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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-16 · Heft 20 (16.5.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 20 (16.5.1918)
Date
1918-05-16
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 aus das, Thema „Erziehung und Nerven".. An allen vier Abenden waren trotz des herrlichen Sonunerwetters die beiden Adlersäle drückend voll. Gar viele Besucher mußten stundenlang stehen, lauschten aber trotz aller Unbequemlichkeiten den Ausführungen bis in die späte Nachtstunde mit ungeteilter Aufmerksamkeit. In einer lebhaften Diskussion kamen die Anhänger aus den verschiedenen Lagern, und die Jugend selbst 31t Worte, wobei alle Redner und Rednerinnen stets die gemeinsamen Ziele jüdisch-ethischer Erziehung in harmonischer Weise bekundeten. Mt hoher Befriedigung können die Veranstalter, in erster Linie der Vorsitzende des Vereins, Herr Tr. Freuden thal, ans den Erfolg dieser Abende Zurückblicken, die einen Beweis des regen, geistigen Interesses, das in der hiesigen Gemeinde herrscht, gebracht haben. Allgemein wurde der Wunsch ausgedrückt,- daß durch Drucklegung der Vorträge der. starke Eindruck dauernd erhalten bleiben und daß weitere Vorträge über diese und ähnliche Materien folgen mögen. Ein unmittelbarer praktischer Erfolg wurde sofort an den Tag gelegt, daß zahlreiche junge Leute, angeregt durch das in den Erziehungsvorträgen Gehörte, ihren Beitritt zn dem Israelitischen Jugendver-ein erklärten. L. Frankfurt a. M., 10. Mai. Am 4. Mai d. M. verschied hier in; 85. Lebensjahre der Oberkantor der Synagogengemeindc „Israelitische. Religi onsgesellschast", Herr Julius Friesländer, der feilt Amt vom Jahre 1851 ab über 60 Jahre bekleidete. Mit ihm, ist eine der markantetsten und bekanntesten Persönlichkeiten Alt- Frankfurts dahingegangen. Die vornehme Art, mit der er sich zu geben verstand, seine geradezu fürstliche Erscheinung, nicht minder sein glänzender Bariton, den er auch häufig in den Dienst der/Geselligkeit und Wohltätigkeit stellte, schufen ihm einen weiten Kreis von Freunden. Bei der Begründung der genannten Gemeinde ward er dem damaligen Rabbiner Samson Raphael Hirsch, bekanntlich einer der genialsten Führer des deutschen konservativen Judentums, der getreueste Mitarbeiter, indem ex den Shnagogengesang in neuzeitlicher Weise umzngestalten und zu pflegen verstand und damit zur Hebung der Andacht in bedeutendem Maße beitrug. Sein liebevolles Eingehen in den Geist der Gesänge nnd Psalmen hat Schule gemacht, nnd viele seiner Jünger und Schüler haben draußen im Reiche den Gottesdienst nach Friesländerschem Muster umgewandelt. Der Dahingeschiedene war in Hamburg geboren; er besaß ein Wissen, das weit über die Ansprüche, die man an ihn und sein Amt stellen durste, hinausragte'. Grstrrrkich-Anllsra. z. Wien, 10. Mai. In der am 24. v. M. stattgefundenou Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde wurde der Oberrabbiner von Triest, Tr. H. P. Chajes, zum Rabbiner der inneren Stadt und Oberrabbinerstellvertreter mit dem Rechte der Nachfolge gewählt. Im Sinne der Gemeindestatuten fand vor der Vo.rstandssitzung . eine Vertrauensmnnnerversammlung statt, 31t welcher über 200 Einladungen ergangen waren (das Statut schreibt nur die Einladung der doppelten Zahl der zurzeit fmlgiere.nden Vorstandsmitglieder — dermal 33 — vor). Der Einladung hat der größte Teil der Geladenen: Delegierte sämtlicher Bezirkskommissione.n, Tempelvereine, sonstiger Körperschaften und Gemeindemitglieder, den verschiedenen religiösen Richtungen angehörig, - Folge geleistet. In der Versammlung hielt Oberrabbiner Dr. Chajes. seinen programmatischen Vortrag, der auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Hierauf fand in Abwesenheit des Kandidaten eine Aussprache statt, an welcher sich mehrere Mitglieder. der Versammlung beteiligten, ihre Zustimmung 31t den programmatischen Ausführungen kundgaben und die hohe wissenschaftliche Bedeutung sowie die bisherige erfolgreiche seelsorgerische Tätigkeit des Oberrabbiners Tr. Chajes hervorhoben. Tr. Chajes, der einer schon im 14. Jahrhundert bekannten jüdischen Gelehrtenfamilie entstammt, Hatz die Mittelschule an dem Deutschen Staatsgymnastum in Brody absolviert, wurde 1894 an der Wiener Universität zum Doktor der Philosophie promoviert und erhielt im Jahre. 1898 -an der theologischen Lehranstalt in Wien, zu deren eminentesten Schülern er gehörte, das Rabbinerdiplom. Schon als Hochschüler hat Dr. Chajes durch seine wissenschaftliche Tätigkeit die Aufmerksamkeit gelehrter Kreise auf sich gelenkt. Im Jahre 1901 wurde er zum Sekretär des Orientalischen Institutes an der Wiener Universität ernannt, erhielt 1902 eine Berufung nach Florenz, wo er als Professor an der Universität und am Rabbinerseminar Geschichte und Bibel dozierte. Seit 1912 ist Dr: Chajes Oberrabbiner vor: Triest. Hier hat er nicht nur eine intensive wissenschaftliche Tätigkeit entfaltet, sondern auch aus sozialem Gebiete und ganz besonders bei Ausbruch des Krieges in der Kriegsfürsorge Hervorragendes geleistet. Für das hohe Vertrauen, das Oberrabbiner Dr. Chajes sich auch bei unseren Regierungsstellen zu erwerben gewußt hat, spricht u. a. auch die Tatsache, daß ihm die Leitung der israelitischen Militürseelsvrge in Triest anvertraut wurde. Von seinen bisherigen größeren Publikationen seien hervorgehoben: Markus-Studien, Berlin 189H Kommentar zu den Psalmen, 2 Bände, welche 1907 in zweiter Auflage erschienen; Proverbia-Studien, Berlin, Schwetfchke 1899; Hebräischer Kommentar zu Amos, Kiew 1907; Hebräische Ausgabe von Rabbi S. ben Jathom, Mekize Nirdamin, Berlin 1909/10. Seine „Beitrüge zur nordsemitischen Onomatologie" und „Jüdische und jüdisch-indische Inschriften aus Aden" sind als Sonderberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien 1900 bzw. 1903 erschienen. Dr. Chajes ist seit vielen Jahren Herausgeber bzw. Mitarbeiter der bedeutendsten wissenschaftlichen Zeitschriften, in welchen zahlreiche Arbeiten von ihm erschienen sind. — In der letzten Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde wurde als Nachfolger des vor einigen Monaten verstorbenen ersten Sekretärs kais. Rat Dr. Theodor Lieben Dr. Euril Adler zunc ersten Sekretär der Wiener israelitischen Kultusgemeinde ernannt. Erster Sekretär Dr. Adler, der einer angesehenen Arztfamilie in- Pohrlitz entstammt, steht seit dem Jahre 1891 in Diensten der Wiener Knltusgemeinde, wurde im Jahre 1896 Sekretär-Stellvertreter und bekleidete seit dem Jahre 1905 die Stelle des zweiten Sekretärs. Während seiner nunmehr 27jährigen Dienstzeit hat sich Dr. Adler als äußerst tüchtiger, das gesamte Verwaltungsgebiet der Wiener Knltusgemeinde beherrschender und peinlichst gewissenhafter Beamter erwiesen. Diese seine Eigenschaften haben ihm wiederholt die besondere Belobung und Anerkennung des Vorstandes eingetragen. — Der Kaiser hat dem außerordentlichen Professor für Dermatologie und Syphilidologie an der Universität in Wien, Primararzt Dr. Salomon E hr nr a n n , den Titel und Charakter eines ordentlichen Universitätsprofessors und dem mit den: Titel und Charakter eines außerordentlichen Universitätspro'sessors bekleideten Privatdozenten für -innere Medizin G-eneraloberstabsarzt Tr. Alois P i ck den Titel eines 'ordentlichen Universitätsprofessors verliehen, ferner den Privatdozenten Tr. Jakob Erdheim zum außerordentlichen Professor für pathologische Anatomie ernannt. Der Privatdozent für Kinderheilkunde Dr. Bela Schick erhielt den Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors. tzoilSNd. Den Haag, 10. Mai. Die Einnahmen des Jüdischen Nativnalsonds im M ä r z 1 9 1 8 beliefen sich auf 2 0 2 0 6 6 F r a n k e n. Dieser Betrag verteilt sich, ans folgende Länder: Rußland 181 506 Rubel, Oesterreich 57 443 Kronen- Pvlen und Litauen: deutsches besetztes Gebiet 28 86ß Mark, österreichisches besetztes Gebiet 6342 Kronen, Deutschland 20 823 Mark, Nordamerika 3710 Dollar, Südflavische Länder 4940 Kronen, Italien 4605- Lire, Schweiz 4550 Franken, Holland 1924 Florin, Schweden 964 Kronen, Frankreich 111 Franken, Norwegen 294 Kronen. Besondere Beachtung verdient die Höhe der Eingänge aus Rußland, die das Ergebnis der ersten drei Monate dieses Jahres ist. Die Sammlungen in Rußland standen im Zeichen der Ehrung für dm verewigten Führer Dr. Tschlenow. Auch in -anderen Ländern hat die in Ausführung des Beschlusses des zionistischen Aktionskomitees vom Hauptbllreau des Jüdischen Nationalfonds -eingeleitete Summe laktion für die T s ch l e n 0 w-K 0 l 0 n i> 0 Erfolge.auszuweisen, ungeachet der gleichzeitigen Sammlungen für andere Palästinazwecke. Es ist heute natürlich noch nicht möglich, Einzelheiten bezügilich der geplanten Kolonie mitzuteilen; es können vorerst nur einige Grundzüge angegeben werden. Die Tschtenow-Kolonie ist im Rahmen der größeren Siedelungspläne des J üdischen Nationalfonds gedacht, vor allem als ein Teil des von Agr. Oettinger in seinem bekannten Werke über „Methoden und Kapitalbedarf jüdischer Kolonisation in Palästina" en wickelten Plaues der Schaffung von 30 Kolonien mit einer Landwirtschaft treibenden Bevölkerung von: 1'5 000 Seelen. Jede Kolonie soll, itm ihre kommunalen Bedürfnisse erfüllen! zu können, wenigstens 100 Familien umsassen. Der Kapitalbedarf zur Anlage einer Kolonie wird mit 2lA bis 3 Millionen Franken berechnet. Davon entfällt ungefähr ein Dri-ttel (oder eine Mllion Franken) auf den Grund und Boden, den der

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