Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1918)
- Date
- 1918-07-05
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Israelische Krankenhaus übernahm. wiederum, die Pflege von 16 armen Mischen Kranken mit 286 Verpflegungstagen. Der Verein leistete demselben wie alljährlich einen Beitrag von 2000 Mark. An andere Krankenhäuser sowie als Zuschuß zu den Verpflegungskosten im Mtersversorgungshause wurden 1740,17 Mark gezahlt; für Milchverpflegung 278,59 Mark und weitere 150 Mark an den Verein ehemaliger Religionsschülerinnen für gleiche Zwecke; dem Verein für Kriegsverstümmelte wurden 30 Mark überwiesen. Zu Bade- bzw. Erholungsreisen hat der Verein gemeiirschaftlich mit dern Israelitischen Frauenverein 12 Personen, entsandt und seinerseits einen Zuschuß von 1405 Mark gewährt, zu welchem auch die Erträgnisse der Jacob-Berliner-Stiftung für Herz- bzw. Lungenkranke sowie!der Hugo Meherschen Stiftung für Kranke und Rekonvaleszenten verwendet sind. Der Verein zählte am 31. Dezember 525 Mitglieder und 137 beitragende Frauen. Durch Neuaufnahmen im laufenden Geschäftsjahre hat der Mitgliederbestand sich wieder um 12 Personen vermehrt. Im Jahre 1917 wurden auf unserem Friedhofe beerdigt .76 Männer, 43 Frauen, 4 Knaben., 4 Mädchen, im ganzen 127 Personen. Auf Kosten des Vereins wurden 13 Leichen bestattet, nach außerhalb übergeführt wurden 4 Leichen. Die Einnahmen der Hirsch- Oppenhei mer-Stiftung betrugen 1626 Mark, die Ausgaben 457,60 Mark, so daß sich das Vermögen heute auf 23 574,81 Mark beläuft. Der Vorstand ersucht die Vereinsmitglieder, ihm für das demnächst von ihm zu errichtende Kriegerdenkmal die Namen der Gefallenen, den militärischen Rang sowie den Tag ihres Todes mitzuteilen, da beabsichtigt ist, solche Todestage seitens des Vereins als Jahrzeitstage zu halten. — In der am 11. d. M. abgehaltenen Versammlung wurde der Rechenschaftsbericht genehmigt und dann die Wahlen vorgenommen. — Stuttgart, 28. Juni. Auf. dem Pragsriedhof wurde hier der israelitische Oberkirchenvorsteher Herr Siegfried Kahn beerdigt. Eine große Zähl Leidtragender erwies dem. Dahingeschiedenen die letzte Ehre. Besonders zahlreich war die israelitische Kirchengemeinde von Stuttgart . vertreten; auch. auswärtige. Gemeinden batten Vertreter entsandt. Die Trauerrede hielt Oberkirchenrat Dr. Kroner, der die edlen Charakterzüae des Verstorbenen rühmend hervorhob und ihn als eine Persönlichkeit schilderte, deren Hingang alle,.die ihn kannten oder ihm nahestanden, schmerzlich empfinden. Im Namen der Oberkirchenbehörde widmete Präsident Tr. v. Balz dem Verstorbenen unter Niederlegung eines Kranzes einen ehrenvollen Nachruf. Für das israelitische Kirckenvorsteberamt sowie für die hiesige israelitische Gemeinde und den israelitischen Lehrerverein sprach Beziriksrabbiner Stöffel. Weitere Nachrufe wurden gewidmet für die Stuttgart-Loge, der der Verstorbene angehört bat. von Herrn Hugo Kahn, für die Religionsgesellschaft von Herrn Lehrer We ch sle r , für die Heirnatgemeinde Bai singen von Herrn Rabbiner Dr. Schweizer (Horbs sowie für den hiesigen israelitischen Speiseverein von Herrn Max Wolf. Die ernste Feier war von Gesangsvorträgen des Shnagogenchors umrahmt. er. Stratzburg i. Elf., 28. Juni. Das Reglernngsj u b i l ä um de s Kaisers gab dem Israelitischen Konsistorium des .Unterelsaß Gelegenheit zu einer bedeutsamen patriotischen Kundgebung. Die.Rabbiner und Synagogenvorsteher sind durch Rundschreiben angewiesen worden, beim Hauptgottesdienst an dem dem Jubiläum folgenden Sabbat des 30jährigen Jubiläums des Kaisers zu gedenken, indem in das deutsche Kriegergebet bei der Fürbitte für den Kaiser folgende Sätze eingefügt waren: „Drei Jahrzehnte sind verflossen, seitdem der Tod seines edlen, unvergeßlichen Vaters ihn auf den Herrscherthron berief. Darum blickt er zu dir auf in diesen Tagen mit dem Gefühl ehrfürchtigen Dankes, daß du ihn gnädigst beschirmt hast während dieser ganzen Zeit und ihm die Kraft gabst, in stetem Vertrauen auf deinen Beistand seines schweren verantwortungsvollen Amtes zum Segen des Vaterlandes zu walten. Mit bewegtem Herzen nehmen wir deutschen Juden Anteil an dem Regierungsjubiläum unseres erhabenen Landesherrn und beten aus Herzenstiefen: Spende du, o Vater in den Höhen, unserem verehrten Kaiser auch in Zukunft die Fülle deines Heils, lasse ihn die baldige endgültige Sicherstellung des Vaterlandes vor feindlicher Anmaßung.erleben und gewähre ihm das Glück, noch viele ungezählte Jahre Mehrer des Reiches zu heißen auf den Wegen des Friedens und des Fortschrittes, der Wohlfahrt und der Gesittung." 3 - Grsterrrich-Anssrn» er. Wien, 28. Juni. Hiier ist nach kurzer Krankheit der Kültusvtvrsteher Emanuel Grün w ald gestorben. Der Verblichene, der fett Vereinigung -der Floridsdorfer Gemeinde mit der Wiener Kultusgemeinde als Vertreter der ersteren dem Kultusvorstande anqehörte, MM zu den meistbeschästigten und arbeitsfreudigsten Mitgliedern der Körperschaft. Mit unermüdlichem Eifer betätigte er sich im Friedhofamte, in der Armenanstalt und in anderen Zweigen der Gemeindeverwaltung, und überall wurde sein kluges, auf reiche Lebenserfahrungen gestütztes Urteil geschätzt und gewürdigt. Große Verdienste hat er sich auch um die Mazzothversorgung erworben, die in den beiden letzten Kriegsjahren auf fast unüberwindlich scheinende Schwierigkeiten gestoßen war und nur durch seine seltene Tatkraft und Fachkenntnis bewältigt werden konnte. Der Heimgang dieses tüchtigen, herzensguten, von echt jüdischem Geiste beseelten Mannes bedeutet einen schweren Verlust für die jüdische Gemeinde, insbesondere für den Floridsdorfer Bezirk, wo er in Schule und Gotteshaus Unvergängliches geschaffen und an der Seite seiner ihm gleichgesinnten Gattin Henriette, der gegenwärtigen Präsidentin des Floridsdorfer Frauenvereins, eine reiche Fürsorgetätigkeit für die Armen und Notleidenden entfaltete. Die ungewöhnlich große Beteiligung am Leichenbegängnisse zeugte für die große Beliebtheit des Heimgegangenen in den wettesten Kreisen; ein endloser Zug von Trauergästen bewegte sich vom Trauerhause zum Floridsdorfer Friedhofe. Dort angelangt, exekutierte Kantor M a r g u l i e s, assistiert vom Chore, die Trauergesänge, worauf Rabbiner Dr. R o s e n m a n n die Grabrede hielt und in großen Zügen das reiche Wirken und Schaffen des Verblichenen schilderte. Tiefbewegt waren' die Abschiedsworte des Präsidenten der Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, und nach ihm sprach Medizinalrat Dr. S a m u e l y namens der „Eintracht" und der „Heimstätte für verlassene Kinder", deren Zöglinge zum Schluß rin ergreifendes Abschieds!ied sangen. z. Budapest, 28. Juni. Der.unter dom Präsidiums, des Barons Dr. Adolf K oh ner stehende Israelitische Handwerks¬ und A ck e r b a u v e rein gibt jetzt seinen Jahresbericht für 1917 heraus, der einen guten Ueberblick über die segensreiche Tätigkeit des Vereins gestattet. Dieser bat im verflossenen Jahre seiner Bestimmung, aus bedürftigen israelitischen Kindern tüchtige, gutgeschulte, arbeitsame Handwerker und Landwirte zu erzielen, in erhöhtem Maße entsprochen; insbesondere erstreckte sich seine Fürsorge auch auf die Kriegswaisen. Die Schützlinge wurden teils als Lehrlinge bei Handwerkern oder in gewerblichen Fachschulen, .teils als Landwirtschaftszöglinge in der eigenen Gärtnerschule des Vereins und in staatlichen Ackerbau schulen untergebracht. Es haben sich im Laufe des vergangenen Jahres manche gewesene Schützlinge trotz der enormen Schwierigkeiten selbständig gemacht. Die rege Tätigkeit des Vereins beleuchten folgende Daten: Im Jahre 1917 betrug die Zahl der unter dem Schlitze des Vereins stehenden Gewerbelehrlinge 192 (gegen 176 im Jahre 1916), der Stipendisten in den gewerblichen Fachschulen 31 (26), darunter drei weiblichen Geschlechtes, der Zöglinge der Gärtnerausbildungsanlage 33 (30), der Ackerballschüler 17 (14). Es wäre erwünscht gewesen, alle Gewerbelehrlinge im eigenen Heiln des Vereins unterbringen zu können, um «ihnen -ausreichende und nahrhafte Verköstigung zuteil werden zu lassen. Leider mußte wegen Raummangels eine Anzahl Zöglinge bei ihren Meistern «in ganze Verpflegung gegeben werden. Die unter der Leitung des Vizepräsidenten Heinrich Beer stehende Gärtnerschule leistete Vorzügliches sowohl dank der Erweiterung der Anlage und Steigerung der Produktionals auch durch die Ausbildung zuverlässiger Gärtner. Mit den Vodenerzeugnissen des «im ganzen 55 Joch großen Anbaugebietes wurden die hauptsächlichsten Krankenhäuser und. Institute für Volksernährung beliefert. Blumen und Luxuspflanzen aus neuangelegten Treibhäusern dienten zur Deckung des lokalen Bedarfes und zum Ersatz der ausländischen Ware. Im ganzen beträgt die Produktionseinnahme der Gärtnerschule im Jahre 1917 mehr als das Doppelte des vorhergehenden Jahres. Für die geistige Erziehung der Schützlinge wurde ausreichend Sorge getragen. In boiden Instituten arbeiteten Selbstbildungsvereine, die sowohl Facha'ls auch schöne Literatur pflegen, Festlichkeiten, Theater au fführungen l^ranstalten, usw. Herr Regimentsarzt Ernst Deutsch hielt einen Vortrag über Gesundheitspflege, das Damenkomitee trug durch