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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-24 · Heft 21 (24.5.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 21 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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82. Jahrgang Nr. 2t Berlin, 24*Mai i9lft ViiUgt gut „Wiginufnin Stltuns htf Judentum-". ßorrtlponDrn?pn unö Aschrichten. SrvMland. Berlin, 21. Mm. Die am 9. 6. M. stattgefundene Vertreterversammlung des Verbandes der jüdischen Iugendv ereine Deutschlands, gestaltete sich zu einer bedeutsamen Kundgebung für die Idee der neutralen Jugendvereinigungen. Der Vorsitzende, Dr. Apfel, forderte in seiner EröffnüngAansprache den Ausschluß der Politik aus der Verbandsarbeit, die ausschließlich aus erzieherische Probleme gerichtet werden soll. Die Mitglieder müssen zur größten Schlichtheit im Denken- und in ihrer Lebensführung angeregt werden. Der Bericht über die Verhandlungen zur Begründung einer V e rst ä n d-i grr ng sg-e meinschast der jüdischen Jugendorganisationen Deutschlands wurde mit lebhaftem Interesse ausgenomnwn. Das Scheitern der Verhandlungen wurde allgemein bedauert und das Verhalten der zionistischen Ver- . treter auch von den anwesenden Zionisten entschieden verurteilt. Tr. Apfel schloß seinen Bericht mit der Warnung vor einer neuen Hetze gegen den Zionismus. Der neutrale Jugendverband werde senke. Erziehungsbestr-ebungen später wieder neu ausnehmen. Der Neutralitätsgedanke kam auch unzweideutig zum Ausdruck, alsder Vertreter desAentralvereins, Justizrat Brodnitz, mitteilte, daß der Zentralverein Herrn Dr. Ap^el und Fräulein Dr. Berliner mit Rücksicht aus ihre führende Stellung in der jüdischen Jugendbewegung in feinen Vorstand kooptiert habe. Gegen den Eintritt der Genannten erhob sich eine lebhafte Opposition, iw der allseitig festgestellt wurde, daß der Zentralverein keine neutrale Organisation sei. Nur der Hinweis, daß von Geheirnrat Fuchs eine Führung des Zentralvereins zu erwarten sei, die dm Verein nicht in den Kmnpf gegen bestimmte Richtungen drängen werde, vermochte die Delegierten zu bewegen, von bestimmten Anträgen abzusehen. Ueberhaupt kam eine gereizte Stimmung gegen einige im Verbandsvorstand vertretene Großorganisationen zum Ausdruck, denen vorgeworfen wurde, daß die lokalen Unterorganisationen zwar oft schöne Worte, aber keine Daten für die so überaus bedeutungsvolle Jugendvereinsarbeit aufweisen. — Dr. Loeffler (Frankfurt a. M.) behandelte in einem geistvollen Vortrage die positiven Ziele der neutrale nJug,endvereine. Er forderte die eingeh,ende Beschäftigung nrit dem jüdischen Schrifttum und die Vermittelung einer gefestigten jüdischen Weltanschauung. Die sexuellen Fragen sollten in den Jugendvereinen nicht nur vom medizinischen, sondern uu'ter höheren Gesichtspunkten behandelt werden. Das Verhältnis der Gemeinden zu den Jugendvereinen behandelte ein Referat von Landesrabbiner Dr. Ri eg er (Braunschweig). Sämtlichen Gemeinden soll eine Denkschrift über die Notloendigkeit einer systematischen Jugendpflege zu gehen. Die Errichtung von Jugend- Hermen für die schulentlassene Jugend wird' zur dringenden Forderung erhoben. — Nach zwölsstündiger Dauer wurde die Tagung, die eine Fülle von Anregungen bot, von Dr. Apfel geschlossen. c/s> Berlin, 21. ^at. Der vor einiger Zeit gegründete Werbeausschuß der Gesellschaft zur Förderung der Wissens ch a f t d e s I u d e n t u m s hat bisher recht erfreuliche Resultate zu verzeichnen gehabt. Seine Arbeiten wurden ihm wesentlich erleichtert durch die Tatsache, daß das Verständnis für die Mssenschast des Judentums und das Interesse an den geistigen Bestrebungen unserer Glaubensgemeinschaft gerade während der Kriegszeit im großen Maße gestiegen sind. Es sind seit Begründung des Werbecmsschusses der Gesellschaft sechs Stifter mit Beträgen von 1000 Mark und mehr, 25 immerwährende Mitglieder mit Betrügen von 300 und mehr Mark sowie eine beträchtliche Anzahl von Mitgliedern mit Jahresbeiträgen beigetreten. Dabei steht der Werbeansschuß erst im Beginne seiner Arbeiten, von deren- Fortgang noch günstige Erfolge erwartet werden. E. M. Berlin, 21. ' Mai. Justizrat Professor Dr. Paul A l e x a n d e r - K a tz, dessen Heimgang wir in der vorigen Nummer nur kurz anzeigen konnten, war neben seiner beruflichen und wissenschaftlichen Tätigkeit in einer großen Anzahl jüdischer Organisationen ein eifriger, geschätzter Mtarbeiter. Er gehörte dem geschästsführenden Ausschuß Ux Großloge U. O B. B. an und wirkte seit etwa einem ^ayrzeym m der Sreuerrommftpon der Berliner;uöljchen Gernelnoe. Auch der neu begründeten Zentralwoylfayrrsftelle der deutschen Juden -brachte der Verstorbene lebhaftes Interesse entgegen. Die Beerdigung erfolgte unter großer Beteiligung auf dem Gememdefriedhose in Weihensee. Der Vorstand der Anwallskammer, die Großloge U. O. B. B. für Deutschland und die Beranlagungstommisston oer jüdischen Gemeinde waren durch Abordnungen vertreten. &m Lied des Sänger scheu Synagogenchors leitete die Feier ein. In seiner Gedenkrede hob Rabbiner Dr. Weiße hervor, mir welcher Lreoe der Verstorbene dem Judentum ergeben war und beklagte den Verlust, Seit, die lurrprfche Wrffenfchaft durch den Heimgang eines tätigen Gelehrten erlitten hat. Geheimer Jusnzrat Diinendorser würdigre die Verdienste des Verstorbenen um pcu Orden Vne Brith, dessen Kranlenhausfchwestern-Orgamfation -ein Gegenstand seiner besonderen Fürsorge war. Im gleichen Sinne sprach Herr Sigmund Kaufmann als Präftoent der Deutschen meichsloge. Nach dcr Trauer ferer erfolgte die Beisetzung im Grvvegrcwnis. — Berlin, 21. Mai. Am Sonntag, den 19. d. Al., wurde Geheimer Medizinatrat Professor Dr. Adolf Baginsky auf dem Friedhoje der jüdischen Gemeinde in Weißenjee zur letzten Ruhe bestattet. Als Vertreter der Universität waren Rerror Prosefsor Dr. Penck, von der medizinischen Fakultät die Professoren Krait* und Czerny erschienen. Die städtischen Behörden hatten als Vertreter die Stadträte Selberg und Weber und die Stadtverordneteu Gagel, Landau, Galland und Isaak entsendet. In dem zahlreichen Mauergefolge sah mari neben Vertretern der jüdischen Gemeindeverwaltung und Delegierten verschiedener Wohlfahrrsvereine noch die Diretroren der Städtischen Krankenhäuser Fink eiste in. Gluck, Kuttner, Neu mann und Ohlmüller und die Geheimen Sanitätsrüte Benda, Selberg, Karewsti, Professor Dr. Sommerfeld und Professor Dr. Schloßmann (Düsseldorf). Nach der Trauerrede des Rabbiners Dr. Weiß e sprachen Geheimer Sanitätsrat Professor Dr. Cassel sür die ehemaligen Schüler und den Verein für innere Medizin, Justizrnt Dr. G a l l a n d sür das Kinder-Krankenhaus und die städtischen Behörden und Professor Dr. Kemsis für den Verein für.Schulgesunoyeitspflege. Unter anderen hatten auch die Hygienische Bereinigung und die Deutsche Gesellschaft sür öffentliche Gesundheitspflege Kränze niedergelegt. E. M. Berlin, 21. Mai. Das Berlins r R a b b i n e r - seminar Zählte, wie wir dem uns übersandten Jahresbericht entnehmen, in den Jahren 1916—1917 43 Hörer, von denen 22 im Heeresdienste standen. Der Lehrbetrieb konnte trotz der Kriegsverhältnisse aufrechterhalten werden, auch die Semesterprüsungeu wurden regelmäßig abgehalten, wenngleich Abschlußprüfungen und damit die Erteilung von Rabbinats-Autorisationen nur in geringem Umfange stattfanden. Das Lehrerkollegien der Anstalt besteht ans den Dozenten Dr. E p p e n st e i n, Dr. Hoffman n, Dr. S P e r b c x und Dr. Wohl g e m it t h; an der Spitze des Kollegiums steht Rektor Dr. David H o s f rn a n n. Dieser behandelte in seinen Vorträgen Talmud, Ritual-Codices und Pentateuch-Exegese, Dr. Wohlgemuth las über Talmud, Homiletik und Religionsphilosophie, Dr. Eppenstein trug Bibel-Exegese, jüdische Geschichte und Literatur, Midrasch und exegetische Literatur vor. Die Bibliothek der Anstalt hat durch die Zuwendung der Bücherei ihres verstorbenen Kurators, Rabbiner Dr. Cohn, einen bedeutenden Zuwachs erfahren. Der Finanzbericht der Anstalt läßt eine aufsteigende Entwicklung erkennen; die Zahl der Stiftungen hat eine bedeutende Zunahrne erfahren. Die Familie Hirs ch - Halberstadt hat eine Stiftung von 100 000 Mark errichtet, die fällig ist, sobald dom Grundkapital der Anstalt weitere 200 000 Mark zugeflossen sein werden; bis zu diesem Zeitpunkt zahlen die Spender einen Jahresbeitrag von 5000 Mark. Herr Max Jaffa stiftete 10 000 Mark zur Errichtung einer Fam i li e n st i f t u n g und den gleichen Betrag sür eine Dr.-H off - mann-Stiftung. Beide Zuwendungen des Herrn Jaffa sind für Stipendienzwecke bestimmt. Außerdem fielen der Anstalt mehrere Geschenke im Betrage von 5000 Mark und darüber zu. Die Zahl

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