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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-06-28 · Heft 26 (28.6.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 26 (28.6.1918)
Date
1918-06-28
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 ihm den erwünschten- und wohilverdienten Ruhestand! verkünden! Möchten ihm noch recht viele Jahre der Freude nnd Zufriedenheit voir Gott beschert sein! 8ebr Elberfeld, 21. Juni. Zugunsten, notleidender Elberfelder Kriegerfamilien fand jüngst in 'der hiesigen- Synagoge ein Wohltätigkeitskonzert statt, das bei sehr gn'tem Besuch einen erfreul-ichen Verlauf nahm. Oberkantor Hermann Zivi hatte für eine reichhaltige, nach streng künstlerischen Gesichtspunkten geordnete, wenn auch etwas zu lange Bortwagssolge gesorgt. Den Ein- und Ausklang bildeten Orgelvorträge Erna Zivis, die in der Fantasie und Fuge A-moll und dem ersten Satz «des 0-äur-Konzertes von Joh. Seb. Bach außer guter «technischer Fertigkeit eine bemerkenswerte Musikalität entwickelte. Allerdings hätte man der Interpretation ein Instrument von weniger ibeschränkten Mitteln gewünscht, das ihr ermöglicht hätte, sich in volleren Akkorden auszuströrn-en. An Jn-strumentalm-usik hörte man die schwierige Ciaconna für Violine von Bach und- Tartinis Sonate 6-inoll für Violine und Orgel. Hierbei hatte man Gelegenheit, die ~ reise Künstler schuft Julian Gnmperts zu bewundern, dessen Spiel den Miesenskern . der klassischen Werke for-mrein -herausschMe, besonders aber in den lprifchen Gängen den inneren Berus erwies. Hennie Herz, Erna B e r n - thal, Lotte Gottgetreu und Alfred Strauß brachten Sologesänge zu- Gehör. Der tiefe Mt war durch Hennie Herz vertreten. Ihr stimmliches Gut, das bereits von nennenswerter Technik zeugt, ist von nicht alltäglicher Farbe, -der Wechselder Register ist bruchlo-s-, nur kommt alles noch zugaumig und entbehrt bisweilen 'der Festigkeit. Eine weitere strenge Schulung, auch im Rhythnrischen, wird 'lohnend sein. Der Mezzosopran der begabten- Erna Bernthal hat durch das ersichtlich -eifrige Studium beträchtlich gewonnen. Ihr sicheres niusikali-sch.es Ausdrucksvernrögen brachte die Arie „Jehovah sieh" (Händel) zu trefflicher Gestaltung. Hoffentlich tritt bk suna.e Künstlerin im nächsten K-onzertw-inter bänfiaer vor die Oefsentlichkei't, sie hat die Berechtigung dazu mit schönem Fleiß errungen. Lotte Gott-getreu erprobt ihren kräftigen Sopran neuerdings ab und zu im Liedervortrag: ein Unternehmen, das in jedem Falle ersprießlich zu nennen ist. Sie war in vorzüglicher Verfassung und sang ihr „Sei getreu." (Mendelssohn) schlackenrein und mit edler Empfindung. Sie und Erna Bernthal vereinigten ihre sich trefflich zusammensüaenden Stimmen -i-m Elias-Duett „Zion streckt seine Hände aus". Alfred Strauß sang Mendelssohns „Es ift genug" mit warmer Beseelung; lein gut ansprechender Bariton ist von einprägsamem Timbre, der Ton muß nur etwas freier werden, sonst sind alle guten Vorbedingungen zum einwandfreien Knnstgesang 'erfüllt. Der verstärkte S hn agogenchor sang die vierstimmigen Chöre „Wohl dem, der den Herrn fürchtet" (Mendelssohn) und „Die Himmel erzählendie Ehre Gottes" (Hapdn). Die Begleitung sämtlicher Gesänge und Violinvorträge wurde durch Erna Zivi aufsgesckMackvoll-ste besorgt. — Detmold, 21. Juni. Im Alter von 82 Jahren ist hier der Oberstaatsanwalt a. D. und Major a. D. Karl Wulff gestorben. Sein Hm-scheiden ruft die Erinnerung an den Könitz er Mord wach, der sich im März 1900 ereignete. Auch Herr Oberstaatsanwalt Wulff — damals in Marienwerder — ist ein Ovser des Konitzer Mordprozesses geworden. Er war in Bochum, Lippstadt und Beutben als Staatsanwalt tätig, dann -auch im letztgenannten Orte Erster Staatsanwalt. Als solcher wurde er nach einigen Jahren nach Königsberg i. Pr. versetzt, von da kam er im November 1898 als Oberstaatsanwalt nach Marienwerder. Infolge des Konitzer Prozesses trat Wulff im Jahre 1900 in den- Rubestand, während der Erste Staatsanwalt — Herr Settegast — von Könitz am 1. Januar 1901 an das Landgericht zu Limburg a. d. Labn versetzt wurde. Nachfolger des letzteren wurde hiernach der Staatsanwalt Schweigger vom Kammergericht, der bekanntlich die Anklage in dem Meineidsvrozeh Levh später vertrat. — Wulff war niemals verheiratet. Er hat hübsche Kindermärchen, auch Gedichte, verfaßt. Daß er als moderner und objektiv gesinnter Mann sowie echt preußischer Beamtinder alben Schule an einen „Ritnalmord" nicht geglaubt bat, braucht nicht hervorgehoben zu werden. Obwohl er damals noch nicht das 65. Lebensjahr erreicht hatte, schied er im Jahre 1900 aus dem Staatsdienste. Nun ist er in der Ruhe des kleinen Residenzstädtchens Detmold, wo er seitdem lebte, dahingegangen. er. Frankfurt rt. M., 21. Juni. Die Ausgaben des Almosenkasten der Israelitischen Gemeinde e r - reichten im Jahre 1917 die Höhe von 304 341 Mark. Für 180 Kinder der Sammelvo-rmundschaft würden 32 500 Mark aufgewandt. Einen schmerzlichen Verlust erlitt das Pflegeramt durch den Heimgang des bewährten Pflegers Herrn Simon M. Herrn a n n. Mit Anfang 1918 ist Herr Eduard Stern als Pfleger in das Pflegeramt eingetreten. Viele neue Stiftungen ermöglichten es dem Almosenkasten, seine in diesen- Zeiten besonders notwendigen Zuwendungen auf der achtunggebietenden Höhe zu erhallen. — Colmar i. Elf., 21. Juni. Die Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in - El s a ß - L o t h r i n g e n wird auch in diesem Jahr wieder zu den hohen israelitischen Feiertagen ein Jahrbuch veröffentlichen, worin u. a. die Namen der ans dem Felde der Ehre gefallenen sowie der mit militärischen Auszeichnungen bedachten elfäffischen Israeliten verewigt werden sollen. Die in Betracht kommenden Familien brauchen zu diesem Zweck nur eine kurze Mitteilung an die Redaktion des „Jahrbuchs der Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsaß-Lothringen" in Colmar, Bartholdtstraße 44, zu richten. Kalen. z. Warschau, 21. Juni. Vor ungefähr 20 Jahren gründete der bekannte hiesige Philanthrop Samuel B e r s o n in der Marokistraße,' mitten im jüdischen Viertel, eine jüdische Fachschule, in der Knaben von 13 bis 17 Jahren zu tüchtigen Arbeitern auf verschiedenen Gebieten aus gebildet werden. Da diese Fachschule gegenwärtig eine Ausstellung ihrer Arbeiten veranstaltet, so mag hier eine nähere Be- .schreibung dieses segensreich wirkenden Instituts folgen: In vier nebeneinander bestehende, gemeinsam geleitete nnd verwaltete Schulen zerfällt diese Fachschule: in eine dreistufige Tischler-, eine vierstufige Schlosser-, eine vierstufige Ziseleur- und eine zweistufige Schneiderschule. Eine früher, wie die an den- Wänden hängenden Probestücke Zeigen, vortreffliche Erfolge erzielende Holzbildhauerschule mußte wegen des aus Gründen des Krieges eingetretenen Geldmangels eingestellt werden. Jeder einzelnen Klasse der verschiedenen Schulen steht ein Meister vor, bei dem die Knaben einzeln und im eigenen Gang der Entwicklung an Hand der selbstgefertigten Arbeiten Unterweisung -erfahren. Die gesamte Anstalt leitet Ingenieur Moritz Warszawski; technischer Leiter ist Ingenieur Wlad. Rosenstadt, künstlerischer Leiter Kunstmaler Adam Herfz-aft. Ein Schularzt überwacht das leibliche Wohlbefinden der Zöglinge der mit Bädern und Waschgeleaenb-eiten, eigener Kanalisation hpgien-isch auf der -Höhe stehenden Anstalt. Sie ist nicht Internat, gewährt aber den Schülern freie Miitagsbeköstigung. Die Klassenzimmer sind luftig, mit guten Einrichtungen versehen; eine vom Vater des bekannten Warschauer Kunsthistorikers Lauterbach gestiftete Bibliothek und ein im Büchereizimmer untergebrachter Flügel sorgen für künstlerische und bildende Unterhaltung. Die Knaben, die dort ausgenommen werden, sollen eine Elementarschule besucht haben; wo dies nicht der Fall, erhalten sie elementare Vorbildung auf der Vorschule der Anstalt. Gang der Ausbildung ist: In den ersten zwei Jahren erhalten sie neben Allgenieinbildung in verschiedenen Fächern (Geschichte, Geographie usw.) Unterricht in den praktischen- Grundlagen der Facharbeit, der zu ersten Arüeitsproben führt: das dritte Jahr ist vor allem der technisch-theoretischen Svezialbildnng in Mathematik, Pbpsik usw. gewidmet, während das vierte die praktische Ausbildung in dem jeweiligen Fach in Verbindung mit dem dazugehörigen Zeichnen zu einem Abschluß bringt, der darin gipfelt, daß der Zögling nach Bestehen der Prüfung als Hilfsm-eister in eine Fabrik, die ihm die Anstalt vermittelt, eintritt. Die Gesamttendenz dieser Ausbildung ist: gute, geschickte nnd fachmännisch gebildete Fabrikarbeitskräfto zu erzielen. Als erstes Prinzip gilt für alles (mit Ausnahme der Schneiderei), daß keine Arbeit gefertigt werdendarf, die nickt vorder zeichnerisch (also abstrakt linear) bemeistert worden wäre. Die Erfolge der Anstalt zeigen sich in der Tatsache, daß hier ausgebildete Kräfte von Fabriken gern genommen werden: frühere Zöglinge arbeiten z. B. in Berlin, Dortmund nnd anderen Orten. Die nun veranstaltete Ausstellung, die -einen Durchschnitt durch die attgenblicktichen Leistungen zeigt, ist für jeden, der sich mit Fachschulen beschäftigt, sehr interessant. Erstli-ngsarbeiten in Holz, Ton, Metall, Modellnnd Projektionsnüchulmgen werden gezeiat, Lösungen schwieriger zu bewältigender Aufgaben, Wandschränke, Tische, Stühle, Bücherschränke, kleinere nnd größere Maschinen, Schraubstöcke, Schlösser.' Auch die Ziselierarbeiten weisen sehr schöne Schmuckstücke, Leuchter, Büchsen, ja auch einige kteinbildhnuerische

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