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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-06-28 · Heft 26 (28.6.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 26 (28.6.1918)
Date
1918-06-28
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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anwalts Siegfried N o L,h m a n n, Vizewachtmeister in einer Ac u nitionskolonne, Inhaber des Eisernen Kreuzes', hart hier alle in schmerzliche Traum verseht. Durch seinen lebhaften Gememstnn, die Lauterkeit seines Charakters.und seine Gerechtig.- keitsliebe hatte er sich in der kurzen Zeit seines hiesigen Wirkens die Achtung und Wertschätzung der Gemeinde in denr Maße erworben, daß er in jungen Jahren zu der verantwortlichen Stellung, des Leiters der Gemeinde berufen wurde. Mit unermüdlichem Streben zum Wähle der Gemeinde, mit warmer Liebe für alle ihre Angelegenheiten, mit vollendeter Sachkenntnis hat er das ihm anvertraute Amt verwaltet und auch vom Felde aus seine rege Anteilnahme immer von neuem belkundet. Seine Mitarbeiter beklagen in dem allzufrüh Entschlafenen einen allzeit liebenswürdigen Berater, die Gemeinde ihren vorbildlich und segensreich wirkenden Leiter. Es wird von allen sein Andenken in hohen Ehren gehalten werden. ^-Breslau, 21. Juni. Das Jüdisch-theologische Seminar ist, wie die „Jüdische Volkszeitung" berichtet, nicht mehr in der Lage, aus den vorhandenen Zinserträgnissen der Kommerzienrat Jonas Fraenckelschen Stiftung seine Aufwendungen zu bestreiten, die durch die Zeit- und Teuerungsverhältnisse insbesondere bei den Leb vergeh altern erheblich gewachsen sind. Das Kuratorium hat sich daher veranlaßt gesehen, an den Vorstand der ShnagogengjemeirL.de mit dem Ersuchen heranzutreten, dem Seminar eine Beihilfe aus Gemeindemitteln zu gewähren. Wie uns mitgeteilt wird, beschloß die R ep räsentanteuversammlung auf Antrag des Gemeinde- Vorstandes einstimmig, der Anstalt eirren einmaligen außerordentlichen Beitrag von 100 000 Mark zu bewilligen. Auch hat sich innerhalb der Breslauer Gemeinde ein Komitee zur Sammlung freiwilliger Gaben gebildet. M. Breslau, 21. Juni. Am 1. Juli kann S e l m a r Cerini (Steiftnann) als Oberkantor an der Breslauer Neuen Synagoge aus eine fünr ir.ndzwauzigjÜbrige. reich gesegnete, von großen Erfolgen erfüllte Wirksamkeit im Dienste der Gemeinde zurückblicken. Nachfolger des berühmten Oberkantors Deutsch, der sich um die Ausgestaltung des Gottesdienstes und um die Heranbildung eines tüchtigen Vorbeterstandes unvergeßliche Verdienste erworben, wußte Cerim die Tradition unseres alten Synagogengesanges zu bewahren und dabei in zeitgemäßer Art und Weise auszugestalten. Ein Meister des Gesanges, weiß seine in allen Lagen gleich starke, zu Herzen gehende sympathische Stiurrne die Beter zu sammeln, ihre Gedanken auf den Inhalt der Gebete zu konzentrieren und sie in andachtsvolle, erhebende Stimmung zu versetzen. Seine Phänomenale, gottbegnadete Stinunc, die unter den jetzt wirkenden Kantoren wohl einzig ist, die Wärme und Würde seines Vortrages muß jeden Besucher des Gotteshauses ergreifen und zu Gott erheben. Wenn bis zum heutigen Tage der Breslauer Synagoaenaottesdieust als mustergültig geschäht wird. so ist es wohl mit das Verdienst Cerinisr Nicht leicht ist dem Jubilar der Weg geworden, der ihn zu dieser angesehenen Stellung geführt hat. Unter großen Mühseligkeiten mußte er sich die Wege bahnen, die ihn zu dem erstrebten Ziele führten. In einem Dorfe Russisch- Polens geboren, sollte er nach dem Willen seiner Eltern einst ein Lehramt bekleiden oder Kaufmann werden. Vom Kantor einer kleinen Stadt wurde seine uni fang-reiche Sopranstimme entdeckt, der den Knaben alsbald in seinen Chor aufnahm und auch Musikunterricht erteilte. Nach mehrjähriger leidensvoller Irrfahrt, dazu gehörte auch sein Militärjahr, landete er in Breslau, wo ihm der Oberkantor Deutsch, der von seiner Stimme begeistert war. riet, sich für die Bühne auszubilden und zu diesem Zwecke ein Konservatorium in Berlin oder Wien zu besuchen. Er wählte Berlin. Hier fand Cerim reiche Gönner, Kunstfreunde ilnd Philanthropen, die sich seiner väterlich annahmen und deren der Jubilar heute noch in rührender Dankbarkeit gedenkt. In Berlin wurde Cerint nach kurzer Ausbildungszeit m der Neuen Synagoge als Solist des Chors engagiert, wo er durch seinen Gesang so großes Aufsehen erregte, daß allsabbatlich der Tempel außerordentlich stark besetzt war. Nach dreijährigem Studilnn in der Gesangskunst betrat er die Bühne und hatte bald solche Erfolge zu verzeichnen, daß er von dem damaligen Direktor Brandes für das Breslauer Stadttheater als erster Tenor engagiert wurde. Hier wurde Cerini vom Publikum und von der gesamten Presse als gottbegnadeter Künstler gefeiert und gelangte rasch zu großer Popularität. Er erhielt Berufungen nach Leipzig. Wien, Berlin, Dresden und anderen Plätzen, überall mit größtem Erfolge Proben seiner gesanglichen Leistungen einer dichtgedrängten Zuschauer men ge bietend. Die Aussicht auf eine große künstlerische Karriere, seine materiellen wie künstlerischen Erfolge befriedigten jedoch den Jubilar nicht, der zeitlebens eine religiöse konservative Gesinnung bewahrt hat; selbst unter schwierigsten Verhältnissen beobachte er die. Speisegesetze und enthielt sich an Sabbat- und Festtagen d^s Auftretens, auf der Bühne. Darum nahm er gern, als Obertantor Deutsch aus dieser Zeitlichkeit abberufen wurde, die ihm angetragene ehrenvolle Nachfolgerschaft an, um seinen religiösen Prinzipien and seiner Familie treu zrl bleiben. In Breslau wirkt Cerim in Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit bis auf den heutigen Tag. Mögen.dem Jubilar noch viele, viele Jahre vergönnt sein, an der Seite seiner musikverstälidigen Gattin, die ihm sein Haus wieder aufzurichtenverstanden hat, und im Kreise seiner Kinder in ungebrochener Kraft zuschaffen und seine Stimme mit derselben Frische zu erheben zum Preise und Lobe des Herrn, zur Weihe der Breslauer Synagoge und zur Erhebung der frommen Beterzahl. M. Hamburg, 21. Juni. Frau Julie Durlacher, die Gattin des in unserer Gemeinde noch unvergeßlichen. Herrn Moritz Durlacher, ist wenige Tage nach ihrem 70. Geburtstage aus dem Leben geschieden. Durch den Tod dieser edlen Frau sind nicht nur die Kinder und Enkel sowie die gesamte Familie Durlacher in tiefe Trauer versetzt, auch die Armen und Bedürftigen beklagen den Heimgang einer Wohltäterin, die stets bereit war, in zarter, vornehmer Weise helfend einzugreifen. Ihr Tod, der eine schwer ausfüllbare Lücke hinterläßt, erweckte in weiten Kreisen unserer Gemeinde tiefe, aufrichtige Teilnahme. Zur Trauerfeier, die im Sterbehause Johnsallee stattfiand, hatte sich eine außerordentlich große Anzahl von Leidtragenden eingefunden. In dem mit entsprechender Trauerdekoration versehenen Parterrezimmer der Billa war der schmucklose Sarg ausgebahrt. Eingeleitet wurde die Feier durch den- Vortrag „Schuwi nafschi lim nuchoichi" durch den Chor der Neuen Dammtor-Synagoge. Die Gedenkrede hielt Herr Rabbiner Dr. A. Loewenthal aus Berlin, der, «anknüpfend an den Psalm 92, ein getreues Lebensbild der Verblichenen zeichnete. Unter den Klängen von Trauerweisen wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben. Der Trauerzug bewegte sich nach dem Ohlsdorser Friedhof: nach dem Gebet des Geistlichen sprach der Sohn am offenen Grabe der teuren Mutter noch ergreifende Worte des Abschieds, und in tiefer Wehmut trennte men sich von der Stätte, wo die irdischen li eber roste der edlen Frau an der Seite ihres vor Jahren vorausgegangenen Gatten beigesetzt wurden. W. B. Münster i. W., 21. Juni. Seinen siebzigsten Geburtstag feierte am 17. d. M. Herr Seminarlehrer Jakob Feinstein in Münster i. W. In der prächtig geschmückten Aula versammelten sich das Lehrerkollegium' und die Schüler der Lehrerbildungsanstalt der Marks-Haindorß-Stiftnng, um den Tag festlich zu begehen. Zur Feier erschienen außerdem Vertreter des Kuratoriums der Anstalt, zahlreiche ehemalige Schüler sowie Freunde und Verehrer des Jubilars. Nach einem einleitenden Klaviervortrag brachte der Senn naristenchor das stimmungsvolle Psalmlied „Der Herr ist mein Hirt" wirklmg-svoll zu Gehör. Der Seminardirektor Herr Dr. K a tz beglückwünschte den Jubilar, schilderte kurz seinen Lebensweg und feierte ihn als hervorragenden Gelehrten, tüchtigen Pädagogen und verbildlichen Charakter. Jrn Namen des Lehrerkollegiums überreichte er ihm sodann ein Geschenk. Darauf ergriff der Justizrat Herr Dr..Cohn für das Kuratorium der Stiftung das Wort. Unter Ueberreickinng einer Ehrengabe dankte er dem Gefeierten dafür, daß er, der schon über 40 Jahre an der Anstalt wirkt, ihr seine ganze Lebensarbeit mit nie versagendem Eifer gewidmet habe. Herr Lehrer Lazarus (Lübbecke) sprach im Namen der ehemaligen Schüler, die gleichfalls ein Geschenk übersandt hatten. In einer Ansprache, die so recht aus dem Herzen kann dankte er dem Jubilar, daß er nicht nur Lehrer, sondern auch Führer und Vater seiner Schüler war. Nachdem ein Seminarist ein Festgedicht vorgetragen hatte, nahm Herr Fein st e i n tief ergriffen das Wort. Er dankte allen für die Beweise der Liebe und Verehrung, indem er ausführte, daß er zwar nicht die Ziele, die er sich selbst gesteckt, erreicht, aber doch stets das Beste gewollt habe. Mit einem Chorgesang schloß die erhebende Feier. Zahlreiche Telegramme, die aus allen Teilen Deutschlands 4 eingelausen waren, zeigten, welchen Anteil die jüdische Lehrerwett j an dem Ehrentage nahm. Möge es dem Siebziger vergönnt fein, wie bisher in alter Frische mitzuwirken, bis die Friedensgrlocken auch

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