Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1918)
- Date
- 1918-05-24
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 derjenigen Gemeinden, die regelmäßige Beiträge Reiften,-hat sich wiederum vermehrt. Die Jahreseinnahmen des Rabbinerseminars betrugen im Jahre 1911 147 221 Mjark, von-denen 26 000 Mark a'E Jahresbeiträge, 25 000 Mark aus Spenden und 38 000 Mark auf neue Stiftungen entfallen. Die Ausgaben verteilen sich mit 27 600 Mark auf Gehälter, für Lehrzwecke und Verwaltung, 3600 «Mark für Stipendien und 5600 Mark für Miete und Hauskosten. Das Vermögen der Anstalt beziffert sich auf 651264 Mark. An Stelle der in den beiden Berichtsjahren verstorbenen Kuratoren, Rabbiner Dr. Cohn (Kattowitz), Carl Knoller (Berlin), Provi-nzialrabbiner Dr. M u n k (Marburg) und Subdirektor S. L. L >eszynsky (Berlin), wurden in das Kuratorium der Anstalt gewählt: Rabbiner Dr. S. C a r l e b a ch (Lübeck), Dr. Meier H i l d e s h e i m e r, Simon C. Knoller, Handels-Minister Mix Struck (Berlin) und Rabbiner Dr. Wreschner (Samter). W. Posen, 16. Mai. Im 4. Kriegsjahre steht auch die hiesige Israelitische Waisenknaben-Anstalt ganz unter dem Druck 'der..allgemeinen Erschütterung, von welcher fast die ganze Welt ersaßt ist. Mehr und mehr macht sich der Einslutz der äußeren wirtschaftlichen Verhältnisse geltend und wirft seinen Schatten auf die Entwicklung unserer öffentlichen Einrichtungen. Doch ist es der Anstalt gelungen, wenn auch unter Anspannung aller Kräfte, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden und den gestellten Ausgaben gerecht zu werden. Dabei darf mit Genugtuung, festgestellt werden, daß die Freunde der- Anstalt in richtiger Würdigung der herrschenden Verhältnisse sie diesesrnal reicher mit Spenden bedacht und so die Direktion in den Stand gesetzt haben, trotz der stark vermehrten Ausgaben mit den vorhandenen Mitteln auszukommen, ohne die Lebenshaltung anders beschränken zu müssen, als die im allgemeinen Interesse gegebenen behördlichen Verordnungen es bedingen. Die Zahl der Zöglinge ist dieselbe geblieben; für 2 ausgeschiedene Knaben wurden 2 andere ausgenommen. 14 Knaben besuchen die Schule, 5 befinden sich in der Berufsausbildung. Von diesen wurde einer im Lause des Jahres zum Militärdienst, ein anderer zum Hilfsdienst eingezogen. 16 Zöglinge erhielten im Hause volle Verpflegung. Die körperliche Entwicklung. sowie die geistige Ausbildung bzw. die Berufsausbildung schreiten durchweg bei allen Zöglingen in rechter Weise vorwärts. Der Gesundheitszustand war im vergangenen Jahre wiederum trotz der durch den Krieg veränderten Lebensweise ein günstiger geblieben. In den Sommerferien hatte das Haus wieder den größeren Teil der Zöglinge in Erholungsstätten, besonders 3 Knaben in das Kurhospital zu Kolberg, andere auf das Land geschickt und nur einen kleinen Teil in der Anstalt zurückbehalten. — Bon den Ehrendamen schied im Laufe des Jahres Frau Rosa Brodnitz durch Wegzug nach Berlin aus ihrem Amte. Am 24. Dezember starb Frau Lea Kalvari, welche länger als 20 Jahre Ehrendame des Hauses war. Die Direktion hat statt ihrer Frau Klara Rosenberg und Frau Fanny Oelsner zu Ehrendamen gewühlt. Die Einnahmen im abgelaufenen Geschäftsjahre betrugen 41501,95 Mark, die Ausgaben 41167,74 Mark, so daß ein Ueb er schuß der laufenden Einnahmen von 334,21 Mark verblieb. Die Gedenktafel der verstorbenen Personen, für welche in der Synagoge der Anstalt Jahrzeitfeiern abgehalten tverden, weist über 1000 Namen auf. er. Chemnitz, 16. Mai. EineJubilä umsversammlung des Zentralvereins fand am 11. d. M. im Saale des Handwerkervereinshauses statt. Die Versammlung war von den Mitgliedern und deren Angehörigen sehr zahlreich besucht. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Ortsgruppe, Herrn Leopold E g e r, hielt der Vorsitzende des Zentralvereins, Herr Geheimer Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Berlin, einen eineinhalbstündigen Vortrag über „Erreichtes und E r st r e b t e s ", in dem die Ziele und Erfolge des Vereins eine eingehende Darlegung erfuhren. Die deutsche Judenschaft solle nicht nur dem Glauben der Väter, sondern auch dein Vaterlande treu bleiben. Eins tue dem anderen keinen Abbruch. Der Verein habe seine Ziele erst zum Teil erreicht; er werde auch weiter bestrebt bleiben, den deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens ihr Recht zu erkämpfen. Nach dem mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrag richtete noch Herr Kommerzienrat Ladewig, der erste Vorsteher der israelitischen Religionsgemeinde in Chemnitz, eine kurze Ansprache an die Verfamnitung. Er hob anerkennend die Tätigkeit des Zentralvereins hervor und bemerkte dabei, daß die Judenfrage das Kulturbarometer der Völker sei. Er hoffe, daß die volle Gleichberechtigung der Juden bald eintreteu werde. Unter lebhaftem Beisiall -deS.rgvößE'AudMMmS "schloß Herr Kommerzienrat Ladewig seine Ausführungen, mit einem Hoch auf den Zeutralverein. J. A. RAimberA, 16. Mai. Die hiesige Genieinde beklagt den Verlust eines ihrer besten und vornehmsten Männer und treuesten Anhänger des Judentums, des Herrn Karl Des sauer, der an dem lieblichen Gestade des Bodensees, wo er Erholung suchte, in Ueberlingen von einem Schlagarchalle im 72. Lebensjahre dahingeraM wurde. Der Verstorbene hat mit seltenem Eifer und unermüdlicher Arbeitskraft in einer Reihe von gemeinschaftlichen Wohlsahrtseinrichtungen viele Jahre gewirkt. Er gehörte fünfzehn Jahre dem Ausschuß des Israelitischen WoMätigkeitsverein.s an und!lei>tete die Verwaltung und Verteilung der Friedhofsspenden. Ebenso gehörte er dem Ausschuß des Vereins« für die Interessen des liberalen Judentums seit dessen Gründung an und war stets bemüht, an der fortschrittlichen Ausgestaltung des Gottesdienstes und des Beerdigungswesens mitzuwirken, wobei gar viele seiner Anregungen innerhalb der Gemeinde in die Tat umgesetzt wurden. Aber auch außerhalb des Judentums war Karl Dessauer auf dem Gebiete idealer Fürsorge allenthalben ein treuer Mitarbeiter und Mitkämpser, dessen Rat gern gehört und dessen Mitwirkung dankbar anerkannt wurde. In der Freimaurerloge „Zu den drei Pfeilen", in welcher sein fünfzigjähriges Maurerjubiläum vor kurzem gefeiert wurde, gehörte er dem Ehrenrate und der Armenkommission an und hatte während des Krieges die Absiendung der Liebesgaben an die im Felde stehenden Brüder übernommen und mit großen: Geschick durchgeführt. Die hohe Verehrung, welche dieser vortreffliche Manu, in allen Kreisen genossen, leuchtete aus den. Abschieds- Worten hervor, die bei der Beisetzung feiner bereits durch die Flamme zu Staub gewordenen Ueberreste gesprochen wurden. Herr Rabbiner Dr. Freu de n th a l gedachte mit warmen Worten der vortreMichen Eigenschaften des Verewigten, der Bescheidenheit feines Wesens, der Lauterkeit seiner Gesinnung sowie dessen unermüdlicher Arbeitssreudigkeit auf allen Gebieten der Armen- und Wohlfahrtspflege. Herr Hugo Baermann, der Vorstand des Israelitischen Wohjltätigkei'tsvereins sprach im Namen der Verwaltung den Dank dem treuen Mitarbeiter und Förderer dieses Vereins aus. Am: Schluffe hielt Herr Justizrat Dr. Cahn im Namen der Loge „Zu den drei Pfeilen" einen tiefempfundenen Nachruf dem treuen und wackeren Bruder, dessen Andenken bei allen Freunden und Gleichdenkenden fortleben wird für alle Zeiten. J. A. Nürnberg, 16 Mai. Das Eiserne Kreuz erster Kla sse er h ielt: Artillerieleutnant im 6. bayerischen Feldartillerieregiment Otto R o s e n b e rg, Sohn des Kaufmanns Max Rosenberg, Fürth. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Rechtsanwalt Dr. Moritz Rauh, Unteroffizier in: 6. bayerischen Feldartillerieregiment, Rechtsanwalt Rudolf Ving, Leutnant der Reserve im 6. bayerischen Reserveinfanterier'egiment, Artilleriegefreiter Alfred Fleischmann, Infanterist Sally Weglein. Den bayerischen Michelsorden vierter Klasse erhielt: Speditionsgeschäftsinhaber Kommerzienrat Max G u t - n: a n n in Bamberg. — Ansbach, 16. Mai. Unsere Gemeinde hat durch den Tod des Herrn Eduard Kupfer einen schmerzlichen Verlust erlitten. Ein Mann von echtem Schrot und Korn mußte er auch in der Verwaltung der hiesigen israelitischen Gemeinde seinen Platz finden, der er jahrelang zur Zierde gereichte. Der Gedanke an treue Liebeserweisvng bewog ihn zur Uebernahme der Vorstandschaft unserer Chewra Kadischa. Treu verwaltet er den Vorsitz der Gruppe des Hilfsvereins der De u t scheu Ju den hier. Seiner Tugenden gedenkend, zollte ihm auch ein sehr großes Trauergefolge aller Konfessionen, voran der Herr Oberbürgermeister, der Chevauxlegerverein mit der Fahne, neben den Mitgliedern der israelitischen Gemeinde d:e Ehre des letzten Geleits. In trefflichen Worten charakterisierte Herr Rabbiner Dr. Braver den Verklärten. Bruchsal, 16. Mai. Dem soeben erschienenen Bericht des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtun: Baden für das Jahr 1917 entnehmen wir, daß der Verein, tr-otzden: der Krieg noch nicht zu Ende ist, seine Arbeit in ungestörtester Weise durchführen konnte. Nur die Teuerung, die der Krieg gebracht hat, macht sich auch bei ihm fühlbar. Er hat den Familien, die Kinder vo:: ihm in Pflege haben, wesentliche Kriegszulagen weiter bewilligen müssen, und ist in der Lage, diesen Anforderungen gerecht werden, zu