Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1918)
- Date
- 1918-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, 28. Juni 1918 82. Jahrgang Nr. 26 Der Gemeindevote. Vetlase zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. Korrrkponvmrm und Aachrichten. Lkittlchltmd. 1 Sß Berlin, 25. Junr. Der organ i s a torische Ausbau der vor einem halben Jahre endgültig konstituierten Zentralwohlsahrtsstelle der Deutschen Juden macht rüstige Fortschritte. -Außer den drei großen Organisationen, dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebünd, der Großloge für Deutschland und dem Jüdischen Frauenbund, die das feste Fundament der Organisation bilden, hat sich bereits eine stattliche Anzahl von großen Gemeinden a n geschlossen, so Danzig, Dortmund, Düsseldorf, Kassel, Elberfeld, Halle, Kattowitz. Ferner liegen noch von den folgenden Gemeinden: Berlin, Breslau, Gleiwitz, Hamburg, Königsberg. Magdeburg' und Posen Zustimmungserklärungen vor, so daß auf deren baldigen A n s ch l u ß gerechnet werden kann. In B a d e n hat sich ein B u n p Isr ae l i tischer Wohlfahrtsver einig ungen gebildet, der für den einen Bundesstaat ungefähr die gleichen Ziele verfolgt wie die Zentralwohlfahrtsstelle für das ganze Reich. Auch er ist der Zentrale beigetreten. Natürlich wird es noch großer Anstrengungen bedürfen, bis es gelungen sein wird, die Zentralwohlsahrtsstelle so auszubauen, daß sie, wie es den Gründern vorschwebte, die Vertretung der gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland darstellt. Die örtliche Zen tr ali s ier u n g der Wohlsahrtseinrichtungen in den einzelnen großen' Gemeinden nracht gleichfalls gute Fortschritte. Es existieren bereits solche Zentralen in Berlin. Danzig, Darmstadt, Elberfeld-Barmen, Hannover, Königsberg, Lübeck, Mainz, Nürnberg, Wiesbaden und Worms. Die Zentralwohlsahrtsstelle ist bemüht, in den Gemeinden, die sich ihr angeschlossen haben, auf einen Z u s a m m e n s ch l u ß der örtlichen Wohlsahrtseinrichtungen energisch hinzuwrrte n. Es sind zu diesem Zwecke von einer besonderen Kommission Richtlinien ausgearbeitet worden, die bei der Schaffung der örtlichen Zentralen als geeignete Grundlage dienen können. Besondere Sorgfalt verwendet die Zentrale auf die Gründung eines -Archivs, um mit Hilfe des gesammelten Materials über alle Wohlsahrtseinrichtungen in Deutschland die ihr übertragenen Aufgaben der A u s k u n f t s erteil nng und der Beratung erfüllen zu können. Das Material wird auf Grund eines Fragebogens von allen Gemeinden, Vereinen. Stiftungen und Anstalten eingefordert und läuft in z u f r i e d e n st e l l e n d er Weise ein. Es soll, einem allgemeinen Bedürfnis entsprechend, in einem H a n d b u ch d e r gesamten jüdischen Wohlfahrtspflege i n D e u t s ch l a n d Bearbeitung finden. Von der immer weiteren Verbreitung dieser Bestrebungen im Reiche zeugt es, daß die Zentrale mehr und mehr um Auskunft angegangen wird, und mit besonderer Befriedigung ist festzustellen, daß sie in einer wichtigen Angelegenheit als B e r a t n n gs st e l l e dienen konnte: Es handelte sich seitens der Jüdischen Blindenanstalt für Deutschland um die Sammlung vo n Gel dmi tt eln fü r j ü di s-che Kriegsblinde, die auf Grund der von der Zentrale eingeholten Gutachten eingestellt wurde, nachdem es sich herausgestellt hatte, daß einerseits die 'Zahl der jüdischen Kriegsblinden gering ist, anderseits genügend öffentliche Mittel vorhanden sind, um auch die jüdischen Kriegsblinden in -entsprechender Weise in Zukunft zu unterstützen. Auf einem weiteren praktischen Gebiet hat sich die Zentralwohlsahrtsstelle mit Erfolg betätigt: bei der Unterbringung. jüdischer Stadtkinder aus dem Lande. Es haben sich hierfür zum ersten Male der Deutsch-Israelitische Gemeindebund und die Kriegshilfskommission der Jüdischen Gemeinde in Berlin unter Mitwirkung der Zentralwohlsahrtsstelle zusammengeschlossen. Die Erfahrungen, die seitens der Zentrale in diesem Jahre auf diesem Gebiete gesammelt wurden, werden in der kommenden Zeit nutzbringend verwertet werden. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß der bisherige Weg, die Kinder in F a m ilien auf dem Lande unterzubringen, nichtzu den gewünschten Erfolgen führt, und es wird auf Mittel und Wege gesonnen werden, um den jüdischen Kindern den Aufenthalt auf dem Lande in einem größeren Umfange, als dies bis jetzt geschehen konnte, in Zukunft zu ermöglichen. Einen großen Teil ihrer Kraft widmet die Zentralwohlsahrtsstelle der Durchführung von zwei wichtigen Beschlüssen, die in der ersten Borstands- und Verwaltungsratssitzung am 3. Februar gefaßt worden waren. ES handelt sich um den Ausbau und die Zusammenfassung der jüdischen geschlossenen Waisenanstaltsfürsorge sowie um die Einführung von Vormundschafts-, Pslegschasts- und Beistandschaf ten für hilfsbedürftige jüdische Kinder, insbesondere für uneheliche und verwahrl ost e Kinder in den einzelnen Gemeinden Deutschlands. Jedes hilfsbedürftige jüdische Kind soll einen jüdisch en Vormund, Beistand oder Pfleger erhalten. Die zur Ausführung dieser Beschlüsse eingesetzten Kommissionen haben wiederholt getagt, und es sind alle Vorarbeiten getroffen worden, um in Kürze mit der praktischen Durchführung der als notwendig erachteten Maßnahmen zu' beginnen. Es war bereits für Mitte Juni eine Tagung der Vorstände und Leiter der jüdischen Waisenhäuser, Erziehungsanstalten und Stiftungen vorgesehen, die aus unvorhergesehenen Gründen leider auf einige Zeit verschoben werden mußte. Die Leitsätze, von berufenen Fachleuten entworfen, liegen bereits allen Anstaltsleitungen vor, und es hat sich auf allen Seiten ein außerordentlich lebhaftes Interesse für den geplanten Zusammenschluß und zweckmäßigen Ausbau der geschlossenen Anstaltspflege gezeigt. In der Vormundfchaftskommission ist das schwierige Problem der Fürsorge für Vormundschafts-, Pflegschafts-, und Beistandsschaften für hilfsbedürftige jüdische Kinder, namentlich aber für uneheliche Kinder eingehend erörtert worden. Auch hier stehen die Vorarbeiten für die praktische Regelung der ganzen Fragen unmittelbar vor dem Abschluß. # fr Berlin, 25. Juni. Der Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums hat an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde folgendes Gesuch um Einrichtung eines Ritualbades im Westen Berlins gerichtet: „Aus Wunsch einer Anzahl unserer im Westen wohnenden Mitglieder richten wir an den verehrlichen Vorstand hierdurch das Ersuchen, das in dem Gebäude Pestalozzistraße vorgesehene Ouellbad gefälligst aussühren und instand setzen zu wollen. Einer besonderen Begründung bedarf unser Gesüch wohl kaum. Der Umstand, daß sämtliche im Westen wohnenden Mitglieder auf das eine im Osten befindliche Quellbad angewiesen sind, war, nachdem die Entwicklung des letzten Jahrzehntes einen großen Teil der jüdischen Bevölkerung nach dem Westen geführt hat,, schon an und für sich ein Uebelstand. Durch den Krieg sind nicht nur die Verbindungen viel schlechter geworden, sondern es macht sich auch in den Wintermonaten der Mangel an Heizung in der Hauptverbindung, der Stadtbahn, für die Besucher des Quellbades in außerordentlich unangenehmer und gesundheitschädlicher Weise geltend. Da kaum zu hoffen ist, daß der kommende Winter uns besondere Verhältnisse nach dieser Richtung bringt, ist eine sofortige Inangriffnahme der für die Herrichtung notwendigen Arbeiten unbedingt erforderlich. Die hierfür in Befracht kommenden Ausgaben können unseres Erachtens keine erheblichen sein. Wir sehen einer geneigten Gewährung unserer Bitte gern entgegen und zeichnen hochachtungsvoll Verein für Erhaltung des überlieferten Judentums." — Die Eingabe liegt gegenwärtig den Gemeindebehörden zur Prüfung und Entscheidung vor. E. M. Berlin, 25. Juni. Die Verwaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde hat in Frau Mathilde- Priester geb. Knopf eine eifrige Mitarbeiterin in der Fürsorge für alte und sieche Gemeindemitglieder verloren. Die Verstorbene gehörte' länger als ein Jahrzehnt dein K-uratorinmder Altersversorgungsanstalt in der Exerzierstraße an, zu deren Bau sie vor einigen Jahren ein großes Kapital beigesteuert hat. Im Krematorium in der Gerichtstraße fand eine Trauerfeier für die Verstorbene sta-tt, der Mitglieder des Gemeindevorstandes und des Kuratoriums der Alterversorgungsanstält beiwohnten. Die Feier wurde durch Gesang des Kellermannschen Synagogenchores ein gele itet, dem stimmungsvolle musikalische Vorträge folgten. Die Beisetzung der Asche fand im Erbbegräbnis aus dem Friedhöfe in der Schönhauser Allee statt. W. Krotoschin, 21. Juni. Die Kunde von dem in den Kämpfen im Westen erfolgten Tode des ersten Vorstehers der hiesigen Synagogengemeinde, des Herrn Rechts-