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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-10 · Heft 19 (10.5.1918) · p. Seite 227

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 19 (10.5.1918)
Date
1918-05-10
Page
Seite 227 (sequence 11)
Language
German
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227 Kriege gehalten sind. Ich sage a-bsichtlich: Neben, denn die erstes der gleich Au erwähnenden Sammlung enthält keine Predigten, sondern Vorlesungen. Da sie als zweite Auslage bezeichnet werden, so künden sie schon dadurch an, daß sie lebhaften Anklang, gefunden haben. War die erste Auslage ziemlich allgemein gehalten-, so hat die zweite einen stärkeren jüdischen Einschlag erfahren; während die Erörterungen über Christentum und Krieg gekürzt wurden, wurden, und zwar in der vierten Vorlesung,, die Ausführungenüber dasduldende Heldentum des jüdischen Volkes stark erweitert. Auch sonst wird in diesen Vorlesungen, die die deutsche Sache vertreten und allgemeiner Art sind, das Judentum gestreift. Ein Abschnitt der ersten lautet: Israel im Spiegel seiner alten Sprüche. Einer der zweiten: „Ob es in Israel einen heiligen Krieg gegeben habe?" In dieser Ausführung wird dargetan-, wie der biblische Gott kein Kriegsgott, sondern ein Gott über den Krieg sei. In der dritten wird der Gedanke ausgeführt, daß Israel die Großmächte der Erde vermöge seiner inneren Größe überdauert. Die wichtigste jedoch, ist die vierte Vorlesung, in welcher die Psalnren als gemeinsame Quelle von Glaubensnmt und Gottvertr-auen für die Bekenner beider Testamente dargelegt und mit Ausführlichkeit auf Daniel, Makkabi und Judith ei-ngegangen wi-rd. Sehr schön ist in dieser Vorlesung die Würdigung der Bedeutung der Psalmen überhaupt, wo auch-, des Hasses mit Anspielung aus Lissauer als einer nicht unrühmlichen Empfindung gedacht wird. Prächtig sind die Abschnitte über Daniel.und Makkabi und die schöne Stelle, in der dem Judentum der Ruhm vinviziert wird-, die Idee aufgebracht zu haben, für religiöse Wahrheit und Treue zu sterben. All diese Reden bekunden einen beredten!, allseitig gebildeten Mann, der gründliche Kenntnisse des Judentums mit seinem Verständnis derdeutschen Poesie und- Geschichte zu verbinden w-eiß und tiefe Blicke ins Herz und Seelenleben der Massen tut. Was Hochfeld8 9) in seinen Kriegspredigten will, sagt er selbst in seiner Einleitung: „Ich habe zeigen wollen, wi'e all das Gewaltige, was wir gesehen und was wir gehört haben, sich in einem jüdischen, religiösen Bewußtsein spiegelt; ich habe der Sehnsucht und der Besorgnis, der Begeisterung und* der Liebe, dem Abscheu und dem Zorn, die in dem Herzen eines seinem Baterlande und seinem Glauben innig ergebenen deutschen Juden auffla-mmten, Wor.te zu leihen gesucht." Er vereinigt 32 Reden, die chronologisch geordnet find, vom 5. September 1914 bis 24. März 1917; gerade die letzte Rede, die unter dem unmittelbaren Einfluß der russischen Revolution gehalten wurde, ist charakteristisch für das Ganze: Eingehen auf die politischen inneren und äußeren Verhältnisse und dabei doch, immer Betonung des Jüdischen. Dabei ist er hoffnungSsreudig, ja optimistisch, so daß di-e R-eden in einem Ausruf ausklingen, daß dem Judentum in Zukunft das gleiche Recht und der gebührende Platz gewährt werden. Ein solcher Gedanke von der Zukunft des Judentums kehrt häufig in den Reden wieder und auch sonst sind die Anspielungen auf die Gegenwart nicht selten: freiheitliche Gestaltung im Innern, S. 87, Teuerung, Befürchtung einer Hungersnot, S. 91 ff., künftige Stellung Deutschlands aus dem Weltmarkt, S. 109 ff. Indessen diese Kriegspredigten handeln nicht ausschließlich vom Kriege; Menschenbeglückung, Sorge für die anderen, Pflichterfüllung, Staatstreue, Wesen der Frömmigkeit werden dargelegt. Hervorgehoben seien zum Beispiel auch kräftige Worte gegen die Furcht und gegen Amulette. Der Redner betrachtet sich! durchaus als Sprecher der Gesamtgemeinde. Er vertritt keine Partei, polemisiert nicht gegen innere Gegner oder gegen die Vertreter anderer Glaubensbekenntnisse: man erkennt in allen diesen Reden, die einsichtig disponiert, in klarer Sprache vorgotragen sind, einen lichten und, vornehmen Geist. Hochfeld benutzt gern biblische Stellen, ohne allzu großen Aufwand damit zu treiben. Obwohl er in deutscher Literatur sehr wohl beschlagen ist und zu deutschem Wesen zu mahnen häufig versucht, hält er sich doch von der Unmani-er fern, Verse deutscher Dichter in seinen Predigten zu zitieren und mit seinem klassischen Wissen zu prunken. Ich habe aus der Lektüre dieser Predigten großen Genuß gezogen und möchte sie als Ausdruck eines sinnigen Beobachters, eines glaubensstarken Juden, eines edeldenkenden deutschen Mannes meinen Lesern empfehlen. 8) Bibel und Heldentum. Fünf Vibelvorlesungen, gehalten in den akademischen Kursen zu Essenim Wintersemester 1914/lö. Von Rabbiner Dr S. Samuel. Zweite, mehrfach verbesserte Auflage. Berlin. Verlag von Louis Lamm. 1918. 9) Kriegspredigten von Dr. Hochseld, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde 3u Berlin. Berlin. Verlag von M. Poppelauer. 1918. Die Flucht aus Ieriilalem. (2. Forts-.) Von Jakob Fing-ermann. er Alte nickte nur. Amram kehrte langsam um und ging in entgegengesetzter Richtung auf Umwegen dem Lager zu. Er sah oft hinter sich und verwischte seine Spur mit angelernter Gewandtheit. Der Posten hielt ihn an und er rief gedämpft das Losungswort. Das Lager schlief schon; die Nacht war mondlos und finster. Ein Schauer strich durch die Zelte und sie duckten aneinander wie furchtsame Tiere. Amram lag auf seiner Matte und wachte. Die Glut des unerfüllten Begehrens entzündete sein heißes Blut, und er fand nicht Schlaf bis in die tiefe Nacht. . * Ein markerschütternder Schrei zerriß den Frieden der Nacht und gleich darauf wurde es wieder still. Amram fuhr aus einem tiefen und schweren Traum auf und tastete, noch im Halbschlaf, nach dem Schwerte. Da fühlte er einen fremden Körper über sich und etwas Kaltes an der Brust. „Ein Ueberfall!" durchzuckte es ihn. Er sah mit seinen das Dunkel! gewöhnten Augen den blanken Stahl und das bärtige Gesicht des Feindes, der wie ein Alp auf ihm lag und sich abmühte, den Ueberfallenen zu fesseln. Amram fühlte für Sekunden eine namenlose Ohnmacht, bis der Gedanke an Mirjam in ihm ausstieg; er krümmte sich vor Schmerz, da er an ihren Verlust dachte. Der ingrimmige Zorn weckte seinen Widerstand und mit Anspannung aller Kräfte sprang er auf, den bärtigen Mann von sich schmetternd, ergriff das Eisen, hieb ein paar Streiche ins Dunkel und sprang ins Freie. Vor den Zelten wogte der Kampf zwischen den Knechten und einem überlegenen Haufen Angreifer, Abenteurer, wie Amram auf den ersten Blick ersah. Geführt wurden die Räuber von dem Aegypter, dessen Gast Amram gewesen war. Man kämpfte auf beiden- Seiten lautlos und erbittert, nur das Geräusch der Waffen und das Aechzen der Verwundeten war vernehmbar. In der Mitte des Lagers focht Abilkajin, unterstützt von dem Hausverwalter und einigen Knechten, wie ein Rasender. Seine seidenen Kleider waren zerfetzt und blutig, eine breite Wunde klaffte vom linken Auge bis zur Lippe und wütender Schaum floß aus seinem Munde. Ein brennender Oelbaum über-goß die Szene mit blutigem Schein ... Amram hielt wie erstarrt ein. Plötzlich erwachend, sprang er unter die Kämpfenden. Der erste -Schlag seines Schwertes streckte einen riesigen Szythen zu Boden, ein zweiter siel unter seinen machtvollen Hieben. Joach, der Hausverwalter, den er von einem Gegner befreite, erkannte Amram und ries schmetternd: „Amram lebt! Amram ist gekommen!" Abilkajin hörte -den jubelnden Ruf und wandte sich um. „Hierher!" Das -war sein letztes Wort. Dieser Augenblick der Unachtsamkeit kostete ihn das Leben; denn ein Pfeil durchbohrte seine Kehle und er sank wie ein Stein zu Boden. Einige Knechte schlugen sich zu Amram durch, welcher schon aus mehreren Wunden blutete, und ihre Hilfe gab ihm neuen Mut. Die Angreifer waren etwas znrückgewichen. Dies benutzte Amram und drang mit erneuter Heftigkeit auf sie ein. Nichtsdestoweniger wäre er unterlegen, hätte nicht Joach mit mehreren zersprengten Knechten den Feind im Rücken angegriffen. Dieser fühlte sich nach den Verlusten nicht mehr stark genug standzuhalten und als der Aegypter unter Amrains Hand fielflohen sie dem Bache zu.

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