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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-06-21 · Heft 25 (21.6.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 25 (21.6.1918)
Date
1918-06-21
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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—.4 städtischen Auivnomre, zum beredtsten Vorkämpfer des all^meinen Wahlrechtes und schließlich zum Justizmimster Ungarns emporgeschwungen. Der sich auf die Kraft der öffentlichen Meinung stützende, mib Argumenten, nicht mit klangvollen Phrasen debattierende Minister war in der Kampsarena der ungarischen Politik rille Seltenheit. Deshalb heftete sich auch die Verleumdung, die Verfolgung an seine Fersen. Man wollte die Welt glauben machen, dah er die Sache ^es 'allgerneillen Wahlrechtes, zu deren Lösung er doch zum Minister gerufen worden war, verraten werde. Wenn je ein Minister bittere Eripnerlrugen gehabt, so bildete diese niedrige unbegründete Verdächtigung eine solche. Der Sturz des Justizministers VLzsiouyi hat diese Verleumder in eklatanter^ Weise Lügen gestraft Es hätte den Juden Väzsonyi nur ein geringes Maß von Nachgiebigkeit gekostet, um im Vollbesitze der Macht zu verbleiben: er hat aber nicht die geringste . Koilzession gemacht, um sein Ministerportefeuille zu retten. Mag seich daI man - vorn Standpunkte des praktischen Lebens, der staats- Nlännischen Klugheit dieses intransigente Verhalten nicht ganz billigen fann: dem so -viel verleumdeten Demokraten Väzsonyi, demvon so vielen angefeindeten Juden Väzsonyi, gereichte es zur größten. Anerkennung. Mit diesem unentwegten Festhalten an seinen Prinzipien, m-i't -dieser Unbeugsamkeit, mit diesem Verzicht auf den Besitz der .Macht hat er nicht nur seiner politischen Reputation, sondern auch seimn Glaubensgenossen einen wertvollen Dienst geleistet. Denn er hat damit bewiesen, daß die fides, judaica, die jüdische Treue, das jüdische Manneswort kein leerer Schall sind, daß sie vielmehr dem innersten Wesen des Juden, dem Geiste des Judentums entspringt. Ter urtgarische Publizist Dr. Marzell Kadosa konnte mit Recht anläßlich des Sturzes Väzsonyis schreiben: „Viele haben ganz ernstlich' die Behauptung aufgestellt, daß die Sprößlinge der in große Vermögen hineingeborenen Magnatensamilien sich eben deshalb dazu eignen, irr der Politik Führerrollen zu spielen, weil sie sich infolge ihrer Traditionen, ihrer Unabhängigkeit und ihrer materiellen Sorglosigkeit über jene Versuchungen erheben können, die die gewöhnlichen Sterblichen Irrlichtern gleich in die Sümpfe zu locken vermögen. Wilhelm Mzfonyi hat uns ein lebendiges Beispiel dafür aufgestellt, daß die bürgerliche Ehre und Charakterfestigkeit vom Vermögen urld vom Purpur der Wiege unabhängig sind/' Von Ooh und Fern. . — Die Armeerabbiner Dr. Baeck (Berlin) und Dr. Gradenwitz (Tarnowitz) sind auf Antrag ihrer Gemeinden zurückberufen worden. An ihrer Stelle wurden vom Kriegsministerium die Herren Rabbiner Dr. Klein (Hirschberg) und Dr. Baßfreund (Pinne) berufen. — Geheimer Sanitätsrät Dr. B e n n o Hö l z, der Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums der jüdischen Reformgemeinde und Mitglied der Repräsentantenversammlung der großen jüdischen Gemeinde, ist durch den Heldentod seines jüngsten Sohnes in Trauer versetzt worden. Leutnant Holz, der als Offizier im Felde stand, war Ritter des Eisernen Kreuzes etfktt und zweiter Klasse. — Der Direktor der Conrad Tack u. Cie. Aktiengesellschaft, Berlin, Hermann K r o j a n k e r, hat die Rote-Kreuz- Medaille erhalten. — Für die Ludendorff-Spende hat Fabrikbesitzer I. Garbäty-Rosenthal, Inhaber der Firma I. Garbäty in - Berlin-Pankow, 25 00b Mark gestiftet. — Herr Wilhelm Just (Guben) . teilt uns mit, daß Leutnant Karl I o a ch i m s t h ä l das Eiserne Kreuz erster Klaffe und ebenso den Königlich-Bayerischen Militärverdienstorden vierter Klasse mit Schwertern erhalten hat. Herr Joachimsthal wohnt in Berlin, Claudiusstraße 8, und ist seit Anfang des Feldzuges 1914 eingezogen, und zwar seinerzeit als Gefreiter. Augenblicklich ist Leutnant Joachimsthal kommandiert beim bayerischen Arrnee- Nachrichtenkommando 6. — In Ortelsburg (Ostpr.) verschied im Alter von 86 Jahren Herr Aron Zw illenberg, der lange Jahre Vorstandsmitglied der Kreissynagogengemeinde und Ehrenmitglied des israelitischen Kranken- und Beerdigungsvereins war. — Den Herren Hermann B erlowitz, Max Friedland ünd Siegfried. Lublins kym Elbing ist das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen worden. — Das Eiserne Kreuz erster Klaffe erhielten der schwerverwundete Dizewachtmeister Max Boß, Bruder der Frau Frieda Gerson (Schwerin an der Warthe), Oberfeldarzt Dr. Latt 6, stellvertretender Divisionsarzt bei einer Infanterie-Division, Sohn der verwitweten Frau Rentnerin Latt6 (Schrimm, Posen), außerdem erhielt er den Mecklenburgischen Kriegsorden. — Herr Louis L o e w e n. thal, Mitglied des Borstandes der Synagogengemeinde Breslau, Jahre hindurch der vorbildliche Dezernent /ihres AMeMHiM, 'feierte den 75. Geburtstag. — GefreiterJakob HeilbLt/MkkMK'-'Ähielt das Eiserne Kreuz elfter Klaffe. — Musketier Hans N o r d e Sohn des Rabbiners Dr. Norden (Elberfeld) hat das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhalten. — Aus Nürnberg wird uns geschrieben: -Las Eiserne Kreuz erster Klaffe erhielten: Julius Graf, Leutnant im'9. bayerischen Resevve^8)artifferjeregiment, Sohn des Kaufmanns ' Adolf Graf (Nürnberg); Oberstabsarzt und praktischer Arzt' Dr. Baruch Latte (Nürnberg); Leutnant Karl Sahlmann, Mitinhaber der Hopfenfirma Beruh. Sahlmanu in Fürth. D a s E i s e r n t K r e u z 2. Klasse erhielt: Otto T t eu ma nn, stud. med. und Gefreiter int 14. bahr. Jnf.-Reg., Sohn des prakt. Arztes Dr. Treumann. D a s b a y r. König L.u.dw i g.-^K re uz. f ü r Kr iegsv ex dien st e y r h i e 11: Henriette G nt m a nn , Gattin . des Privatiers und Mitglieds der Gemeindeverwaltung Moritz Gutrnann in Augsburg. — Dem Bataillonsarzt Dr. Gustav S k i e d el, Eschheimer Anlage 18 in Frankfurt a. M. wohnhaft (seit zwei Jahren im Felde), wurde, das Eiserne. Kreuz erster Klasse verliehen. — Vizefeldwebel Erich H o s m a n n„ Sohn des . Buchhändlers A. I. Hofmann in Frankfurt a. M., wurde zum Leutnant d. Res. befördert. — Aus Wangen wird uns geschrieben: Mit dem Eisernen. Kreuz erster Klaffe ausgezeichnet wurde Herr Oberarzt Dr. Wolf von hier, Sohn des israelitischen Gemeindevorstehers. Herr Dr. Wolf steht feit Kriegsbeginn im Felde, zurzeit in Palästina (Ostjordangebiet) bei einer Pionierabteilung. Er ist bereits Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, des Eisernen Halbmondes und des Zähringer Löwenordens mit Schwertern. Wir beglückwünschen den tapferen Soldaten von Herzen zu seinen Auszeichnungen. — Eine jüd i sche Sektion für j ü d i sch e V ol k s k ü n d e hat sich, wie das Jüdische Pressebureau in Stockholm berichtet, in der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde gebildet. Sie hat zum Zwecke die Erforschung der Sitten, Bräuche, Ueberlieferungen, Volksmärchen und Lieder vorzüglich der Östjudenheib Die Gesellschaft soll bereits ein ziemlich umfangreiches Material gesammelt haben, das in absehbarer Zeit zur Veröffentlichung gelangen wird. — Die „Oesterreichische Wochenschrift" berichtet: Hauptmänn eines Infanterieregiments Sigismund Bodek, seit Kriegsbeginn im.Felde stehend, und zwar zunächst an der serbischen, dann an der Karpathen- und wolhynischen, zuletzt an der italienischen Front, wurde im Laufe dieser Zeit mit dem bronzenen Signum laudis mit den Schwertern, mit dem silbernen Signum laudis, dem deutschen Eisernen Kreuz 2. Klasse dekoriert, außerdem wurde ihm die belobende Anerkennung des Armee-Oberkommandos ausgesprochen. Nunmehr wurde Hauptmann Bodek neuerdings durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz-Josef-Ordens mit der" Kriegsdekoration ausgezeichnet. — Der Großgrundbesitzer Benjamin Fried mann in Grotzwardein hat zur Errichtung einer landwirtschaftlichen Arbeiterschule mehr als eine Million Kronen letztwillig vermgW In der Schule sollen jährlich zehn christliche und zehn jüdisD Gchüser zp Musterlandwirten ausgebildet werden. Außer diesem Legat hat her Verstorbene zur Förderung der Schule durch zwanzig Jahre hindurch zehn Prozent der Einkünfte seiner ganzen Hinterlassenschaft vermacht. — Haag, 16. Juni. Reuter meldet aus London: Generalmajor John I o n a s h wurde mit dem Oberbefehl eines australischen Armeekorps mit dem Range eines Generalleutnants betraut. Das ist der höchste Posten, den jemals ein I u d e im Heere bekleidet hat. (Franks. Ztg.) — Die Warschauer jüdische Gemeindeperwaltüng leitet mit dem Magistrat Schritte ein, um die von den Russen fortgeführten Kapitalien, die bei der russischen Rerchsbank lagen, aus Rußland zürückzuerhalten. Für die Gemeindeverwaltung, handelt es sich um wehr als eine halbe Million Rubel. Der hebräischen Literatur und Publizistik, die sich bisher über eine übertriebene Förderung durch die begüterten Juden nicht zu beklagen hatte, ist ein Mäzen erstanden, der fünf Millionen (?) Rubel für die Verbreitung der hebräischen Literatur, die Herausgabe hebräischer Zeitungen und die Übersetzung von Meisterwerken der hebräischen Spräche gestiftet hat. Der Spender dieses großen Fonds heißt S z t y b e l; er wohnte vor dem Kriege in Warschau und wurde von den Russen nach Zentrab rußland verschleppt. Hier erwarb er sich ein Millionen-Vermögen, das er jetzt teilweise in den Dienst jüdisch-kultureller Zwecke gestellt hat. _ : ... " " Verantwortlicher Redakteur: Albert Natz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Inn g e, BerlrnDriedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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