Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1918)
- Date
- 1918-06-21
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, 21. Juni 191$ 82. Jahrgang Nr. 25 Vellage zur „Allgemeinen korrrlpondrnHr» und Kachrichtttt. Deutschland. E. R. Berlin, 16. Juni. Die heutige Sitzung der Repräsentanten ver sa mmlung, die letzte vor den Ferien, wurde von dem Vorsitzendem Direktor Dr. Minden, mit der Mitteilung eröffnet, daß der Polizeipräsident oIS Aufsichtsbehörde seine Zustimmung zur Vornahme von Ersatzwahlen für die Repräftntant-enversammlung erteilt und daß der Gemeindevorstand sich mit der Verschiebung der Wahl bis zum Herbst d. I., die von der Repräsentantenversammlung beantragt war, einverstanden erklärt hat. Mit ehrenden Worten gedachte dann der Vorsitzende des verstorbenen früheren Mitgliedes der Versammlung-, des Geheimrat Prof. Dr. B a g i n s k h. Der Verstorbene, der zu den 'bedeutendsten Autoritäten seines Faches gehörte, faßte die Sorge für die Kinder als religiöse Aufgabe auf. Er gehörte dem äußersten rechten Flügel der Repräsentanz an und trat jeder Neuerung! auf religiösem Gebiet entschieden entgegen. Er zählte zur großen Zahl derjenigen Männer, die in ihrer Auffassung zwar selbst auf naturwissenschaftlichem Boden stehen, sich jedoch den traditionellen Gewohnheiten anpassen. Der große Eifer, mit dem er sich den Aufgaben der jüdischen Gemeinde gewidmet hat, sichert ihm -ein gutes Andenken in der Gemeindeverwaltung. Der siebzigste Geburtstag des Repräsentanten Weile und des früheren Mitgliedes, dev Versammlung, des Geheimen Negierungsrat Prof. Dr. Ludwig Geiger, gab Dr. Minden Gelegenheit haben zur Wiederholung,- der den Jubilaren bereits schriftlich aus'gedrückten Glückwünsche. Von Geheimrat Dr. Geiger ist an die Adresse der Repräsentantenversammlung ein herzliches Dankschreiben eingegangen, in welchem der Jubilar das warme Interesse betont, das er den Arbeiten des Kollegiums auch nach seinem Ausscheiden noch enigegen'Lringt. — Folgende Zuwendungen wurden angenommen: Von Herrn Geheimen Sanitätsrat Tr. Max Gold stein ein Sparbuch über 791,37 Mark und Zinsen für ein krankes jüdisches Kind. Von Frau Henriette Alexander - G u t t m a n n 1000 Mark für Wohltätigkeitszwecke. Von Herrn Direktor Dr. Holzman 2000 Mark zur Verstärkung der Doris-Holzmun-Stiftnug für Präpavanden, 2000 Mark zur Errichtung einer Doris-Holzmann-Stiftung für ehemalige Zöglinge der Lehrerbildungsanstalt. Von den Eheleuten Jonas Prochownik 20 000 Mark zur Errichtung. einer Hans--P-rochownilk-Stistung für jüdische Kaüfleu-te. Don Herrn Siegfried Hanfs- 100 Mark zur Verstärkung der KiU-rt-Hanff-Stiftungl. Von Herrn« Dr. Max Levh 10000 Mark zur Errichtung, einer Selm-ar-^unid-Frau-Anna- Levh-Stistung beim Krankenhause. Von Herrn Isidor Zutrauen 15 000 Mark zur Errichtung einer Frieda-und-Jsidor-Zutrauen- Stiftung -'bei, der Mters-verforgungsanstält. Bei- 'der Louis- Philipp-und- Hon r ie>tte-Maaß-Stiftung ist das Kapital um 50 0 0 Mark erhöht worden. — Sodann referierte Herr Dr. Mar G i n s b e r g über die Aenderung der Verpflegungssätze im Krankenhause. Vom 1. Juli ab sind dieselben in der dritten Klaffe für hiesige Kranke und. kra-Ee Gemeindemitglieder 5 Mark und für auswärtige Kranke 6 Mark. Krankenkassen, die ihren Sitz in Berlin haben, sollen für ihre MÄgilie-der 5 Mark täglich zahlen, auch wenn die Mitglieder außerhalb Berlins wohnen, während Krankenkassen, die ihren Sitz a»u^terX>al!b Berlins haben, für ihre Mitglieder, auch wenn diese in Groß-Berlin wohnen, 6 Mark täglich zu entrichten haben. Di-e Patienten zweiter Klasse sollen für Verbandstoffe und für vom Arzt angeordnete Extrapflegen entsprechend bezahlen'. Für besondere Auftvenduingien bei- Entbindungen in- -der zweiten Klasse sind 20 Mark zu entrichten. Außerdem sollen für Säuglinge in -der. dritten Klasse 1 Mark, in der zweiten- Klasse 2 Mark, inder . ersten Klasse 3 Mart täglich gezahlt 'werden. — Auf Antrag des Herrn Rabbiner Dr. Löwen-t hat hatte der Vorstand vorgeschlagen, bei der Barmizwahfeier irr der Alten Synagoge und in der der Kaiserstraße anstatt des vorgeschriebenen Gebetes eine freie Ansprache an die Knaben zu halten. Nach einer längeren Aussprache, an ider sich die Herren Ka-'kischer, Türk, Plotke, Steinbha'l und Lip schütz beteiligten, beschließt die Versammlung, von der Einführung! der Leitung deK Judentums". freien Ansprache abzrrfehen, bis sämtliche an den beiden Synagogen fungierenden Rabbiner sich bereit erklären, derartige freie Ansprachen zu haften. — Herr Benas L e v y erstattete hierauf ein '.eingGendch' Referat über die vom Vorstände beantragte Erhöhuiig ddr ' Beerbigurtgskosten, deni nach längerer Aussprache die Versammlung züstimmte. — Bon Ausgaben wurden bewilligt: Für die ' Altersversorgungsanstalt in der Exerzierstraße 4200 Mark für Dachreparaturen-, für die Friedhofsverwaltung 1876,90 Mark zur Reparatur eines Zaunes. Ferner wurden folgende Subventionen bewilligt: Der Hilfskasse für israelitische Kantoren und Kultusbeamte, deren Witwen und Waisen in Deutschland für 1918 300 Mark, dem Israelitischen Lehrerinnenheim in Lichterselde 300 Mark, der Waisenkommission für das Etatsjahr 1918/19 ein besonderer Zuschuß von 30 000 Mark, dem Religionsverein Oranienburger Vorstadt für 1918 1050 Mark, dem Israelitischen Frauen- und Kinderheim in Nauheim für 1918 150 Mark, dem Neligionsverein jüdischer Glaubensgenossen zu Steglitz 2500 Mark, dem Religionsverein Westen für das Etatsjahr 1918/19 eine Subvention in Höhe von 13 500 Mark, ferner zur Gewährung von Teuerungszulagen an die Beamten des Vereins 10 Prozent der Subvention, demnach 1350 Mark. ### Berlin, 18. Juni. Der Verein „Lehrlings heim Pankow" hielt gestern unter dem Vorsitz des Herrn Dr. R u b o l f leffe seine ordentliche Generalversammlung ab. Im Aufträge des Kuratoriums erstattete der Anstaltsdirektor I s r a e l den Verwaltungsbericht und gab in großen Zügen einen Ueberblick über die segensreiche Tätigkeit des Vereins im abgelaüfenen Geschäftsjahr. Er verwies zum Schluß aus die jetzt herrschende Teuerung, die an die Wohltäter, Mitglieder und Freunde des Vereins besonders hohe Ansprüche stellt, und sprach den Wunsch aus, daß es dem Kuratorium gelingen mögen den Kreis der Gönner und Förderer der Anstalt zu erweitern. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete der Bericht der Revisoren und die Beschlußfassung über die Entlastung, die einstimmig erfolgte. Bei der hierauf vollzogenen Wahl wurden die Herren Hugo Krebs und Eduard P inkus zu Revisoren und die Herren A. Marcus und S. Kaiser zu Stellvertretern gewählt. Nach Genehmigung des Etats für das Jahr 1918/19 schloß der Vorsitzende mit herzlichem Dank an die Erschienenen die Versammlung. E. M. Berlin, 18. Juni. Der Ausbau d e r K n a b e n - Mittelschule der jüdischen Gemeinde wird von den Gemeindebehörden m i t besonderem Eifer betrieben. Dey kürzlich geschaffenen Einrichtung von Nachhilfeunterricht soll jetzt ein E^nzungsunterricht in fremden Sprachen und Mathematik folgen, der -versuchsweise mit vier Wochenstunden in den Lehrplan der zweiten KWse der Knabenschule eingefügt werden soll. Durch diese Maßnahme soll den augenblicklichen, besonders zeitgemäßen Bestrebungen, beWhten Kindern den Aufstieg zu höherer Bildung zu erleichtern, Rechnung getragen werden. Nach den bisherigen Erfahrungen sind nämlich w den letzten Jahren unverhältnismäßig viele Schüler aus den mittleren Klaffen abgegangen, um in höhere Schulen überzugehen. Aus diese Weise werden dem Gemeindeinstitut gerade die besten Elemente entzogen, ihre Leistungen herabgesetzt, und es wird eine wichtige Aufgabe der Schule, jüdischen Schülern eine umfassende religiöse Bildung zu geben, illusorisch gemacht. Viele von den abgehenden Schülern würden, fchon mit Rücksicht aut das geringere Schulgeld und wegen der Möglichkeit, den Sabbat und die Feiertage zu halten, länger aus der Schule bleiben, wenn sie nicht befürchten müßten, bei einer Hinausschiebung des Ueberganges in eine höhere Schule viel Zeit zu verlieren. Dieser Zeitverlust, der jetzt ein halbes oder ein ganzes Jahr beträgt, könnte vermieden werdenwenn für begabte und fleißige Schüler der obersten Klassen ein Ergänzungsunterricht in den fremden Sprachen und Mathematik eingerichtet würde. Die Gemeindebehörden haben einstimmig beschlossen, die erforderlichen Mittel zur sofortigen Einführung des Ergänzungsunterrichts zu bewilligen. ' E.M. Berlin, 18. Juni. Frau Ida Feig geborene Neumärm, die sich seit einem Jahrzehnt im Ehrendienste der jüdischen Gemeinde betätigt hat, ist nach kürzer Krankheit verstorben. Die Wingega-ngene gehörte der Armenverwaltung der jüdischen Gemeinde