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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-24 · Heft 21 (24.5.1918) · p. Seite 248

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 21 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
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248 Ljtrrsritchr Arbrrücht. Von Ludwig Geiger, ll. Historisches. Die mancherlei Schriften, die in diesem Artikel. zusanrmengefatzt werden und die in gewisser Weise eine Einheit bilden, sind doch höchst mannigfaltig. Ich beginne mit -dem Hinweis auf eine Zeitschrift, die die Statistik, also eine Hilfswissenschaft der Geschichte, behandelt, berühre dann eine stattliche Anzahl solcher Arbeiten, die sich auf die Geschichte der Juden in Preußen und Deutschland beziehen, schiebe eine Bemerkung über eine neue, Spinoza behandelte Arbeit ein, um dann überzugohen auf einige Schriften, die Palästina und die Geschichte der Juden in Rußland betreffen. Die „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Sub-en"1 * 3 4 *) hat auch die Ungunst der Zeiten erfahren. Mir liegt ein Heft vor, das ursprünglich drei Monaten des Jahres 1916 gewidmet war, das dann noch für drei weitere desselben Jahres bestimmt wurde und das, obgleich seitdem ein und ein Viertel Jahr vergangen sind, keine Nach folger gefunden zu haben scheint. Die vier Abhandlungen des uns vorliegenden Halbjahrganges find von mannigfachem Interesse. Besonders wichtig ist die erste von Jakob Se-gall: „Bevölkerungsbewegung der Juden in Berlin" wegen ihrer Mitteilungen über Eheschließung, besonders die Mischehe. Beidem zweiten Aufsatz von Henriette Fürth: „Geburtenfrage 'bei den deutschen Juden", habe ich die Empfindung, als ob das statistische Material mit zuviel allgemeinen Bemerkungen verbrämt sei; Segalls zweiter Aufsatz „Gebrechlichkeit der Juden in Groß- Berlin" gibt nur den Anfang einer wichtigen Zusammenstellung über Schwerhörige und Blinde, Geistesschwache und Geisteskranke. Von der Statistik wenden wir uns zu der Geschichte. Da sei zunächst einer Skizze von L. BcE), dem wir in der letzten Zeit nur als Feldvrediiger begegnet find, gedacht. Sie bildet einen Teil einer Festschrift, die bei der stillbegangenen Feier der hundertjährigen Zugehörigkeit der Rlleinprovinz zu Preußen abgefaßt worden ist. In verschiedenen Abschnitten: der- Charakter, die preußische Politik und der Kampf um die Emanzipation, das religiöse Leben wird ein Rückblick auf die hundertjährige Geschichte geworfen. Es werden namentlich die Verdienste gewürdigt, die sich die Rheinischen Landtage in den vierziger Jahren um dieJudenangelegenheit erwarben, und das starke, mannigfaltige, religiöse Leben der Juden dargelegt, deren Zahl jetzt etwa doppelt so groß wie vor einem Jahrhundert ist. Der Schluß der hübschen, gemäß dem allgemeinen Werke, in dem sie abgedruckt ist, nur kurzen Skizzen beweist die sinnige Art, in der Baeck Meister ist, indem sie den Zusammenhang der Rheinländer mit den übrigen Deutschen, und doch auch ihr Sondergefühl lebhaft hervorhebt. Diesem Lichtbild steht ein Nachtstück gegenüber. Unter Judenerber?) versteht Saalfeld diejenigen, welche das den Inden bei ihrer endgültigen Vertreibung aus Mainz 1349 weggenommene Gut, Häuser und anderes verwalteten. Zu diesem Behufe druckt er eine aus dem. Würzburger Kreisarchiv 1433 stammende Liste ab und versteht sie mit vortrefflichen, lehrreichen, erschöpfenden Bemerkungen, aus denen der Benutzer der Arbeit reiches Material zur Lokalgeschichtskunde empfängt. Einzelnes daraus mitzuteilen, ist schwer, wenn nicht unmöglich; steht man diese einzelnen Notizen durch, so bemerkt man, mit welchem Scharfblick der Verfasser die vielfältigsten Quellen durch gearbeitet hat, um zu einer genauen Identifizierung der verschiedenen alten Baulichkeiten zu gelangen. Man vertraut sich einem solchen Führer mit dem Gefühl vollkommener Sicherheit an. Aus dem Mittelalter führt Netter*) in die Neuzeit; das Bild., das er zu, entrollen hat, ist zwar nicht grausig, aber nicht eben, sehr 1) Zeitschrift für Demographie und Statistik -der Inden. Herausge-g-oben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin NW, Dorotheenstraße 52. Schriftleitung Dr. Bruno Blau. Berlin. 12. Jahrgang. Juli-Dezember 1916, Heft 7—12. 2) L. Baeck: Die jüdische Religionsgemeinschaft. Sonderdruck aus: Die Rheinprovinz 1815—1915. Bonn 1917. A. Marcus u. E. Webers Derlag. Berlin 1917. 3) Pros. Dr. S. Saalseld. Die Mainzer Iudenerben. Beitrag zur Topographie des alten Mainz. Sonderabdruck aus der Mainzer Zeitschrift. Jahrgang XII. 1917. Mainz 1918. 4) Die Schuldennot der Metzer Gemeinde. 1789—1854. (Beitrag zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Metz.) Don Dr. Netter. Oberrabbiner in Metz. Berlagsbuchhandlung LouiS Lamm, Neue Friedrichstraße 62—64, Berlin 1817. erfreulich. Die Arbeit, die hier in einer besonderen Schrift vorgelegt wird über die Schuldenlast der Metzer Gemeinde, ist eine ältere, die vor 5 bis 6 Jahren in Branns Monatsschrift zuerst gediruiK, mit dem Jahre 1913 und anÄ dem Dvuckovt Mich bezeichnet nun mit einem neuen Titel versehen und als Publikation des Jahres 1917 ausgegeben wurde. Den Grund, aus welchem Abhandlungen aus der „Brannfchen Monatsschrift" in, Sonderdruck ‘ veröffentlicht werden', kann ich eigenMch miM^eirMhenu Ern. solches Verfah-wn ist wohl bsgreifilich bet Provimzzechtich^ oder bei wissenschaftlichen Journalen, die nur in einem kleinen Kreise von L.okMorscheirn oder SpeMlintevessenten bekannt! worden: die „Brannsche Monatsschrift" dagegen, das Organ der Gesellschaft ntt Beförderung der Wissenschaft des Judentums, geht den vielen Hundertien oder den paar taufend Mitgliedern^ dieser GefellWast gratis m; urofatr diesen Mitgliedern sollte man -meinen, müßten' sich doch alle diejenigen beftn>den-, d'>e an iüdisch geschichtlichen Studien teilnehmen.. Für wen wird nun eigentlich solch ein Sonderdruck veramstailteti? Der Geoenftand, der hier 'behandelt wird, ist sonst interessant genug: der Verfasser hat einreiches Mntoriial fleißig' bewußt, um 'die schwierige Lage einer Gemeinde zu zeigen-, die -ans ihren Schulden nicht herauslommen' konn'te, aber man -erkennt doch leicht, -daß bei etwas m.pb>r Gemeinsinn der Metzer Hauvtgemei'nde und bei etwas mehr culem Willen der Filialgemeinden die Angelegenbeit hätte viel schneller geregelt werden können, da die jüdischen Abgaben nur etwa-1 Prozent der JaihreseinnahmM -betragen, alw ga-r nicht erheblich höher sind -als in manchenmoder-nien Gemeinden. Man liest daher die Klagerufe und biie langen Auseinandersetzungen mit sehr geringer Sympathie und fowtmf zu der Uebsrze-ugnna. daß bei durchgreifendem Willen -die Angelegenheit viel schneller hätte erledigt werden können.- Zu dem Mitleid, das der Verfasser bei seinen Lesern anregen will, werden sich daher nur wenige bringen. Auch ldieiie wenigen aber werden miit dem Verfasser rechtenmüssen, denn die Art und. Weise seiner Ausführlichkeit gebt doch zuweit. Seite 97 bis 103 steht ein großes Schreiben- -der Metzer Gemeinde in «deutscher Uebersetzung, ans dem ein Auszug vollkommenansgereicht hätte; Sei-te 131 bis 136 wird dasselbe Schreiben im französischen Original geboten. Das ist des Guten denn doch etwas zu viel. Aus dem Elsaß ist ein neues Unternehmen anzuzeiaen, der erste Band oder sagen wir lieber ein kleines Heft eines neuen Jahrbuches^). Außer Ve-reinsnachrichte-n-, Bücher schau enthält das Heft auch ein paar Abhanidlunglsn-. Die -erste von- A. Normann gibt kundigen Aufschluß über Wanderungs- und Siedelunasbeziehungen zwischen Elsässer und Schweizerischen Juden: die beiden anderen beziehen sich auf Kriege des 17. und am Anfänge des 19. Jahrhunderts u-nd rührenbetde von- -dem fleißigen- Heran sgever des „Jahrbuches" her. Die erste ist eine Zusammenstellung aus Heften, in denen die Erträgnisse -des Leibzolles von 1620 bis 1651 gebucht werden, Zusammenstellungen, aus denen sich Namen und Herkunft der jüdischen Wanderer aus der genannten traurigen Epoche -deis 30jährigen, Krieges ergeben-. Bei dom Abdruck bat sich der Herausgeber redliche Mühe gegeben-, die Na-men der Städte und der einzelnen unglückseligen Wa-nderer aus denflüchtigen ur b inkorrekten Aufzeichnungen zu eruieren; nicht immer konnte seine Mü'he von Erfolg begleitet sein-. In- 'dem zweiten Aussatz „ElsäMcke Juden -als Soldaten" gibt der Verfasser .einzelne Notizen, nicht etwa, wie man, durch den Titel verführt, erwarten sollte, über den gegenwärtigen Krieg, sondern über elsäsflsche Juden, die sich an den großen Revolutionskriegen beteiligt haben. Auch dies ist eine gewissenhafte, aus den Quellen geschöpfte Zusammenstellung. Es wäre gut, wenn seine zum Schluß gegebene Anregung befolgt würde, Aufzeichnungen, Briefe, Tagebücher von und über Soldaten der Gesellschaft zu übergeben, damit sie solche veröffentlichen könnte. Vom Elsaß führt uns eine neue Schrift nach Württemberg6). Der historische Teil dieser Schrift ist ziemlich klein; die Hauptaufgabe der Arbeit bestellt darin, die rechtliche Stellung der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg darzulegen. Für uns Norddeutsche ist die Auseinandersetzung so ganz anders gearteter 5) Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsaß- Lothrtingen 1917. Gebweiler. Buchdruckerei I. Drevsslß. 1917. b) Die rechtliche Stellung der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg von Dr. Gustav Schwab. Stuttgart W. Kohlhammer. 1917.

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