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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-10 · Heft 19 (10.5.1918) · p. Seite 225

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 19 (10.5.1918)
Date
1918-05-10
Page
Seite 225 (sequence 9)
Language
German
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225 - als geistliches Oberhaupt zu besitzen; aber -da nach einem alten Wort „Vornehmtun Geld' kostet", so darf eine solche Gemeinde erst dann an die Verwirklichung ihres Wunsches denken, wenn sie davon überzeugt ist, daß sie nicht nur ihrem Rabbiner ein angemessenes Gehalt gewähren kann, sondern auch ihre anderen Beamten auskömmlich besoldet. Der zu schassenden Organisation der preußischen. Juden wird auch die Aufgabe zufallen müssen/ für die angemeffene Besoldung der jüdischen Kultusbeamten eine angemeffene Norm zu schassen. Und da muß als Mindestforderung aufgestellt werden: Der Religionslehrer muß m i nd e st e n s dasselbe Gehalt beziehen wie der christliche Elementarlehrer am Orte; denn selbst dannsteht er sich doch noch schlechter als jener, wenn man die erhöhten Kosten für die Erhaltung des rituellen Haushalts sowie den Umstand berücksichtigt, daß der Clementarlehrer ja noch das Privileg der Befreiung von der städtischen Steuer (bei den jetzigen hohen Kommunalsteuerzuschlägen kein geringer Betrag!) genießt. Wenn man dieser Forderung den Einwand entgegenhalten sollte, daß der Elementarlehrer mehr Unterrichtsstunden zu erteilen hätte, dein ReligionÄehrer viel freie Zeit übrig bliebe, in der er sich Nebenverdienste verschaffen könnte, so ist dem zu erwidern, daß daS Religionslehreramt! in den Klein- und Mittelgemeinden stets mit den Kantor- und Schächterfunktionen 'verbunden ist und durch diese zwei Tätigkeiten die Arbeitskraft des Lehrers für die Gemeinde voll ausgenutzt wird. Außerdem enffpricht es wohl nicht dem modernen sozialen Empfinden, daß der Arbeitgeber als Entschuldigung für das unzureichende Gehalt die Arbeitnehmer auf die Möglichkeit hinweist, sich Nebenverdienste zu verschaffen. ES muß daher immer wieder daraus mit allem Nachdruck hingewiesen werden, daß es die Pflicht jeder Gemein d e ist, ihrem Beamten ein solches festes Einkommen zu gewähren, daß er standesgemäß leben kann. Und da muß als das Minimum das Gehalt des staatlichen Clementarlehrers bezeichnet werden. Und analog muß daher gefordert werden, daß auch die Kriegs- und Teuerungszulagen für die jüdischen Religionsichrer und Kantoren zum mindesten ebenso hoch sind wie die des'Clementarlehrers am gleichen Orte. Wenn diese Zulagen, wie oben erwähnt, sogar vom Staate als so unzureichend erkannt werden, daß man zu umfaffenden Hilfsaktionen sich anschjickt, wie arg versündigen sich da die jüdischen Gemeinden, die ihren Lehrern und Kultusbeamten entweder gar keine oder eine geringere Kriegs- und Teuerungszulage gewähren als die von Staat und Gemeinden gewährten! Möge dieser Mahnruf nicht ungehört und unbeachtet verhallen! Möchte er dazu beitragen, daß die jüdische nLeh rer und Kultusbeamten in ihren materiellen Verhältnissen durch den Krieg nicht völlig ruiniert werden! Möchte unseren Gemeinden auch in bezug aus ihre G e m e i n d e b e a m t e n das Gebot gelten: „Der Gerechtigkeit sollst du nachstreben, damit du lebest, du und deine Nachkommen!" - Der Ausschuß des Allgemeinen Deuffchen Kantorenverbandes (E. V.). Krllachkeirr in Makedonien. eit von der Heimat stehen wir hier m Mazedonien im Dienste des Vaterlandes, und -nur roenige der Heimat ähnelnde Bilder ziehen an unserem Auge vorüber. So ganz anders, ist die Natur in Mazedonien, so ganz anders das Leben und Empfinden der hiesigen Landesemwohner — auch der hiesigen Inden. Vereinsamt und verlassen' fühlt sich der Ku'ltureuropäer in diesen öden und toten Berggegenden, inmitten der mehrere hundert Jcchre hinter -uns zurückgebliebenen Einwohnerschaft. Kein Wunder denn, daß sich am 27. März die jüdischen Soldaten des hiesigen Kriegsschauplatzes nahezu vollzählig bei unserem allverehrten Herrn Feldrabbiner Dr. Lazarus in der Hauptstadt Mazedoniens, in UeSküb, erngefunden hatten, um gemeinsam das Pessachfest zu feiern. Ue'ber 400 Kameraden waren nach Uesküb gekommen, trotz der überaus großen Transport- und Neiseschwierigkeiten. In Uesküb fanden in der Synagoge der spaniolischen Gemeinde unter Leitung des Feldrabbiners die Festgottesdienste statt. Sie taten uns so wirklich wohl, diele Gottesdienste mit ihrer Festesstimmung, verursacht durch die Weihe des Ortes, durch die Festgebete mit ihren heimatlichen Jom-Ta uw-Klängen und durch die Ausführungen unseres Feldrabbiners. Er zeigte uns in seinen Predigten den Weg, den wir betreten müssen, um unsere Pflichten als Juden gegenüber dem Vaterlande und insbesondere um unsere Aufgaben als Juden gegenüber dem Gesamtsudentum voll und aanz erfüllen zu können. Einigkeit zwischen links und rechts. Mischen alt und. jung, gegenüber dein inneren und äußeren Feinde des Judentums: so klang die Losung, die er als erfte Vorbedingung für ein siegreiches Bestehen des uns bevorstehenden Dafeinkampfes bezeichnete. Ein wahres Ankleben war es auch für uns, hier draußen die Sederabende gemeinsam in großem und doch in einem Fa mi li en - kreife zu verleben. Ich - fühlte hier so recht die Seelentiefe des Wortes: „Alle Israeliten sind Brüder." Als Brüder saßen wir uns gegenüber und erzählten uns vom Auszüge der Kinder Israel aus Aegypten. In eine große Familie fühltenwir uns versetzt, und einer erzählte dem anderen auch feinen eigenen „Auszug aus Aegypten Herr Feldrabbiner Dr. Lazarus hat es verstanden, durchseine unermüdliche Tätigkeit, durch seine umsichtigen Dorbereitunaen. von denen sich die Heimat und auch mancher Festteilnehmer nickt leicht eine Vorstellung machen können, die Pessachtage uns als wahre Familienfeste ins Gedächtnis zu schreiben. Er batte es auch zuwege gebracht, daß wir an beiden Feiertagen rituell zubereitete Sedermahlzeiten mit reichlich Mazze-n und Wein einnehmen konnten. Ihm und insbesondere auch seiner Heimatgemeinde Essen, die Herrn Dr. Lazarus in hochherziger Weile die Geldmittel hierzu zur Verfügung gestellt hatte, sei' deshalb an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt. Mit gehobener Stimmung verließen wir Uesküb. jeder in dem Bewußtsein, wieder einige Tage als Mensch und Jude unter Menschen gelebt und heimatliche Eindrücke, diesmal speziell heimatlich-iüdifche Eindrücke, empfangenzu haben. Gebe es Gott, daß wir, vom Frieden beglückt, bald dieser Tage von der Heimat aus gedenken können. H. Literarische Arberlichl. Bon Ludwig Gei g e r. 1. Predi gten. Die massenhafte, in den letzten Monaten eingelaufene Literatur, meist Hefte und Bücher mäßigen Umfanges, veranlaßt mich, in methodisch gegliederten Ueberfichten den Stoff zu bewältigen. Ich null in kurzer Weise referieren, 1. über Predigten; 2. über geschichtliche Arbeiten; 3. Ostjüdisches und Monistisches und 4. Dichtungen. Straßburger^) feiert einen jungen jüdischen- Heldern, hebt sein deutsches Wesen und seine Glaubens'innigkeit hervor und schließt mit kräftigen Worten des Trostes. A n erba cf)* 2) benutzt die Geschichte von Kain und Abel, nur den Haß und Neid der anderen Mächte gegen Deutschland zu erklären und fordert mit Anspielung aus den neuerdings gemachten Vorschlag *) Worte des Gedenkens für den aus dem Felde der Ehre gefallenen Leutnant der Reserve Ernst Emil Weil aus Ulm, geboren den 1-6. Mai 1890, gefallen den 27. Juli 1917, beerdigt den 2. August 1917 in Ulm, gesprochen von Rabbiner Dr. Straßburger (ltttit). 2) Kain und Abel, Predigt, gehalten am 17. September 1917 vom Rabbiner Dr. H. Auerbach, Elbing. Druck von Horm. Ulrich in Leipzig.

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