Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1918)
- Date
- 1918-05-16
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3229339-3229359--74014-3286488- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
82. Jahrgang Nr. 20 Berlin, 16. Mai 1918 Der Gemeindebote. Detlase zur „Allsrmrlnrn Leitung drß Judentums". LorrrtzondkNHM und Kschrichttn. Seuilchland. E. R. Berlin, 12. Mai. Die heutige Sitzung der Repräsenrantentzersammlung wurde vom Vorsitzenden, Direktor Dr. Minden, mit einen: von der Versammlung stehend angehörten Nachruf für Frau Bertha Manheimer eröffnet. Es sei das erstemal, führte er aus, daß des Heimganges einer Frau in diesem Saale besonders gedacht wird. Der Rabbiner, der bei ihrer Beerdigung das Gebet sprach, fügte die Worte hinzu: „Ein so edles Ehepaar wie Moritz und Bertha Manheimer hätte die jüdische Gemeinde noch nie besessen. Wenn die Verstorbene dieses Wort auch abgelehnt hätte, so sei es doch 'sehr wahr. Irl bmx von ihr lehtwillig bestimmten Text der Todesanzeige habe sie sich ein schönes Denkmal ihrer Gottesfurcht und Bescheidenheit gesetzt. Ohne ihre Hilfe hatte Moritz Manheimer nie so Großes zu leisten vermocht. Wir werden der Dahingeschiedenen ein treues Gedenken bewahren. — Die Versammlung beschließt die Annahme folgender Zuwendungen: Von Frau Johanna Loew zur Verstärkung der Julius -- und - Johanna - Loew - Ferienstiftung beim II. Waisenhaus 3000 Mark und 50 Mark Zur Verstärkung der Direktor- Grunwald-Stiftung. Von Herrn Geheimen Justizrat Eugen L ö w e lOO^Mark. Von Herrn Max Meckle^nbu^rg Zur^Errichtmig eimr- Kax-EmaW^lenburg-SM:mg"l0 OoSjTMark imVöOO Mark^Stempelkosten, 3000 Mark zur Verstärkung der Direktor-Grunwald-Stiftung. Von Herrn-Hans Landsberger 200 Mark zur» Verstärkungder Hans-Landsberger-Stiftung. Von Herrn Dr. James Simon zur Begründung einer Dr.-James-Simon-Stiftung im Reichenheim schon Waisenhause 5000 Mark, aus Anlaß seiner 25jährigen Tätigkeit im Kuratorium dieser Anstalt. Von Frau Professor Jda Philippson zur Verstärkung der Martin-und-Jda-Philippson-Stiftung 500 Mark. Von Herrn Benjamin Borck 600 Mark zur Verstärkung der Benjanlin-und-Gertrud-Borck-Stiftung. — In die Armen-Kommission werden zu deren Verstärkung gewählt die Herren Max Stern, Georg Krap, Max Behrendt, Sanitätsrat Dr. Martin Klopstock, Sanitätsrat Dr. Jakobsohn. — Nach einigen Erörterungen, an welchen sich die Herren Emil P i n c u s, Dr. G i n s b e r g , Sanitätsrat S t e i n t h a l, Plotke und Emil Cohn beteiligten, beschließt die Versammlung, einen Jugendgottesdienst nach altem Ritus an den. hohen Feiertagen für die im Zentruni der Stadt wohnenden Kinder mit der bisherigen Gebetordnung als ständige Einrichtung einZuführen, einen gleichen Gottesdienst in Charlottenburg an den diesjährigen hohen Feiertagen abzuhalten, ferner für die Zeit von: Wochenfeste bis zum Neujahrsfeste dieses Jahres an den Freitagabenden den verkürzten Gottesdienst in der gleichen Weise wie im vergangenen Winter in den Synagogen ohne Orgel -inzuführen. — Von Herrn Direktor Dr. G u t m a n n ist folgender Antrag eingegangen: „Es kommt häufig vor, daß Schüler der städtischen Gerneindeschulen, die, unserer Knabenschule zugeführt, nur deshalb in eine ihrem Alter entsprechende Klasse nicht ausgenommen werden können, weil ihnen die dazu nötigen Kenntnisse in der deutschen Grammatik und im Hebräischen, zuweilen auch im Rechnen fehlen. Die Versprechungen der Eltern, den Kindern Nachhilfeunterricht erteilen zu lassen, werden aus Mangel an Mitteln oft nur in unzureichender Weise gehalten/ Herr Direktor Dr>. Gutmann hat deshalb beantragt, durch die Schule einen Nachhilfeunterricht einrichten zu lassen. Die Versammlung bewilligte, zunächst für tws Jahr 1918/19, die hierfür^ erforderlichen Kosten. — Hierauf erfolgte die feierliche Amtseinführung und Verpflichtung .des als Vorstandsmitglied wiedergewählten Herrn Leopold Badt und des wieder gewählten Vorstandsmitglied-Stellvertreters Herrn Justizrat Magnus. Herr Direktor Dr. Minden äußert seine Freude über die Wiederwahl beider Herren und vereidigt sie durch Handschlag. — Alsdann referierte Herr Benas Levh eingehend über die Aenderung der Bestimmungen über die laufende Teuerungszulage der Beamtem I. Mit Wirkung vom 1. April d. I. werden die Kriegsteuerungszulagen in folgender Weise erhöht: 1. Für Verheiratete um 300 Mark jährlich in jeder Stufe, für jedes Kind 15 Prozent der danach sich ergebenden Sätze; 2. für Unverheiratete auf 70 Prozent der Sätze für Verheiratete ohne Kinder; 3. für Beamte mit freier Station auf zwei Drittel der nach den Bestimmungen zu 1 und 2 zu ermittelnden Beträge; 4. für die im Heeresdienst stehenden Verheirateten auf 75 Prozent der nach den vorstehenden Sätzen zu ermittelnden Gesamtbeträge, die in: Heeresdienst stehenden Unverheirateten erhalten 50 Prozent der erhöhten Sätze. Für die R:cheg.chaltse:npfänger auf 50 Prozent, für die Waisen und Waisengeldempfänger auf 40 Prozent dev nach den Bestinunungen zu 1 und 2 zu ermittelnden Beträge. II. Die Bestimmungen über die Kriegsbeihilsen' bzw. Kriegsteuerungszulagen für die bei der Gemeinde nebenamtlich Beschäftigten werden wie folgt abgeändert: 1. die Einzelhonorare der Hilfslehrkräfte an den Religions- und Gemeindeschulen werden von 2 Mark auf 2,50 Mark und der Jahresstundensah von 100 Mark auf 120 Mark als Kriegsteuerungszulage erhöht. Ausgenommen hiervon sind diejenigen Hilfslehrkräfte, die aus hauptamtlicher Tätigkeit, sei es bei der Gemeinde oder anderweitig, bereits eine Kriegsbeihilfe öder Kriegsteuerungszulage erhalten; 2. die Skala für die Religionslehrer- und Religionslehrerinnen wird durch Kriegsteuerungszulagen für die Jahresstunden in der- 1. Stufe von je 10 Mark in allen folgenden Stufen erhöht. Ausgenommen hiervon sind diejenigen Religionslehrer und -Lehrerinnen, die aus hauptamtlicher Tätigkeit, sei es bei der Gemeinde oder anderweitig, bereits eine Kriegsbeihilfe oder Kriegsteuerungszulage erhalten. Die bei der Gemeinde in einem Haupt- und Nebenamt oder anderweitig in cinem Hauptamte und bei dev Gemeinde nebenamtlich tätig sind und für das Hauptamt bereits eine Kriegsbeihilse oder eine Kriegsteuernngszulage beziehen, erhalten für ihre nebenamtliche Tätigkeit bei der Gemeinde keine weitere Kriegsbeihilfe. Herr Benas Levy schließt mit dem Wunsche, daß die Neuerungen allen Beamten zum Heile gereichen mögen. Damit habe die Gemeinde ein Nobile officium geschaffen. c/a Berlin, 14. Mai. An seinem 75. Geburtstage, am Mittwoch, den 8. d. M., sind Herrn Dr. Nudolf Mosse, dem Verleger des „Berliner Tageblatts", obgleich unter den gegenwärtigen Zeitumständen von jeder Feier abgesehen worden war, überaus zahlreiche Glückwünsche aus allen Kreisen zugegangen, mrter anderen von: Magistrat von Berlin, der Berliner Handelskanmror, den 2leltesten> der Kaufmannschaft, -der jüdischen Gemeinde und der jüdiscl-en Reformgenveinde zu Berlin und dem Magistrat der Stadt Grätz, deren Ehrenbürger Dr. Mosse ist. Ferner gingen Glückwünsche ein von: Hilfs- Verein der deutschen Juden, Don der Großloge für Deutschland des U. O. B. B., der Montefiore-Loge, dem Kuratorium des Lehrlings- Heims Pankow und von verschiedenen anderen Vereinigrmgen. Ans Anlaß dieses Geburtstages spendete Herr Mosse 100 000 Mark für verschiedene wohltätige Zwecke. S£2 Berlin, 14. Mai. Vor einiger Zeit wurde der Vorstand der jüdischen Geweih zu Kobhlin in Posen durch die Vorgesetzte Behörde veranlaßt, seine Einwilligung dazu zu geben, daß die dortigen jüdischen Kinder -wegen des allgemeinen Mangels an Lehrkräften vorübergehend die evangelische Schule besuchten und daß der jüdische Lehrer dort auch Unterricht erteilte. Als der betreffende Lehrer starb, beantragte die Regierung die sofortige Auslösung der jüdischen Volksschule und die Uebergabe etwaigen SchülDermögens an die evangelische Schule. Ein Gesuch «des Vorstandes der Gemeinde Kobylin wegen Anstellung eines, jüdischen Lehrers an der evangelischen. Volksschule wurde abgelehnt. Daraufhin ersuchte der Vorstand den Deutsch - I s rae l i ti sch e n Ge me i n deb u n b um Unterstützung seiner Wünsche »bei der Regierung. Auf eine Eingabe, die der Deutsch^JsraeliLische Gemeindebund an den Herrn Kultusminister richtete, ging bei ihm von der Königlichen Regierung zu Posen unter dem 18. April 1918 der Bescheid ein, daß die Auflösung der jüdischen Volksschule verschöben worden sei und die Lehrerstelle demnächst wieder besetzt werden wird. §2' Berlin, 14. Mai. Am 28. v. M. fand im 2. Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde, Rosenstrahe 2—4, die diesjährige ordentliche Mitgliederversau:mlung des „H i l f s v e r e i n s für die jüdischen Taubstummen in Deutschland (E. B.)" statt. Aus dem erstatteten Jahresberichte geht hervor, daß das von dein Vereine unterhaltene Altersheim zu Berlin-Niederschönhausen, Kaiserin-Augusta-Strahe 37, 28 Insassen beiderlei Geschlechts beherbergt, die allen Teilen unseres Vaterlandes entstannnen. Trotz der