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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-10 · Heft 19 (10.5.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 19 (10.5.1918)
Date
1918-05-10
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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11Der GemeindeSoke. Bettase zur „Attgemetnen Lrttung de§ Judentums". Sorreiponürn?en und Nachrichten. Srutschlsud. ### Berlin, 7. Mai. Eine Reihe jüdischer Feldgrauer hat an den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, zu Händen des Herrn Gehe-imrat Dr. Fuchs, folgende Erklärung gesandt: „Die anläßlich eines Feldgottesdienstes versammelten deutschen Inden, die wir seit über Jahren treue Wacht in Ost und West gehalten, die wir auch ferner bereit sind, unser Loben für das Vaterland hinzugeben, erklären einmütig folgendes: In all den schweren Zeiten, die wir durchgemacht haben, glauben wir am Beispiele anderer Völker, Gemeinschaften und Verbände gelernt zu haben, daßnur die Einigkeit stark macht, daß der alte jüdische Satz „alle Juden bürgen für einander" im guten wie im schlechten Sinne diese Wahrheit in sich schließt. Vereint in Gottesdiensten, in Stunden und Tagen der größten menschlichen Not, auf den blutgedüngten Feldern der User und vor Verdun, in «den Kalkbergen der Champagne und in den Wäldern der Argonnen, in den öden Synagogen Mitaus und Jenischkis und vieler anderer Judenzentren der Randgebiete Rußlands, deren eigentliche Beter nach Sibirien verschleppt waren, in den Getti Rumäniens, dessen Juden von Entrechtung und Hunger, Vergewaltigungen, Mßhandlungen und Drangsalen den Kelch der Leiden bis zur Neige leeren mußten — erklären wir feierlichst und glauben im Sinne tausender Kameraden sprechen zu dürfen, daß wir die Tendenzen jeglicher jüdischer Separation im Augenblick geschlossenen Handelns als ein Verbrechen an unserem Volke bezeichnen. Wir hoffen und vertrauen darauf, daß die Juden unseres Vaterlandes die Größe des Augenblicks verstehen, zusamm-enhalten, alle trennenden Momente zurückstellen, der Stimme des jüdischen Herzens folgend, das Verbindende und Einigende stärken! Seit Jahrhunderten hat keine Zeit ein so großes Geschlecht gefordert, um die Stellung unserer Gemeinschaft im Inland« zu wahren, das Elend und die Not von Millionen gequälter Juden zu lindern, ihre Rechte zu erwirken und die Zukunft von über sechs Millionen Menschen in Rußland, in der Ukraine, Kurland, Litauen, Polen, Beßarabien, Galizien, Rumänien, Saloniki und auf dem Boden des uns allen Heiligen Landes sicherzu stellen. Fern von dem Bereinsleben der Unfern gilt unser Ruf den Zurückgebliebenen, appellieren wir an das jüdische Gemeinschaftsgefühl und Nächstenliebe, vertrauen wir, daß durch unsere Treue und Hingabe auf. dem Schlachtfelde die Größe und Bedeutung unseres alten Stammes und Namens gewahrt, gestärkt und vergrößert wurde, daß nicht eine ungeschickte Diplomatie und der Geist einseitiger Eigenbrödelei uns um alle Zukunftshoffnungen bringen! Möge unser Appell in der Heimat ein starkes, einsichtiges und jüdisches Geschlecht . finden!" E. M. Berlin, 7. Atzai. Die Generalversa m m l u n g de s Kuratoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums wurde vorn stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden, Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Mosse, mit einem tiefempfundenen Nachruf-für Hermann Cohen eröffnet, der dem Kuratorium der Lehranstalt seit langem angehörte. Der Redner hob die hohen Geistesgaben und die bedeutenden wissenschaftlichen Leistungen des Heimgegangenen hervor, der seine letzte wissenschaftliche Tätigkeit ganz in den Dienst der Lehranstalt gestellt hatte. Mt dem Gelöbnis, im Geiste Hermann Cohens die Wissenschaft des Judentums an der Lehranstalt pflegen zu wollen, schloß die von der Versammlung stehend angehörte Ansprache. Bei der Besprechung des Verwaltungsberichts wurde es unter Hervorhebung der unbefriedigenden Finanzlage der Anstalt als erste Pflicht der Gemeinde bezeichnet, für die Beschaffung ausreichender Mittel für die Lehranstalt Sorge zu tragen. Die seit dem Tode des Geheimen Justizrats Dr. Hermann Veit Simon freigebliebene Stelle des ersten Vorsitzenden wurde dem langjährigen zweiten Vorsitzenden, Geheimrat Dr. Mosse, übertragen. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde Oberregierungsrat Dr. Paul Meyer, zu Schriftführern Justizrat Lilienthal und Justizrat Arnold Seligsohn gewählt. Das Schatzmeiftera-mt wurde wieder Heirrn Max Weiß übertragen. Ms neues Mitglied tritt Kommerzienrat Louis Grünfeld (Berlin) m das Kuratorium ein. Die Generalversammlung ernannte Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Ludwig Geiger zum i m m e r - währende n Ehre n m i t g l i e d e dcs K u ratori ums. E. M. Berlin, 7. Mai. Frau B e r t h, a M a n h«e i tu o r , die Gattin des unvergeßlichen Berliner Philanthropen Moritz Manheimer, über deren am 28. April erfolgtes Ableben wir in der vorigen Nummer kurz 'berichtet haben, hat mit ihrem am 27. März 1916 verstorben'en' Gatten jahrzehntelang ihre reiche Tätigkeit und ihre großen Mittel in den Dienst sozialer Aufgaben gestellt. In inniger Gemeinschaft mit ihrem Manne wirkte die Verstorbene hingebungsvoll für eine große Zahl von Wohltätigkeitsanstalten in unserer Gemeinde und für interkonfessionelle Zwecke. Tie jüdische Gemeinde verdankt dein Ehepaar Marcheimer eine große Anzahl bedeutender humanitärer GründungM.; so z. B.die mit einem Kapital von 370 000 Mark ausgestattete A l t e r s v e rs o r g un g s an st a l t in der Schönhauser Allee, das Ho spi t a l in der Oranienburger Straße mit einem Grundvermögen von 350 000 Mark, sowie verschiedene Zuwendungen an das Kranken h aus im Gesamtbeträge von 200 000 Mark. Besonders bedeutungsvoll ist eine Zuwendung an die Groß löge 11. O. B. B„ die einen Betrag von 186 500 Mark erhielt, dessen Zinsen zu alljährlichen Preisausfchreibung-en verwendet werden sollen für Schriftwerke, welche Menschenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit als die Grundpfeiler der menschlichen Gesellschaft behandeln. Die' L e h r - unstal't für die W«issenfchaft de sIuden tu'mser-h ie lt 200 000 Mark zur Begründung eines ,,Moses-Mendelssohn-Lehrstühles" und zu Preilsausschreibu ngen für libeirarische Arbeitenüber Menschenliebe, Gerechtigkeit und' Duldsamkeit. Das besondere Interesse des kinderlosen Ehepaares galt allen Jugendfürsorge- Bestrebungen. Am Jüdischen Lahrlingsheim in Pankow «wurde eine Moritz-und-Bertha-Manheimer-Stiftung mit einem Betrag von 100 000 Mark gegründet, 100 000 Mark erhielt das Jüdische Kindergenesungsheim in Bad Elmen. Frau Manheimer nahm nicht nur an der Entstehung der Anstalten und Stiftungen verständnisvollen Anteil, sondern widmete sich bis in die letzte Zeit ihres Lebens mit mütterlicher Fürsorge den von ihr geschaffenen Einrichtungen«. Sie war -allen, ihren- Mitarbeitern ein Vorbild steter Pflichterfüllung. Die rastlose Lebensarbeit der Verstorbenen hat außerhalb Anerkennung gesunden. Unter den Gratulanten, die dein Ehepaar Mattheimer ihre Glückwünsche zur goldenen Hochzeit aussprachen, befand sich auch die Kaiserin, die durch den Minister des Innern eine Schale aus -der Kgl. Porzellanmanufaktur übersenden ließ. Das Schreiben-, das diese Sendung begleitete, hob- -denoft bewährten Wohltätigkmtsstnn des Jubelpaares rühmend hervor. Bald nach der diani-antenen Hochzeit, die «das greise Ehepa-ar in voller Rüstigkeilt feiern durfte blieb Frau Manheimer allein zurück. Sie arbeitete unermüdlich im Geiste ihres Gatten weiter, bis endlich der Tod auch diesem den Liebeswerken geweihten Leben ein Ziel setzte. Schlicht wie ihr Leben war auch die Bestattung der edlen Frau, die in aller Stille aus dem Friedhose in der Schönhauser Allee beigesetzt wurde. Das kleine Trauergesolge bestand aus Freunden und Verwandten der Verstorbenen, sowie aus den Vertretungen der Berliner Gemeindebehörden. Nach einem kurzen Gebet, das Rabbiner Dr. Weiße sprach, wurde der schlichte Sarg zu Grabe getragen. & & Berlin, 7. Mai. Tie St i s t u n g s k o nt m i} \ i o n der j ü d i sche n Gemei n d e veranstaltet gemeinsam mir dem Karitas-Verband für das katholische Deutschland Kurse für die Mitarbeiter in der Hinterbliebe ne n f ü r s o r ge der Stadt Berlin, die in einem vom Magistrat zur Verfügung gestellten Saal des Rathauses stattsinden. Die Kurse behandeln Ziele und Aufgaben der Hinterbliebenenfürsorge unter besonderer Berücksichtigung der Berliner örtlichen Organisationen. Die Einz^lsragen werden von verschiedenen Rednern behandelt, unter denen neben dem Leiter des Karitas-Verbandes, Pfarrer L -e w e k, Rechtsanwalt Wolfs von der StistungskommiMon der jüdischen Gemeinde zu erwähnen ist. Die gemeinsame Veranstaltung der beiden konfessionellen Fürsorgeorganisationen dauert vom 6. bis 29. Mai. sfr # Berlin. 7. Mai. Zur R ev isi on des Statuts der Berliner j ü d i fchen Geme i nd e hat nunmehr auch die

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