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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-06-14 · Heft 24 (14.6.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 24 (14.6.1918)
Date
1918-06-14
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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82. Jahrgang Nr. 24 Berlin» 14. Juni 1918 Der Gemeindebote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deß IudrntumK". korrrlpandrn?en und Kschrichttn. jSrutlchlsnd. BeEn, 11 Juni. An seinem 70. Geburtstage, am 5. d. M., sind unserem Herrn C he s r e dakteur überaus zahlreiche Glückwünsche zugegangen und aus weitenKreisen herzliche Beweise der Anhänglichkeit und Wertschätzung, dargebracht worden. Die Universität Berlin, deren Lehrkörper er seit 1873 angehört, der Verein für die Geschichte Berlins, der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde, der Verein für jüdische Geschichte und Literatur, der Verband der jüdischen Literaturvereine sandten ihre Glückwünsche; ferner gratulierten dem Jubilar viele Gelehrte- Rabbiner und Schriftsteller, zahlreiche Leser unseres Blattes sowie verschiedene wissenschaftliche und humanitäre Vereinigungen. Von der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde ging folgendes Glückwunschschreiben ein: Hochgeehrter Herr Geheimrat! Dem Geschichtsschreiber unserer Gemeinde, welcher 12 Jahre hindurch ein höchst tätiges und einflußreiches Mitglied der Repräsentanteuversanrm'lung gewesen ist, sendet zu seinem 70. Geburtstage unser Kollegium die herzlichsten Glückwünsche. Wir freuen uns, daß dieser Tag, den der Psalmist als einen von Gott ge fehlen Grenzpfahl bezeichnet, obgleich das Buch der Bücher selbst unzähliae Fälle anführt, in welchen diese Grenze erheblich überschritten wird, Sie, hochverehrter Herr Professor, noch in voller Schaffenskraft antrifft und daß weder die Schwunakrast Ihrer Feder -noch das Feuer Ihrer Rode das mindeste Zeichen von Abnahme aufweist. Wir bedauern, daß Sie nicht mehr ein Mitglied unserer Versammlung sind, deren Ohr Sie so oft durch Ihre gediegenen Reden aefestelt haben — Reden, welche stets den Beweis lieferten, daß der Geist Ihres verewigten Vaters in Ihnen lebendig ist. Möge Ihnen noch eine lange Reihe von Jahren geistigen Schaffens beschieden sein! Die Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde: Dr. G. Minden. Pros. Dr. Türk. — Nicht minder herzlich ist nachstehendes Schreiben der Berliner Jüdischen Reformgemeinde schalten: Hochverehrter Herr Geheimrat! Dem hervorragenden Kenner und Bearbeiter der deutschen Literaturgeschichte, der sich stets auch jüdischen Angelegenheiten mit vollem Eifer und großer Begeisterung gewidmet hat, senden wir zu seinem 70. Geburtstaae die besten Glückwünsche. Durch Abstammung und Erziehung denjenigen Kreisen angebörig, welche die ewigen und unveränderlichen Grundsätze des Judentums mit den Forderuuaen der Zeit in Uebereinstimmung zu bringen suchten und damit die Wiederaeburt unserer heiligen Relmmn bewirkten', ist Ihr eigenes Leben ein Musterbeispiel dafür, daß Deutschtum und Judentum keine Gegensätze, sondern in ihrem innersten Wesen, dem Streben nach Wahrheit, verwandt sind. Aut diesem Gedanken beruht auch unsere Gemeinde! Wir hof-ien. daß Sie in Frische und Rüstigkeit noch recht lange Jahre hindurch den Ihrigen, Ihren Freunden und Verehrern sowie der Wissenschaft erhalten bleiben mögen! Vorstand und Repräsentanten der Jüdischen Reformaemeindi»: Dr. Minden. Dr- Holz. — Die Reibe der Ansvrachen im Hanse des Gefeierten eröffnete Herr Kommerzienrat Dr. Paul Arons, welcher die von Freunden, und Gesinnungsgenossen zu Ebnen des Jubilars an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums begründete „Ludwig-Geiger-Stistuna" im Betrage vonl8 000 Mark überreichte und die von Herrn Bros. Dr. Felix L i eb e r m a n n im Aufträge des Komitees dieser Stiftung verfaßte Adresse verlas. Dann svrach Herr Geheimrat Prof. Dr. M o s s e im Namen der Lehranstalt selbst und überreichte eine künstlierif-b ausgestattete Adresse, welch" die Mitteilung enthielt, daß Ludwig Geiger zum immerwährenden Eh.rennntgltede der Lehranstalt ernannt worden ist. Dr. Jsm.ar E l bo g e n überbrachte die Wünsche der Gesellschaft zu r Förderung der Wissenschaft des Judentums, Herr Dr. S t ü m cke, Generalsekretär der Gesellschaft für Theatergeschichte, übergab mit einer Ansprache die von der Gesellschaft berausgegiebene Festschrift, im Umfange von 480 Seiten', an welcher 41 .Mitarbeiter, darunter die hervorragendsten Literarhistoriker und Theaterfachmänner, beteiligt sind. Herr Merbach überbrachte die von ihm her gestellte Bibliographie der Aufsätze, Rezensionen, Broschüren und größeren Merke des Jubilars, über 2000 Titel umfassend. Für die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde sprach Herr Dr. Stern, der eine dem Jubilar gewidmete. von ihm herrühvende Publikation überreichte. Im Namen der Liberalen Vereinigung für Deutschland sprach Herr Justizrat Ptonsker, im Namen des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde Herr Benas L e v y, für den Verband der Liberalen Jugend^- vereine Herr Rechtsanwalt Heinrich Stern. Herr Prof. Dr. E l l i n g e r überbrachte die Glückwünsche des Sophien-Realgymnasiums. — Die von Herrn Prof. Dr. Felix Liebermann verfaßte. Adresse des Komitees für die Ludwig-Geiger-Stiftung, ein Dokument treuer Freundschaft und aufrichtiger Verehrung, hat folgenden Wortlaut: Hochverehrter Herr Geheimrat! Wer wie Sie auf vielen Aeckern idealer Arbeit köstliche Früchte in einem langen Leben ernten durste, empfängt an dem Feste, das nur fürs kälendermäßige Zählen ihrer segensreichen Tage einen Abschnitt, dagegen für Ihren regen Geist gewiß nur einen frischen Antrieb zu jugendlichem Schaffen bildet, sichtbare Zeichen oder stille Wünsche von einem werten Kreise der gleichgestimmten Dankbaren!, die als Mitstrebende durch Sie die wissenschaftliche Bahn geebnet fanden oder als Ihre Leser und Hörer an der Hochschule wie an den Stätten allgemeiner Bildung reiche Belehrung empfingen. Den Erforscher und Darsteller des germanischen und romanischen Geisteslebens in der Neuzeit in Ihnen zu würdigen, der ebenso glücklich verborgene Beweisstücke der Literaturentwicklung aufzuspüren wie ins erhellende Licht philosophischen Zusammenhanges zu rücken wußte — das überlassen wir billig Ihren Fachgenossen. Und doch sehen wir in Ihrem hohen Verdienste um die Geschichte des Humanismus und der Renaissance, um die Biographien und Ausgaben Petrarcas, Rousseaus, Goethes und seines Kreises, der Romantiker und Börnes den einen Pfeiler der Sie besonders aüszeichnenden Führerstellung, die uns veranlaßt. Ihnen unsere verehrende Erkenntlichkeit heute auszudrücken. Wurzelt jener eine Pfeiler in scharfem Verstände und ausgedehnter Bildung, so ruht der andere fest verankert in der echten Liebe eines treuen Herzens zu väterlichem Stamme samt Ehrfurcht gebietender Ueberlieferung und im charaktervollen Mut, der edelste Güter jüdischer Religion, Sittlichkeit, Wissenschaft und Literatur gegen Unduldsamkeit, Rassenhaß, Unkenntnis und Gleichgültigkeit zu verteidigen als Pflicht erkennt. Nur wer wie Sie entzückt vom Borne europäischer und besonders deutscher Literatur getrunken und dennoch den hebräischen Urquell im innersten Wesen sprudeln fühlte, konnte es sich zur Lebensaufgabe wählen, die Beziehungen der Juden zu Staat und Gesellschaft in unserem Volke, ihren Anteil an Deutschlands Wissenschaft und Dichtung aufzuhellen, zugleich aber praktisch durch Schrift und Wort in der Öffentlichkeit einerseits die innigere Durchdringung des deutschen Judentums mit der freien Denkungsart und Weitherzigkeit der vaterländischen Kultur, anderseits die gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden mit ihren christlichen Landsleuten zu befördern. Im Hinblick aus dieses hohe Ziel leiteten Sie die „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" und geben Sie die „Allgemeine Zeitung des Judentums" heraus, begannen Sie ihre Forscherarbeit mit Reuchlin und schenkten Sie uns die Aufsätze und Werke über Mendelssichn, Rahel. Veit, Zunz und namentlich Ihren für uns alle unvergeßlichen Vater. Und da neben Ihrer Geistesheimat Weimar, neben Frankfurt und Breslau, den Stätten der Kindheit und Jugend, längst Berlin^ dank erfolgreichem Lehramte, beglücktem Hausstand und vertrautem Freundeskreise, sich als Ihre zweite Heimat rühmen darf, deren Geistesleben und jüdische Bewohnerschaft erst durch Sie ihre Entwicklung recht verstehen lernten, so hat zunächst hier eine kleine Gemeinde Ihrer Verehrer, die dann aber weithin über Frankfurt bis zu den Alpen freudigen Widerhall fand, gemeint. Ihnen danken zu dürfen für daswas Sie uns Juden im besonderen geleistet haben. Damit dieser Dank aber samt dem Andenken an die heutige. Feier länger dauere denn das verhallende Wort, damit er nachwirkend in Ihrem eigenen Sinne Früchte trage, werden mehr denn achtzig Freunde Ihrer werten Person oder Verehrer Ihres hohen Strebens, deren Namen das beigefügte Blatt verzeichnet, der hiesigen Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, die ja die Geschichte, den Geist und den Glauben unserer Väter in der streng wissenschaftlichen Weise einer deutschen Hochschule zu erforschen und zu überliefern beitragen will und Ihrer als eines Kurators sich erfreut, einen Grundstock von

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