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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-24 · Heft 21 (24.5.1918) · p. Seite 243

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 21 (24.5.1918)
Date
1918-05-24
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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allen Umständen aber ist es eine Ueberhebung, wenn viele Zionisten behaupten, Laß allein der Zionismus das Judentum erhalten könne. Jede Erziehung im Judentum vermag das Judentum zu erhalten. Die Erziehung im Judentum, -wie sie mir vorschwebt, soll sich auf Wichtigeres, als es der Zionismus zum Teil will, beschjränkqn. Wir müssen bestrebt sein, unserem Nachwuchs Liebe und Achtung vor dem Judentum einguflößen, wir müssen ihn mit unserer Religion, unserer Ethik, unserer Geschichte, unserer Kultur und den Schönheiten unseres Familienlebens vertraut machen, wir müssen ihn dazu erziehen, im Judentum nicht -mehr die guanMs n6glig6able, sondern eine Gemeinschaft zu sehen, der anzugehören ihn mit Stolz erfüllt. Jeder Wert, den uns das Judentum vermittelt, soll uns willkommen sein, soweit er mit deutsch-vaterländischer Gesinnung vereinbar ist. Diese Ziele lassen sich freilich zum großen Teile nicht nur in der Familie selbst, sondern auch in den zahlreichen jüdischen Organisationen erreichen. Darum ist es die wichtige Pflicht jedes Juden, diese mit allen Kräften zu unterstützen und besonders in den jüdischen Jugendvereinen den Jüngeren die hohen Werte unserer Gemeinschaft zu vermitteln. So brennend manchem auch die Lösung der äußeren Iudenftage erscheint: wichtiger und drängender ist es vorläufig, an der inneren Erhaltungdes Judentums'zu arbeiten. Wenn wir die Gewähr für einen lebendigen und lebensfähigen Bestand unserer Gemeinschaft haben, dann können wir einer Lösung der äußeren Judenfrage getrost entgegensehen. Me Woche. Berlin, 21. Mai. « diese Uebersicht infolge der Pfingstfeiertage früher, als das Datum anzeigt, gedruckt sein muß, so kann sie nur über die Ereignisse weniger Tage berichten: Die preußische Wahlrechtsvorlage ist, wie von der Tagespresse bereits mitgeteilt, von dem Abgeordnetenhause abgelehnt worden. Das war bei der Stellung der Parteien vorauszusehen, bleibt aber höchst bedauerlich. Ob die preußische Staatsregierung, die entschlossen ist, das königliche Wort einzulösen, das Haus auflösen wird, steht noch nicht fest. Die Kriegslage ist unverändert. Stets erneute Angriffe der Feinde sind zurückgewiesen worden. Zur Beruhigung der Ungeduldigen, die eine neue Offensive und damit einen entscheidenden Schlag kaum -erwarten können, werden Mannigfache Stimmen laut, auch seitens des obersten Kriegsherrn, die -darauf Hinweisen, daß bei Millionenheeren der Nachschub der Kämpfer, der Munition und des Verpflegungsmaterials ungemein schwierig und sehr langdauernd ist, und daß infolgedessen Kampfpausen «intreten müssen. Wir wollen versuchen, uns in Geduld zu fassen. Statt einer Offensive stellt die österreichische Heeresleitung die Zahlen -der gefallenen, verwundeten und gefangenen Italiener zusammen — alles in allem über «eine halbe Million ~ und gibt eine Aufzählung dev ungeheuren Beute. So anerkennenswert diese Zahlen auch find, so würden -wir floh sein, wenn Oesterreich-Ungarn, das durch einen Besuch Kaiser Karls im Hauptquartier und durch Beratmrgen der Minister den Bund mit Deutschland festigt und auSbaut, nun auch, dem deutschen Beispiel folgend, einen -neuen Angriff -gegen Italien »nternehmen würde. Wir wollen uns der Hoffnung hingeben, daß dieser Vorstoß zur Vernichtung des italienischen Heeres führen möge. * Auch über jüdische Verhältnisse ist nur wenig zu berichten. Zunächst -entspreche ich einer Aufforderung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde in Berlin, indem ich folgender Zuschrift Aufnahme gewähre. Als Herausgeber dieses Blattes habe ich zu bemerken, daß ich an den Ausführungen des Verfassers jenes Artikels gleichfalls Anstoß nahm, nicht bloß an dem von dem Vorstand bekämpften Passus, daß ich es aber doch hier für meine Pflicht hielt, den hochgestellten Autor zum Worte kommen zu lassen. Die Zuschrift lautet: Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" enthält in ihrer Nummer 18 vom 3. Mai d. I. den Aussatz eines sich hinter dem Decknamen „Theologus" verbergenden Verfassers: „Ans Werk! — Gedanken zur Verfassungsreform der preußischen Juden. Soweit dieser Aussatz sich mit der Stellung befaßt, welche die Verwaltung der jüdischen- Gemeinde zu Berlin zur Fr«ge der Gesamtorganisation der preußischen Juden einnimmt, beruht er auf Voraussetzungen, die durchweg mit den Tatsachen in Widerspruch stehen. Der Verfasser erklärt, sich zuerst dem starken Widerstand gegen die Gesamtorganisation und seiner Bekämpfung züwenden zu wollen, und fährt fort: ,Bei den Vorarbeiten, die bisher zum Ziele nicht geführt haben, stand deutlich eine Gemeinde abseits: es war die Berliner." „Noch heute werden wir in der größten Gemeinde Preußen-Deutschlands energische Verfechter des geltenden Judengesetzes matt zu setzen haben, ehe die Bahn zu einem neuen frei ist." Der Verfasser erinnert sodann an die Notwendigkeit der Errichtung von Bezirks- und Provinzialgemeinden sowie einer Landesgemeinde, deren Sitz in Berlin sein werde, das bei einem Heraustreten aus seiner Reserviertheit durch die Wechselbeziehungen mit den besten Kräften aus dem Lande reichlich entschädigt werden würde. „In dieser Richtung wird also sein bisheriger passiver Widerstand zu überwinden sein, daß das Bessere das Gute von selbst verdrängt." Das Gegenteil von alledem, was hier über das Abseitsstehen der Berliner Gemeinde und deren passiven Widerstand gegen eine Gesamtorganisation der preußischen Juden gesagt wird, ist die Wahrheit. Die Verwaltung der Berliner Gemeinde hat die Arbeiten zur Gesamtorganisation jederzeit tatkräftig zu fördern gesucht. An den Arbeiten, die zur Ausstellung -des „Entwurfs eines Gesetzes betreffend die Verfassung der jüdischen Religionsgesellschaft in Preußen" geführt haben, haben sich Mitglieder unserer Verwaltung eifrig beteiligt. Nach Ausstellung dieses Entwurfs hat bekanntlich der 11. Gemeindetag am 17. Mai 1909 einen Beschluß gefaßt, der sich gegen die Gesamtorganisation richtete, insbesondere gegen die Errichtung von Provinzialgemeinden und einer Landesgemeinde in der Weise, in der sie in dem Entwurf vorgesehen waren. Im Gegensatz hierzu beschloß am 6. Juni 1909 die Repräsentantenversammlung der Berliner Gemeinde, den Gemeindevorstand zu bitten, an die zur Beratung deS Gesetzentwurfs über die Verfaffung der jüdischen Gemeinden in Preußen bestehende gemischte Kommission das Ersuchen zu richten, die Beratungen aus Grund der Einrichtung von Provinzialgemeinden und einer Landesgemeinde weiterzuführen, so wie sie in dem Entwurf vorgesehen waren. Der Vorstand der Gemeinde hat sich dem angeschlossen und eine entsprechende Aufforderung an die Kommission gerichtet. Ferner haben sowohl der Gemeindevorstand selbst wie Gemeindevorstand und Repräsentantenversammlung gemeinschaftlich in einer für diesen Zweck eingesetzten gemischten Kommission den Gesetzentwurf eingehend durchberaten. Der Beratung lagen ausführliche schriftliche

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