Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1918)
- Date
- 1918-07-05
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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schon die Kleinsten -an Ordnung und Sparsamkeit; eine sorgfältig zusarnmengestellte Hortbibliokhek, die fleiß-ig benutzt wird, sorgtfür guten Lesestoff. Aus den fünfc undsechsjährigen Kindern wurde eine Hauskapelle begründet. Das Haus nahm bis znnr Kriege nur jüdische Zöglinge -auf; seit KriegAbeginn. befinden sich auch andersgläubige Kinder im Kinderhort. W. Posen, 28. Juni. Unsere Synagogengemeinde hat in letzterer Zeit bewahrte Mitglieder durch den Tod verloren. 76 Jahre alt starb der Kaufmann Julius Kantorowicz. Der Dahingeschiedene war der Besten einer, hilfreich und gut. Menschenfurcht kannte er nicht, in der Betätigung der Menschenliebe erblickte er seine vornehmste Aufgabe. Er stand mit Rat und Tat allen zur. Seite, er freute sich der Erfolge anderer. Eine Zeitlang gehörte er «dem Vorstande der Gemeindeshnagoge B. an. — Im 52. Lebensjahre ist die verwitwete Frau Emma Z e r k o w s t i geb. Bein dahingeschieden. Ihr edler Charakter und ihre vornehme Gesinnung werden namentlich dem Geschäfts- und Fabrikpersonal der Firma Matzdorff unvergeßlich bleiben. Herr Gemeinderabbiner Tr. Freimann hielt die Leichenrede. Er schilderte mit trefflichen Worten das Leben und Wirken der Verewigten. Groß war die Teilnahme bei der Beerdigungsfeier. — Ferner wurden auf dem hiesigen Friedhofe beigesetzt: Rentiere D. B. Cohn, 90 Jahre alt, und Frau Susanne Heldt geb. Witkowski im 79. Lebensjahre. — Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhielten die Vorstandsdamen des PrinzessimAuglist-Mlhelm-Säuglingsheims des Nationalen Frauendienstes Frau Justizrat L a n d sber g, Frau Sanitätsrat Pincus, Frall Fabrikbesitzer Viktor. Die gleiche Auszeichnung erhielt Armendeputierter Versicherungsvertreter Rentier. Ignaz L ö w i n s o h n in Posen. —- Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Unteroffizier Isaac F u ß in Schrimm, Ersahreservist Sally M o ttek aus Sarnter, Musketier Jacob Kiwi, Sohn des Kaufmannes Herrn Moritz Kiwi in Posen, Sanitätssergeant Julius A b r a h a m , Sohn des Generalagenten Herrn Jakob Abraham in Posen, Kanonier Martin Joseph, Sohn der Frau Marcus Joseph in Wronke (Posen), von deren fünf im Felde stehenden Söhnen nunmehr vier das Eiserne Kreuz haben, Musketier Hermann Daniel in Krotoschin. Bizeieldwebel Siegbert Gerechter, Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, Sohn des Kaufmannes Herrn Louis Gerechter in Posen, ist infolge königlicher Order vom 5. Januar zum Leutnant der Reserve befördert worden. - Gerechter ist bei Beginn des Krieges als Einjährig-Kriegsfreiwilliger in das Heer eingetreten und hat wegen bewiesener Tapferkeit in mehreren Angriffen gegen den Feind die Auszeichnung erhalten. kl. Schrimm, 28. Juni. Zum 80. Geburtstage unseres hock> geschätzten Mitbürgers Herrn Marcus Adam wurden dem Jubilar große Aufmerksamkeiten zuteil.' Ehrengaben, Glückwünsche u. dgl. kamen in zahllosen Mengen von nah- und fern. Herr Adam verdient es anch, gewürdigt zu werden. In der städtischen Verwaltung, im Gemeindewesen entwickelt er eine Tätigkeit, die nicht allen. Menschen eigen ist. Durch sein anspruchsloses, bescheidenes Gebaren ist er von jedermann geschätzt und geachtet. Sein Name wird allent- . halben, genannt. Aus frommem Hanse stammend, -ist er pietätvoll im Glauben und im Mändel. Auf die religiöse Erziehung seiner Kinder war er viel bedacht. Herr Rabbiner Dr. Silberberg aus Posen, der früher in unserer Gemeinde amtlich tätig gewesen, verschönte die Feier durch seine Anwesenheit und eine herzliche Ansprache. Der Jubelgreis dankte tiefgerührt allen, die ihn mit ihren Aufmerksamkeiten erfreut haben. Mögen dem Jubilar noch viele frohe Jahre beschieden sein. —. BreslE, 28. Juni. Ter Jüdische liberale Jugendv e r e i n veranstaltete am 19. d. M. in den Räumen der Spinoza- Loge eine Abschiedsfeier für Herrn Rabbiner Dr. Levi. Das Vorf standsmitglied Herr Berger eröffnete im Namen des Vereins die Feier mit einer herzlichen Ansprache, worauf Fräulein Schmidt das Lied „Gott ist mein Hirt" von Dvorzak sehr stimmungsvoll zu Gehör brachte. Dann richtete Herr Berger an Dr. Levi herzliche Abschiedsworte, in denen er besonders seiner Wirksamkeit innerhalb der Jugendbewegung sowie 'der für die Gemeinde und auch für unsere Feldgrauen gedachte. Hierauf folgte die Uebevreichung eines von Justizrat Berger in Königshütte gewidmeten Dankgrußes, welcher von Fräulein Schlesinger vorgetragen wurde. Namens der Repräsentantenversammlung sprach in trefflichen Worten Sanitätsrat Dr. Reich, worauf die Arie „Dann werden die Gerechten leuchten", die Herr Kantor Wartenberger urrtzchesonderem Ausdruck sang, folgte. Nun sprach -der Gefeierte selbst itt dsn ihm eigenen, von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten dern Drm^ für akk die Ehrungen,, die ihm erwiesen wurden, aus und bemerkte, daß er es für seine! Pflicht halte^ seine Kraft in den Dienst derguten Sache. .Hu stellen. Auch gab der Redner seinem Bedauern Ausdruck, daß er während der mehr als dreijährigen Tätigkeit als Feldrabbiner sich dem Jugendverein, nicht so oft widmen konnte. Der rauschende Beifall am Schluffe der Ansprache, durch welche Herr Dr. Levi wieder seinen Ruf als vorzüglicher Redner bewies, dokumentierte sehr deutlich die Dankgest'chle aller begeisterten Anwesenden. — München, 28. Juni.' Am letzten Dienstag vormittag veranstaltete die Kultusgemeinde in der dichtgefüllten Synagoge eine eindrucksvolle Gedächtnisfeier für Professor Dr. Werner, in der die Rabbiner Dr. Grünfeld (Augsburg), Dr. F r e u d e n t h a I (Nürnberg) und Oberkirchenrat Dr. Kroner (Stuttgart) in ehrenden Worten des seelsorgerischen Wirkens des treubewährten Führers der Münchener Gemeinde gedachten. — Am Nachmittag fand auf dem neuen israelitischen Friedhof die Beerdigung statt. Eine fast unübersehbare Zahl von Trauergästen hatte sich dazu eingefunden, und nur ein Teil von ihnen fand in der Halle Platz. Es waren it. a. zu bemerken Kultusminister Dr. v. K n i l l i n g , Polizeipräsident Beckh, Rechtsrat Hörburger und G.-B. Dr. Strauß als Vertreter der Stadt, Mitglieder des Armenrates, viele auswärtige Rabbiner in ihrer Amtstracht, die Verwaltungsmitglieder der Münchener Kultusgemeinde, eine Abordnung der Studentenverbindung „Likaria" und die Mitglieder der Münchener israelitischen Vereine: Nach einem vom verstärkten Svnagogenchor vorgetragenen Trauergesang hielt Rabbinatssubstitut Dr. Baerwald die Gedächtnisrede, in der er Dr. Werner als Lehrer und Meister, als echten Priester schilderte, in dein sich Beruf und Natur in eins vermählten, und der, feiner Gesundheit nicht achtend, in nimmermüder Arbeit seine Pflicht erfüllte, voll Milde und Güte gegen alle. Landrat Nußbaum, der 1. Vorsitzende der Münchener Kultusgemeinde, sprach herzliche Dankesworte für all das) was Rabbiner Dr. Werner in mehr als 23 Jahren als Führer der Gemeinde geleistet hat, und hob besonders hervor, daß es des Verewigten höchstes Bestreben allezeit gewesen sei, den religiösen Frieden zu wahren. In ehrenden Nachrufen gedachten weiter noch des' verdienstvollen Wirkens Dr. Werners Rabbinatsasseffvr Dr. Ehrentrev namens der Orthodoxen Gemeinde, Rabbiner Dr. Kälter (Danzig) namens der früher von Dr. Werner geführten Kultusgemeinde, Rabbiner Dr. Kobn (Jchenhausen) für die Bayerische Rabbinerkonferenz, Justizrat Dr. Leo O p p e n h e i m e r für die israelitischen Woblfahrtsorganisationen und Rabbiner Dr. Stein (Schweinfurt) für die Pensionskasse der bayerischen Rabbiner. Der Tranerzug bewegte sich dann zu dem nach strengem Gebrauch schmucklos gebliebenen Grabe, an dem noch sprachen Rechtsanwalt Dr. Dreifuß für die Münchener Loae, Prof. Dr. Braun für das Rabbinerseminar in Breslau, ein Vertreter der Verbindung „Likaria", ferner Justizrat Dr. B r o d n i tz (Berlin) für den Zentralverein deutscher Staatsbürger indischen Glaubens und Tr. Max Cal Warp, ein Neffe des Verstorbenen, namens der Familie. Ein Grabaesanq des Synagogenchors beschloß die ernste Feier. Vor der Beerdigung hatten am Sarge Kranzspenden niederlegen lassen: der König, der auch ein herzliches Beileidsschreibenan die Witwe gesandt hatten und der Armenrat München. — j&anntäet, 28. Juni. Der Wohltätigkeitsverein der Shnagogengemeinde (Chewra Kadischa) erhielt auch im abgelaufenen Jahre wieder mehrere größere Schenkungen, u. a. von der Hannoverschen Kapitalversicherungsanstalt 500 Mark. Die Einnahmen betrugen 80 455,02 Mark und die Ausgaben 71 457,42 Mark, so daß sich ein Bestand von 8997,60 Mark ergab. Das Vermögen des Vereins betrug am Schlüffe des Jahres 1917 neben der in der Verwaltung des Vereins befindlichen Landrabbiner-Dr.-G r o n e m a n n - S t i f t u n g im Betrage von 6658,47 Mark im ganzen 262 457,93 Mark. In diesem Betrage sind 175 850 Mark enthalten, wofür der Verein dauernde Verpflichtungen übernommen hat, während die Zinsen der Landrabbiner-Dr.-Gronemann-Stistmig dem Landrabbiner zur freien Verwendung für die Zwecke des Vereins gezahlt find. Der Verein besitzt den halben Anteil an den Gebäuden auf dem Friedhofe an der Strangriede, wofür aus Vereinsmitteln etwa 29 000 Mark beigetragen sind. Unterstützt wurden 76 hiesige Kranke. Das