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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-07-05 · Heft 27 (5.7.1918) · p. Seite 315

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 27 (5.7.1918)
Date
1918-07-05
Page
Seite 315 (sequence 3)
Language
German
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315 anderer Länder, besonders in Deutschland, aber die antisemitische Bewegung in Rumänien geht nicht von den Bauern aus, sondern von den Intellektuellen und Handwerkern. Auch die staatsbürgerlichen Rechte der Juden in Beßarabien müssen gesichert werden. Wenn gesatzt wird, wir würden uns die Finger verbrennen, so macht man uns im Auslande einen schweren Vorwurf daraus, im Friedensvertrage nicht genug für die Juden getan zu haben. Abg. Dr. Cohn (U. Soz.): Tatsächlich bleibt Artikel XXVIII hinter dem Berliner Vertrag zurück. Abg. Noske (Soz,): Gestern wollten die Konservativen den rumänischen König beseitigen, also in die inneren Verhältnisse des Landes eingreifen. Heute werfen sie uns das vor, wo es sich urn Millionen unglücklicher Menschen und um die Durchführung des Berliner Vertrages handelt. Abg. Erzberger fZentr.) dankt dem Staatssekretär für die Förderung der Interessen der rumänischen Katholiken. Die Fortschritte für die Juden begrüßen wir aus allgemein menschlichen Gründen. Ueber dieselbe Angelegenheit enthält -die „Deutsche Orient- Korrespondenz" nachstehenden Artikel: Balflur u nd d,i^ - r u müni scheJ itde nfrage. Herr Balfour hat es für gut befunden, gegenüber dem Londoner Bureau der Zionistischen Vereinigung eine Kritik an dem Teil desFriedettsvertrages zwischen dem Vierbunb und Rumänien zu üben, der sich auf die Regelung der Judensrage in Rumänien bezieht. Balfour scheint es schnrerzlich zu empfinden, daß eine seit Jahrzehnten auf der Tagesordnung sehende „Frage", die bereits 'einmal international geregelt war, jetzt'ohne Englands Mitwirkung eine Lösung gefunden hat. Er versichert deshalb die Zionisten des vollkommenen Wohlwollens der britischen Regierung, die es als ihre Pflicht anfehen würde, eine dauernde und ehrliche Regelung der rumänischen Judenfrage sicherzustellen. Um zu verhindern, daß die Zionisten' etwa Gefühle, der Dankbarkeit gegenüber dem Mittelmächten für die Erfüllung der Wünsche des Judentums empfinden könnten, übt Balfour Kritik an dem Abkommen, indem er behauptet, die Verpflichtungen der rumänischen Regierung aus dem Berliner Vertrag wären weitergehend gewesen, als die aus dem Bukarester Friedensvertrag. In dieser Beziehung irrt Herr Balfour. Ter Berliner Kongreß hatte die Anerkennung der Unabhängigkeit Rumäniens von der Aufhebung aller Beschränkungen der Juden in staatsbürgerlicher Beziehung abhängig gemacht. Daraushim kam im Jahre 1879 die Aenderung der rumänischen Verfassung zustande, durch die allen Konfessionen gleiche bürgerliche Rechte verliehen wurde. Die Erwerbung der rumänischen Staatsangehörigkeit wurde von einem zehnjährigen Aufenthalt im Lande abhängig gemacht. Fremde blieben vom Erwerb von Grundbesitz ausgeschlossen. Auf Grund dieser gesetzlichen Regelung haben barm die Mächte Rumäniens Unabhängigkeit anerkannt Die Rumänien jetzt .auferlegten Verpflichtungen gehen erheblich weiter als die des Berliner Kongresses, da eine gesetzliche Regelung auch für die Einzelheiten in der Durchführung der Gleichberechtigung vorgeschrieben ist. Bisher konnte die rumänische Regierung sich der übernommenen Verpflichtung dadurch entziehen», daß sie -den Juden. die Naturalisation verweigerte, wodurch sie als Staatenlose galten, in der Berufswahl beschränkt und vom Erwerb von Grundbesitz ausgeschlossen blieben. Der. Berliner Vertrag konnte also unschwer umgangen werden, wodurch das erstrebte Ziel, die Beseitigung der Rechtlosigkeit der jüdischen Larweseinwohner, nicht erreicht wurde. Im Frieden'zu Bukarest hat nun die rumänische Regierung die Verpflichtung übernommen, bis zur Ratifikation des Friedens- Vertrages, also in kürzester Zeit, ein Gesetz zu erlassen, welches alle Staatenlose — zu denen die nichtnaturalisierten Juden gehören —, die am Kriege., im Militärdienst oder Zivildienst, teilgenommen haben, oder die im Lande geboren oder dort ansässig sind oder von dort geborenen Eltern stammen», ohne tveiteres als vollberechtigte rumänische Staatsangehörige anerkennt. Es werden mithin jetzt, noch ehe der Friedensvertrag Rechtskraft erlangt, alle in Rumänien wirklich bodenständigen Elemente die Staatsangehörigkeit erlangen; denn die Einbürgerung der Staatenlosen erstreckt sich auf alle in der Zweiten Generation Ansässigen und auf die Kriegsteilnehmer. Damit sind klare Verhältnisse geschaffen, wie sie der Berliner Vertrag nicht erreicht hatte. Herr Balfour hat also keinen Anlaß, sich über eine urrzulängltiche Regelung, der rumänischen Judenfrage auszuregen. Er wird sich daran gewöhnen müssen, daß, solange der Krieg dauert, noch -manche Frage international geregelt wird, ohne daß England seinen Segen dazu gibt. * In der „Neuen Zürcher Zeitung" veröffentlicht Dr.A.Braunstein-Mitaschan einen sehr starken Ausruf an die rumänische Regierung und an das rumänische Parlament, in dem er sie ausfordert, den Juden die ihnen zukommenden Rechte zu gewähren. Der Aufruf gipfelt in folgenden Schlußworten: Das jüdisch»e Volk, eure bisherigen Verbündeten und künftigen Freunde, alle großen Kulturstaaten, ja die gesamte Welt blickt jetzt voller Spannung nach Jassy und erwartet voneuch das»erlösende Wort, die befreiende, menschliche Tat: Zeigt euch dieser Erwartung gewachsen und würdig der edlen Begründer des rumänischen Staates, die »auf ihr Banner geschrieben hatten: Freiheit, Gleichberechtigung. Demokratie. Gebt den rumänischen Juden ohne Einschränkungen und ohne Klauseln das Recht, in dem Lande, das sie seit Jahrhunderten bewohnen und für dessen Wohl sie ihr Bestes geleistet, frei leben zu können. Im Namen der Tausende jüdischer Helden, die auf den blutgetränkten rumänischen Feldern für die Verteidigung des Vaterlandes gefallen sind, im Namen der Menschlichkeit und der ewigen Gerechtigkeit fordert dies von euch einer, der sich bewußt ist, seine Pflicht gegenüber dem rumänischen Volke voll und ganz erfüllt 31t haben. Endlich meldet über dieselbe Angelegenheit das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag: Amerika und die Judenfrage in Rnmänr-en. Einer Reutermeldung zufolge haben sich die rumänischen Juden telegraphisch -an die zionistische Organisation in den Vereinigten Staaten mit der Bitte gewendet, Wilson zu veranlassen, seinen Einfluß aufzubieten, daß das rumänische Parlament nicht die auf Grund des Bukarcster Friedensvertrages vor geschlagenen Gesetze annehme, da diese die rumänischen Juden der wenigen Rechte berauben würden, die ihnen noch geblieben »waren. Auf Grund der Bestimmungen des Bukarester Friedens würden zwei Drittel der Juden von der Naturalisation ausgeschlossen werden, * Wenn ich auch darauf verzichten muß, aus den „Mitteilungen" des Haager und Stockholmer Korrespondenzbureaus die zahllosen Mitteilungen über das palästinensische Regiment und die Universität in Jerusalem, die Shnrpathiekundgebungen für die Palästinapolitik der Entente, die Stimmungsberichte in zionistischen Kreisen wiederzugeben, Ausführungen, die eine ganze Nummer unseres Blattes füllen würden, halte ich mich für verpflichtet, eine Anzahl tatsächlicher Meldungen hier zu wiederholen. Ich glaube aber doch andeuten zu müssen, daß manches mir einigermaßen verdächtig vorkommt, und bin nicht in der Lage, die Verantwortung für die Genauigkeit der Meldungen zu übernehmen. Diese Verwahrung bezieht sich besonders auf solche Nachrichten, bei denen die betreffenden Bureaus keine Quellenangabe hinzufügen. Die einzelnen Notizen lauten: Russisch-jüdische Truppen für Palästina. Die Odessaer „Deutsche Zeitung", das offizielle Organ der deutschen Behörden, berichtet in ihrer Nummer vom 3. Juni, man habe in Odessa eine bedeutende jüdische Organisation entdeckt, die sich damit beschäftigte, jüdische Soldaten der ehemaligen kaiserlichen Armee für die palästinensische Front zu rekrutieren und über Wladiwostok nach Palästina zu dirigieren, .wo sie an der Seite der britischere Truppen kämpfen sollten. Infolge dieser Entdeckung wurden von den deutschen militärischen Behörden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Unter den Verhafteten befinden sich auch zwei Rabbiner. Protest der jüdischen Arbeiter Englands gegen die Iudenp 0 gr 0 me in Galizien. Die Leitung des von der unlängst stattgehabten jüdischen Arbeiterkonferenz Englands eingesetzten jüdisch-nationalen Arbeiterrates faßte

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