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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-24 · Heft 21 (24.5.1918) · p. Seite 252

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 21 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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252 dem Schutze der Nacht entkommen," erwiderte Amram und sah nach der Triers, deren Thvaniten das Rudern eingestellt hatten. „Was bedeutet das?" ries der Kapitän herüber, der im Steuerhäuschen saß. . Zugleich stellten die beiden unteren Ruderreihen die Arbeit ein. Das große Schiff hielt still und auf feinem Verdeck schien eine Unruhe auszubrechen. Drei oder vier Männer in Sklavenkleidung' verteidigten sich auf >der rückwärtigen Plattform gegendie andringenden Krieger mit größtem Erfolge. Besonders ein großer, riesenhaft gebauter Mann behauptete sich gegen seine Gegner, ohne einen Augenblick zu ermatten. Der Steuermann sprang auf und schrie: „Eine Sklavenrevolte! Bei Jupiter, zur rechten Zeit!" Eine schwache Brise fing sich im Segel und das Boot glitt auf dem spiegelglatten Wasier leicht vorwärts. Die Diener wurden abgelöst und die Schiffssklaven traten an die Ruder. Zn kurzer Zeit batte man einen beträchtlichen Vorsprung gewonnen. Der Kapitän frohlockte und rühmte in zärtlichen Ausdrücken die Schnelligkeit und Gefügigkeit seines „Meeroottes": er konnte nicht genug Worte finden und in bester Laune ließ er den Sklaven eine Mahlzeit verabreichen. Amram hatte erleichtert aufgeatmet und begab sich ru Miriam hinab. Die Umschläge hatten ihr wohlgetan. Sie lag wach und als Amrom eintrat, flog zum erstenmal ein alückliches Lächeln über ihr Gesicht. Er sprach stille, liebe Worte zu ihr. als wollte er sie einhüllen in seiner Zärtlichkeit. Sie lächelte nur und ihre Augen nahmen einen uneraxündlichen Glanz an. Und er erzählte ihr von dem Leben in Merandria und Nachrichten aus Jerusalem. Doch verschwieg er manches, um sie zu schonen, denn er wähnte sie schwach. ..Ich träumte." sagte sie mit kaum vernehmlichen Lauten, ..ich wäre eines Knäbleins entbunden. Seine Gestalt war uon ausnehmender Größe und auf seiner Stirn brannte ein feuriges Mal. Und als ich es in meine Arme nehmen wollte, entschwand es meinen Blicken, und ich vernabm seine Stimme wie aus einer aroßen Entfernung. Und da ich zu weinen begann. erwachte ich . . ." .Amram hörte mit Erstaunen zu. Eine Erinnerung, blaß und unscheinbar, lebte in seinem Gedächtnis auf, und wie er auch sann, es gab ihm keine Deutung. ..Ein Spiel der Sinne bat dich genarrt. Miriam", sagte er beruhigend, „du fiebertest, doch seist bist du wieder gesund. Was soll es auch sein? Ein böser Geist quälte dich, nun sei ruhia und unbesorgt. Morgen landen wir in Alerandria. wo du dich erholen magst. Ich habe Schima verständigt und er wird alles zu unserem Empfang bereit holten. Die Fürsorge deines Vaters läßt uns auch in der Fremde eine Stätte finden. Sein Andenken sei gesegnet." „Ich bin matt. Lieber," seufzte sie, „und der Traum lastet auf meiner Seele." Er küßte sie und rief Thamar. befahl ihr sein Weib zu hüten und auf die Pflege zu achten, schärfte ihr ein. niemanden uizulasien und begab sich auf das Verdeck. Er fand den Kapitän bei der Mahlzeit und wurde einaeladen mitzuhalten. Auf der feindlichen Triere war es still geworden, und sie trieb ohne Ruderbewegung in weitem Abstand vom „Meergott". „Kann diese auffällige Ruhe nicht eine List sein?" fragte Amram und wies auf das leere Deck der Triere. Nur am Steuer brannte ein Flämmckien. und in ihrem Schein erblickte man die scharfgeschnittenen Züge eines syrischen Steuermanns. ..Fast möchte ich dir beistimmen, doch wisien die Götter allein das Nichtige. Ick lasse scharf ausblicken, denn sie könnten sich in der Dunkelheit in Booten heranmachen." Am Himmel zog ein Gewitter herauf; eine um jene Jahreszeit seltene Erscheinung. Ein starker Regen fegte über das Verdeck und klatschte auf den Planken. Das Segel wurde eilig herabgenommen und zusammengerollt. Das Schiff schlenkerte und kämpfte schwer mit den, aufgewühlten Wellen. Die Gischt spritzte über die Seitenwände und durchnäßte die Rudersklaven, die mit Aufbietung aller Kräfte des Sturmes Herr zu werden suchten. Bald mußte das Rudern gänzlich eingestellt werden, denn mehrere Stangen waren gebrochen und man mußte für die übrigen fürchten. Amram blieb aus dem Verdeck in der Nähe des Steuerhäuschens und sah dem Wüten der empörten Elemente zu. Das Verdeck der Triere belebte sich wieder und ihre Ruder tauchten ins Wasier. Das große Schiff durchschallt glatt die Wellen und war bald den Augen der Nachblickenden entschwunden. Ein Donnerschlag zerriß die Luft und ein greller Blitz fuhr in die Tiefe. Das leichte Boot begann sich im Kreise zu drehen, dann wurde es in die Höhe geworfen und sank in eine grundlose Tiefe hinab. Doch bald tanzte die Nußschale wieder auf dem Rücken einer haushohen Welle. Mehrere Stunden verflösien in härtester Arbeit. Man mußte im Tiefraum mit großen Gefäßen das eindringende Wasser ausschöpsen. Es war ein winziges Leck entstanden und zum Glücke entdeckt worden. Der Kapitän erwies sich als ein tüchtiger Mann, der sich zu helfen wußte. Mit Tuchresten verstopfte er die gefährliche Stelle, legte eine Schicht Wachs darüber und nagelte eine Bronzeplatte auf die gefährdete Stelle. Nun glaubte er das Schiff nach Möglichkeit gesichert. „So uns der Sturm nicht zu weit verschlägt, sind wir morgen in Alexandria", versicherte er. „Wir haben die Küste aus dem Auge verloren; ich nenne es ein Glück, denn wer könnte jetzt ein Steuer regieren und wer weiß, ob wir nicht gestrandet wären?" Amram haderte mit sich. Er lehnte an dem Mast, sah hinab in das kochende Wasser, das ihn anspie, und überdachte seine Lage. Mirjams Zustandhatte sich verschlimmert, die Seekrankheit hatte sie ergriffen und steigerte ihre Empfindlichkeit. Die Dienerin war vor Ueberanstrengung erkrankt und bedurfte selbst der Pflege. Und Amram sah kein Licht, wohin er auch blickte . . . v ■ ■ * Nach dem Falle der jüdischen Hauptstadt empörten sich die Juden in Alexandria gegen ihren Oberherrn, den römischen Statthalter. Jedoch sie fanden ein unrühmliches Ende. Der größte Teil der Aufständischen siel unter dem Schwerte und die Ueberlebenden sionten kettenbeladen in den Bergwerken Aegyptens. Die Edelsten wurden dem Pöbel geopfert und hauchten in der Arena zerfleischten Leibes ihre kühnen Seelen aus. Unter diesen war ein Mann, ein Rebellenführer, er hieß Amram und war der Sohn des Pinchas. Mchrreinlsuk. Befvrechung der Bücher Vorbehalten. Aurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. „Neue Jüdische Monatshefte". Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West. Erscheint zweimal im Monat unter Mitwirkung von Alexander Eliasberg, Dr. Adolf Friedenrann, (M). Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Prof. Dr. Franz Oppenheimer. - Mitbegründet von Hermann Cohen. 2. Jahrgang, Heft 13 und 14. Verlag der „Neuen Jüdischen Monatshefte", Berlin-München. „Sommerfeier". Gedichte von Hermann Sternbach. Wolf v. Koruatzki, Weckruf Verlag in Weimar, 1918. „Jerubbaal". Eine Zei-trschris,t der jüdischen Jugend 1. Jahrgang, April 1918, Heft 1. R. Löwit Verlag, Berlin-Men. M. I. bin Gorion: Zwei Generationen. Erzählungen. R. Löwit Verlag, Berlin-Wien.

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