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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-24 · Heft 21 (24.5.1918) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 21 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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Begutachtungen zugrunde. Als Ergebnis dieser Beratung wurde dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund mit Schreiben vom 10. November 1911 eine Anzahl von Wänderungsvorschlägen unterbreitet und chm gleichzeitig ein umsangreiches Material übersandt, das in zahlreichen Bemerkungen bestand, die bei den Beratungen zu dem Entwurf gemacht worden waren, sowie in statifttschen Zusammenstellungen, die aut unsere Veranlassung. über die im Entwurf vorgesehenen Wahlen zu den Provinzialgemeinden und zur Landesgemeinde sowie über die Ausbringung des Bedarfs der Landesgemeinde angefertigt worden waren. Gleichzeitig sprachen wir aus Grund eines von den Gemeindebehörden gefaßten Beschlusses wiederholt den Wunsch aus, die Kommission möge ihre Arbeit sortsetzen und den Entwurf fertigstellen. Der ungenannte Verfasser hätte übrigens, wenn er stch vor Abfassung seines Aussatzes über die Tatsachen hätte unterrichten wollen, aus Nummer 75 der „Mitteilungen vom Ddutsch-Jsraelitrschen Gemeindebund" vom Mai 1910 S. 75 ersehen können, daß die Berliner Gemeinde sich zustimmend zu dem Entwurf ausgesprochen hat. Wir bitten Sie ergebenst, dieses Schreiben gefälligst in der nächsten Nummer Ihrer Zeitung zum Abdruck zu bringen, und zwar möglichst in demselben Teil der Zeitung, in dem der Aufsatz „Ans Werk" abgedruckt war." * Aus dem Felde wird uns geschrieben: Im Schützengraben las ich soeben die Rede, die der deutschvöilrsche Avgeoronete Heins im Abgeordnetenhause gehauen hat. Gewiß kann sie in ihrer gesamten Wirkung auch hier nur dieselbe Wirkung auslösen wre in dem Hause, in dem sie gehalten wurde: nämlich „Heiterkeit". Und wenn man doch hier draußen darüber nachdenkt, da faßt mich tiefste Empörung, daß es überhaupt noch Männer im Deutschen Reiche gibt, die so denken und reden. Daß also soll uns zu Hause erwarten, nachdem wir bald vier Jahre vor dem Femde unsere Wicht getan und in nichts unseren christlichen Kameraden nachgestanden haben! Das wäre der Dankt — Wo sollen wir, wenn wir solche Dinge lesen, noch die innere Kraft hernehmen^ weiter in vollem Maße wie bisher unsere Pflicht zu tun, wenn man uns nachher entrechten will. — Gewiß, es ist nur einer, der so redet! — Aber was kann so eine Rede nicht für eine Verwirrung in urteilslosen Köpfen anrichten? Die niedrigsten Instinkte werden entfesselt und der Haß geweckt, wo doch nach christlichem Glauben Liebe gesät werden sollte!- In guter Kameradschaft leben wir hier draußen miteinander und ertragen zusammen alle die unendlichen Strapazen der Offensive und des Schützengrabenlebens. Zusammen ertragene Gefahren ketten zusammen. Kommt aber einmal der Friede, so erwartet die einen, nach der Rede des Herrn Heins, Ruhm und Ehre, die anderen aber sollen zu Heloten erniedrigt werden! Denn wir sind ja nur „Juden". Es ist nicht unsere Art, von dem zu reden, was wir geleistet haben, denn wir haben nur unsere selbstverständliche Pflicht getan! Und haben wir es trotzdem nicht tausendmal erfahren müssen, daß trotz aller staatsbürgerlichen Gleichheit für uns es eben doch viel schwerer ist, unsere Gleichberechtigung durchzusetzen bei gleichen Wichten. Noch ist nicht Zeit, darüber zu reden! Wer dann wird reden können, der wird es tun. Tausenden aber hat die Kugel des Feindes den Mund verschlossen. Noch im Grabe aber raubt ihnen der Abgeordnete Heins die Ehre, wären sie nicht über derartiges erhaben und ihm entrückt! - Mögen diese Herren ruhig arbeiten an einer neuen Entfesselung des Antisemitismus! Wir können es ruhig abwarten in dem Gefühl der Sicherheit, das das Bewußtsein erfüllter Pflicht gibt. Dem Herrn Abgeordneten Heins aber möchte ich zurufem Er soll seme Worte wiederholen lucht im sicheren Saale oes Abgeordnetenhauses, sondern hrer draußen jm Schützengrabei,, im feuchten Erdloch und im feindlichen Feuer! Wrvd er es dann auch sagen, wenn draußen im Westen der jüdische Posten steht mit dem Antlitz zum Feinde und genau so ein Glied der feldgrauen Mauer ist wie ferne christlichen Kameraden? Wan er dann noch den moralischen Mut dazu haben? Wir aber tun weiter, ohne uns um solche Reden zu kümmern, getreu unsere Pflicht im Sinne des Glaubens, m dem wir erzogen sind, und getreu dem Kantschen kategorische» Imperativ. * Den Mitteilungen des Jüdischen Korrespondenzbureaus in, Haag entnehmen wir folgende Nachrichten: Judenverfolgungen in Rumänien. Kaum wurdema» in antisemitischen Kreisen Rumäniens gewahr, daß bi« Judensrug,- aus den gegenwärtigen Friedensverhandtungen zur Sprache com»»» werde, als auch schon eine förmliche Pogromhetze in allen größere» Judenzeutren eingesetzt hat. In e,Minen Orten, so in Rimnic «rar,», ist es bereits zu Tätlichkeiten gekommen. Jüdische Läden wurden ge plündert. Scheiden wurden eingeworsen und die auf der Straße «„■ getroffenen Juden geschlagen. Zur selben Zeit reist in den Eeyeim vertragen der Friedensunterhanoler eine sogenannte .Lösung" chi Judensrage heran, die zwei Drittel Ser rumänischen Juoen wd)Uw belassen wird. Zur Lage in Palästina. In einer Mitteilung des Züricher Pressebureaus, das von der Frankfurter Orthodoxie zur Dekämppmg der lrrclärung Dalsours errichtet wurde, wird berichtet, daß die eng tischen rveyoroen am Säsä. Dezember befohlen haben, sämtliche amertt» nrseyen unrertanen aus Jerusalem ausznweisen. Wie das Jüdische Korrespondenzoureau rm Haag erfahrt, ist diese Meldung von Aiisnng bis zu Ende srei erfunden. * Die Wiener „Reichspost", mit der wir uns leider so oft zu beschäftigen haven, schitderte vor einiger Zeit die Schrectcii-' Herrschast der Bolschewisten in der Ukraine. In diesem Artikel bezichtigte sie die Juden, sehr unsaubere Geldgeschäfte gemacht und sich dadurch unrechtmäßig bereichert zu haben. Sie teille u. a. mit, daß zum Direktor der Staatsoank ein 19jähriger junger Mann, ein jüdischer Jurist des ersten Jahrgangs, ernannt worden und daß die Hauptsache seiner Amtsführung gewesen sei, daß die Staatsbank ausgeräumt wurde. Dieser Artikel, dessen einzelne Angaben wir nicht nachprüsen können, ist in die Zeitung „Garbe-Feldpost" vom 20. April ausgenommeil worden und hat, wie wir aus dem Felde hören, leider in antisemitischem Sinne gewirkt. '* Endlich sei hier aus dem „Gemeindeblatt der jüdischen Gemeinde zu Berlin" ein Bericht des Feldrabbiners Dr. Baek wiedergegeben. Mit so herzlicher Freude wir auch diese Berichte bringen, von denen wir gewiß sind, daß sie durch ihren Gedankenreichtum und ihre gewählte Sprache unseren auswärtigen Lesern die gleiche Erquickung gewähren, die sie den Berlinern bereiten, so wünschen wir dem verehrten Manne und uns, daß er recht bald seinem Berliner Berufe wiedergegeben werden möge. Der vom März datierte Doppelbericht lautet: Zum vierten Male ist in dieser Kriegszeit der Frühling eingekehrt, mit strahlendem Sonnenschein nach grauen, frostigen Monaten. Ein Tor nach dem Osten wurde in diesen Wochen aufgetan. Die Stellring, die durch mehr als zwei Jahre Abwehr und Schutz gewährt hatte, bis zu der die Wege Vordringen können, liegt jetzt hinter uns. Er ist ein eigenes Gefühl, durch dieses nun verlassene Gebiet, das st' lange die Stätte des Kampfes und der Wacht, der Sorge und des

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