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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-06-21 · Heft 25 (21.6.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 25 (21.6.1918)
Date
1918-06-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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s an und betätigte sich mit besonderer HWHaLe- . m. der Waiftykvrnmiffion, deren, durch den Kriegerweiterten Aufgaben sie großes Interesse widmete. Zu der ' Traü-erfeier. für die Verstorbene/ dve. auf dem GevremdesriMofe in.Wei'beusM.'stattsand,. hotte ,sich eine, große Teilnehmerzahl eingefunden, in der die Kollegien, denen Frau Feig angehörte,- besonders' zahlreich vertreten waren. ' Rabbiner Dr. Äse i ß e hob' in seiner Gedenkrede die Verdienste der Heimgegangenen iun die soziale Arbeit in der jüdischen Gemeinde rühmend hervor. ' ©erlitt, 18? Juni. Vor dem Kriegsgericht der hiesigen Kommandantur stand kürzlich die Verhandlung in einem umfangreichen Prozeß gegen den jüdischen Einjährigen Alf re d Katzenst e i n, den Söhn eines verstorbenen Bankiers aus Aachen an, dessen Vorgeschichte in den beteiligten Kreisen viel Aufsehen erregt hat. Der Angeklagte wird beschuldigt in der Absicht, sich seiner Dienstpflicht zu entziehen, eine Täuschung begangen zu haben, ferner aus Besorgnis vor persönlicher Gefahr seine Dienstpflicht verletzt und schließlich es unternommen zu haben, Mißvergnügen unter seinen Kameraden zu erregend In der Beweisaufnahme kommt Professor 11 m b e r, der Fachbeirat des Gardekorps, zu dem Schluß, daß Katzen stein dauernd krank ist, daß er neuropathisch ist und nur als gv. in Frage komme. Daß der Angeklagte seinen Zustand selbst verschuldet habe, hält der Sachverständige für ausgeschlossen, solche Mittel gäbe es nicht. Auch Sachverständiger Geh. Medizinalrat Dr. LePPmann, der Chef der psychiatrischen Abteilung des Moabiter Zuchthauses, der den Angeklagten im Lazarett beobachtete, hat den Eindruck gewonnen, daß man es bei ihm mit einem wirklichen Kranken zu tun habe. Zeichen von Alkoholismus fanden sich nicht. Katzenstern litt' an Nervenschwäche und organischer Herzschwäche. Ebenso ur-teitteSlabsarzt -Riet. Narr eine Zeugin, Frau Wen d t, -die mit dem Angeklagten zusammen in der Kaffenverlvaltung des Gardekorps arbeitete, bekundet, daß dieser eines Tages einmal vollständig betrunken ins Bureau gekommen sei, und als er von der Generallnusterung als kV. geschrieben wurde, erklärt hätte, er werde es schon schaffen, daß er nicht kv. bleibe. Dagegen vermögen Soldaten, die im Felde vernommen worden sind und mit dem Angeklagten zusammen gearbeitet haben, nichts Belastendes auszusagen; ein Unterzahlmeister hat bei der Vernehmung im Felde erklärt, es werde von den angestellten Damen sehr viel geklatscht. Daraufhin beantragte der Vertreter der Anklage Freisprechung für den ersten Teil der Anklage'. In der Urteilsverkündung führte der Verhandlungsleiter ans, daß hinsichtlich des ersten Teils der Anklage Freisprechung erfolgt sei. Aber auch die Erregung von Mißvergnügen unter den Kameraden komme nicht in Frage:, da von derartigen Aeußerungen zu Kameraden nichts erwiesen sei. Aeußerungen zu den angestellten Damen aber sielen nicht unter die betreffende Strafbestimmung. Daher sei der Angeklagte f reigesp rochen worden. . -== - Berlin, 18. Juni. Durch die Ausgrabungen, die die -Orientgeseüschaft auch während des Weltkrieges noch weitergeführt hat, ist jetzt der babylonische Turm in seinem Grundriß zutage gekommen. -In dem 5ll. Heft ihrer Mitteilungen legt Professor Ko ldeweh, der die Ausgrabungen 18 Jahre lang geleitet hat, seine- Meinung vondem einstigen Aussehen dieses weltberühmten -Bauwerkes dar. Er geht dabei von den Angaben aus, die in einer babylonischen Tontafel aus dem Jahre 229 v. u. Z. enthalten sind. .Koldewel) weist nach, daß es sich, in Uebereinstimmung mit Hero.dots Nachrichten über den babylonischen Turm, um einen Hochtempel handelt, der neben dem ebenfalls durch die Grabung festgestellten unteren. Tempel gestanden hat, und dessen Unterbau eben der „Turm" gewesen ist: Die Maße der sechs um einen Hof herum ungeordneten Heiligtümer, aus denen der obere Tempel bestand, gibt 'die 'Tontafel auf Grund einer alten Quelle genau an, und dieses Gebäude Hab iir der Tat auf dem Unterbau Platz. Nach einerjüngeren Quelle gibt der Schreiber der Tontafel auch die Höhennnd Flächenmaße der sechs oder sieben Stockwerke des Turmes, und wenn sich aus diesen Maßen ein Bauwerk ergibt, das einen so großen Teurpel nicht getragen haben könnte, so liegt das nach Koldeweys sehr einleuchtender Vermutung daran, daß der Turm zu den Zeiten/ als der zweite Gewährsmann ihn sah, bereits eine Ruine war. Bekanntlich hat Alexander der Große gerade ein Jahrhundert zuvor den kühnen Plan gehegt, den baufälligen Turm wiederherzu- . stellen, und ist nur durch seinen vorzeitigen Tod an der Ausführung - gehindert worden. .Die Masse des damals zur Vorbereitung des - Wiederaufbaues sortgeräumten Schuttes nun, die sich berechnen 7 läßt,-stimnrt nicht nur..mit dem aufgehäuft gefundenen Ziegelschutt überein, sondern entspricht, mrch der Differenz zwischen dem Kubikinhalt des ursprünglichen Bauwerks und demjenigen der Ruine, wie sie die. Tontäfel gibt. Hier hat.durch deutsche Ausdauer und deutschen Forschergeist, eines, der berühmtesten. Bguwerke^ der Welt wieder greifbare Gestalt gewonnen; von dem Bau geben die dem Heft' beigegebenen Ansichten eine lebendige Anschauung. Breslau, 14. Juni. Das Israelitische Siechenhaus zu Breslau (Arnold und Herrmann Schottländersche Stiftung) versendet den Rechenschaftsbericht für die Jahre 1915, 1916 und 1917, dem wir folgende Details entnehuven: Am Schluffe des Jahres 1914 betrug die Zahl der Anstaltsinsassen 14, während der letzten drei Jahre wurden 26 ausgenommen, durch Tod schieden 12 aus, aus anderen Gründen 5, so daß am 31. Dezember 1917 23 Insassen in der Anstalt verblieben. Als Ehrendamen des Siechenhauses haben Frau Klara Schot tl ander, Frau Martha- B ruß, Frau Marie Breslauer und Frau Mora Go'ld schm i dt. sich in liebenswürdiger Weise zur Verfü'gU'N'g gestellt. Durch das am 4. April- 1917 erfolgte Ableben des HerrnSimon Schehe hat auch die Verwaltung des Siechenhauses einen schweren Verlust erlitten. Seit dem Bestehen der Anstalt dem Kuratorium derselben angehörend, hat der Verewigte sich mit rastlosem Eifer und selbstloser Hingabe für die Verwaltung und für das Wohl der Anstaltsinsassen interessiert und zur Förderung der im Siechenhause verkörperten menschenfreundlichen Bestrebungen in eifriger Weise bei-getragen. Das Andenken des Entschlafenen wird auch i>m Siechenha-ufe in dauernder, ehrender Erinnerung bleiben. Infolge der fortgesetzt erheblich gestiegenen Preise für alle Lebensmittel und sonstigen Bedarfsartikel war auch das Siechenhaus nicht in der Lage, die erforderlichen Ausgaben durch laufende Einnahmen zu decken. Nur dem hochherzigen, edlen Stifter, Hermann S ch o t t l ä n d e r , und seinen wiederholten Zuwendungen war es zu verdanken, daß die Fehlbeträge gedeckt werden konnten. Auch andere Wohltäter haben der Anstalt Stiftungen und Geschenke zugewendet, denen -der Bericht, gleichfalls den Dank der Verwaltung ausfpiricht. Allerdings sind die Mittelr -noch nicht derart, daß der Vorstand allen Gesuchen um unentgeltliche Ausnahme armer siecher Glaubensgenossen Rechnung tragen konnte. Ter Bericht schließt mit folgenden Worten: „Es bietet sich hier edlen Menschenfreunden ein r e i ch e s F e l d zur Betätigung wahrer Nächstenliebe, und so richten wir denn die dringende Bitte an unsere Ge m e i n demi tgli ede r, durch hochherzige Spenden, insbesondere d u r ch E r r i ch - tung von Stiftungen gemäß 8 10 der Satzungen uns i n d e n Stand zu setze n, dte r eiche nSegnungen dieser neuen Anstalt den Aermsten der Armen, den infolge Siechtums hilfsbedürftigen Glaubensgenossen, in wei t e ste m Um fa n ge zuteil w e rd en z u lassen/' er. Chemnitz, 14. Juni. D i e P o g r o m e i n G a. l i z re n geben der hiesigen „Volksstimme" Anlaß zu folgenden Ausführungen: „Es kann nach allein keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die Lage der Inden im polnischen Machtbereiche des österreichischen Staates nach vier Kriegsjahren eine erschreckende Ähnlichkeit mit ihrer Lage in Rußland zur- Zeit der Konterrevolution aufweist. Nirgends fühlt sich der Jude seines Lebens und Eigentums sicher, weder in seinem Hause noch auf der Straße, noch auf der Eisenbahn. Die Rubrik „Juden werden geschlagen" ist zu einer täglichen in der jüdischen Presse Oesterreichs geworden. In Krakau, der „Perle Polens", bricht ein Pogrom nach Kischinewer Muster los, die jüdische Jugend organisiert unter der Anführung der Poale-Zion einen dauernden Selbstschutz. In Lemberg beraten alle jüdischen Parteien über Maßnahmen zur Bekämpfung der Pogromgefahr." Das sozialdemokratische Blatt gelangt zu radikalen Schlußfolgerungen: „Die Krakauer Vorkommnisse bedeuten den moralischen Bankerott des Anspruches der polnischen Gesellschaft, daß die Judensrage in Polen als »innere Angelegenheit' des künftigen polnischen Staates zw betrachten fei. Tenn sie sind ein schlagender Beweis dafür, daß Polen bei seinen, gegen . wärtigen gesellschaftlichen Machtverhältnissen zur gerechten Lösung seiner Judenfrage nicht die moralische Kraft besitzt." 2/D Detmold, 14. Juni. Am 30. Mai, dem Geburtstage de-s Fürsten, fand eine feierliche Einweihung -der von dem Fürsten Leopold IV, in hochherziger Weise und vorausblickender Fürsorge gestifteten und gegründeten „Fürst-Levpold-Akademie für Verwaltungs- - Wissenschaften" im Beisein des Fürsten, der fürstlichen Familie, des

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