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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-12 · Heft 28 (12.7.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 28 (12.7.1918)
Date
1918-07-12
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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artig, innen aber nach den; Vorbilds der ostjüdischen Gotteshäuser reich bemalt wurden. Diese farbenprächtigen Jnuenränme sind nun von dem Direktor des Düsseldorfer Kunstgewerbemuseums; Frauberger, im Aufträge der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler ausgenommen worden. Bechhoven, das vollkommenste Beispiel, ist im Gegensatz zu den übrigen noch als Gotteshaus benutzt: die anderen Bauwerke sind dem Untergang geweiht. In Würdigung,des ^lnsthistorischen Wertes dieser Innenräume wurde jedoch Kirchheim vom bayerischen, Staat erworben und dem Lnitpold- Museum zu Würzburg eingereiht. Bon Bechhoven und Horb ist auch der Name des Baumeisters und Malers erhalten. Es war Elieser, der Dohr; des Salomo Sußmann, der die Bauwerke streng, nach dem Muster polnischer Vorbilder errichtete. Bezeichnenderweise sind, aber beim Außenbau bereits starke Antiäuge an die deutsche Umgebung festzustellen. — München, 5. Juli. Der 'S t u dien- und A rbeitsb e f ö r d e r u n g s v e r e i n f ü r I s r a c l i L e n in Bayern, E. B. mit dem Sitze in Ntünchen, verteilt an Israeliten, welche ein Handwerk oder die Landwirtschaft in Bayern erlernen, Ermunterungs-Preise (Satzung 8 l), "ferner an Atünchener oder auswärtige Israeliten, welche die Baügewerkschule, Technische .Hochschule, Akademie der bildenden Künste, Akademie der Tonkunst, der Universität oder sonstige höhere Lehranstalten in München besuchen, in Ausnahmefäüen auch an. solche Israeliten, lvelche in München Aiittelschulen oder in Bayern- Lehrerbildungsanstalten besuchen, Stipen.dien (8 2). Die Bewerber haben den Nachweis darüber, daß sie bei einem Handwerker oder einen; Qekonom in die Lehre, in einer landnurtschaftlichen Schule als Zögling bereits eingetreter; sind oder daß ihnen die demnächst bevorstehende Aufnahme zugesagt ist, sowie über guten Leumund und Mittellosigkeit zu erbringen. Für die Bewerber nach 8 2 ist der Nachweis erforderlich, daß sie in eine der obenbezeich-neten höheren Lehranstalten bereits eingetreten sind. Zeugnisse über bisherige Erfolge, Leumund und Mittellosigkeit. — Kisfingen 5. Juli. Die I s r a e {i 11 s ch e Kind e r h e i l - st ä t t e in B a dK i s s i n ge n teilt in ihrem Jahresbericht für das Jahr 1917 u. a. mit, daß im Laufe des verflossenen Betriebsjahres 200 Kinder aus allen Teilen Deutschlands (109 Knaben, 91 Mädchen), darunter in erster Lime wiederum eine große Anzahl von Kriegertindern, auch solche anderer Konfessionen, zumeist unentgeltliche Aufnahme in der Anstalt fanden. Weiter teilt der Bericht mit: „Wir haben es stets als unsere Aufgabe betrachtet, dem sozialen Elend der Heranwachsenden Jugend nach besten Kräften zu steuern. Um nun in ausgiebigerem Maße als bisher in diesem Sinne zu wirten, ist der Gedanke -angeregt worden, im Anschluß an die Kinderheilstätte eine Genesungsstätte für 'dem KindesaUer entwachsene Mädchen, die einer Kur in Bad Kissingen bedürfen, anzugliedern. Insbesondere wird diese Genesungsstätte der großen Schar jener israelitischen Mädchen zugute kommen, die, im Berufe stehend und auf den Erwerb angewiesen, in der Blüte ihres Lebens verkümmern, weil ihnen die Gelegenheit fehlt, ihre durch den Kampf um das Dasein angegriffene Gesundheit zu stärken. Nach Ausbringung der erforderlichen Mittel soll der Anstalt eine Heilstätte für kurbedürstige junge Mädchen, insbesondere solche, die im Berufe stehen, -angegliedert werden." — Offenbach a. M., 5. Juli. Zu den ältesten jüdischen Gemeinden des Kreises Ofsenbach zählen Heusenstamm und Bürgel (Birgeller). Erstere besitzt einen jüdischen Friedhof, welcher zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges eröffnet wurde. Derselbe lag frei nn Walde. Erst in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde eine große Uinfassungs mauer errichtet .und von dem damaligen Kreisrabbiner Dr. Formstech-er eingeweiht. Es schei-nt, daß auch in Heusenstamm^ die Ghettomanern im Ntittelalter n-orh bestanden haben. Da die Juden im Reiche nicht überall geduldet wurden., sahen sie sich nach Schutz um. Es wurden ihnen daher von den Inhabern der Herrschaften besondere Schutzbriese ausgestellt. Dies geschah noch im Jahre 1078 durch den Freiherrn Erwin v. Schönborn. Nach diesen; Schutzbrief erhielten die Juden die Zusicherung, daß sie ungehindert ihre Zeremonielle ausführen konnten. Als Gegenleistung mußte jeder angesessene Jude oder jede Jüdin ein Schirmgeld von 8 Talern abliesern, stiogegen ste dann von jeder Abgabe befreit blieben. Für den Begräbnisplatz, die Synagoge und für eine Martinsgans waren 7 Gulden abznliefern. Zur Erbauung einer Synagoge hatte die Gräfliche Herrschaft 250 Gulden vorgeschossen: dieses Kapital mußte die Juden§emeinde mit 5 Prozent verzinsen und die Zinsei; zu VA Gulden an die herrschaftliche Kellerei einzahlen. Die in Schutz anfgenommenen Juden dursten keinen fremden Inden ohne Wissen der Herrschaft ins Haus nehmen; wenn aber ein durchreisender Jude bleiben wollte, so waren für die. Person je 2 Pfennig für Tag und Nacht zu zahlen; für ein Pferd 4 Pfennig. Die Übertretung dieser Bestimmung wurde mit einer Strafe von 3 Talern geahndet. An; 11. Oktober 1679 wurde zwischen dem Freiherrn v. Schönborn und dem Juden Jodel von Heusenstamm vereinbart, daß die zu Heusenstamm wohnenden Juden anstatt des Botengehens und des Fronen« zur Erntezeit 3 Gulden bezahlen sollen. An Sonn- und anderen Feiertagen war den Juden verboten, während des christlichen Gottesdienstes ihre Wohnungen zu verlassen. Im Jahre 1828 waren noch 89 Israeliten am Platze, von da ab siel die Seelenzahl ans 40. Sämmark. z. Kopenhagen, 5. Juli. Der Londoner „Jenash Expreß" bringt einen ausführlichen Bericht seines Korrespondenten in Jerusalem, dem wir folgendes entnehmen: „Tie Stimmung in Jerusalem ist.zurzeit durchaus hossnungssreudig und gehoben. Dagegen ist die materielle Lage außerordentlich schlecht, und sie verschlechtert sich von Tag zu Tag. Die Teuerung wird immer schlimmer. Ein Laib Brot kostet vier Schilling und ist dabei schwer zu Monuncn. Fleisch fehlt fast ganz. Für ein Ei wird ein Schilling gezahlt, ein Liter Milch kostet ebenfalls einen Schilling. Derartige Preise können von der ärmerer; jüdischen Bevölkerung natürlich nicht gezahlt werden. Es gibt daher erschreckend viele Notleidende in Jerusalem, arid die Zahl der Hungerkranken und Todesfälle wird vor; Tag zu Tag größer. Jüdische Hospitäler gibt es zurzeit nur zwei, das Hospital „Bitknr Cholin" rrnd „Schaare Zodeke". Das Rothschild-Hospital ist von der engkischer; Ncilitärbehörde in Anspruch genommen, und das Krankenhaus „Misgab Ladach" kar;r; nicht benutzt werden, da die Türken bei ihrem Abzrrg aus Jerusalem alle Medikamente, Instrumente rrrrd sonstigen Einrichtungsgegenstände mitgenommen hatten. Zurzeit ist ruan mit der Neueinrichtung dieses Hospitals beschäftigt. Das türkische Papiergeld wird von den Engländern nicht in Zahlung genommen. Auch sonst ist es völlig entwertet, so daß man für 13 türkische Pfund r;nr 1 Pfund Sterling, erhält; in vielen Geschäften wird es überhaupt rricht angenommen. Tie Behörden beabsichtigen, Maximalpreise für sämtliche Lebensmittel einzusühren, doch ist es sehr zweisethast, ob das eine Wirkung auf die arabischen Kausleute ausüben wird, die vielmehr, wie man befürchtet, ihre Waren dann nicht auf den Marti bringen werden. Inzwischen beschuldigen die Araber und «die Christen die jüdische;; Händler, daß sie die Preise in die Höhe schrauben, doch ist es in Jerusalem allgemein bekannt, daß diese Beschuldigung ungerechtfertigt ist, und daß eben die arabischen Besitzer enorme Preise von den jüdischen Händlern -selbst.verlangen. Es sind Bestrebungen in; Gange, die Jerusalemer Judenheit 5.1t vereinigen, doch sind die Vorarbeiten bisher nicht weit gediehen, da die alten Gegensätze zwischen den einzelnen Abtei lnngeu der Gemeinde noch immer störend im Wege stehen. Nach dem Tode des Bürgermeisters von Jerusalem, eines Mohammedaners, ist ein Christ an seiner Stelle zun; Bürgermeister ernannt worden, ums bei der jüdischen Bevölkerung eine -gewisse Erregung hervorgerufen hat, da sie als die numerisch stärkste aus die Besetzung dieses Postens- Anspruch erhoben hatte. Gesterrrich-Ängsm» z. Budapest, 5. Juli. An; 24. v. M. fand die 1. Generalversammlung des Vereins ungarischer Inden statt, in der Reichstagsadg. Dr. Paul Farkas einen bemerkenswerten Vortrag über die Frage des Glaubenswechsels hielt: Die Mauern des Ghettos sind wohl gefallen, aber das Ghetto der Seelen besteht noch weiter, narnentlich bei jenen, die von dem einzigen Wunsch beseelt sind, ihre ehemalige Zugehörigkeit zun; Ghetto z;; verleugnen. Die ungarische nationale Entwicklung erfordert keineswegs/daß die Inden zu einen; anderen Glauben übertreten. Jene Staatsbürger, die von heute ans nwrgen aus Bequemlichkeitsgründen ihre Religion ändern, können unmöglich sichere Stützen der nationalen Entwicklung sein. Diese können an; anderen Tage mit derselben Leichtigkeit die Elation verleugnen, der sie angehören. In Ungarn hak die Religion noch keinen Menschen daran verhindert,

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