Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1918)
- Date
- 1918-07-12
- Page
- Seite 330 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- 830 Landes verweisen und sie erst nach drei bis vier Jahrhunderten wieder zulassen, nachdem die Nation sich äußerlich und innerlich ausgebaut und die Besttzverhältnisse sich -dauernd gefestigt hätten. Nun sind aber die zahlenmäßigen Verhältnisse nicht dieselben. Während im alten, starken, festkristallisierten England ans 400 Menschen ein Jude kommt, zählen sie in Rumänien auf 100 Menschen mindestens 6 Juden. Der absoluten Zähl nach besitzt das verhältnismäßig noch spärlich bevölkerte Rumänien viermal soviel Juden wie vas dichtbevölkerte England, der relativen Zahl nach ungefähr 25mal soviel! Das allein sollte genügen, Bedenken zu geben. Denn man braucht kein blinder Judenhasser zu sein, um aus einer mehrtausendjährigon Geschichte zu erkennen, daß der Jude überall und immer ein zersetzendes Element gewesen ist. Seine guten und seine schlechten Eigenschaften wirken beide dahin, daß er das, was er berührt, entweder zerstört oder sich zum Nachteil des anderen aneignet. Die Juden besitzen viel achtungsvolle Eigenschaften, doch das muß jeder einsichtige und wissende Mann zugeben: sie sind jedes poliitischen Instinktes bar, überhaupt jedes Taktes. Daher durfte jener große, weise, den Juden von Jugend auf freundlich gesinnte Mann — Goethe — die Behauptung aufstellen: „Duldsamkeit gegen die Juden bedroht die bürgerliche Verfassung." („Dichtung und Wahrheit", 13. Buch.)... Wie wollen Sie mm es fertigbringen, das junge, noch nicht mit Ersen gepanzerte Staatsschiff Rumäniens durch alle Gefahren sicher hindurchzusteuern, wenn Sie 25mal mehr Juden an Bord haben als England? . . . Soll ich aus allem Gesagten noch die Folgerungen ziehen? Nein, nicht wahr? Es ist nicht nötig. Nieder mit allen Judenverfolgungen! Nieder mit allem absurden, mittelalterlichen Aberglauben! Nieder mit aller sozialen Geringschätzung und persönlichem Haß! Gewähren Sie den Juden denselben unverletzlichen Schutz, wie Sie ihn allen Fremden gewähren; räumen Sie ihnen außerdem, als alten Insassen des Landes, weitergehende Vorrechte ein; lassen Sie sie (da Sie es nicht mehr verhindern können) zu dein gelverblichen und industriellen Wettbewerb zu — doch schauen Sie ihnen dabei genau auf die Finger! Aber räumen Sie ihnen kein politisches Recht und kein Recht auf Grundbesitz ein. Es tun, hieße für Rumänien den Selbstmord begehen. Und sorgen Sie dafür, daß die Juden nicht die Herren der öffentlichen Meinung durch die Zeitungen und nicht die Herren der Köpfe und der Herzen durch die Beherrschung des Büchermarktes und der Schule werden. Der frühere Berliner Vertreter der „Times" — ein Jude — veröffentlichte vor eimgeu Jahren ein Buch über Deutschland, in dem er triumphierend meldet: „Es gibt keine deutsche Literatur mehr, sondern nur noch eine jüdische Literatur in deutscher Sprache." Sorgen Sie beizeiten dafür, daß niemals von Rumänien dasselbe gesagt, werden könne. Schutzgesetze wären hier zu wünschen, doch noch wichtiger ist die aktive Abwehr des jüdischen Einflusses durch die bewußte Erkenntnis seiner Gemeingesährlichkeit. Nicht etwa, als ob ich die Motive des Jgden verdächtigen wollte, ich tue es auf geistigem ebensowenig wie mtf gewerblichem Gebiet. Der Jude hat das Recht, so zu sein, wie er ist; die Zähigkeit, mit welcher er au seiner Eigenart festhült, ist bewundernswert und nachahlnungslvürdig; doch für unseren Geist und für unser Gemüt ist sein geistiger Einfluß ein zerfressendes Gift." Ob wirklich da England Wandel schaffen kann und will? Jedenfalls halten wir es für unsere Pflicht, folgende Aeußerungen des Stockholmer Preßbureaus zu registrieren. Englands Stellung zur r u m ä n i s ch e u I u d e n f r a g e. B e g e. i st e r u n g unter den e n g l i s ch ch. Jude u. Der Brief Balfours an Rahum Sokolow, in dem der englische Außenminister, auf die unbefriedigende Lösung der rumänischen Judenfrage in dem Bukarester Vertrag hinweisend, im Namen der englischen Regierung erklärte, daß „sie darauf bedacht ist, alles, ums in ihrer Macht steht, zu tun, um eine gerechte und dauernde Regelung der jüdischen Frage in jenem Lande zu sichern", hat unter den englischen Juden großen Enthusiasmus ausgelöst. Diese Erklärung wird als ein bündiges Versprechen Englands aufgefaßt, bei den Friedensverhandlungen sich um die volle Emanzipation der gesamten jüdischen Bevölkerung Rumäniens zu bemühen. S o k o l o w s A n t w o r t. Reuter meldet: . Balfours Erklärung beantwortete Nahum Sokolow als Vertreter des Londoner Bureaus der Zionistischen Organisation Englands mit folgendem Brief: „Ich habe Ihren Brief vom 15.. ds. erhalten, in dem Sie der Zionistischen Organisation versichern, daß die Regierung Seiner Majestät sehr gern alles, was in ihrer Macht liegt, tun werde, um eine gerechte und dauernde Regelung -der rumänischen Judensrage zu sichern. Ich. begrüße Ihren Brief als einen weiteren Beweis der aufrichtigen Freundschaft, die dieses große Land für unser Volt hegt: eine Freundschaft, die in Ihrem Briefe an Lord Rothschild vom 2. November 1917 so trefflich bekundet worden ist. Der Widerhall dieses Briefes kannnoch in jedem Lande vernommen werden, wo Juden leben, und ich bin sicher, daß die neueste Kundgebung der Regierung Seiner Majestät mit demselben Enthusiasmus und derselben hohen Wertschätzung begrüßt werden wird. Das jüdische Volk ist jetzt in einem Gefühle -der Dankbarkeit für die Negierung Seiner Majestät vereinigt, und es sehnt den Tag herbei, wo der Triumph der Sache der Alliierten die Verwirklichungseines langersehnten Zieles: der Errichtung eines nationalen Heimes in Palästina, möglich machen wird. Es vertraut ebenso, daß, wenn der Moment für die Sicherstellung der Befreiung der Juden irr den Ländern, wo sie noch nicht die volle Emanzipation genießen, konunt, es mtf die guten Dienste der Regierung Seiner Majestät baueil kann." Oj Auch anderseits herrscht Elend genug. Dafür mag der folgende Brief des Haager Korrespondenzbureaus sprechen: Die jüdischen Flüchtlinge in A l e x a n d r i e n. Wie man sich erinnert, sind beirn Ausbruch des Krieges zwischen der Türkei und der Entente Zehntausende palästinensischer Juden, die sich nicht ott-vlnanisieren lassen wollten, nach Aegypten gegangen. Die meisten hatten, in der Hoffnung, bald nach ihrer Heimat zurück kehren zu können, ihre Zelte in Kairo und Alexandrien aufgeschlagen. Die Palästinäkommission betrachtet als eine ihrer Hauptaufgaben, diese Flüchtlinge wieder' nach. Hause zu befördern. Bon den 5000 Flüchtlingen, die sich in Alexandrien aufhalten, leben 1500 in zwei Baracken, in „Shoma", einem Warenhause am Hafen, und „Gabbari", einer früheren Quarantäne. Die anderen haben Arbeit gesunden und brauchen die Hilfe der Regierung nicht an zurufen. Auch nicht alle Flüchtlinge in den Baracken sind arbeitslos. Viele von ihnen gehen täglich in die Stadt arbeiten. Die Knaben lernen zimmern und liefern Liegestühle und Tische für das Rote Kreuz. In dieser Weise werden sie auch für ihr späteres Leben vorbereitet. Das Leben ist, so weit es nur möglich ist, in häuslicher Art eingerichtet. Jedes Lager hat eine Synagoge, eine Schule und eine Badeanstalt. In „Gabbari" gibt es ein Spital für Kinder, eine Musteraustatt dieser Art. Die hygienischen Einrichtungen sind ausgezeichnet. Im Lager herrscht große Reinlichkeit. Im Lager findet man jüdische Typen aus allen Weltteilen: bucharische Inden, kaukasische, jemenitische, marokkanische, 'osteuropäische nslw. Tie Schulen, die von der Anglo-Jewish Association erhalten werden, werden von 600 Knaben und Mädchen besucht. Die Unterrichtsprache ist Hebräisch. Alle leben in der Hoffnung, bald nach Palästina zurückzukehren. Ein sehr großer Teil ist bereits in die Heimat zurückgekehrt. * So umflort sich der Blick, mag er sich auf Deutschland richten, mag er sich. gegen Westen, Süden oder Osten richten. Ueberall lauern Gefahren, allerorten herrschen schwierige, bedenkliche Zustände. Da gilt es, den Mut nicht zu verlieren, da heißt es, sich an des Dichters Wort zu erinnern, daß des tüchtigen Mannes Wesen Beharrlichkeit sei. Auch in den Trauertagen, deren Erinnerung wir demnächst begehen, soll Verzweiflung sich nicht unser bemächtigen. Vielmehr soll uns die Freude kräftigen über das, was wir besaßen und besitzen; der mutige Ausblick in die Zukunft soll uns über manches Ungewisse, ja Trostlose der Gegenwart erheben. * Ich schließe diese Wochenübersicht mit einem herzlichen „Glückauf!" für einen wackeren Mitarbeiter dieses Blattes. Der Leiter des „Gemeindeboten", der auch dem Haupiblatte häufig seine gern gelesenen Beiträge zuwendet, Herr AlbertKaß, feiert am 17. Juli seinen 60. Geburtstag. Zu diesem sei ihm der herzlichste Glückwunsch gesandt.