werden. Das Gymnasium war bisher nur für künftige Rabbinatskandidaten zugänglich; diese Beschränkung ist nnnutehr fallen gelassen worden, so daß nunmehr in Italien ein jüdisches Gymnasium existiert. — Die griechische Regierung hat .beschlossen, die Bestimmungen gegen die feindlichen Untertanen nicht aus die türkischen Juden in Saloniki anznwenden. Die Versicherungsgesellschaften werden ihnen die Beträge ausfolgen, die sie mit Rücksicht auf den großen Brand fordern, mtd die Beschlagnahme ihrer Immobilien wird ausgehoben. — Wie wir russischen Blättern entnehmen, hat der „Verein zur Unterstützung heimkehrender jüdischer Soldaten" in der Nähe von Petersburg eine jüdische Farm gegründet, in welcher jüdische Kbieger sich der Lauduud Gartenwirtschaft widmen werden. — Die 4000 von der Gemeindeverwaltung Warschau aus verschiedenen Gründen gestrichenen Wähleranmeldungen werden alle einer neuen Prüfung unterzogen. Tie Inhaber von nicht anerkannten Rabbinatsautorisgtjonen wurden atlfgefordert, ihre Legitimationen bis zum 18. Juni.nep einzureichen. —- Der Oberbefehlshaber Ost hat folgendes angeorpyet: „Bei frei* Beschäftigung von Landeseinwohnern ist auf die religiösen Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen, soweit die militärischen Interessen es irgendwo gestatten. Dies gilt hinsichtlich des Sabbats bei den jüdischen Arbeitern, besonders da, wo sie in geschlossenen jüdischen Trupps arbeiten." — Das Exekutiv-Komitee des Jüdischen Kongresses in Amerika erhielt einen Appell des Jüdischen HiHkomite.es in Saloniki, in dem die Not der jüdischen Bevölkerung dsx Stadt dargelegt wird. Die Gelder, die bis jetzt ankamen, seien äußerst spärlich gewesen. An der Spitze des Hilfskomitees in Saloniki steht Herr- Josef Misrachi, an den Unterstützungsgelder zu senden sind'. — Wie die „Köln. Ztg." erfährt, haben 100 000 in den Vereinigten Staaten von Amerika lebende Russen eine Eingabe an die amerikanische Regierung gerichtet, in!der sie um die Erlaubnis zur Rückkehr nach Rußland bitten, um dort beim Wiederaufbau des Landes Mitwirken zu können. Diese Bitte ist von der amerikanischen Regierung abgeschlagen worden mit der Begründung, daß die Gesuchssteller erst ihren militärischen Verpflichtungen Nachkommen müßten. Es wird berichtet, daß eine zwangsweise Einziehung in die amerikanische Armee in allernächster Zeit in Frage komme. Eine große Anzahl russischer Juden ist nach Kanada geflohen, um so einer zwangsweisen Einziehung in die amerikanische Armee zu entgehen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Vdrantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moste.

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