Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1918)
- Date
- 1918-07-12
- Page
- Seite 331 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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331 Albert Katz ist am 17. Juli 1858 in Lodz geboren, verlebte seine Jugend in Lublin und Lodz,, erlangte eine tüchtige talmu'distische Bildung, mußte aber auch jahrelang in dem väterlichen-Geschäfte ^ätig sein. Er verheiratete sich als Einundzwanzigjähriger und übersiedelte infolge der_ in Südrußland ausgebrochenen, gegen die Juden gerichteten Unruhen im Jahre 1881 nach Berlin. Dort studierte er an der Hochschule, privatim bei Steinschneider, mußte materieller Not wegen seine Studien" unterbrechen, war von 1883 bis 1886 Lehrer und Prediger in Fürstenwalde, 1886 bis 1887 Prediger und Lehrer einer Privatgemeinde in Berlin 8. Schon seit seiner frühen Jugend versuchte er sich schriftstellerisch, schrieb zahlreiche Aufsätze in hebräischen, aber auch frühzeitig in deutschen Blättern. Daneben gab er eine Reihe von Schriften heraus, die sich teilweise eines großen Anklanges erfreuten und in mehreren Auslagen verbreitet wurden. Die beliebteste darunter ist „Der wahre Talmudjude" 1893, von der drei Auslagen erschienen sind. Seine übrigen literarischen Arbeiten beziehen sich auf jüdische Geschichte und Literatur, beleuchten den Chassidismus und geben Aufklärung über die Geschichte der Juden im Kaukasus und in China; andere sind der schönen Literatur gewidmet, hauptsächlich der Bearbeitung fremder Stoffe. Daneben entfaltete Katz eine große Tätigkeit durch kleine und größere Beiträge, die er in politischen Tageszeitungen veröffentlichte. Unserer Zeitung ist er seit lange ein feste Stütze. Er war ihr Mitarbeiter schon unter Ludwig Philippsohns Leitung, ein eifriger Helfer für Gustav Karpeles, solange dieser an der Spitze des Blattes stand, und ist mir ein unermüdlicher Ratgeber, ein treuer Mitarbeiter gewesen, der für alles und jedes das lebhafteste Interesse zeigte und mich in jeder Beziehung imterftü|te, mir gar manche Arbeit abzunehmen wußte. Dem wackeren, vielfach tätigen Manne, der auch als Generalsekretär des Verbandes der Literaturvereine, als Herausgeber des „Jahrbuchs", als Vortragender in Berlin und auswärts eine ersprießliche, allgemein anerkannte Tätigkeit entwickelt hat, der unter manchen schweren Schicksalen Arbeitsfreirdigkeit und Forscherlust nicht eingebüßt hat, wünsche ich einen gesegneten Lebensabend. Ich kann nicht unterlassen, ihm auch an dieser Stelle meinen herzlichen Dank abzustatten für die Treue, die er mir 'seit fast einem Jahrzehnt bewährt hat, und den Wunsch auszusprechen, daß uns eine gemeinsame Tätigkeit noch lange verbinden möge. Tagung des Meltpreutzjlchen Ksbbiner-Vrrbsndes. nt 23. Mai hielt der Westpreußische Rabbiner-Berband seine erste diesjährige Hauptversammlung in Marienburg ab, die vornehmlich Unterrichts- und Religionsschulfragen gewidmet war. Zunächst mußten allerdings einige geschäftliche Angelegenheiten erledigt werden. Nachdent der Vorsitzende, Dr. R o s e n b e r g (Thorn), in ehrenden Worten des verstorbenen Geheimrates Hermann Cohen gedacht und mehrerer besonderer Ereignisse int Lebert der Kollegen Erwähnung getan, gab er den Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes seit der letzten Tagung am 21. November 1917. Ans diesem Bericht dürften zwei Punkte auch für Außenstehende ein gewisses Interesse ha beit. —- Bei der Reklamation einer westpreußischen Gemeinde wegen ihres zurrt Heeresdienst eingezogenen Rabbiners hat sich die betreffende Militärbehörde mr den Rabbi ner-Verband gewandt und ihn um eine gutachtliche Aenßernng ersucht. Dem diesbezüglichen Votum des Rabbiner-Verbandes ist denn auch bereitwillig entsprochen worden. — Einem Beschlüsse der letztert Hauptversammlung gemäß ist der Vorstand an dort Ausschuß des Verbandes Westpreußischer Synagogen-Genteinden mit dem Ersuchen herangetreten, den i-hrn angeschlosjeiten Nabbinergenteinden zu ernpsehlert, ihrem Rabbiner Sitz ttnd Stimme im Vorstand etuzurämnm. Der Vorstand legte hierbei den Gedanken dar, daß der Krieg innerhalb der Judenheit erneut das Streben habe hervortreten lassen, dem Judentum'auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens volle Gleichberechtigung mit den anderen Religionsbekenntnissen ztt erwirken. Dieses Streben, könne aber nur dantt den erwünschten Erfolg Zeitigen, wenn wir selbst die Einricht.itngen unseres religiösen Leberts so gestalten, daß sie bei aller Wahrung unserer berechtigten Eigenart denen der anderer! Bekenntnisse entsprechen. In schreiendem Gegensatz zu der seinem Amte gemäßen, würdigen Stellung des christlichen Geistlichen stehe dttrch das Gesetz vort 1847 die des Rabbiners, da sie zu völliger Vedeutllngslosigkeit herabgedrückt sei. Dieser Umstand rvirke nicht nur ungünstig auf die inneren Verhältnisse der einzelnen Gemeinden, sondern auch nachteilig und verwirrend auf die Beurteilung u»d Behandlung jüdischer Angelegerchei.ten drtrch die Behörden. Das einfachste Mittel, hier Abhilfe zrr schaffen, fei, den Rabbiner zürn Mitgliede des Vorstandeszu machen. Da jede Genteinde nrttortont über sich beschließen könne, habe sie durch entsprechende Statutenänderung die Möglichkeit, diese Einrichtung zu treffen. Der Ausschuß des Verbandes der Westpreußischen Shnaaogen- Gemeinden habe sich in einer seiner Sitzungert auch mit dem Antrag befaßt, ohve jedoch zu ihm Stellung zu nehmen, weil der Verband der Deutschen Juden die Beratung eirtes neuen Orggnisgtionsgeießes in Aussicht gestellt habe. — Die Versammluna war der Ansicht, dcch mmt trvß der in Aussicht stehertden Neuordnung der indischen Verhältnisse schon heute alles versuchert müsse, um dttrch lokale tntd vrovinzielle Vereirtbarungen die gegenwärtigen mißlichen Zustände zu bessern ttrtd der künftigen Neuordnurtg vorznarbeiten. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen gab Dr. Kgelt er (Danzig) Bericht über den Stand des Religionsunterrichts an den westprenßllchen Neligionsscknlen. Troß der störenden Wirkung des Krieges konnten die Ilnterrichtverattstaltnnaen. die der Verband tv.'r Svnagogen-Gentemdert int Verein mit dem Rabbiner-Verband getroffen, int großen ttnd ganzen ausrechterhaltett bleiben. Der Befnnd des Religionsunterrichts durste in beit meisten Tüllen von den Imvektoren als gilt bezeichnet werden. - Daraus hielt Dr. G o t t s ch a l k (Konißi ein Referat über die Rosen.Äveigsche Schrift: ..Zeit iit's". Dar-ait knüpfte lieb eilt sehr eingehende Besprechung, die sich glich über dett Religiottsnnterricht im allgenteinen verbreitete. Es trat hierbei in völliger llebereinftimmuna aller die Meinung zutage, daß es tlnter ben heute e-bwaltendett Verhältnissen gerade?u mtmöaTtd> lei. die Rosenzw epischen Tiele?li verwirkticheir. weil sowohl ngch der schultechni-schen wie noch der Pädagogischen Seite unüberwindliche Hindernisse vorhanden wären. Dagegen wurde allerseits nnerkanttt. daß der hentiae Netigtott?- nnterricht mannigfache Schwächen answeise die eine Abstellung dr'tna^nd erbeischen. Er sei meiü all?u theoretisch gehalten, traae off nur einetl infornt-atorischen Charakter und führe ztr wenig?it religiö'-er Betätigung it_nb?u lebendiaer Anteilnahme rrm religiösen Gettteindeleben. Während also der Reliatonstntterricbt scheinbar allerorts blühe, veröden die Svuagoaen und das religiöse. Geuteindelebeu immer mehr. Hier sei nttt voller Kraft der Hebel anznseßen, zttmal der Iltdisserentismtls itt Ja nt Ui" imb Hans einen imntor bedrohlicheren Charakter annebme. -. Rückhaltlos ftintnitc turnt Roseitvoeig itt de nt Punkte zu. daß dttrch die Trettntma der eittzelnen Klassen b^ntt Religionsunterricht sich' viel größere Erfolge als bisher erzielen lassett loürden. Die Znsgmmenlegltng dreier Jahrgänge übe einen sehr nachteiligen Einfluß mtf das Gedeihen des Unterrichts ans. Auch würden sich der Verwirklichung dieses Planes keine besonderen Schwierigkeiten entaegettstellen. Zwar käme die Behörde nur für die Bezahlung von 6 bis 8 Stunden ans, doch würde sie nichts dagegen haben, Uu'iut die Svnagvgengemeinden mrf eigene Kosten für jede Klasse den Unterricht gesondert erteilen lassett. ttnb die Mehrkosten tragen. Es handle sich also hier nur darum, daß die Gemeinden die erforderlichen Lehrkräfte zur Verfügung stellen In Großgentetnden lasse sich dies leicht erzielen, aber auch in beit Mittelgemeinden würde nach dieser Richtung manches gebessert werden können. So werden setzt schon am Gymnasium in Thorn 14 Religiottsstundett in der Woche erteilt. Doch wird nur für acht von seiten der Regierung Bezahlung geleistet. Wegen vorgerückter Zeit mußte schließlich die sehr interessante und fr-uchtbringende Besprechung abgebrochen werden. Es wurde aber in Aussicht genommen«, sie bei der Tagung im Herbste weiter zu führen.