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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-24 · Heft 21 (24.5.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 21 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 körmön. Groß ist die Zahl der gefallenen Juden im.badischen Lande und groß daher auch die Anzahl der aus diesen traurigen Anlässen dem Verein erfolgten Stiftungen. Cs-ist aber ein Zeichen edelster Gesinnung, wenn die Hinterbliebenen in ihrew Schmerze der Aermsten der Armen, unserer armen jiddischen Waisen, gedenken. Wenn die Jahresbeiträge größer geworden sind, so kommt das in der Hauptsache daher, daß einige Städte außerhalb des badischen Landes in treuer Mitarbeit mitgeholfen haben, d-ie nach auswärts gezogenen Badener dem Verein zu erhalten. Insbesondere erfreulich aber war es, daß die Städte im badischen Lande selbst in geradezu mustergültiger Weise für «den Derein gearbeitet haben. In vorderster Linie Karlsruhe, das die Jahresbeiträge von 1200 auf 1657 Mark erhöht hat, was insbesondere der unermüdlichen Tätigkeit des Herrn Stadt« und Konferenzrabbiner Dr. Appel zu verdanken ist. Auch viele andere Gemeinden, wie Pforzheim, Konstanz, Rastatt, Offenburg, Lahn, Neidenstein, Berwangen usw., haben wesentlich erhöhte Beiträge zugeführt und sich um die gute Sache bemüht. Die Verwaltungs- . und Verpflegungskosten beliefen sich auf 21862,10 Mark, die Mitgliederbeiträge und Schenkungen auf 32 828,89 Mark, das Vermögen des Vereins am Ende des Berichtsjahres auf 365 935,71 Mark. Während dieses Jahres wurden 17 Kinder in die Vereinsobhut ausgenommen und 15 aus ihr entlassen, weil deren satzungsgemäße Altersgrenze weit überschritten war. Der Verein ließ am Jahresanfang 116 Kindern, am Jahresende 118 Kindern feinen Beistand angedeihen. Der bei weitern größte Teil der Schützlinge bliebe im Hause der Eltern oder Verwandten und wurde mit Unterstützungsbeiträgen bedachte Von den übrigen befänden sich 17 Kinder in- Familienpslege; 1 Kind lebt im Badischen Landeskrüppelheim bei Pros. Dr. Vulpius in Heidelberg; 18 Kinder sind als Lehrlinge tätig; 6 Kinder besuchen die Realschule; 1 Knabe ist im Israelitischen Lehrerseminar iu Würzburg; 1 Knabe im Großh, Lehrerseminar I zu Karlsruher 1 Knabe aus dem Landwirtschastsgute zu Steinhorst. Ter Bericht weist daraus hin, daß der Verein es als seine edle Pflicht betrachtet,, für Verstorbene und 'fortab auch für Gefallene die Kaddischstistungen anzunehmen und die damit übernommenen Pflichten mit pietätvoller Gewissenhaftigkeit' auszu-sühren. — Der Rechenschaftsbericht schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 72 350,40 Mark. Der Vorstand spricht im Bericht allen, die -dem Verein durch ihre Geldbeträge seine wohltätige Wirkung ermöglicht und unterstützt haben, warmen Dank aus, und richtet an alle seine Freunde die dringende Bitte, ihm neue Mitglieder zuzuführen; ferner durch Gewährung oder Vermittlung von Spenden oder Stiftungen — Kaddischstistungen mindestens 200 Mark — nach Kräften den Verein zu fördern. Die das tun, werden stets eine freudige Genugtuung empfinden an der Förderung der hohen Ausgabe, armen, namentlich verwaisten israelitischen Kindern in ihrer Bedrängnis eine tatkräftige Stütze zu sein. — Stuttgart, 16. Mai. Der Unterstützungsverein für arme Israeliten im Lande, dessen Asyl in Sontheim bei Heilbronn ist, versendet seinen 21. Rechenschaftsbericht über das Jahr 1917. Die Anstalt hat 22 Insassen und sind im Betriebsjahre 2 verstorben und 2 ausgetreten. Neuaufnahmen fanden nicht statt. Der Betrieb konnte, wenn auch mit Schwierigkeiten wegen der Lebensmittel, aufrecht erhalten werden. Der Kassenbericht stellt sich günstig und schließt Thoraspenden ein und 11238 Mark aus Stiftungen und außerordentlichen Zuwendungen an -den Verein. Es ist dem Ausschuß ausfällig, daß manche Gemeinden so wenig leisten, und ersucht die betreffenden Gemeindegenossen, dem edlen Zwecke des Vereins ihre Hilfe angedeihen zu lassen. 15 Personen im Lande erhielten gleichfalls Unterstützung iw Betrage von 860 Mark. Verschiedene Personen aus Heilbronn, Sontheim und Stuttgart gaben Geschenke an Lebensmittel, Wein, Möbel und, Geld für arme Israeliten. — Die diesjährige württembergische Rabbinerkonftrenz am 8. und 9. d. M. hatte ein besonderes Gepräge. Der erste Teil derselben war der! internen Angelegenheit der Amtspraxis der Rabbinen selbst, wie Geschäftsbericht, Schulaufsicht, und aktuellen Standes- und Gemeindesragen gewidmet. Der zweite Teil behandelte in öffentlicher Sitzung, an der Vertreter» der Oberkirchenbehörde, des Kirchenvorsteheramtes Stuttgart und des Mürtternbergischen Lehrer- und Vorsängervereins Teilnahmen, zwei Themata, ein halachisches: „Der Mehrheitsbeschluß und die talmudischen Regeln", von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Stößel (Stuttgart) mit tiefdringender tälmudischer Gelehrsamkeit und Forschung ausgearbeitet, und ein zeitgemäß-praktisches „Die jüdische Feldseelsorge" von Herrn Armeerabbiner Dr. Tänzer, das durch die packende Darstellung des eigenen Erlebten und die interessante Beleuchtung der jüdischen Soldntenseele die Zuhörer ungemein fesselte. Oesterreich-Angara. z. Wien, 16. Mai. Vor kurzem verschied hier im 70. Lebensjahre nach schwerem Leiden Herr Abraham Silberg, langjähriger Kultuspräsident und Gemeinderat der Stadt Podkamien bei Brody. Mit ihm verschwindet aus den Reihen des strenggläubigen Judentums eine jener immer seltener werdenden Gestalten, die ein gediegenes jüdisches Wissen mit umfassender allgemeiner Bildung vereinen. Er Uwe im vollsten Sinne des Wortes zugleich ein Repräsentant der alten und neuen Zeit, deren Elemente bei ihm zum prägnantesten Ausdruck gelangten. Trotz seiner hohen Bildung blieb er ein wahrhaft frommer Jude, innerlich und äußerlich ein wahrer Jude und Mensch. In seinem Herzen glühte heiße Liebe zu unserer alten Sprache, die er nach Art der besten unter den> Maskiüm meisterhaft beherrschte. In den achtziger Jahren als eifriger Mitarbeiter hebräischer Zeitschriften tätig, stand er mit den hervorragendsten Vertretern der semerzeitigen hebräischen Literatur in ständiger Verbindung, vornehmlich mit den: bekannten Meier Halevi L e t t e r i s. Die jüdische Gemeinde Podkamien betrauert außerdem in dem Verblichenen ihren jahrzehntelang bewährten unersetzlichen geistigen Führer und Berater. An seinem Grabe trauern eine gramgebeugte Witwe und zwei vom Verstorbenen rnit fürsorglicher Liebe erzogene Söhne. — Hier sind einige Flüchtlinge aus Nordpalästina. eingetrossen, die die dortige jüdische Lage ' in traurigstem Lichte schildern. Die Sterblichkeit ist nach deren Angaben dort furchtbar-. Von den zahlreichen Erkrankungen abgesehen, stirbt der größte Teil der Bevölkerung infolge Hungers und Erschöpfung. In einer Woche ist ein Vater samt seinen drei Kindern nach und rum) Hungers gestorben. Nahrungsmittel gibt cs wohl in H kille und Fülle, die Märkte sind üborsüllt, aber an Bargeld mangelt es. Wohl hat sich der Kurs der österreichischen Krone aus das Doppelte erhöht, auch das türkische Geldpapier ist uni 25 Prozent gestiegen, aber die Zuflüsse aus der Heimat fehlen. --- Am 28. v. M. fand inr Zerenwmensaal des Döblinger Teuchels die Generailvers amm I ung des Döblinger jüdischen Fr auende reins unter ganz ungewöhnlicher Beteiligung statt. Die Präsidentin, Frau Dr. Siöonie Kahn, begrüßte die Anwesenden; die Schristführerin Frau Dr. Annie Koh nverlas den Rechenschaftsbericht, dem wir entnehmen, daß der Verein 2400 Kronen an Unterstützungen, 35 888 Kronen an Pflegschaften, 1078 Kronen an Pfründen, im ganzen über 42 000 Kronen verausgabt hat. Herr kaiserlicher Rat Heller dankte dem Verein für die ganz außerordentliche Mühewaltung in der Blindenfürsorge, Frau Regine Ulmann begrüßte den Verein namens der weiblichen Fürsorge, welche die Vorredner als mustergebend für Eemeindeorganisationen gefeiert hatten, und erklärte, wie zu deren bisherigen Leistungen der Döblinger Verein und seine Präsidentin als Leiterinstellvertreterin des Arbeitsausschusses hervorragend beigetragen haben. Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g knüpfte in gerechter Entrüstung an ein Flugblatt an, das die Juden aus Oesterreich Hinauswersen will, rurd entrollt^ die Vorstellung, wie die Welt ohne das Volk der Bibel und des Buches aussehen würde. Sein ebenso gelehrter als fesselnder Vortrag galt der Bibelübersetzung und Bibelverbreitung, war von seltener Objektivität getragen und schloß mit dem warmen Appell, der zu unserer Beschämung in protestantischen Kreisen unnötig wäre, bei uns aber immer dringender wird, „-das,Buch" nicht zu vergessen und -am Herzen zu trag-en. Ter Vortrag erhielt reichen Beifall und machte aus die Anwesenden einen tiefen Eindruck. Serbien. Belgrad, im Mai. Am 1. d. M. frühmorgens brach in dem ehemaligen jüdischen Tempel in der Mojsijevagasse in Belgrad, in dem die Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde unter gebracht war, ein Brand aus, der das gesamte Gebäude und die darin aufbewahrten historisch wertvollen Bücher vollständig vernichtete. Der Brand kam schon den Abend vorher zum Ausbruch, wurde jedoch vorn Tempeldiener ungenügend gelöscht, so daß das Feuer nun neuerlich in heftigster Weise aufflammte und, ehe noch seine Weiterverbreitung bemerkt wurde, das ganze Haus ergriff. Erst als die Flammen zmn Dache hinausschlugen, kam die Feuerwehrheran, die jedoch das Gebäude und die Bibliothek nicht mehr retten konnte. Es gelang ihr nur, das Uebergreifen des Brandes auf die umliegenden Häuser zu verhüten. Der Schaden, der am Gebäude und an der Tempeleinrichtung

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