Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1918)
- Date
- 1918-05-16
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Ungunst der Zeitverhältnifse ist es dank'derunermüdlichen und äufopferungsvollen Tätigkeit, des stellvertretenden Schatzmeisters, Herr Ernst Kohn, gelungen, nicht nur den Betrieb dieser segensreichen Anstalt aufrechtznerhalten, sondern auch - wenn auch unter Schwierigkeiten -- den übrigen Aufgaben des Vereins, wie Unterstützung von notleidenden Taubstummen usw., gerecht zu werden. Auch der Kassenbericht konstatiert ein befriedigendes Ergebnis, sowohl in bezug auf die laufende;; Beiträge als auch auf die dem Verein gemachten Spenden. Jene erbrachten den Betrag von 29 338,02 Mark, diese 24 866,92 Mark. Eine Anzahl bestehender^ Stiftungen ist erhöht, mehrere andere sind neu begründet worden, so daß das Stiftungsvermögen zurzeit insgesamt 51 400 Mark beträgt, ein Betrag, der, obwohl erfreulich an sich, doch viel zu gering ist, um der Wirksamkeit der Vereinigung einen sicheren Rückhalt zu gewähren. Der Vorsitzende sprach den Wunsch aus. das; dein Vereinsvermögen weitere reiche Stiftungen zufließen möchten. Ten Bericht der Revisoren erstattete Herr Spandow, der ebenso wie der Vorsitzende, Herr Löwenberg, der Arbeit des -Herrn Ernst K o h n besonderen Dank und reiche Anerkennung zollte. Die turnusmäßig ans'ch-eidenden Mitglieder des Vorstandes, Herr K a n n und Dr. M a a s, wurden wieder-,, Herr Baurat B a e r - \v a l d neu in den Vorstand, die Herren Spandow, Hassan und Alfred Eohn zu Revisoren wiedergewählt. Sämtliche Wahlen erfolgten durch Zuruf. Möge dem fegensvoll wirkenden Vereine auch in; neuen Jahre ein guter Erfolg beschieden sein! E. M. Berlin, 14. Mai. Der Frauenverein der Berliner Logen hielt an; 25. d. M. seine dreißigste Generalversammlung ab. Die Vorsitzende, Frau Lina S ch w a r z , erösfnete die Sitzung und erstattete den Bericht über das verflossene Jahr, aus dem hervorzuheben ist, daß das Mütter- und Kinderhein; des Vereins stets roll besetzt war. Es befanden sich durchschnittlich monatlich 31 Mütter und Kinder und acht werdende Mütter im Heim. 120 Pflegen wurden in den eigenen Häuslichkeiten der Wöchnerinneen ausgeführt. Alle GeiurP'.' um Aufnahme in das Wöchnerinnenhein; konnten berücksichtigt werden. In der Mütterberatungsstelle holten sich 656 Mütter Auskunft und Rat. 14 junge Mädchen wurden in der Säuglingspflege ansgebildet. Nach Verlesung des Protokolls und des Kassenberichtes wurde dem Vorstand und der Kassensührnng Entlastung erteilt. Die Vorsitzende und der Vorstand wurden ans Antrag eines Mitgliedes durch Akklamation wiedergewählt, ebenso der geschäst-sführende Ausschuß. Frau Tr. E s ch e l b a ch e r gratulierte in herzlich anerkennende;; Worten Frau S ch w a r z zum. zehnjährigen Jubiläum ihres ^'orsitzes. Der Verein verlieh Frau Schwarz in Anbetracht ihrer außerordentlichen Verdienste um den Verein die Ehremuitgliedschast, mniit Frau Schwarz tiesge.rührt ihren herzlichen Dank aussprach. ' & Berlin, 14. Mai. E i n V e rb o t d er E i n fü h r u n g o stjüdischer Arbeiter, das vom Minister des Innern an sämtliche Regierungspräsidenten und den Polizeipräsidenten von Berlin ergangen ist, wird mit der Gefahr der Einschleppung des Fleck fieb e r s begründet,/das in den bisher russischen Gebietsteilen stark grassiert, und besonders unter den Inden, welche die ärmste Bevölkerungsklasse bilden, sehr häufig und heftig anftritt. Durch dieses Verbot soll der Gefahr der Einschleppung der Seuche vorgebeugt werden. Die Arbeiter polnischer Nationalität sollen demnach weiterhin nach Deutschland eingelassen werden. Für diese sind besondere sanitäre Maßnahmen vorgoschrieben. Sie werden einer siebzehntägigen ärztlichen Beobachtung und Entlausung in den Sammelstellen der Deutschen Arbeiter-Zentrale unterworfen. Die Arbeiter uns Polen tollen an der Grenze saniert werden. Die Arbeitgeber sollen ebenfalls belehrt werden. I.. Hohensalza, 10. Mai. Nach langen, mit Geduld ertragenen Leiden verschied kürzlich in Berlin Frau T i e tz, die Witwe des hier am 6. Dezember 1904 verstorbenen bekannten Rabbinatsassessors Dr. H e r m a n n T i e tz. Tie Verstorbene gehörte Jahrzehnte hindurch den; Vorstande des hiesigen Israelitischen Franenvereins als Schriftführerin an und hat nach den verschiedensten Richtungen hin in diesem Ehrenamte eine segensreiche Tätigkeit entfaltet und überall sich als eine gewissenhafte, von ihren Wichten durchdrungene Persönlichkeit erwiesen. Mit ihrem von Menschenliebe und Güte erfüllten Herzen war sie stets hilfsbereit, um die Not der Kranken, Armen und Schwachen zu lindern; ihr kluger Rat hat dem Vorstände dieses Vereins schätzenswerte Dienste geleistet. Auch ferner als Vorstandsmitglied des hier bestehenden Dr. - Tietz- Vereins zur Pflege der Gastfreundschaft und ritueller Verpflegung auswärtiger Glaubensgenossen war die Verklärt^ eifrig tätig, ün liebevoller Hingebung 'dessen Interessen fördernd. Sie war eine wahre Gastfreundin der durchreisenden Armen, und selbst das Krankenbett konnte sievon dieser Fürsorge nicht zurückhalten. Frömmigkeit, Wühltätigkeit und Nächstenliebe waren harmonisch. in ihr• ^vereint. Solange ihre /körperlichen Kräfte es zilließen, hat sie mit seltenen; Eifer in selbstloser und aufopfernder Weise ihre Ehrenämter verwaltet. Die große Anteilnahme bei der Beerdigung, die auf dem Friedhose der Berliner Jüdischen Gemeinde zu Weißensee stattfand, bezeugte, welches hochgeschätzte Mitglied die hiesige Synagogengemeinde durch den Tod dieser edlen Frau verloren hat. Chemnitz, 10. Mai. Der Israelitische Krankenpflege-, Nnterstützungs- und Bestattungsverein (E. V.) (Chebrah, Kedoschah) zu Chenmitz berichtet über seine Tätigkeit im Jahre 1917: Das erste Geschäftsjahr im fünften Jahrzehnt des Bestehens der Chebrah Kedoschah hat den Verein in große Trauer versetzt. Sein langjähriger Vorsitzender, Herr Jakob Kupferberg, ist am 2. September 1917 gestorben. Fast zwei Jahrzehnte an der Spitze der Chebra stehend, war er durch seine hingehende Aufopferung für die Ziele und Bestrebungen des Vereins ein leuchtendes Vorbild. Seine edlen Eharaktereigenschafien, sein Wohl-tütigkeitssinn und sein freundliches Wesen werden unvergeßlich bleiben. — Die Tätigkeit der Chebrah- Kedoschah stand unter den; Einflüsse der Kriegszeit. Es sind noch uvehr Mitglieder zmn Heeresdienst eingezogen worden, und auch der Geschäftsgang des Vorstandes ist durch die Einziehung zweier Vorstandsmitglieder und des Dieners erschwert worden. Trotzdem ist es möglich gewesen, die MitgliederzaW des Vereins ungefähr in gleicher Höhe wie im vorigen Jahre zu erhalten. Die Mitgliederzahl beträgt zurzeit 332 gegen 336 in; Jahre 1916. Trotz aller äußerlichen Schwierigkeiten ist es auch möglich gewesen, die Aufgaben des Vereins zu erfüllen. Daß die Mitglieder dem Verein die Treue auch über den Tod hinaus bewahren, beweist die lehtw'.llige Zuwendung des Herrn Adolf Beck vom 18. Mar 1917 im Betrage von 3000 Mark und die letztwillige Zuwendung des verstorbene;; Vorsitzenden Herrn Jakob Knpferberg vom 4. Oktober 1917 in; Betrage von gleichfalls 3000 Mark. Die erstere. Zuwendung ist als „Vermächtnis Adolf Beck" in das Legatenbuch eingetragen worde;; und das Vermächtnis des Herrn Jakob Kupferberg wird als „Jakob Kupferberq-Stistnng" geführt. Die Zinsen beider Vermächtnisse sind für Wohltätigkeitszwecke bestimmt. Ferner hat Herr Wilhelm Dresel in Berlin aus Anlaß des hundertjährigen Geburtstages seines verstorbenen Vaters am 20. Oktober 1917 den Betrag von 5000 Mark für Wohltätigkeitszwecke dem Verein überwiesen, welche als „Abraham - Dresel - Stiftung" geführt wird. Auch sonst sind der Chebrah Kedoschah größere Spenden von Mitgliedern aus verschiedenen Anlässen überwiesen worden. Der Verein gewährte in reichlichem Maße Unterstützungen an Geld und versorgte Hilfsbedürftige unserer Gemeinde mit Mazzot, Kartoffeln und Heizungsmaterial. Die Zinsen ans den Stiftungen wurdenentsprechend verwendet. Beerdigungen auf unserem Friedhofe haben im Lause dieses Jahres unter Mitwirkung des Vereins in 27 (im Vorjahre 23) Fällen stattaefunden. Von den Beerdigten waren 24 Erwachsene (im Vorjahre 15), 15 Männer (i;n Vorjahre 11), neun Frauen (in; Vorjahre vier) - und drei Kinder (in; Vorjahre nenn). Von den Beerdigten waren sechs auswärts verstorbene Gemeindemitglieder nach hier überführt worden. In drei Tüllen hat die Chebrah die Ueberführung von auswärtigen, hier verstorbenen Frauen in ihre Heimatsgemeinden nach vorgenommener Tahara erledigt. Eine Tahara ist in Meerane vorrenommen worde;;. Der Kassenbericht schließt in Einnahmen und Ausgaben.. mit 15 479,99 Mark. J. A. Nürnberg, 10. Mai. Wohl noch keine gemeindliche Veranstaltung hatte einen solchen gewaltigen und bedeutsamen Erfolg nfe die von dem Verein jüdischer Gemeindebibliotheken unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. F r e n d e n t h a l ins Leben (Terufene jüdische Erziehungswoche. Während Herr Dr. Freudenthnl die allgemeinen Gefichtspmckte jüdischer Erziehung behandelte, Fräulein Sidonie Werner über weibliche Erzieh;;ngsprobleme berichtete, besprach Herr Dr. Bamberg er die Materie vom Standpunkt des Lehrers und Erziehers unter Betonung seiner Erfahrung aus de; Praxis bei der schulentlassenen Jugend und Herr Stabsarzt Dr. G r ü n b a u m beleuchtete vom ärztlichen Standpunkt