Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1918)
- Date
- 1918-06-21
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Hofes, her Oberprästdenten von Westfalen und Hannöver, des stellvertretenden kommandierenden Generals von Münster, «des Vertreters des Kriegsmimfteriums, .Vertreter anderer Reichs- und Staats^ behörhen, Männer aus Verwaltung und Justiz, Handel und Industrie, Schule und Kirche, Kunst, Wissenschaft und Presse und namhafter Persönlichkeiten aus ganz Deutschland statt. An dem feierlichen Akte, der in dem Festsaale der Akademie vor sich ging,' nahm auch Herr Prediger RüH-s von. der Sh-nagiogengemein-de Detnwld ails ossiziell von -der "Akademie Geladener teil. R'. Lemgo, 14. Juni. Die Herren Zigarr-ensabrikanten Hugo und Hilmar Kabaker haben der Stadt Lemgo in rühurons-verter Mise zum Andenkenan. ihren am 15. Juni 1917 verstorbenen Vater, den Fabrikanten und ersten Vorsteher der Synagögengemeinde Moritz Kabaker in Lemgo, einen bedeutenden Betrag zur Gründung einer Kriegerheimstätte gestiftet, die unter dem Namen einer „Moritz-Kabaker-Stistung" geführt werden soll und zur Errichtung von vorläufig 20 Fami'lienwohnungen für heimkehrende Krieger bestimmt ist. Diese hochherzige Stiftung hat bei allen Mitbürgern und auch weiter hinaus im ganzen Lipper lande große Befriedigung. erweckt, da es die erste Stiftung auf dem Gebiete der Kriegerheimstättenbewegung in unserem Lande und seiner weiteren Umgebung ist. L. T. Essen, 14.Juni. Am 1. April d. I. war ein halbes Jahrhunderitr seit Eintritt des Niektors Siegfried Gra s in das' Lehraimt versbrichen. Gra 's, eine der bekanntesten Erscheinungen in der jüdischen Lehrerwelt Rheinland-Wiestfalens, cm 20. März 1847 als Nachfolger einer Ahnenreihe von Lehrern in Deutsch-Krone geboren, genoß nach vorbereitenden- Studien in seinem Heirnatsort seine Fachausbildung unter den: Hovwitzschen Rektorat auf der jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Berlin. Seine hervorragende Kantoratsausbildung verdankte er Professor Lewandowski, dem er auch in späteren Jahren in Freundschaft verbunden blieb. Je zwei Jahre übte er seine Lehr-amtstätigkeit in Kattowitz und Schneidemühl aus, siedelte dann 1872 nach Essen über, wo er dauernd verblieb. Das ganz außergewöhnliche Wachstum dieser Stadt, - damals von mittlerer Provinzialgröße, jetzt weit über eine halbe Million Einwohner zählend, bot Graf die Gelegenheit, seine hervorragende Befähigung in Lehrfach, Kantorat und Verwaltung zü segensreicher Entfaltung bringen zu können. Nach Rücktritt des damaligen Schulleiters, des ausgezeichneten Blumenfeld, im Jahre 1887 ward Gras mit der Führung betraut; aus der zweiklasstgen entwickelte sich die sechsklassige Volksschule, der noch heute Graf als Rektor vorsteht. Seine besondere Bedeutung nach außen hin gewann Graf durch die im Jahre 1895 erfolgte Wahl als erster Vorsitzender des Vereins Israelitischer Lehrer der Provinz Rheinland- Westfalen, welches Amt er 17 Jahre mit glänzendem Geschick zum Segen der Verwaltungsgeschäfte der Pensionskasse führte. Mit Uebernahme dieser Tätigkeit durch Graf nahm die Kasse eine ganz ungeahnte Entwicklung. Die Einnahmen während seiner Geschäftsführung beliefen sich auf 220 000 Mark; 130 000 Mark konnten als Pensionszahlungen erfolgen, den Sparsondskonten 35 000 Mark hinzugelegt werden. Daneben versah Graf die Ehrenämter als Vorstandsmitglied des Verbandes der-Jüdischen Lehrer-Vereine im Deutschen Reich, des Provinzialverbandes der Shnagogengemeinden der Rheinprovinz, -der Lehrer-, Witwen- und Waisen-kasse für den Stadt- und« Landkreis Essen. Wie sehr er mit Wort und Schrift erfolgreich für die Umwandlung der jüdischen Religions- und Privatelementarschulen in öffentliche jüdische Volksschulen sich einsetzte, zeigte ebenso, wie er als Borkänrpfer für die Errichtung jüdischer Lehrerseminare eintrat, wie klar er die hohe Bedeutung dieser Einrichtungen für ein blühendes Gedeihen des Volksschullebens erkannt hatte. Daß seine segensreiche Tätigkeitauf so vielen Gebieten idealen Strebens.die verdiente Anerkennung finden müsse, fand anläßlich der beabsichtigten Jubelfeier seine Bestätigung. Leider konnte das lang vorbereitete Fest des 50jährigen Amtsjubiläums nicht stattfinden, da ein tragisches Geschick es wollte, daß der Jubilar am Tage des 'beabsichtigten Festes die Totenbahre seines verstorbenen ältesten Sohnes umstehen mußte. Und so konnten die zahlreichen Ehrungen nur in angemessener stiller Form zum Ausdruck gelangen. Sie im einzelnen aufzuführen, wollen wir uns versagen. Als wesentliches Moment heben wir hervor den feierlichen Festgottesdienst in der Synagoge, die Ehrungen durch Regierung und Stadtverwaltung unter Ansprache und Ueberreichung des Kronenovdens vierter.Kilafseund wertvoller Ehrengeschenke. Vorstand und Repräsentanten der Gemeinde wie auch, wohl ausnahmslos 'Vertreter aller ' bedeutenden jüdischen Ortsvereine,der Verein israelitischer Lehrer Weinland-Westfalens, der Rektorenverein Essens, ehemalige SchüMüstv., sie all e'brächten dein AüKlar'ihre Hu'l'dlgungen'm Gestalt von Ansprachen' und Wertgeschenken.'' Durch eine sehr ansehnliche Gehaltserhöhung den Jubilär feiernd, fand die Schiägogen'gemeinde M gleich die Gelegenheit, für sich selbstein' ehrenvolles' Mützmh-'ÄMKM.' — München, 14 Juni'. Die vier ostjüdvHejt. .Vereine. ..,,Li.na-th Hazedek", , „Jenidze", '„.Schömre^. ^chabbys^. ^.ünd „Ägudas Achim" haben beWössen, baldmöglichst .eine T g l m u d - T h o r a - Sch ül.e ins Leben zu rufen, welches wenn irgend möglich, die Vorstufe zu einer jüdischen BoMschule/bilden soll^ In einer zu diesem Zwecke, äustben 14. d.. M. 'einberüsenen Versammlung gab Herr Rabbiner'.. Prpf. Dr. Wer n er seiner'groben Äefriedigung ob diesen Planes'Ausdrück, lieber die Möglichkeit des.Ausbaues der Talmud-Thorä-Schule zu einer jüdischen Volksschule, die er als eine Notwendigkeit zurBErhal-. tung des Judentums in der Gerneinde. bezeichnete, sprach sich der Redner sehr ermutigend ans und . stellte .seine tatkräftige Mitwirkung rn Aussicht. Herr Felix F e u ch t w a n g er., welcher der Versammlung in Vertretung des auf einem Kurplätze weilenden Herrn Dr.. Eh rentreu anwohnte, lieh eine in hebräischer Sprache verfaßte Anrede des Herrn Dr. Ehrentreu -verlesen, worin dieser seiner großen Befriedigung darüber Ausdruck verleiht, daß das Thorastudium eine neue Heimstätte in der Gemeinde finden soll. Dann Wildert Herr Feuchtwanger die Zustände, welche sich im schulmäßigen Unterrichte unter dem Zwange der Verhältnisse heran »gebildet haben, und . zeigt die Wege, die vorläufig zur Erreichung des Zieles einzufchlagen sind. Die emgelettete Sammlung ergab, als Grundstock für die Talmüd- Thora-Schule vorläufig 19 000 Mark. Wenn, wie sicher' .anzUnehmey, in-nächster Zeit noch weitere Zuwendungen erfolgen, darf die Gründung der Talmud-Thora-Schule als gesichert' betrachtet werden. Grsterreich-Angam» Z. Wien, 14. Juni. Dem Großindustriellen P o ll a ck Edlen v. Parnegg in Wien wurde der österreichische Freiherrnstand verliehen. Freiherr v. Pol lack nimmt'in der österreichischen Textilindustrie eine hervorragende Stellung ein. Er war der erste, der in . Oesterreich die Großerzeugung seiner Fabrikate, der Baumwbllwärenbuntweberei, aufnahm, wodurch auf diesem Gebiete die ausländische, insbesondere die englische Konkurrenz ttf Oesterreich aus dem Felde geschlagen und ein lebhafter Export erzielt wurde. Um die Wohlfahrt seiner zahlreichen Arbeiter war Freiherr v. Pollack stets eifrig besorgt. Freiherr v. Polläck hat sich als langjähriger Präsident des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, namentlich auch durch Schaffunghumanitärer Einrichtungen zugunsten der Angehörigen des' kaufmännischen Berufes, erfolgreich betätigt. In erster Reihe gilt dies von der' Errichtung des neuen Krankenhauses der Wiener Kausmattuschast, der Schaffung des Erholungsheimes für .kaufmännische Angestellte in Gietzhübl bei Mödling sowie von der Altersversörgung der kaufmännischen Angestellten. Freiherr Leopold v/ Pollack war kürze Zeit Mitglied des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. —'Der Kaiser hat dem Journalisten Ernst Kleb inder, Redakteur des „Neuen Wiener Tagblatt", den Titel -eines Regierungsrates verliehen. Regierungsrat Klebinder, der vor mehreren Jahren als Bezirksvorsteherstellvertreter in der Levpoldstadt verdienstlich tätig war, ist der Anreger der -segensreichen Aktion „Frühstück für die Schulkinder" und hat auch für die Aktion „Wiener Kinder aufs Land", sehr 'eifrig gewirkt. Derzeit fungiert Regierungsrat Klebinder als Grüppenvörständ "im gemeinsamen Ernährungsausschuß. ' - >. J. K. Budapest, 14. Juni. Se. Majestät der' König hät> wie bereits gemeldet, dem scheidenden'; JnstizmiNisLer UntzärNs Dr. Wilhelm V ä z son yi die Würde eines'Geheimen Rates verliehen. Der Sohndes einstigen jüdischen DorfschrrllÄhrers ist' der erM Jude in Ungarn, dem diese. Auszeichnlrng zuteil getv0rdeN. MiL seinem Scheiden aus. dem JustiMinisterium findet ein -glänzender Abschnitt seiner Tätigkeit, keinesfalls aber seinepEtifch-ä und^öff-mtltche'Müfbahn ihren Abschluß. Gewiß: Wilhelm Väzsonyi hat garmanche politische Gegner/gar manche unerbittliche Bekänrp'fer gehabt. Aber selbst seine erbittertsten Feinde hegten während seiner ganzen' bisherigen öfsentlichen Laufbahn auch nicht eine Minute BedeMn über die Lauterkeit seürer Mfichien, über die Mfrichti.gkeitseiner Ueberzeugungen. Im innersten Kern eine Kampsnatur, hatte sich der Müale Judenabstämmliug von kleinen Anfängen zur geachteten Positton eines . angesehenen hauptstädtischen.Rechtsanwaltes, zum. .Führer der ungar- . ländischen 'Demokratie, -zu einem derpuritansten Verfechter der 'Haupt-