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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-06-28 · Heft 26 (28.6.1918) · p. Seite 312

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 26 (28.6.1918)
Date
1918-06-28
Page
Seite 312 (sequence 12)
Language
German
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in der „Ungläubigen" trieft, seit 1240 veranstalten ließ, um den Talmud der Gotteslästerung zu überführen und dem Holzstoß zu. überantworten, als ob das Wort, das selbst feurigen Elements, von materiellen Flammen vernichtet werden könnte. In Joinvilles Credo, das Natalis de Wailly, der bekannte, Historiker, Paris 1867 ediert hat, finden sich natürlich auch die lächerlichsten scholastischen Voururteile gegen das Judentum. Froissart sagt in seinen Chroniques, jenem wundersamen Riesenfresko des Hundertjährigen Krieges, Kap. 71: „Anno Domini 1348 et 49 Entsetzliche Chronika, wie der Schwarze Tod Umritt gehalten und was der armen,, verzagten und verjagten Juden Nott darob schier unchristlich zu befahren gehabt insonders von den wildwütigen Flagellanten oder Geihelbrüdern. Traurig zu lesen! Im Jahre des Heils Unsers Herrn 1349, da gingen die Geißler und zogen aus insonders aus Deutschland. Sind ßeui gewest, die taten als öffentlich Buß und schlugen sich mit eisernen Riemen und Stacheln dergestalt, daß ihnen Rücken und Schultern jämmerlich zerschunden worden, und sungen sie gar erbärmliche L-aisen von Unsers Heilands Geburt und Marter und Durst ihr Orden liegen nur eine Nacht in jeglicher guten Stadt. — — Es ward solch Werk verrichtet für tiefer, christlicher Demut, Gott zu bitten, er wölle gnädiglich lindern seinen Zorn und seine Zuchtruten nit mehr so greulich schwingen ob der armen Menschheit, sintemalen zu selbiger Zeit groß Sterben und Pestilenz auskommen sehed, daran wohl ein Tritteil aller menschlichen Kreatur Todes verfahren.-Doch dürft der Wallbrüder keiner jemalen nach Frankreich eingehen, dieweil es ihnen der König auf des Heiligen Vaters Wu-nsch strenge verbot.- Zu dieser Zeit wurden allgemein durch die ganze Welt die Juden gefaht und verbrannt und ihr Hab und Gut von Fürsten und Herrn eingezogen, unter deren Schutz sie gelebt, außer zu Avignon und im Kirchenstaat unter des Heiligen Vaters schützenden Fittichen, wiewohl sie immer, einmal darhingekommen, grausam vor dem bittern Sterben gebangt. Und war wohl 100 Jahr vorher eine Prophezei ausgegangen wider sie, so ein Geschlecht zur Welt käme und das trüge eiserne Geißeln, wie es denn sicher und untrügelich müßt geschehen, so wär's ihr aller End. Und sothane Prophezei dem: auch wirklich eingetrofsen, wie die ftagellantische Brüderschaft mit wilder, blutiger Buß durch die Welt gezogen." S. Aschner. Literarische Mitteilungen. — Konfessionelle M i li t ä r sta ti sti k. Bon R. E. Map. (Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, in Verbindung mit Werner Sombart und Max Weber herausgegeben von Edgar Jafse, Ergänzungsheft XIII.) Tübingen, Verlckg von I. C. B. Mohr (Paul Siebeck), 1917. Eine außerordentlich wichtige Schrift, die zeigt, daß die übliche statistische Berechnung für die Beteiligung der Juden im Heere nichts taugt, sondern daß man bei der Berechnung ganz andere Grundsätze beobachten müsse. Es sind hauptsächlich drei: 1. Tie Juden leben meist in den Städten, nicht auf dem flachen Lande, leiden also körperlich unter den Mißständen, die durch das Leben in Städten hervorgerufen werden, und besitzen nicht die körperlichen Eigenschaften, die in der Landbevölkerung bemerkbar sind. 2. Da ein großer Teil von ihnen wohlhabender ist als die christliche Bevölkerung, so können die Judsn im allgemeinen für ihre Erhaltung mehr tun, so daß sie durchschnittlich ein größeres Alter erreichen, das bei den statistischen Berechnungen ungünstig auf ihre Beteiligung wirkt. Das Tritte und Wichtigste aber ist das folgende: Die Juden besuchen in stärkerem Prozentsatz höhere Schulen; sie werden daher infolge ihrer ausgebildeten Intelligenz, nicht aus freiem Willen, sondern auf Anordnung der Militärbehörde, mehr teils zu Kriegsgesellschasten, teils als Berichterstatter, teils zu einer mit dem Heer zwar zusammenhängenden, aber mit dem Kriegsdienst nicht in direkter Beziehung stehenden geistigen Beschäftigung herangezogen als die christliche Bevölkerung. Diese drei Gründe bewirken es, daß der durch eine konfessionelle Militärstatistik herausgerechnete Prozentsatz ungünstiger erscheint, als er wirklich ist. Daher müßten diese Gründe sorgfältiger beachtet werden, um zu einer richtigen Feststellung zu gelangen. Endlich dürste noch zu erwägen sein, daß viele Juden infolge des bei ihnen herrschenden Wandertriebes sich im Anstande befanden und gar manche daran verhindert wurden, ihrem Gestellungsbefehl nachzukommen. Die Schrift ist mit Ruhe und Sachlichkeit geschrieben und bemüht sich, statt neuen Streit zu erregen, zum Frieden zwischen den Konfessionen zu ermähnen. ■ V L. G. Pessachg abe der Arbeitsgemeinschaft jüdischliberaler Jugend-Vereine Deutschlands. Berlin 1918. Druck von Berthold Levh, Berlin C 2, Neue Friedrichstraße 48. Es ist das erste derartige Heftchen, das die Arbeitsgemeinschaft der jüdisch-liberalen Jugendvereine in Deutschland heran sgibt, und wir begrüßen es als Zeugnis frisch pulsierenden Lebens, das in dieser Gemeinschaft herrscht. Aber auch der Inhalt verdient volle Anerkennung. H. Stern, B. Breslauer, Cäsar Seeligmann, Feli-x Goldmann, Rabbiner Steinthal und Feldrabbiner Wolfs füllen mit ihren Beiträgen das Heft von 16 Sei.ten. Die Hoffnung auf die Zukunft, das Fortschreiten im Judentum, die Belebung des -nessianischen Gedankens in der Menschheit kommen zu häufigem schönen Ausdruck: Lernen und Prüfen wird als Aufgabe der liberalen Juden bezeichnet. Zur Einheit in der Jugend wird gemahnt und zu neuen Einigungsbemühungen ausgerufen, wenn auch der Verständigungsversuch vom 5. März gescheitert ist. Zu einer solchen Verständigung erklären sich die liberalen Vereine bereit, nur müßten, wie sie und wir meinen, die Nationalisten und die Zionisten von -ihrem Starrsinn und ihrer Herrschsuchtabsehen. Die Aufsätze, die in klarer, teilweise begeisterter Sprache die Anschauungen und Forderungen -der jüdischen Jugend aussprechen, seien allgemeiner Beachtung empfohlen. L. G. — Der RoteHahn. Ferdinand Lassalle, Tagebuch des Leipziger Handelsschülers. Mai 1840 bis Mai 1841. Berlin-Wilmersdorf 1918, Verlag der Wochenschrift „Die Aktion" (Franz Pfemfert). Ern frühreifer Jünglinge, 15 bis 16 Jahre, spricht hier über seine inneren und äußeren Schicksale: über die Handelsschule, die er ans Trotz gegen seinen Vater besucht, über seine Mitschüler, Lehrer und Pensionseltern, über seine Vergnügungen und Bummeleien, seinen Hang zum Wohlleben und zur Verschwendung, Er spricht über Dheatergenüsse, wobei interessante literarische Urteile Vorkommen. Das Bedeutendere in seinen Aufzeichnungen ist die Begeisterung für Napoleon, die im Anfang der 40er Jahre in Deutschland nichts Merkwürdiges ist. Die schon damals starke demokratische Gesinnung tritt hervor: das Verlangen, Schriftsteller im republikanisch revolutionären Sinne zu werden, die Anteilnahme an den Juden. Diese zeigt sich besonders bei Gelegenheit des Vlutmärchens von Damaskus, Seite 7 und 17. Ferner ist hervorzuheben dis Sympathie für jüdische Schriftsteller, wie Heine und Börne. Ueber Börne vergleiche Seite 22 -ff., über Heine z. B. Seite 32 ff. Das wichtigste aber ist, daß Lassalle sich nicht bloß als Juden fühlt und mit diesen Stammes- oder Glaubensgenossen sympathisiert, sondern sie zur Selbstwehr ausruft, sich entrüstet, daß sie sich alles gefallen lassen, und daß er sie selbst zu gewalttätigen Taten aufreizt und gegen ihre Gegner mit starken Worten kämpft. Außer dem Leipziger Aufenthalt wird auch eines kurzen Besuches in seiner Vaterstadt Breslau 1841 gedacht. Rührend ist die Liebe zu den Eltern ausgedrückt, auch zu seiner Schwester, deren Heirat mit seinem Vetter Friedland er eine Zeitlang entgegentritt. — Der zweite Teil des Buches enthält ziemlich ermüdende Schulgeschichten; eine Erwähnung verdient die Schilderurrg eines Sederabends, bei dem er den Dichter Wolfsohn trifft, auf den. schon früher in diesen- Blättern hingewiesen wurde. Die Aufzeichnungen enden mit seinem liebergang zur Universität und dem Ausdruck seines festen Entschlusses, sich der liberalen Sache zu widmen, ja Märtyrer zu werden. Es ist ein ungemein wichtiges Stück Selbstbeichte, um so wichtiger, als sie von einen: Jüngling herrührt, der kaum die Knabenjahre verlassen hat. L. G. Mchrreinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Arrrücksendurrg der Bücher findet tn keinem Falle statt. Aus dem Briefwechsel des Magus im Norden. Johann Georg Hamann an Franz Kaspar Bucholtz 1784—1788. Herausgegeben von L. Schmitz-Kallenberg. Münster i. W. 1917, Universitätsbuchhandluug Franz Coppenrath. Die Juden in der Geschichte. Bon Dr. Egmont Münzer, k. k. Universitätsprofessor. Nach einem am 23. Mai 1917 ün Deutschen Vereine für Volkskunde und Sprachwissenschaft in Prag gehaltenen Vortrag. Wien und Leipzig, Wilhelm Braumüller, k. k. Univerfitätsverlagshuchhnndlung, Gesellschaft m. b. H., 1918.

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