Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1918)
- Date
- 1918-06-21
- Page
- Seite 300 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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m ^ubeititum mid Recht zwei„voneinander ganz unabhängige Begriffe wurden, sowohl rmch außen als nach innen hur; daß ein und derselbe Menschgleichzeitige.wohl. beide in sich, vereinigen .möchte, ohneaber - innerlich diese beiden Begriffe miteinander näher verbinden zu müssen; als Bürger lebt der Jude nach dem Landvecht, als Mensch lebt er im RahnM seines Judentums". Der. Verfasser meint, daß dies das einzige Judenrech.t fei, das die Juden wünschen. Wir stimmen ihm. darin bei, können ccher dip' Bedeutung solcher' Auseinandersetzung, nicht recht er keynem * . L. G. ==, Gebenkblätter zur Erinnerung an den am 12. November 1917 (27.. Cheschwan 5678) im 79. Lebensjahre aus dem Leben geschiedenen Rabbiner der Synagogengemeinde Köln, Herrn Dr. Phil. Abraham Salomon Frank. Herausgegeben auf. Veranlassung, des Vorstandes der Synagogengemeinde Köln. Das vornehm ausgestattete, mit einem Bilde des Verstorbenen gezierte Heft enthält die Reden der Herren Rabbiner Rosenthal, Samuel Leimdörfer, Jakob Kober,, der Vorstandsmitglieder Eliel und - Feilchenseld und des Rektors Coblenz. Die Redner geben als Freunde, Kollegen, Vorsitzende von Verbänden und Institutionen ein Bild der verschiedenartigen Tätigkeit des Verstorbenen und rühmen seinen Eifer, Geist und Charakter. Sie gewähren dadurch einen erfreulichen Einblick in eine gesegnete Wirksamkeit. L.G. — J e r u b a a l, Eine Zeitschrift der jüdischen Jugend, 1. Heft, April 1918, R. Löwit Verlag, Berlin und Wien. Alles, was für die jüdische Jugend geschieht, erregt unser Interesse und fordert unsere Sympathie. Diese Zeitschrift, für die Jugend bestimmt und auch ausschließlich von der Jugend geschrieben, obgleich manche der Mitarbeiter, wie Siegfried Bernseld und Martin Bub er doch aus den eigentlichen Jugendjahren längst heraus sind, wäre sehr zu mnpfehlen, .wenn sie.ihr Programm erfüllte. Sie tut dies aber, wie ich glaube, nicht. Sie sollte zwar keiner Partei dienen, dagegen macht doch schon -das erste. Heft.durchaus den Eindruck, daß es sich bei der neuen Zeitschrift um ein zionistisches Organ handelte, denn Martin Bttber plädiert für das Judentum im Gegensatz zu dem Deutschtum. > Von»A. Schwadron wird eine durchaus zionistische Rede mitgeteÜt; in dem Entwurf Bernselds „Grundsätze für die Organisation einesBundes der Jugend" wird gefordert: „die Sprache des Landes isthebräisch, der Richtpunkt dieses Geistes Jerusalem." Dies find alles zionistische Grundsätz von Unparteilichkeit ist dabei leider nichts zu spüren. 0. Soin'ül e r f eie r, Gedichte von Hermann Sternbach, Wolf von Körnatzki, WeckNlf-Detlag in Weimar, 1918. Eia .deutscher Dichter jüdischem Glaubens, Professor an einem SMatsgymnasium in Galizien, ^der uns kein Unbekannter Ist, 'da.wir schmr Püherimr Buch von ilpn besprochen) tritt vor uns nrit - einer Sammlung/ VM) Gedichten. Ms find'Natürklänge, Liebesempfindüngen, eirtgetzeMw vvntiesenr Mfühl und 'starker Leivenschäft in ' einet' selrdirrch und dchtch poetischen Sprache. Wenn ich äüsnahnrslE^e^vörrs dieser SämMlümg," die "gelegentlich mls griechische MytholoKie' ahspielt, aber -MMBMsches' '"Mhält) 'an.'dieses Stelle Notiz nWne/'so'geschieht esüw öent winteren in der Ferne,'in einer nicht- Mstschen,' vielleicht geradezu' deütschseindlichen Umgebung lebenden MchN Mine) TeiWhlM ve'rfichsrch ihm zu bezeugen, daß diese ktcifftrollen Verse auf ntich einen großen Eindruck gemacht haben, und daß der Eindruck seiner Seele auch in anderen DteleÄ eineu Widerhall finden, und Deilnahine erwecken., möge. L. G. ^‘ Ab en te u er i m G eiste. Von.EmilAlphons Reinhardts S. Fischer. Verlag, .Kerliu 1917. DpK vorliegende Werkeines Autors, dessen Name mir bisher gänzlich unbekannt war auch Kürschners Literaturkalender von 191 b erlvähnt ihn noch ist - ungemeinmerkwürdig. Seinen Tjtel führt es nach dev.zweiten Geschichte des Bandes; die erste kürzere Geschichte hat die Aufschrift:- „Der Prophet und die Liebe". Diese führt uns nach Ragufa, in längst vergangene Zeiten und erzählt-Leben und Untergang eines schwärmerischen Volksauswieglers, der zwischen Beglückung der' Masten und Besriedigungeigener sinnlrcherJLM schwankt und schließlich zugrunde geht; auch die zwefte Geschichte ist keineswegs ausschließlich geistigen Abenteuern gelpidmet. ..Vielmehr stellt sie - dar, wie ein junger. Gelehrter, der, gänzlich unerwartet, eine reiche Verlvandte beerbt^ in einer kleinen Prcwinzialstad.t/ in .der er diese Erbschaft zu erheben hat, verschiedene recht ungeistige Abenteuer erlebt, und zwar mit einer schönen adligen Dame Erika, mit einer italienischen Sprachlehrerin und mit Judith, der Tochter feines Advokaten. Nach Beendigung dieser Abenteuer kehrtder reichgewordene und übersättigte Erbe in seine Heimatstadt zurück. Der Grund, daß wir an dieser Stelle von diesem Buche Notiz nehmen, besteht darin, daß eine der Heldinnen, und zwar die am ausführlichsten geschilderte, Judith, wie ihr Vater und ihre Mutter, die eingehend behandelt werden, alle Juden sind. Sie werden nicht gerade unparteiisch, aber doch ohne sichtliche Voreingenommenheit geschildert. Der Advokat ist ein tüchtiger Geschäftsmann, der sich mehr um seine Praxis als um sein Haus kümmert. Seine Gattin, eine tätige, sorgsame Mutter, die ein wenig Grauen vor ihrer Tochter empfindet; diese Tochter selbst, geistig und künstlerisch hochbegabt, aber doch trotz ihrer großen Jugend — sie ist achtzehn Jahre alt — sittlich sehr frei, ja geradezu pervers. Daneben wirb das Leben einer Kleinstadt recht anschaulich geschildert; manche wohlgelungene Typen treten hervor, z. B. die eines Mathematik- Professors, der nebenbei leidenschaftlicher Musiker ist, und eines Kirchhofgärtners, eines wahrhaften Künstlers, der sich in bfeser bescheidenen Stellung zurückgezogen hat, um seiner Ruhe zu pflegen. (Diese letzteren Persönlichkeiten sind ebenso wie die mannigfach fon-st' vortommenden Haupt- und Nelenpersonen Nichtjuden.) Das Merkwürdige des Buches aber besteht vor allem in seiner ganz eigenartigen Sprache. Beim Lesen hat man zunächst das Gefühl, der Verfasser sei ein Ausländer und handhabe die deutsche Sprache als eine fremde, übersetze sie mühselig aus einer anderen. Allmählich gewinnt man die Ueberzeugung, daß diese Sprache absichtlich gewühlt ist. Aber durch diese Erkenntnis wird das Wohlgefühl des Lesers nicht gesteigert. Denn in dieser Ausdrucksweife herrscht eine solche Künstelei, eine derartige Verrenkung , der einfachsten Ausdrücke, ein so gequältes Spielen mit Begriffen und mit Worten, eine Sucht, das Leichteste und Natürlichste mit geschraubter Schwere und ungewohnten Wendungen wiederzugeben, daß man oft die größte Mühe hat, den Autor zu verstehen und es als förmliches Labsal empfindet, wenn einer der gewöhnlichen Menschen, z. B. der schon erwähnte Musiker, in verständlichem Deutsch redet, oder wenn der Held der Novelle, der glückliche Erbe, vor seiner Abreise seinem Advokaten in vernünftiger Ausdrucksweise seinen Dank bezeugt und von seinem Fortgehen berichtet. Glauben unsere neueren Autoren wirklich, daß sie wahrhafte Kunst beweisen da durch, daß sie geschraubt und unnatürlich schreiben? L. G. '= Eine Widmung Kleists in Mendelssohns „Phädon". In der „Zeitschrift der Bücherfreunde" 1918/19, Heft 1 und 2, S. 94, steht, folgende Widmung, die Heinrich v. Kleist der vierten Auslage von .Mendelssohns „Phädon" oder „U-eber die Unsterblichkeit der Seele" (Berlin und Stettin 1776) beigegeben hat. Sie lautet: „Wo die.Nebel des Trübsinns grauen, flieht die Teilnahme und das Mitgefühl. Der Kummer steht einsam und vermieden von allen Glücklichen, wie ein gefallener Günstling. Nur die Freundschaft lächelt ihm, denn die Freundschaft ist wahr und kühn und u nzwe i d e u t i g. H. K." - Uns interessiert weniger, daß diese Inschrift eine übrigens schon früher bekannte persönliche. Beziehung Kleists zu der Familie v. Klitziug bestätigt, mehr, daß erdie Schrift des jüdischen Weltlveisen besessen und, wie man voraussetzen darf, auch gelesen hat. Freilich hat er aus dem. Buche den frohen Optimismus und den Glauben andie Unsterblichkeit nicht gelernt. Man erfährt freilich nicht, ans welchem Jahre die Widmung herrührt, aber man ersieht aus ihrem Inhalt, daß den Schreiber schon damals der Trübsinn beherrschte, daß. ein gewisser Lebensüberdruß zum Ausdruck kommt, wenn auch nicht ausdrücklich das Verlangen, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. L. G. Mchrreinlsuk. Besprechung bet Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Wie schützt man die deutsche Industrie vor der von unseren Feinden beabsichtigten Vernichtung? Unparteiische, sachliche, auf Zahlen des Statistischen Amtes des Deutschen Reiches und auf Tatsachen begründete Zusammenstellung. Verfasser C. Scholtz, Hamburg 22, Berchastraße 33. I. Auflage, 100 000 Stück. Berlin 1918. Verlag W. Büxenstein, Druckerei und Deutscher Verlag G. m. b. H., Berlin SW 43. .