Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 24 (14.6.1918)
- Date
- 1918-06-14
- Page
- Seite 280 (sequence 4)
- Language
- German
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280 erfüllen, klipp und klar von dev Hand gewiesen, und auch aus dem hon einer konservativ-klerikalen Majorität vollkommen beherrschten Abgeordnetenhause hatten sich zwar Stimmen der Sympathie erhoben, aber die große Majorität der Volksvertreter hatte keinen Zweifel darüber gelassen, daß auch sie, vielleicht Stöcker ausgenommen, für eine Beschränkung staatsbürgerlicher Rechte in keiner Weise zu haben war. Die ausführlichen Reden der liberalen Abgeordneten aber lieferten den Gegnern des Antisemitismus im Lande scharfe Waffen, die bei seiner weiteren Bekämpfung noch jahrelang gute Dienste leisteten. Don »dem Königlichen Genevalkommisfariat zur militärischen Vorbereitung der Jugend für die Provinz Brandenburg einschließlich Berlin werden wir um Abdruck nachfolgenden Aufrufs ersucht: Deutscher Jüngling! Gehörst du noch nicht zu einer Jugendkonrpagnie? Viele Jungmannen sind bereits zu den Waffen geeilt, so ist Raum für den Nachwuchs. Mit 16 Jahren kannst du eintreten. Bist du gesund und fühlst du dich kräftig aenua, so melde dich zum Eintritt. Tu es gleich! Tu es beute! Es ist dein Vorteil. Du kommst mit Kameraden hinaus in Gottes schöne Welt. Gesundheit und Kraft nehmen m. Du wirst geschickt und findig. Du lernst die Anstrengungen der Rekrutenzeit mühelos ertragen. Du kannst bei regelmäßiger Teilnahme an den Hebungen Wünsche für den Truppenteil äußern. Es wird deine Freude sein. Du strebst freiwillig mit gleichgesinnten Kameraden einem schönen Ziele zu. Du fühlst deine Kräfte wachsen. Du gewinnst Selbstvertrauen und Zuversicht. Schwierigkeiten besiegen wird zum Genuß. Das Vaterland erwartet es von dir. Vor 100 Jahren galt es: Der König rief, und alle, alle kamen. Kommt auch heute alle, ihr Junamannen! Bereitet euch in den Juaendkompagmen für den Dienst im Heer und in der Marine vor! Meldungen nehmen die Führer der Juaendkompaamen und das Königliche Generalkommissariat *ur militärischen Vorbereitung der Jugend, Berlin W 50, Tauerchienstraße 7, entgegen. * Es ist charakteristisch» daß Amerika, das so gern den Deutschen Zurückgebliebenheit vorwirft und in derbster Weise den Antisemitismus tadelt, seinerseits' auch den Dehler begebt, den es bei anderen rügt. Dem „Hannoverschen Courier" entnehmen wir folgende Notiz: Die Juden im amerikanischen Heer. Louis Marshall, der Präsident der Jüdischen Vereinigung in Amerika. hat an den amerikanischen Krieasminister Baker eine energische Verwahruna aeaen die schlechte Behandlung der Juden in der Armee der Bereinigten Staaten gerichtet. Marshall wendet sich gegen die Außerachtlassung der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung der Juden und führt aus, daß die iüdischen Soldaten von der durch das rasche Wachstum der amerikanischen Armee bedingten raschen Beförderuna zu Offizieren bisher völlig ausgeschloffen wurden. Bor kurzem hat auch Präsident Wilson einareifen muffen, um einen gegen die indischen Erkrankten gerichteten Erlaß des amerikanischen Kriegsministeriums aufzuheben. * lieber England u n d di e rumänische Jude nfraae telegraphiert der Londoner Korrespondent dem Jüdischen Korresvondenzbureau im Haag: Im Abaeordnetenhause wurde die Regierung interpelliert, ob sie bei der Nichtigkeitserklärung des Bukarester Friedensvertrages auch die Mßcht hatte, die Bestimmungen über die Rechte -der Juden zu verwerfen. Der Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Lord Robert Eecil. erklärte: Wer die Vertragsbestimmungen des Bukarester Friedens aufmerksam lieft, merkt, daß die für die Juden erwirkten Rechte sehr beschränkter und bedingter Art sind und die Bestimmungen lediglich den Zweck haben, Deutschland einen Vorwand mehr zu bieten, sich in die inneren Angelegenheiten Rumäniens zu mengen. Die Regierung hegt die innigsten Sympathien für die Befreiung der Juden Rumäniens, sie wird aber nur das vollständige Programm, daS vor diesem Vertrag durch die rumänische Regierung selbst 1878 akzeptiert wurde, und nicht dieses beschränkte Schema gutheihen. m Dasselbe Bureau weiß folgendes zu berichten: Mohammedaner und Juden in Palästina. Nach einer Londoner Meldung des Jüdischen Korrespondenzbureaus im Haag haben einige in England wohnhafte Mohammedaner eine Denkschrift Minister Balfour überreicht, worin sie den Empfindungen der Mohammedaner in bezug aus die Zukunft Palästinas und besonders mit Rücksicht auf die britische Regierungserklärung Ausdruck geben. In der Denkschrift beißt es u. a.: die Juden hätten kein Recht auf das Land, „dessen sie sich durch Raub bemächtigt hätten. Die Juden seien stets gut behandelt worden und oft besser als in christlichen Ländern: aber ein iüdisches Palästina sei gefährlich, weil die Juden doch, wie bekannt. Ausbeuter wären und ein friedliches Leben unmöglich machen würden. Ein freies selbständiges Palästina dürfe nur ein mohammedanischer Staat sein." Dieser Denkschrift wird in maßgebenden Kreisen keine Bedeutung ungeschrieben, da sie von einiaen wenigen Personen herrübrt, die ohne jedes Mandat „den Empfindungen der Mohammedaner" Ausdruck gegeben fmfc— or •** dem großen Meeting im Londoner Overabouse im Dezember v. I.. wo der englischen Regierung für ihre Erklärung gedankt wurde, waren auch Vertreter der Araber und 'der Armenier erschienen, die ihrer großen Treu de über die Erklärung Ausdruck gaben. Sokolow war berechtigt, von einer Entente cordiale zwischen Arabern, Armeniern und Juden Mitteilung zn machen. Im Geaensaß zu dem Haager Bureau glauben wir. der mobammedaui^ck»en Denkschrift eine üemlilb-e Bedeutung zu- ' schreiben zu muffen. Nichtsdestoweniger geben wir aus den Mitteilungen desselben Rnreaus folgende Auslassungen wieder, ohne ihnen einen Kommentar beizufüaen. D i e P a l ä st i n a k o m m i s s i o n. Die zionistische Palgsffnakonnnission ist endlich hier ernoelroffen. Bon dem königlichen Empfang. der ihr bereitet wurde, bat Sie sich-»'-- sich der Telegraph schon unterrichtet. Ich kann Ihnen aar nicht schildern, mit welcher Spannung die Bevölkerung die Kommission erwartete. Zwei tragen hörte inan immer wieder: Wann kommt dm Kommission? Wann kommt das Regiment? Niemals bedurfte b^ Judenbeit so sehr einer kräftigen Führerschaft. der sie unbedingt folgen konnte, wie belcke. Und niemals batte sie muh so tnnffl nach einem kräftigen Führer verlangt wie in diesem Augenblick. Große Ausgaben obliegen der Kommission: der Wiederai^shgir der Kolonien und die Vorbereitungen für die neue oroß^'iaiae Resiedellkng des Landes. Man veraeffe dabei nicht die Schpnermfpfferi der Arbeit: wenn auch die valäsiinensische Judenbeit die Kommission als ihre um bedinate Führerin anerkannt hat, so muß sie auf die verschiedensten Interessen Rücksicht nehmen. Die Differenzen zwischen Sevbardim und Aschkena^im, Ortbodoren und ,Freidenkern. Gutsbesitzern und Arbeitern müssen ausgeglichen und die Jntereffen der Weinbauer, Orangen- und Wei^enpslanzer in barmonischen Einklang mit denen der städtischen Bevölkerung, der Kauflente und der arbeitenden Klaffe gebracht werden. Der größte Teil dieser Aufgabe war bereits von den Vertretern aller Gruppen in brüderlicher Eintracht selbsi noch vor der Ankunft der Kommission durch den Kongreß in Richon le Zion und die Waads von Jerusalem und Jaffa gelöst worden. Dennoch warteten sie auf die Kommission. Die Spannung der Erwartung entlud sich in llnbeschreiblichem Enthusiasmus. als endlich die Kommission eintraf. Doch konnte der begeisterte Empfang nicht über die Schattenseiten des gegenwärtigen Zustandes hinweg täuschen: die schrecklichen, Folgen der Entvölkerung, Palästinas. ... . Weitzmann ist mit seinen Fähigkeiten» auch die stärksten Gegensätze zu einigen, und seinem persönlichen Magnetismus uns allen ein Führer geworden, dem wir unbedingt folgen und Treue leisten. „Unsere Aufgabe", so sagte er, „hat die Billigung der englischer' Behörden des Landes, aber sie ist gewaltig! Für unsere nationale Befreiung ist die definitive Befreiung des Landes die unerläßliche Voraussetzung . . . alles andere muß diesem Ziel untergeordnet werden. Ich rate darum unseren Ko-lomsten, sich nicht mit politischen fragen zu beschäftigen. Die Proklannerung irgendwelcher politischen Form, in diesem Augenblick würde die militärische Aktion nur beein trächtigen. Das jüdische Volk muß in geschlossenen Mafien hinter