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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-10 · Heft 19 (10.5.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 19 (10.5.1918)
Date
1918-05-10
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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g Beteiligung, besonders aus dem Kaus'manrlsstande. Erschienen waren außer den Hinterbliebenen die Angestellten der von dem Entschlafenen zu hohem Ansehen' geförderten kaufmännischen Betriebe. Außerdem bemerkte man im Trauergefolge den Stadtrat Pl unke mann, den Direktor des statistischen Amtes Dr. Franke und den Rittergutsbesitzer Sav r azin - Kr usze wniee. Die Trauerfeier wurde umrahmt von Trauergesängen der Konzertsängerin Frau Berggruen- Kristeller. Die Trauerrede hielt Herr Gemeind erabbiner Professor Dr. Bloch, der in markigen Zügen ein Charakterbild des Verstorbenen zeichnete, dabei darauf hinweisend, wie der Entschlafene es aus kleinen Anfängen durch regen Fleiß und weitschauenden kaufmännischen Blick zu hohem, vorbildlichem Ansehen im Kaufmanns-- stande gebracht habe. Mit warmen Trosteswort-en an die trauernden Hi,uterbli>eibenen 'schloß der Rabbiner seine Ansprache, woraus die Beisetzung des Entschlafenen stattfand. J. A. Nürnberg, 3. Mai. In der von dem Verein „Jüdische Gomioindebibliothek" gleich denübrigen- Konfessionen vicranistallteten E r z i e h u n g s w o ch e hielt am 29. v. M. Herr Rabbiner Dr. F r e udenth a'l vor übervollem Hause den 1. Vortrag, über „Grundsätze jüdischer Erziehung" und führte hiebei folgendes aus: „Eine wahre Erziehung ist nur auf religiöser Grundlage möglich. Gemeinsam ist allen Konfessionen der sittliche Gedanke, wobei Religion und Ethik unzertrennliche Begriffe sind. Notwendig ist die Stärkung des jüdischen Bewußtseins, um die jungen Menschen zu treuen und -aufrechtere Juden zu erziehen. Ausschlaggebend für die Erziehung ist vor allem das Elternhaus, in welchem Vater und Mutter gemeinsam ihr Erziehungswerk nach dein Worte des Erzvaters Abraham „Den Weg Gottes zu wandeln. Recht und Gerechtigkeit zu üben" vollführen sollen. Das Haus ist im Judentum -die Quelle der Reinheit, Keuschheit und Sittlichkeit, das Haus ist die Quelle des Lebens und weist dadurch den Weg zur Erziehung. Gemeinsam mit dem Elternhaus soll die Schule sich an der Erziehung des Kindes beteiligen. Die Schule soll den Unterricht nicht nur verstandesgemäß unter weitester Erfassung der vielfachen Wissensgebiete, sondern nach ethischen Grundsätzen erteilen. Schule und Elternhaus sollen die Kinder zur Religion und zu religiöser Betätigung erziehen, wobei der Besuch des Gottesdienstes als ein wertvolles Hilfsmittel der Erziehung zu erblicken ist. Deshalb soll und muß der Lehrer den Besuch des Gottesdienstes mit f-etnem ganzen Einfluß fordern und fördern. Die Erziehung gipfelt als deren höchstes Ziel in der Anerkennung Gottes und in dem Streben der Menschheit, diesem göttlichen Ideal der Reinheit möglichst nahe 31t kommen nach dem Schriftwort „Heilig sollt ihr fein, denn heilig bin Ich, der Ewige, Euer Gott". Die Erhebung der -ganzen Menschheit zu höchstem religiösen und sittlichen Verständnis, das ist das Ziel des Judentums im messiamschen Geiste. Die Höhe und Tiefe der Gedanken der Bibel gipfelt in dem Monotheismus, in der Erhebung des Lebenswandelns zum Erhabenen und Göttlichen. Wenn wir unsere Kinder zur Wahrhaftigkeit, zur Arbeitsamkeit erziehen, wenn wir die Lehre und Geschichte d-es Judentums Hochhaliten, dessen Angehörige seit Jahrtausenden str die Menschheit gewirkt und gelitten haben wie kein anderes Volk, so gewinnen wir in unseren Kindern lebenstüchtige Menschen und charakterfeste Juden." Den 2. Vortrag über „Erziehung der jüdischen weiblichen Jugend" hielt die bekannte Vorkämpserin auf dem Gebiete jüdischer und allgemeiner Frauenbewegung, Fräulein Sidonie W-erner aus Hmnburg. In schönen und mächtig auf die zahlreiche Hörerschaft wirkenden Worten ersehnte die Reduerin nach den langen und schweren Zeiten des Krieges den Frieden, den der Prophet Jesaias preist, den Frieden, in-den: „der Wolf neben dem Lamme grast, in dem man die SckMerter umschmieden wird zu Rebmessern". Gewaltige Aufgaben harren der Menschheit nach dein Krieg. Es gilt die Lücken auszusüllen, welche Tod und Krankheit geschaffen. Dazu brauchen wir ein tüchtiges, kräftiges, reines und zielbewußtes Geschlecht. Man erziehe die jungen Mädchenzu Dollmenschen. Man weihe sie ein in alle die großen Fragen, welche die Menschheit bewegen, damit die jungen Mädchen dereinst als Frau und Mutter mit zu raten und zu taten berufen sind. Erziehen heißt: das Gute im Menschen entwickeln und das Schlechte unterdrücken. Neben den allgemeinen sozialen und staatsbürgerlichen Fragen sollen die Töchter die Ethik erkennen, welche, von dem Judentum ausgehend, die ganze Menschheit sich zu -eigen gemacht hat. Um die Tochter zu einer bewußten Jüdin zu erziehen, muß die Mutter selbst eine gute Jüdin sein. Jeder Jude, ob männlich, ob weiblich, hat die Pflicht, des anderen Lasten mit tragen zu Helsen. Die erhabenen Gestalten der Bibel, wie Sarah, Rebbeka, Ruth, Mirjam und Deborah, deren Bild uns die Bibel so schön zeichnet, feien Vorbilder bei der Erziehung der weiblichen Jugend. Ohne Scheu soll die M-u-tt-er ihre Töchter, als deren treue Freundin und Beraterin, über die mannigfachen Gefahren, welche das Leben bietet, aufklären, bevor die Töchter ins Leben und in die Ehe treten. Wenn auch für alle Mädchen die Ehe und die Mutterschaft das nächstliegend^ Ziel ist, so darf nicht verkannt werden, daß durch den Krieg und durch den verteuerten Lebensunterhalt die NMöglichkeit zur Eheschließung stark verringert wurde. Darum soll jedes Mädchen, ohne Rücksicht auf deren soziale und materielle Verhältnisse sich durch Berufs-Vorbildung für alle Lebensfälle sichern. M. Frankfurt a. M., 3. Mai. Die Realschule der Israelit i s ch e n G -e m e i n d e (Philanthropin) zu Fränkin rt -am Main hat durch den immer noch, wütenden Krieg jetzt auch einen schweren Verlust erlitten. Der von 1912 bis zum Ausbruche des Krieges an dieser Anstalt wirkende Reallehrer Joseph Krisch ist vor kurzem an der Westfront gefallen; er hat als der zweite von vier Söhnen einer in Berlin wohnenden Witwe die Liebe zum deutschen Vaterl-ande mit dem Tode besiegelt. Um ihn, den im jugendlichen Alter von 27 Jahren in treuer Pflichterfüllung Geschiedenen trauern mit der tiefgebeugten Mutter seine ihn innig verehren-den Schüler u>nd .feine ihn h-ochlschätzen-den Kollegen-. Dem aufrichtigen Schmerze um den allzufrüh Heimgegangenen gab der Leiter des Philanthropins, Direktor Tr. Adler, in einer in der Schule 'abgehaltenen Trauer'feier herzlichen Ausdruck. Schum». L. Basel, 3. Mai. Am letzten- Pesfachtage feierte die hiesige Gemeinde im jüdischen Betsaale das fünfundzwanzigjährige Amtsjubiläum ihres Reliigionslehrers und Sekretärs Herrn Leopold Hausmann. Die Feier, zu der sich eine größere Festversammlung eingefunden hatte, legte beredtes Zeugnis ab von der Liebe und der Achtung, deren sich der Jubilar in allen Kreisen der jüdischen Gemeinde erfreut. Der Präsident der Religionsschule, Herr I. A. de Meyer, hob die großen pädagogischen Verdienste ihres Oberlehrers hervor. Als Ausdruck des Dankes überreichte namens der Schulkommisston der Sprechende ein kunstvoll ausgefertigtes Diplom. Der Rektor, Herr Rabbiner Dr. Cohn, berührte in feirnen Worten die ethisch-religiöse Seite -im Wesen des Jubilars. In den schweren Schicksalsstunden des Lebens, die ihm nicht erspart blieben, habe er sich stets als glaubensstarker und nicht versagender Mensch bewährt. Herr Gemeindepräsident I. Dreysus-Brodsky schloß sich in seiner Schilderung der Verdienste des Gefeierten den Worten seiner Vorredner an und betonte, daß trotz des Krieges die Gemeinde diesen Ehrentag nicht habe klanglos vorübergehen lassen wollen. Herr Dreyfus überreichte dem Gefeierten im Namen des Vorstandes ein wertvolles Talmudexemplar, ferner namens der israelitischen Gemeinde ein Ehrengeschenk. Ein Schlußgesang des Synagogenchors „Schir Zion" beschloß die öffentliche Feier. Zahlreiche Delegationen hiesiger Vereine fanden sich im Haufe des Jubilars zum Glückwunsch ein, darunter auch eine Vertretung der jüdisch-nationalen Studentenverbindung „Nehardoa", deren A. H. Herr Dr. Hausmann ist. Möge es Herrn Dr. Hausmann vergönnt sein, noch recht schöne und frohe Tage im Kreise seiner Familie, zu verleben. Gkstkrreich-Angarn. Z. Wien, 3. Mai. Für ein i s r a e l i t.i sches K i n d e r s p l ta l, dessen Errichtung vom K-ultusvorstände schonfeit Jahren geplant ist, . sind im Laufe der Jahre reichliche Mittel gesammM worden. Nachdem infolge der Kriegsereignisse der Spitalsbau nicht in Angriff genomm-en werden konnte und derzeit in absehbare Ferne gerückt ist, beschloß der Kwltusvorfta.nd, vorläufig ein A m b u l a t o r i um zu erbauen, dessen Eröffnung am 16. v. M. stattfand. In einem Testamente der i»n Jahre 1915 verstorbenen Frau Betty Frank e l wurde diesem Zwecke -ein Legat von 300 000 Kronen, welches, wie der Vertreter der Erben, Herr Ho-f- und- Gericht-sadvokat Dr. Eugen Ritter v. Bo s ch a n, bei der Eröffnungsfeier mitteilte, aus 400 000 Kronen erhöht werden dürfte, der Wiener israelitischen Knltusgemeinde vermacht. Bei der Eröffnung sprachen der k. k. Uni- Versitätsprosessvr Dr. Julius Z a PP er t, als Leiter Les Ambulatoriums und des künftigen- Kinderspitales,-und -der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Herr Dr. Alfred Stern; die Weiherede hielt Herr Oberrabbiner Dr. M. G ü bem ann. Allseitig wurde

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