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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-05 · Heft 27 (5.7.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 27 (5.7.1918)
Date
1918-07-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Veranstaltung von Chanuka- und Sederfeiern zur religiösen Erziehung der Knaben bei. Trotz d-er großen Einnahme von insgesamt 289 434,78 Kronen wurde das Jahr infolge der Gehaltserhöhung des Lehrpersonals, Steigerung der Preise für Lebensmittel und Bekleidungsgegenstände usw. mit einem Defizit von 1664,19 Kronen geschlossen. Das Neinvermögen des Vereins stieg dank der vielen großen Stiftungen von 392980,81 Kronen in 1916 auf 942 414,33 Kronen in 1917. Zur Feier des 75jährigen Bestandes des Vereins wurde am 6. Mai 1917 ein Konzert veranstaltet, dessen materieller sonne moralischer Erfolg alle Erwartungen übertraf. Sobald der Friede geschlossen ist, soll eine großzügige auf das ganze Land sich erstreckende Propaganda ein ge lobtet werden zur Schaffung einer Kulturzentrale für die nunmehr nach Tausenden zählenden gewesenen Zöglinge zu deren Fortbildung, religiöser Festigung und zur Darbietung edler Zerstreuungen. Ferner sollen große mit allen Erfordernissen der Hvg'ene ausgestattete Gewerbe- und Gärtnerlehrlingsbeime errichtet und auch Mädchen für den Gärtnerberuf herangebildet werden. Zum Schluffe appelliert der Bericht an die Opferfreudiakeit der ganzen jüdischen Gesellschaft. Oolm. z. Warschau, 28. Juni. Die Gesellschaft der Freunde sozialer Arbeit unter den Juden in Polen hat begonnen, statistische Materialien über d'e polnischen Juden zu sammeln. Sie will dieses Material künftigen Organen der jüdischen Verwaltung (Obersten Rat) als Grundlage für ihre Arbeiten zur Verfügung stellen. Vor der eben begonnenen Reorganisation der jüdischen Gemeinden fehlte derartiges Material, da es keine Zentralstelle für die Juden gab, sondern jede, auch die kleinste Gemeinde unabhängig, und selbständig bestand. Die statistische Kommission der Gesellschaft hat sich zunächst mit dem Gemeindewesen beschäftigt und folgende interessante Zahlen festgcstellt: Rach dein amtlichen Material gibt -es in Polen 474 Städte, darunter 358 .Kleinstadtchon. Jüdische Kultus ge meindeverwaltnngen sind nur für 423 Orte angegeben, fehlen für 51 Städtchen. Tatsächlich aber besitzt iedes polnische Städtchen ein indisches Gemeindevrgan. nur sind in diesen 51 Städtchen die Juden äußerst gering, mit 6 bis 15 Seelen vertreten. — Nach der alten Gouvernementsemteilüng verteilen sich die jüdischen Gemeinden in folgender Art: Gouvernement Warschau 55 Gemeinden, Gouvernement Lomza SO, Gouvernement Suwalki 30, Gouvernement Siedlce 41, Plock 21, Kali sch 42. Lublin 62. Kielce 44. Radom 54, Petrikcm 44, insgesamt 423 Gemeinden. Obgleich das Gouvernement Warschau doppelt so so groß ist wie das Gouvernement Lublin, zeigt dieses mehr jüdische Gemeinden, da es eine größere Zahl kleinerer Städtchen und jüdischer Niederlassungen anfweist. Die Gesellschaft für soziale Arbeit schickt jetzt an alle diese Gemeinden ausführliche Fragebogen, die statistisches Material über die materielle, wirtschaftliche und kulturelle Lage der Gemeinde erbringen sollen. Von MH und fern. — Eine T r a u erseier für den Geheimen Regierungsrat Tr. Julius Pieck fand am 26. Juni im städtischen Krematorium in der Gerichtsstratze statt. Außer den Familienangehörigen und Freunden des Verstorbenen nahmen Vertreter des' Vorstandes und der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde an der Trauerfeier teil. An -der Bahre sprach Justzizrat Müller als Freund des Toten herzliche Abschiedsworte. Dieser Ansprache folgte ein liturgischer Gesang, den Oberkantor Davidsohn vortrug. Ein Geigen solo beendete die schlichte Feier. Dein Stabsarzt Dr. Fritz Bleichröder zu Berlin-Pankow, der seit Beginn des Krieges im Felde steht, ist das Eiserne Kreuz erster, Klasse verliehen worden, nachdem er bereits im Jahre 1914 das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhalten hat. — Herrn Hermann Casper, Mitinhaber der Kinderkonsektionsfirma Gebrüder Casper in Berlin- Wilmersdorf, wurde das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen. — D >i e Z ioni st i sche Vereinigung für Deutschland hat für den 7. Juli d. I. einen Süddeutschen Zionistentag nach Nürnberg einberufen. Die Tagung wird sich mit verschiedenen Fragen beschäftigen, die für den Zionismus in Deutschland von Bedeutung sind. — In Freystadt (Westpr.) starb im hohen Alter von 96 Jahren Herr Aron L.oe w y. Er war lange Jahre erstes VorstandAmitglied. und dann bis zu seinem Tode NePräsentanL der Synagogengemeinde, — Bei der in der Shnagogengemeinde Oppeln kürzlich vollzogenen Vorsteherwahl wur.de an Stelle des krankheitshalber aus dem Vorstande ausgeschiedenen.Justizrats Jungmann der bisherige stellvertretende Vorsteher Justizrat Sälrnger zum Vorsteher, Fabrikbesitzer Georg Wiener zum Vorsteherstellvertreter gewählt. — Dein Prediger, der Synagogengemeinde Schlveidnitz, Herrn Felix Brock, 'wurde das Verdienstkreuz für Kriegshilse verliehen. — Die Gemeindebhörden zu Breslau beschlossen, den Beamten der Synagogengemeinde die Teuerungszulagen für das laufende Rechnungsjahr, vom 1. April ab gerechnet, wieder zu erhöhen, und zwar für die Beamten mit einem Gehalt von 5000 Mark von 20 auf 35 Prozent, für die Gehälter von 5000 Mark bis 8800 Mark von 15 aus 25 und für die Gehälter über 8800 von 10 auf 15 Prozent. — Aus Posen wird uns geschrieben: Der Kaiser, hat die-vom Senat der Kaffer-Wilhelm-Gesellschaff zur Förderung der Wissenschaften beschlossene Zulassung des Generaldirektors Dr. jur.- Edmund Pietr--- kowski als Vertreter der Chemischen Fabrik Milch genehmigt. — Das Eiserne Kreuz erster Klasse.erhielten: Einjähriger Kriegsfreiwilliger Vizefeldwebel Alfred M atzido rf f, Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, Sohn des Kaufmanns Herrn Hugo Matzdorff in Posen, Leutnant Georg Mottek, Sohn des.verstorbenen. Kaufrnanns Herrn Adolf Motte.k in .Samter, Vizewachtnieffter C. Sch w c - riner, Sohn des Herrn S. Schweriner aus Schnei demühl. -7- Aus Anlaß des Geburtstages des Königs von Sachsen wurde dem Kantor und Lehrer T a u s i .g. in Leipzig das Verdienstkreuz verliehen. Lehrer A. Sasse n und Frau in Lim-nich (Rheinlands feierten unter Teilnahme der gesamten Bevölkerung die Goldene Hochzeit. — Aus Frankfurt a. M. wird geschrieben: Der Suppenanstalt für israelitische Arme, hier, die durch ihre hervorragenden Leistungen während des Krieges und die -entstandene Teuerung.-in großes Defizit geraten ist, hat trotzdem in ihrer Generalversammlung beschlossen, vertrauend aus den Wohltätigkeitssinn unserer Stadt, ihre fast unentbehrliche Tätigkeit nicht einzuschränken. — Hermann Wronker, Inhaber des Warenhauses Wronker, eine sehr geschätzte Persönlichkeit, der Frankfurter jüdischen Gemeinde, rettete im Bodensee mit eigener Lebensgefahr -eine Frau vordem Ertrinken.— KantorDaniel Levy inRosheim fiel vorletzten Samstag abends, nachdem er in der Synagoge noch den Abendgottesdienst liersehen hatte, plötzlich tot zu Boden. Während 37 Jahre batte er die dortige Stelle als Kantor versehen. — Am 30. Mai d. I. bat im Festsaal, des Jüdischen Rathauses in Prag der Israelitische Gemeindetag unter dem Vorsitze des Präsidenten der Prager Kultusgemeiude, Herrn. Dr. Kose r a f, stattgesimden, auf dem fast alle bedeutenden Kultusgenreinden vertreten waren. Nachdem der Präsident den Zweck der Tagung dargeleat hatte, erstattete Tr. S ch a n z e r (Pilsen) das Referat, in welchem er die bisherigen Bestrebungen zur Schaffung einer Organisation der Kultusgemeinden schilderte, um dann die Notwendigkeit einer solchen zu begründen. Nach einer längeren Debatte wurde sodann mit allen gegen eine Stimme beschlossen, den Landesverband der Kultusgemeinden Böhmens zu begründen: der voraeleate Statutenentwurf gelangte gleichfalls zur Annahme. In den Vorstand traten drei Mitglieder der Prager, drei Mitglieder der Vorstadtgemeinden und zwölf Mitglieder der Vrovinzaemeinden ein. — Am 21. v. M. starb in Prag nach kurzem Krankenlager der Rabbiner Professor Dr. Karl T h i e be r ge r in seinem 61. Lebensjahre. Der allaewein beliebte Mann lebte nur seiner Pflichterfüllung ilnd fand sein höchstes Glück im Kreise seiner Familie. -- Kaiser Karl von Oesterreich verlieh bei seiner Anwesenheit in Konstantinovel dem Oberrabbiner Ebaiim Nah um das Großkreuz des Fr a u z-Josef-Or>dens. — - Jp Konsiantinovel sind Dr. Jacobsohn und Dr. Hantke von dem E. A. C. der Zionistischen Organisation, Dr. Paul Nathan, Dr. Bernhard Kahn, Professor S o b e r n h e i m vom -Hilssvereiu der Deutschen Juden und dem Komitee für den Osten und andere Leiter großer indischer Organisationen Deutschlands und Oesterreichs eingetroffen. Sie sollen vom Großwesir überaus wichtige Erklärungen bezüglich der Palästinakolonisation entgegennehmeu. -- Wie aus London berichtet wird, verschied in Jerusalem der Gelehrte A. M. Lnnz. dessen 60iähriaes Jubiläum vor einem Jahre aefeiert wurde. Der jüdischen Geschichtswissenschaft, insbesondere der Geschichtsforschung der alten und ältesten Ansiedelung in Palästina, ging mit ihm einer ihrer besten Kenner verloren. Verantwortlicker Redakteur: Albert Kotz in Berlin.Pankow, Florastratze 58. Verantroortlich für den Anzeigenteil: Mar Iunqe, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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