Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1918)
- Date
- 1918-07-05
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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- Tiberias 3× ep/1048138
- Safed 2× ep/1046078
- Haifa 1× ep/1047930
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Berlin, 5. Juli 1918 82. Jahrgang Nr. 27 Der Gemeindebote. Beilage zur „Allsrmetnrn Leitung drK Kudentumß". SorrelpondkNHrn und KschrichtM. Deutschland. Berlin, 2. Juli. Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, der im August 1907 im Haag gegründet wurde, gibt in einem uns jüngst übermittelten Bericht einen kurzen Ueberblick über die verflossenen zehn Jahre seines Bestehens. Wir entnehmen dem instruktiven Bericht folgende Angaben: „Der Verband hatte es sich zur Ausgabe gesetzt, in Palästina diejenige Arbeit zu übernehmen, die zunächst und in erster Linie in das Gebiet der Frauenarbeit fällt: die Erziehung der Mädchen zur Arbeit und die Krankenpflege. Schon im ersten Jahre seines Bestehens konnte der Verband in Jaffa seine Tätigkeit mit der Einstellung einer geprüften Krankenpflegerin als Gemeindeschwester beginnen. Im zweiten Jahre ließ der Verband ein junges Mädchen aus Palästina im Breslauer Krankenhaus ausbilden: nach ihrem bestandenen Examen fand sie eine Anstellung im Schaar-e-Zedeck-Hospital in Jerusalem. Im Februar des Jahres 1909 wurde auf Veranlassung und unter Leitring von Frau Dr. Thon das erste Spitzenatelier in Jaffa gegründet, in welchem schon nach kurzer Zeit 25 Mädchen arbeiteten, die den verschiedensten! Schichten der Jaffaer jüdischen Bevölkerung entstammten. Sobald die Mädchen einen Wochenlohn verdienten, wurde eine Krankenkasse gegründet, damit die Mädchen inr Krankheitsfalle nicht ihren Arbeitsverdienst und mehr für den Arzt ausgeben müssen. Diese gemeinnützige Einrichtung bürgerte sich um so rascher ein, als der Verdienst der Mädchen ständig stieg. Inzwischen hatte sich das Jaffaer Spitzenatelier vergrößert und so bewährt, daß der Verband eine neue Schule in Jerusalem einrichtete, in der zwei Schülerinnen aus Jaffa als Lehrerinnen angestellt wurden. Hier arbeiteten bald 50 Mädchen. In Tiberias wurde im folgenden Jahre von der Moskauer Ortsgruppe des Verbandes eine Spitzenschule eingerichtet, in der 30 Mädchen arbeiteten. Im vierten Jahre halfen wir Herrn Dr. Auerbach bei der Errichtung des jüdischen Krankenhauses in Haifa. Wir gaben 6000 Frank zur Errichtung und bewilligten eine jährliche Subvention von 1000 Frank. Unsere Moskauer Gruppe zahlte ferner 300 Rubel für die Wöchnerinnenstube im Hospital. Im Mai des Jahres 1912 wurde es ermöglicht, durch eine größere Subvention des Herrn K r e m e netzki in Wien und der A l e x a n d e r - und -Fanny- Simon-Stiftung in Hannover unter Leitung von Frau Dr. Maisel-Schochat sechs Mädchen bei der Palestine Land-Developement Company auf der Farm Kinereth zur Landwirtschaft auszubrlden'. Im ersten Jahr arbeiteten die Mädchen auf dem Gute der P. L. D. C. und mußten alle in Betracht kommenden Arbeiten dort erledigen: sie erhielten dafür ein Entgelt je nach der Art ihrer Leistungen. Im zweiten Jahr konnte sich die Mädchenfarm selbständig machen. Sie erhielt von der P. L. D. E. 70 Dunam Land zur Bewirtschaftung und im Verwaltungsgebäude der Farm eine größere Wohnung. Im Jahre 1913 wurden die Farm und der Lehrplan weiter ausgebaut. Die ausgebildeten Mädchen fanden schnell Anstellungen, meist bei benachbarten Kolonistengruppen', und bewährten sich gut. Während die Farm sich entwickelte, änderte sich auch manches in den Spitzen - ateliers. Die Spitzen wurden fast nur durch private Ausstellungen in Deutschland verkauft und der Vertrieb ehrenamtlich m Berlin geleitet. Da die Produktion aber sehr gestiegen war — es wurden nahezu 400 Mädchen beschäftigt, die zwischen 25 bis 50 Frank monatlich verdienten —. sahen wir uns aenötigt, in Berlin ein Bureau einzurichten, um den Absatz kaufmännisch zu organisieren. Dies war um so notwendiger, als auch die Mission, die für ihre Zwecke in Palästina eine Reihe von Spitzonschiulen errichtet hatte, uns durch organisierten und billigen Spitzenverkauf Konkurrenz machte. Während gerade unsere Arbeit in bester Entwicklung war und zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, kam im August 1914 der Krieg, der. trotzdem er zuerst nicht auf dem Boden Palästinas wütete, uns injeder Beziehung hemmte. Durch die enormen Geldkursverluste, durch ungeheure, unvorhergesehene Ausgaben (Straßenbau, Regierungsabgaben nsw), durch Heuschreckenplage veranlaßt, mußte der Verband sich schweren Herzens mit dem Gedanken vertraut machen, die Mädchenfarm trotz aller Opfer- Willigkeit unserer Mitglieder und Förderer zu schließen. Allein Zögern setzte -die Behörde ein Ziel, da sie das Haus als Lazarett einrichtete. Auch die Spitzenschule in Jaffa mußte geschlossen werden. Frau H o o s i e n , die die Leitung der Schule übernommen hatte, verlegte nun ihren Wohnsitz nach Jerusalem. Mit viel Umsicht und enormer Arbeitsleistung richtete sie hier eine neue Schule ein, in der auch Näh- und Ausbesserarbeiten auf Bestellung ausgeführt wurden. Das Atelier in Tiberias, das am Anfang des Krieges geschlossen werden mußte, wurde wieder eröffnet: hier und in Safed wurden die meisten vertriebenen Jaffaer Schülerinnen wieder ausgenommen. Es arbeiten jetzt im ganzen ca. 200 Mädchen, 12 bis 18 Jahre, alt, deren Löhne mit 40 Prozent höher waren als in Friedenszeit, was in Anbetracht der schlechten Valuta allerdings nicht viel ausmacht. Leider wurden durch die Verhältnisse die Spitzensendungen immer spärlicher. Seit Anfang Dezember.1917 haben wir durch die Besitzergreifung Jerusalems durch die Engländer keine Spitzen mehr erhalten. Wir hoffen aber, in absehbarer Zeit aus Safed und Tiberias loelche zu bekommen. Im ganzen sandten wir im Jahre 1917 36 675,95 Mark nach Palästina, iin Laufe aller Jahre Zusammen ca. 241 100 Mark.— Durch den Weltkrieg war aber nicht nur unsere Tätigkeit in Palästina gehemmt, unsere ganze Organisation und die weitere Propaganda wurde schwer betroffen. Unsere .Hauptaufgabe sehen wir nun darin, mit allen Kräften danach zu streben, einen möglichst großen Fonds zu schaffen, damit wir eine neue, nach allen Richtungen hin mustergültige Lehrfarm in Palästina schaffen und erhalten können, deren Wichtigkeit für die jüdische Kolonisation allenunseren Freunden zur Genüge bekannt ist. Ein großes Betriebskapital verlangen aber auch die Spitzenateliers, sollen wir unserem- Ziele, eine Heimindustrie zu begründen, näherrücken. Der Betriebsfonds muß es uns ermöglichen-, sobald wieder bessere Zeiten sind, ein großes Lager zu schaffen, damit wir alle an uns ergehenden Aufträge möglichst mngehend erledigen können. Wir müssen auch in der Lage sein, durch Preiswürdigkeit der Ware die Konkurrenz mit den Missions-, arabischen und türkischen Spitzen aufnehmen zu können." Berlin- 2. Juli. Die bei der Technischen Hochschule bestehende I u l i u s - A d e l h e i d - S t i f t u n g hat für das Kalenderjahr 1919 Stipendien im Betrage von je 240 Mark an talentvolle, würdige und bedürftige jüdische Studierende des Baufachs zu vergeben. Geeignete Bewerber ivollen ihre Gesuche bis zum 15. Juli d. I. an das Kuratorium genannter Stiftung, zu Händen des Herrn Prof. Dr. S. K a l i s ch e r . W 15, Konstanzer Straße 1, einreichen, unter Beifügung eines kurzen Lebenslaufes, eines Führung-sattestes der Technischen Hoch>- schule und eines Zeugnisses über Fleiß und Fortschritte während des Studiums. L N Berlin, 2. Juli. Der I. Israelitische Volksk i n d e r g a r te n und K i n d e r h o r t unterhält in der Gipsstrahe ein Tagesheim für 160 Kinder von 3 bis 14 Jahren und zwei Kindergärten, die von 70 Kindern besucht werden. Bon der Zahlung des Schulgeldes von 1 Mark monatlich waren bisher 30 Kinder befreit; am Mittagessen nahmen 115 Kinder teil, die Vesper wird allen Zöglingen der Anstalt verabfolgt. Von den 90 -Familien, die ihre Kinder in die Horte des Vereins entsenden, steht über die Hälfte der Väter im Felde. Der Besuch des Kindergartens hat im letzten Jahre etwas nachgelassen-, während die Horte so überfüllt sind, daß nicht alle Nachanmeldunaen berücksichtigt werden konnten. Neuerdings ist die Trennung zwischen Knaben-- und Mädchenhort aulsgehoben: mit dem gemeinsamen, Unterricht beider Geschlechter wurden gute Erfolge erzielt. Die Kinder werden aus pädagogischen. Gründen auch zu leichter Hausarbeit herangezogen. Regelmäßiae Waldausslüae und Wanderungen, an schulfreien Nachmittagen sowie in den Ferien dienen der körverlichen Gefundheitspflege der Zöglinge. Der Gesundheitszustandder Kinder ist befriedigend: ansteckende Krankheiten sind nicht ausgetreten. Bei den Wiegungen, die alle sechs Monate vorgenommen werden, wurde zuletzt eine durchschnittliche Gewichtszunahme von zwei Pfund sestgestellt. Im ersten Kriegsjahre wurde ein Abendhei-m für männliche und weibliche Lehrlinge eingerichtet, um auch der schulentlassenen Jugend die Wohltat anregender Unterhaltung und Belehrung zu bieten. Die Besucher des Jugendheims kommen jeden Mi ttivoch zusammen. Eine Anstaltssparkasse gewöhnt