Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1918)
- Date
- 1918-06-28
- Page
- Seite 305 (sequence 5)
- Language
- German
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wurde. Die jüdischen Studien Pflegte ich in Berlin vorerst im Beth-Hamidrasch beim Lektor B Zomber und nachher in der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. An den hohen Festtagen predigte ich in dem einen oder anderen für den Gottesdienst hergerichteten Saale. Chanuka 1877 erhielt ich von meinem verehrten Freunde und Lehrer Dr. I. Lewy das Rabbinatsdiplom und bald darauf wurde ich als Rabbiner gn die hiesige Gemeinde berufen, die damals weit größer war als jetzt, während sich die Stadt wesentlich seitdem vergrößert hat und auch vor dem Großen Kriege Garnison st adt geworden ist. Am 4. Juli 1878 wurde ich als Rabbiner hier eingeführt. So habe ich nun vierzig Jahre hindurch als Rabbiner, Prediger. Redner. Lehrer und Schriftsteller zu wirken gestrebt, viele Jahre in dieser Reihe auch im Verein für jüdische Geschichte und Literatur, als Beirat des Fraüenvereins. als Protektor' des Jungfrauenlvereins. als Mitglied der städtischen Schuldeputation. als Inspizient des Religionsunterrichts in einzelnen rabbinerlosen Gemeinden und zuletzt auch während des Großen Krieges für die mannigfachen Bedürfnisse der jüdischen Soldaten in der Garnison und in den Lazaretten. Außer vielen Arbeiten in den verschiedensten Zeitschriften, namentlich in der ..Rahmerschen Wochenschrift"', in den „Brüllschen Monatsblättern", in diesem Blatte, im „Israelitischen.. Familienblatt", im „Israelit", in der „Freien Jüdischen Lehrerstimme" u. a., habe ich folgende Schriften veröffentlicht: 1. Zwei Reden, 2. vier Reden, 3. Die Haftaroth (dem Inhalte nach dargestellt). 4. Ansprachen und Reden für die Festtage, 5. Deutsche Pessach-Haggadah (für die beiden Sederabende), 6. Beiträge zur Wissenschaft des Judentums. - Zu Beginn meiner Studien in Berlin rief der Französische Krieg alle Studenten zu den Waffen und sie folgten in Heller Begeisterung dem Rufe. Und in Heller Begeisterung wurde nach Friedensschluß der Einzug der Truppen von allen Seiten gefeiert. Oh. wenn doch auch der jetzige Krieg, der gleichfalls mit Heller Begeisterung begonnen wurde, auch bald siegreich endete und überall der Einzug der Truppen in Heller Begeisterung gefeiert werden könnte! Zur Zeit des beginnenden Antisemitismus habe ich mein Amt angetreten, und nun mußte ich auch die fürchterliche Kriegszeit an der Ostgrenze mitmachen. Oh. wenn doch mit dem Kriege auch endlich „die Schande des Jahrhunderts" ausgerottet werden könnte — für immer! Welches Heldentum gehört aber dazu, in solchen ernsten, aufgeregten und gefahrvollen Zeiten in kleinen und kleinsten schwierigen Verhältnissen aus- und durchzuhalten! Es ist doch mit des Ewigen Hilfe glücklich überwunden — wie so manches tiefe Leid, mancher tiefe Kummer, den ich zu tragen hatte auch infolge der politischen Konstellation. Und auf des Ewigen Hilfe will ich weiter bauen und vertrauen! flii8 dem Jahresberichte der Israelitischen Mian??u Men. er in der General ve rsmninlung der Israelitischen Allianz am 10. Juni 1918 vom Präsidium des Vereins erstattete und an die Mitglieder versandte Jahresbericht weist mit Bezug aus die Kriegshilfsaktion des Vereins zunächst auf die traurige Tatsache hin, daß das vor einem Jahre erfolgte Eintreten der Vereinigten Staaten in den Krieg ein vollständiges Versiegen der amerikanischen Hilfsquellen zur Folge gehabt hat, wenn auch speziell für Russisch- Polen durch eine mit dem Niederländischen Hilfskomitee im Haag getroffene Vereinbarung durch einige Monate Unterstützungen erlangt werden konnten. Glücklicherweise hat die Allianz noch kurz vor Toresschluß, bevor die diplomatischen Beziehungen mit Amerika abgebrochen wurden, vom Joint Distribution Committee in New Jork für die Flüchtlinge -in Oesterreich, für die Aktion in Galizien und für die okkupierten Gebiete eine letzte Sendung von über 'zwei Millionen Kronen erhalten. Durch diese gleichsam zum Abschied davgebotene Beihilfe konnte das Hilfswerk noch immer auf einer stattlichen Höhe erhalten werden. Von Mai 1917 bis Mai 1918 wurde über eine halbe Million Kronen für die Flüchtlinge im Westen, ungefähr 1700 000 Kronen an Unterstützungen in 246 notleidenden jüdischen Gemeinden Galiziens und der Bukowina und ungefähr eine Million Kronen in zirka 150 notleidenden Gemeinden der okkupierten Gebiete verwendet. Seit Beginn der Aktion wurden an Flüchtlinge 4100 000 Kronen, in Galizien und in der Bukowina 4 400 000 Kronen, in den okkupierten Gebieten 2 800 000 Kronen, zusammen 11300 000 Kronen verteilt. Gegenüber dem großen Umfange des Glends, welches wirksam zu bekämpfen die private Wohltätigkeit überhaupt außerstande ist, mißt dieser Betrag gering; der Verein war aber doch in der Lage, durch diese Subventionen viele Tausende der allerärmsten Inden, die infolge der grenzenlosen Not freut Untergange preisgegeben waren, mit ntit Nahrung und Obdach zu versehen und viele Hunderte Verlasserter unb verwahrloster Kinder vor dem Verkommen zu retten. Die Verteilung der amerikanischen Gelder geschah auf Grund eingehender Beratungen in einen: hierfür gebildeten besonderen Komitee, in welchem alle sich für das Hilfswerk interessierenden jüdischen Körperschaften vertreten sind. Die Hilfstätigkeit der Allianz blieb von den kompetenten Staatsstellen nicht unbeachtet. Das k. k. Ministerium des Innern richtete an den Verein ein Dankschreiben, in welchem das Hilfswerk als eine wertvolle Ergänzung der staatlichen Fürsorgeakti-on bezeichnet wird. Der Bericht hebt mit Recht hervor, daß die Aufmerksamkeit unserer vermögenden Glaubensgenossen sich der Hilfsaktion zu wenig zu gewen d e t h at. Nachdem auf Hilfe aus der Ferne nicht mehr zu rechnen ist, müsse um so mehr die österreichische Judenheit ihrer Ehrenpflicht entsprechen, um während der restlichen Kriegszeit und nach Beendigung derselben durch Selbsthilfe die entstandene Lücke auszufüllen und durch großzügige Widmungen den Weiterbestand der Wohl fahrtsei nri-chtungen und die Weitergewährung der Unterstützungen zu sichern. In besonderen Abschnitten behandelt der Bericht die Entwicklung der Flüchtlingssürsorge sowie der Hilfsaktion in Galizien und in Rabbiner Dr. Lriedmann in Lublinitz zu seinem 40jährigen Amtsjubiläum..