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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-16 · Heft 20 (16.5.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 20 (16.5.1918)
Date
1918-05-16
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Jüdische Nationalfonds nach erfolgter Urbarmachung durch Pioniergenosfenschaften in anbaufähigem Zustande beistellt, und zwar ausschließlich des erforderlichen Gemeinde- und Reservelandes Die Ansiedler, Kolonisten ud Arbeiter, bekommen das Siedelungsland vorn Jüdischen Nationalfonds in Erbpacht. Ein weiteres Drittel bilden die im Interesse einer gesunden Kolonisationspolitik unerlaßlichien Eigenbetei ligungen der Kolonisten, sowie die Beiträge national - kultureller Institutionen für Schule, ärztliche Hii!fe, Shnagog? und sonstige kommunale Zwecke. Das letzte Drittel soll als Darlehen von einem Agrarkreditinstikvt oder einer Kolonifationsgesellschaft den Ansiedlern zur Verfügung gestellt lverden. Auf d'efe Weise lvären die Aufwendungen für Boden, Baulichkeiten, Wirftchastsinventar und Betriebskapital zu bestreiten. Die Erfahrungen der Palästinakvlonisation haben gelehrt, daß in einer solchen Siedolung mit 100 Familien von selbstarbeitenden Bauern, Pflanzern lind Arbeitern eine ebenso große Anzahl von Landarbeitern, Handwerkern und anderen Berufstätigen eine Existenz finden frum. Es ist zu erwarten, daß die Aktion des Nationalfonds für die Tschlenow-Kolonie schon in nächster Zeit in weiten jüdischen, Kreisen k'.ästige Förderung finden lvird: wobei die Propaganda der Nachlalp Spende (von lOODunam oitf 500C) Franken) gute Dienste leisten kann. Von jflsh und fern. — Zum ersten Male ist in Preußen ein Richter jüdischen Glaubens zum Landgerichtsdirektor ernannt worden. Der Landgerichtsrat Cohn, ein geborener Königsberger, vom Landgericht I in Berlin, ist zuin Landgerichtsdirekto r am hiesigen Landgericht 1 berufen worden. — Am 11. d. M. abends fand im Saale des Anwalthauses eine H e r m a n n - C o h e n - F e i e r statt, die die Berliner Ortsgruppe der Kant-Gesellschaft für ihre Mitglieder und Freunde veranstaltete. Die Gedächtnisrede hielt der langjährige Freund und Amtsgenosse des Dahi-ugeschiedenen, Professor Tr. Paul N a t o r p (Marburg). — Wir werden gebeten bekanntzugeben, daß die neue Zusammenkunft aller derer, welche Angehörige in englischer Kriegsgefangenschaft haben, am Mittwoch, den 22. Mai, nachmittags 3 Uhr, im Restaurant Hofjäger, Königgrätzer Straße 121, stattsindet. - Dem Berliner Sanitätsrat Tr. Konrad Rllhemann ist die Rote-Kreuz-Medaille zweiter Klasse verliehen worden. - Der Berliner Stadtverordnete Arnold Oberfky hat das Berdienstkrcuz für Kriegshilfe 'erhalten. — Der Bataillonsarzt Dr. Jsmar Sokol o w s k i erhielt das Eiserne Kreuz erster Klasse. — Martin Bernstein, der jüngste Sohn d-^s verstorbenen Immobilienmaklers Alexander Bernstein, dessen vier Söhne vor dem Feinde standen, hat das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhalten. — Der bekannte Berliner Rechtsanwalt, Justizrat und Professor Dr. Paul A l e x a n d e r - K a h ist im Alter von 64 Jahren gestorben. Der Heimgegangene gehörte auch als Privatdozent dem Lehrkörper der Technischen Hochschule in Charlottenburg au. Er bekundete stets ein reges Interesse für jüdische Angelegenheiten. -- Der bekannte medizinische und!sozialhhgienische Schriftsteller Dr. Magnus Hirschfeld beging am 14. d. M. seinen 50. Geburtstag. — Die Pensions - und Hilfskasse fürdieBeamten der S h n a g o g e n g e m e i n d e n Ostpreußens hat in Rücksicht a«f die Kriegsverhältnisse die Ruhegehälter der Kasse durch eine zweite Kriegsfeuerungsznlage von ursprünglich 500 Mark auf jetzt 000 Mark und die Witwenrenten von 300 Mark auf jetzt 600 Mark erhöht. — Herr Bernhard Fuchs in Posen, Zentrale für chirurgische Instrumente, Sanitätshaus, spendete 1000 Mark dem Säuglingsheim und Kleinkinderschutz der Provinz Posen und weitere 1000 Mark für andere Wohltätigkeitszwecke. — Unter großer Anteilnahme feierte das Kaufmann Elias Rnschinsche Ehepaar in^ Rogasen seine goldene Hochzeit. Beide Eheleute erfreuen sich einer guten Gesundheit und sind geistig und körperlich frisch und rege. — Aus Lissa i. P. wird uns geschrieben: Ter verdienstvolle Rendant und Sekretär der hiesigen. Gemeinde, Herr Ansorge, ist nach 44jähriger ununterbrochener Tätigkeit am 1. April d. I. in den wohlverdienten Ruhestand geteten. Die Neubesetzung der Stelle ist zwar allsgeschrieben worden, doch hat eine Wahl noch nicht stattgefunden. — Der mutmaßliche Urheber dos im Februar an dem Kaufmann L ö w e n st a m m in Gutten - tag (Oberfchlesten) verübten Raubmordes befindet sich im Gerichtsgefängnis zu Oppeln, konnte aber bisher nicht überfl'lhrt werden. Nunmehr hat, oberschlesischell. Blättern zufolge, die Beuthener Kriminalpolizei eine, junge Arbeiterin.aus Roßberg verhaftet, die geständig, ist, mit dem Verhafteten' zzrfcmnMn in die Lölvenstammsiche Wohnung eingedrungen zu sein und dort gesehen zu haben, wie ihr Begleiter den. alten Mann erwürgte. Damit dürfte die Ueberführung des Verdächtigen gesichert sein. — Die erste Jahresversammlung des „Verbandes der israelitischen pfälzischen Kultusgemeinden" fand am 30. v. M.. in Neustadt statt. Mit herzlicher Begrüßung eröffnete der Vorsitzende, Herr Albert Joseph (Landau), die Verhandlungen und gab seiner Freude Ausdruck, daß der Verband heute sämtliche israelitische Knltusgemernden der Pfalz in sicl) vereinige. Der Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden 'ließ erkennen, das; der Verband schon im ersten Jahre seines Bestehens eine rege und ersprießliche Wirksamkeit entfaltete. Unter anderem wurde die Kriegsfürsorge nach Kräften gefördert und für die siebente und achte Kriegsanleihe eine emsige und erfolgreiche Werbearbeit entfaltet. Dem Kriegsfreiwilligen Vizefeldwebel Walter E m Manuel aus Köln ist wogen mehrerer schneidig ausgeführter und erfolgreicher Patrouillengänge das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen worden.. -- Der Kopenhagener Oberrabbiner Dr. Schornstein hat der Gemeinde seine Demission überreicht. Sein Gesundheitszustand zwingt ihn, sich der Ruhe und Erholung zu widmen. — Mit Preisen von 1000 und 500 Kronen für die besten und volkstümlichsten zwei Bearbeitungen des Themas: „Welche Mittel und Wege sind geeignet, die Menschen einander näherzubringen" veranstaltet der Verband der israelitischen Humanitätsvereine B'ne B'rith für Oesterreich — Aus Wien wird geschrieben Der Kaiser hat verliehen das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeit? medaille und den Schwertern in Anerkennung tapferen und aufopfernngsvollen Verhaltens vor den: Feinde dem Feldrabbiner d. R. Abraham Morgenstern, Et. - Stat. - Kdo. Die „Jüdische Zeitung" schreibt: „Der Erlaß der Universitätsbehörde, das; mit Rücksicht ans die zahlreichen militärischen Studienurlaube und den dadurch verursachten Platzmangel die Studenten aus Galizien von der medizinischen Fakultät ausgeschlossen werden, trifft in erster Reihe wieder die jüdischen Flüchtlinge. Es liegt sogar die Vermutung nahe, daß die ganze Anordnung nur der; Zweck hat, die schon vor dem Krieg? von einigen deu-tschen Hochschulen eingeführte Ostjndensperre nim in Wien einzuführen. Die jüdischen Studenten aus Galizien werden durch diese Maßregel in eine kritische Lage gebracht und auf das schwerste geschädigt. Den bereits alltäglich gewordenen Schikanierungen der durch den Krieg zur Flucht gezwungenen Staatsbürger reiht sich diese dem Grundsätze der Lernfreiheit hohnspechende würdig an. — Auf Initiative des Rabbiners Dr. Margulies (Florenz) hat sich dort ein Komitee für die Unterstützung junger jüdischer Arbeiter konstituiert. — An der Warschauer Universität wurden im laufenden akademischen Jahre 2220 Studenten immatrikuliert, 54,2 Prozent Christen', 45,8 Prozent Juden. Als Muttersprache gaben 1927 Studenten die polnische, 109 die jiddische, 87 die hebräische, 3 die.deutsche, 2 die russische, 1 die französische Sprache an. Die medizinische Fakultät besuchten 941 Studenten (610 Juden), die juridische 767 (285 Juden), die philosophische 412 (122 Juden). — Aus Warschau wird uns geschrieben: Ter hiesige Gerichtshof hat entschieden, daß eine Ehe auch ohne staatliche Eheurkunde als gesetzlich anzuerkennen ist, lvenn die Schließung der Ehe vor einem Rabbiner durch Zeugen oder durch Auszeichnungen des Rabbiners nachgewiesen werden kann. Diese Entscheidung ist von größter Wichtigkeit für die zahlreichen Frauen jüdischer Soldaten, denen bisher die Unterstützungen verweigert wurden, weil sie infolge ihrer Arinut sich seinerzeit keine standesamtlichen Eheurkunden be schaffen korrden. — Anfang März betrugen die Beiträge zum- Palästina- Mederaufbaufonds in Amerika bereits 950000 Dollar, und man erwartete, daß. nach Ablauf von weiteren 10 Tagen die erste Million Dollar erreicht sein würde. Zu dem Wiederaufbaufonds haben fast 300 Städte in den Vereinigten Staaten von Amerika-, Arge;; tinien, Kanada und Brasilien beigetragen. Mehr als 150 000 Einzelpersonen haben sich an den Sperren beteiligt. In New Aork allein wurden mehr als 300 000 Dollar aufgebracht. _ Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 88. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Zunge, Berlin-Friedenau, druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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