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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-06-14 · Heft 24 (14.6.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 24 (14.6.1918)
Date
1918-06-14
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 vunb achtzehntausend Mark zuführen, der mit seinem Zinse zwar den allgemeinen Zwecken dienen, selbst aber gesondert sortbestehen soll unter dem Namen Ludwig-Geiger-Stiftung. Neben diesem Danke wollen Sie, hochverehrter Herr Geheimrat, schließlich den herzinnigen Wunsch freundlich entgegennehmen, daß Ihnen, umhegt von der Liebe cimv blühenden Familie, von der Freundschaft und Wertschätzung weitester Kreise, ein langes Leben in dem Sinne beschieden sein möge, wte es Ihr Leitstern Goethe ersehnte und genoß: in voller Körpersrische, in stetigem Wachsen geistiger Teilnahme, in weiterhin erfolgreichem Forschen, Darstellen und Lehren zum Segen für die Gegenwart und Zukunft! E. M* BvdlM, 11. Juni. Am Sonntag, 9. d. M., mittags, fand im ^rüdevvereinshaus eine Gedächtnisfeier für Hermann Cohen s^att, zn der gemeinsam mit der L e h r a n st a l t f ü r die Wissen- 'chaft des Judentums die Großloge des U. O. B. B. für D c w t f cf} I ü tt b», der Verband der d e u t s ch e n u d e n , die Gefells Äaftzur Förderung der Miss e.n - des Judentums und der Deutsch-Israelitische Ge- 'n e i n d e b u n d eingeladen hatten. Der Festsaal zeigte stimmungsu allen Tradier schmuck. In einem Lorboerbain war die Büste des verdorbenen Philosovhen aufgestellt, ein Meisterwerk, das H e n r v k l i c e n st e i n im letzten Lebensjahre Cohens geschaffen hat. Die -'Versammlung, die der Einladung der führenden jüdischen Organisationen Deutschlands gefolgt war, bestand aus den bekanntesten Persönlichkeiten des jüdischen Berlins. Die einladenden Körperschaften "mren durch ihre Vorstände vollzählig vertreten, ferner waren erschienen die G e m e i n d e r ä b b i n e r , Deputierte des Zentral- Vereins und ein Vertreter der Synagogen gemeinde Dresden: die zahlreichen Gelehrten und besonders Fachl 'llegen des Heimgegangenen Denkers gaben der Veranstaltung ilir besonderes Gepräae. Orgelvorspiel, denr ein Gesang des W e i n b a u m schen Chores folgte, leitete die Feier ein. ^'rof. Dr. Julius Guttmann aus Breslau, der vor 'niaen Monaten aus den Moses-Mendelsfohn-Lehrstuhl an die L-chranstalt für die Wissenschaft des Judentums berufen wurde, hielt Gedenkrede. Er beklagte es als schmerzliche Fügung, daß das erste '^ort in seiner Wirksamkeit kür die Lehranstalt eine Gedenkrede kür den unvergeßlichen Lehrer. Meister und Freund sein müsse, dessen '"Zerstörbare Frische und Rüstigkeit noch eine lanae gemeinsame ^orscherarbeit aitf dein weiten Gebiete der Philosophie des Judenf'nn§ erhoffen ließ. Mit der Lehranstalt vereinen sich zur ernsten Feier die großen Verbände, denen die Inden Deutschlands die Wahrung ihrer religiösen, volitischen und sozialen Interessen anvertrant haben. Sie alle beklagen den gleichstrebenden Führer, der verstand, auch die Tagesfraaen zur Höbe seines philosophischen Denkens zu erheben. Die deutschen Juden find sich des großen Befiütnms voll bewußt, das Hermann Cohen ihnen gewesen ist. Tiefer -'ls irgendein anderer war er eingedrungen in das Problem des Judentums. Weit über den engen Kreis hinaus, der sein Wirken in r oller Bedeutung erfaßt hat, ging die Segenswelle feiner Arbeit für das ganze deutsche Judentum, dem er das feste Vertrauen in seine religiöse Zukunft wiedergebracht hat. In seiner Wissenschaft sah seine besondere Aufgabe für die Gemeinschaft. Aus diesem Empfinden heraus hielt er es für seine Pflicht, unmittelbar in das öffentliche jüdische Leben einzugreifen. So sehr er sonst auf den höchsten Höhen der Abstraktion verweilte, wo ihm der Fachmann oft r.-ur mit Anstrengung folgen kann, hat er dennoch den Ertrag seiner religionswiffenschaftlichen Arbeiten zum Gemeingut gemacht und das akademische Katheder mit dem Vortragspult vertauscht. Mit geistvollen Ausführungen zeichnete Prof. Dr. Guttmann das philosophische Lebenswerk Cohens, in dessen religionswissenschäftlichem Wirken v'e geistige Wesensart des deutschen Judentums ihren besonderen Ausdruck gefunden hat. Die religiöse Ebenbürtigkeit des Judentums mit dem Christentum ist von ihm endgültig erwiesen worden. Gerade die tiefsten und ernstesten christlichen Theologen haben Cohen mit so tiefem Ernste gelauscht, wie kaum einem anderen jüdischen Denker. Deutscher und jüdischer Geist vereinigten sich in Cohen nt überzeugendem Beweise, daß der jüdische Geist zur Mitarbeit an dm hohen Aufgaben deutscher Kultur berufen ist. Wie das Werk dieses Großen wird auch seine Persönlichkeit fortleben unter den großen Gestalten der jüdischen Geschichte. — Nach dieser eindrucksvollen Rede sang Oberkantor D a v i d s o h n eine unbekannte Komposition Lewandowskis, einen Tröstgesang, dessen seelenvollen Klängen ein Schlußlied des Chores folgte und den Abschluß der würdigen Feier bildete. föjp Berlin, 11. Juni. Am 1. d. M. verstarb Frau Stavtrat Emma Borchar d t geb. Wovssenstein, die 74jähxige Wiwe des schon im Jahre 1897 ihr im Tode Vovangegangenen Sitadträts Gustav Borchardt, welcher Mitglied, der Repräsentantenversammlung, der Berliner Jüdischen Gemeinde und Vorsitzender des Vorstandes der Jüdischen Reformgeineinde war. Gustav Borchardt, an dessen gemeinnütziger Tätigkeit seine Gattin sich eifrig beteiligte, spielte, nachdem er sich von seinem kaufmännischen Beruf zurückgezogen hatte, in der Berliner Kommunalverwaltung zuerst als Stadtverordneter, dann als unbesoldeter Stadtrat eine bedeutende Rolle. Er ist der Organisator der Berliner Ferienkolonien gewesen; er hat auch bei der Arrnendirektion die Vermietung, von Ackerland an Unbemittelte zum Kartoffel- und- Gemüsebau saus denen sich die Laubenkolomerl entwickelten) ins Leben gerufen und bei vielen anderen Verwaltungen segensreich und fruchtbringend gewirkt. Der Sohn dieses Ehepaares ist der Chirurg am Nudolf-Virchow-Krankenhaus Geheimer Medizin-alrat Professor Dr. Moritz Borchardt. Die ältere Tochter ist an den Berliner Gerichtsarzt Dr. Fritz Straß mann, die jüngere an den Justizrat Dr. JMus Magnus, Vorsteherstellvertreter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, verheiratet. E. M. Berlin, 11. Juni. Die jüdische Turnbewegung hat sich im Sportleben Deutschlands bereits eine geachtete Stellung errungen. Den besten Beweis für diese Tatsache bietet eine Zusammenstellung der Erfolge, welche von den jüdischen Turnvereinen in Deutschland im Jahre 1917 errungen wurden. In 16 Fällen sind die Mannschaften jüdischer Sportvereine in allgemeinen Wettbewerben siegreich gewesen. Die größte Zahl der Erfolge hat der Berliner „Var Kochba" aufzuweisen, auf den 7 Siege entfallen, sehr gut hat auch der Ruderklub „Jvria" abgeschnitten, der 4 Erfolge zu verzeichnen hat, so bei den Wettkänrpsen des Jugendruderverbandes. bei den Vaterländischen Kampsspielen im Stadion. Die Jüdische Jugen-dkompagn-ie in Hairnburgi wurde für ihr tapferes Verhalten bei der Löschung eines Waldbrandes durch ein Schreiben Sr. Exzellenz des stellvertretenden kommandierenden Generals des 9. Armeekorps, Herrn v. Falk, ausaezeichnet: ein Mitglied dieser Jugendorganisation errang bei den Wettkämpfen der 54. Jugendkompagnie in Hamburg den fünften Preis. Einen ersten Preis gewann der Jüdische Turn- und Sportverein in München bei sehr scharfer Konkurrenz im leichtathletischen Meeting. Das Milglied des Jüdischen Turnvereins in Posen, Herr Moritz Sachs, erhielt bei einem militärischen Sportfest die bronzene Medaille des Richtausschusses für Olympische Spiele. Die Rückkehr unserer Feldgrauen wird den jüdischen Turnvereinen, die feit Kriegsausbruch den größten Teil ihrer Mitglieder zu den Fahnen entsandten, neuen Aufschwung bringen. H. Osterode u Oftvr.. 7. Juni. Der Besitzer Kaminski aus Gvoß-Lebwalde, Kreis Osterode, lieh an den Staatskommissar für Dolksernährung in Berlin eine Beschwerde verfassen. In dieser behauptete er, der Kaufmann Salomonsohn und der Gendarmeriewachtmeister Rekowski. zu Gilvenburq machen gemeinsame Reisen über Land, kaufen Butter, Eier usw. billig ein und verkaufen dann zu Wucherpreisen. Der Gendarm, so behauptete die Beschwerde weiter, unternehme nichts gegen Savomvnsohn, wenn dieser sich gegen die Kriegsgesetze vergehe, denn beide stecken unter einer Decke. Auch hat nach der Beschwerde der Wachtmeister wiederholt geäußert: Salomonsohn könne alles tun, was er will, ihm geschehe nichts. Die Behauptungen waren «absolut falsch. Kaminski sah' das auch ein und widerrief nach einiger Zeit die Beschwerde als „ganz unwahr". Das Schöffengericht verurteilte Kaminski zu sechs Monaten" Gefängnis. — Bvombeea, 7. Juni. Der Kriegsfreiwillige G. Kr. aus Bromberg. der km! Felde gefallen ist, hat in seinem Testament vom 23. Avril 1917 dem Zentralverem' deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens . eine Spende vermacht und hierzu folgendes geschrieben: Vollkommen aus dem Boden deS ZenträlviereiNs deutscher Staatsbürger Jüdischen Gilalibens stehend^ bestimme' ich, daß die SiNnlme von.diesem überwiesen wird; möge der Verein das sich gesteckte Ziel erreichen, um Mieren GeneratidneN' die Leiden und Zurücksetzungen zu ersparen." Das Testament beginnt mit folgenden Ausführungen: „Das zweitemal zog ich in den Krieg freiwillig hinaus, wenn ich auch als Jude - im ersten Teil 'desselben ZurückseUAgM, und Kränkungen jeder Art

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