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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-10 · Heft 19 (10.5.1918) · p. Seite 220

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 19 (10.5.1918)
Date
1918-05-10
Page
Seite 220 (sequence 4)
Language
German
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M werden. So steht es mit der ,,SchutzlosWe:L" der Antisemiten. Für eine solche Erneuerung des Deutschen Reichs, wie sie Herr Heins vorschlägt, dank ich. Für mich fotzt sich die gange J udenfrage zusammen in .den Worten: Gleiche Rechte gleiche Pflichten. Äm folgenden Tage würde die Debatte fortgesetzt. Der Sozialist Leinert äußerte folgendes: Herr Heins will seinen Antrag in verbesserter Form wieder einbringen. Der Turnlehrer Heins verfällt mit seinen Bocksprüngen der öffentlichen Heiterkeit. Wie soll denn, jourand seinen Stanunbaum Nachweisen? (Abg. A. Hoffmann, U. Soz.: Zum Beispiel Dr. Arendt!) Auch Ihre konservativen Freunde sind nicht rasserein. Ernst Moritz Arndt spricht sogar von dem „halbdeutschen" Adel. Mit dem 8 2 säen Sie (zur Rechten) Haß im Volke und hetzen es auf. Dadurch wirken Sie kriegsverlängernd. Hüten Sie sich: Preußen ist auf den: Wege, der Mörder der deutschen Freiheit zu werden. . Wg. Cassel (Fortschr. Dp.): Der Abgeordnete Heins hat dem Judentum Personen zugeschoben, die init dem Judentum nie etwas zu tun gehabt haben. Die preußischen Juden haben keine Veranlassung, sich mit einem solchen Gegner wie Herrn Heins und seinen Anträgen bei ihren: geistigen und intellektuellen Niveau eingehender zu beschäftigen. (Sehr richtig! links.) Die Behauptung, daß die Juden die Veröffentlichung des Ergebnisses der konfessionellen Statistik verhindert hätten, entbehrt jeglicher Grundlage, ebenso seine Behauptung, daß ich mir vom Kriegsminister v. Stein ein solches Versprechen habe geben lassen. Eine Annahme, die bezeichnend ist für die Anschauung des Herrn Heins von unserem Staatsleben. (Sehr gut! links.) Richtig ist nur, daß der Kriegsminister, als gegen die von seinem Vorgänger Wild v. Hohenborn angeordnete konfessionelle Zählung Beschwerden erhoben wurden, zumal, daß in solcher Zeit derartige Erhebungen stattsinden, de r Kriegsm: ni ster v. Stein mir geschrieben hat, daß das Verhalten der jüdischen H e e re sp fl i cht i ge n und Bürger im W eltkr i ege zu ei ner s olche n S t a t isti k k ein erlei Veranlass ung gegeben habe. (Hört! hört! links.) Die -Ausführungen des Abgeordneten Heins sind ja hier in der richtigen Weise ausgenommen worden, nämlich mit Heiterkeit. Es lohnt sich nicht, sich mit der Person dieses Herrn weiter zu beschäftigen. Einspruch müssen wir aber erheben gegen die Ausnutzung der Tribüne dieses Hauses zu solchen Verhetzungen. (Sehr wahr! links.) Denn im Lande draußen weiß man nicht, daß diese Rede hier nur erheiternd gewirkt hat. Die deutschen Juden sind mit glühender Begeisterung für das deutsche Vaterland ins Feld gezogen, sie haben auch in der Heimat ihre Wicht im vollsten Umfange getan, was auch nur selbstverständlich war. Tausende Juden haben ihr Leben gelassen. Welche Empfindungen müssen entstehen, wenn derartige Reden hier gehalten werden, durch die das Andenken so vieler Tausender Gefallener, deren Gebeine aus Men Schlachtfeldern dieses Krieges bleichen, geschmäht, bittere Kränkung den durch Verwundung und Krankheit Siechen, Verkrüppelten und Verstümmelten angetan, den Eltern und Geschwistern der Gefallenen zugesügt wird. (Lebhafte Zustinunung links.) Ich würde mich herabwürdigen, wenn ich die deutschen Juden gegen Herrn Heins erst verteidigen wollte. Die deutschen Juden werden sich auch durch solche Reden in der einmütigen Abwehr unserer Feinde und ihrer Liebe zum deutschen Vaterlande nicht beirren lassen. (Lebhafter Beifall auf allen Seiten des Hauses.) Wg. Strobel (U. Soz.): Wir bedauern ebenfalls, daß die Tribüne des Abgeordnetenhauses zu solchen verhetzenden Reden benutzt wurde, wie es vom Abgeordneten Heins geschehen ist. Der z 2 will >die Interessen« der herrschenden Kläffen schützen,. Wenn diese Bestimmungen in dem Gesetze bleiben, so ist es für uns unannehmbar. Nach einem Schlußantrag bemerkt: Mg. Heins (Kons.., deutschvölkisch): Herr Ka.nzow hat mich als Vorstandsmitglied des „Evangelischen Bundes" angegriffen und auch meinen Bildungsgang herangezogen. Das ist die Lehrerfreundlichkeit der Freisinnigen. Im übrigen sollten die Herren vor der eigenen Tür kehren. Herr Rathenau bezieht ein Gehakt von 1100 000 Mark (Hört, hört!). Herr Cassel hat nicht das Recht, mich in dieser Weife anzugreifen. Er ist kein Zionswächter. (Heiterkeit rechts.) Diese persönlichen Angriffe beweisen, baß den Herren die sachlichen Gründen fehlen. . - Abg. R o s e n o w (Fortschr. Vp.): Nur mit Widerwillen beschäftige ich nach mit Herrn Heins. (Der Vizepräsident rügt dm Ausdruck.) Er hat durch eine Zwischenbemerkung sogar meine Eltern in die Aussprache gezogen. Das weise ich mit Empörung zurück. Diese Art der Kampsesw eise muß mit Verachtung bestraft werden. (Vizepräsident Dr. Lohmann: Diese Aeußerung ist zwar ungehörig, aber Sie haben Veranlassung zur ErregüiHg!) Abg. Cassel (Fortschr. Vp.): Das persönliche Urteil des Herrn Heins besitzt für mich keine Bedeutung. * Ueber die jüdisch en Dinge in Deutschland und anderwärts ist folgendes mitzuteilen: Die Stellungnahme der All-deutschen zum Judentum wurde im Verlaus der letzten Monate in den vielfältigen innerpolitischen Erörterungen wiederholt gestreift. Meistens nimmt man sowohl in jüdischen wie in — alldeutschen Kreisen an, daß der Altdeutsche von vornherein und grundsätzlich Antisemit sein müsse, und die einschlägigen, oft recht ungeschminkten Aeußerungen alldeutscher Redner und Zeitungen scheinen dem recht zu geben. Da Möge denn auf die einzige bezügliche neuere ausdrückliche Auslassung aufmerksam gemacht werden, die als maßgeblich gelten darf. Steht sie doch in der großen leitenden alldeutschen „Monatsschrift für das deutsche Volk" „Deutschlands Erneuerung" (München, I. F. Lehmanns Verlag), zu deren Herausgebern der vieljährige 1. Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes, Justizrat H. Claß (Mainz), und andere seiner führenden Persönlichkeiten gehören. Daselbst lesen wir im Jahrgang I (1917), Seite 346, innerhalb eines Aufsatzes von Dr. B. Friedrich: „Dietrich Schäfer, Miljukow und der Reichstagsabgeordnete L. Haas", im Anschluß an des letzteren Angriff auf die Alldeutschen im Artikel „Nationalismus" „Berliner Tageblatt" (Nr. 184 von 1917), eine Stelle, welche sicher nicht entgegen der Ansicht der Stimmführer veröffentlicht worden wäre: „Es ist zu beklagen, daß von jüdischer Seite heute beständig und ganz grundlos gegen die Alldeutschen gekämpft wird. Man meint, den Antisemitismus erfolgreich zu bekämpfen, indem man den nationalen Gedanken bekämpft. Man macht sich nicht klar, daß man damit das Gegenteil erreicht. Der Alldeutsche Verband hat seinen Bestrebungen den weitesten Rahmen gesteckt und in keiner Weise eine Bekämpfung des Judentums beabsichtigt. Aber indem man von jüdischer Leite sich in zunehmendem Maße gegen ihn ereifert und in ganz grundloser Weise gegen ihn vorgeht, rrötigt man ihn natürlich, sich gegen die jüdischen Angriffe zu verteidigen. Es liegt uns natürlich fern, hier einen allgemeinen Vorwurf gegen alle Juden auszusprechen. Es gibt Juden, die eifrig national gesinnt sind, und auch in: Alldeutschen Verband fehlen sie nicht; sie verurteilen scharf die Haltung der jüdischen Mehrheit. Aber es ist notwendig, auf jenen wunden Punkt den Finger zu -Legen; notwendig im Interesse des Judentums selbst. Hervorheben wollen wir freilich, daß das Judentum selbst nicht allein die Schuld trägt. Fände der nationale Gedanke allgemein bei unfern Volksgenossen eine energischere Anerkennung, so wären jene Dinge nicht möglich. In Frankreich und England stellt sich das Judentum nicht, im mindesten in Gegensatz zu den nationalen Gedanken." * Die „Freisinnige Zeitung" schreibt: Ein antisemitischer Vorstoß. Unter der derben Spitz marke „Die Schweinewirtschaft in der Papierversorgung" chat der „Miesbacher Anzeiger" darüber geschimpft, daß ihm, obgleich er in der Nähe einer der leistungsfähigsten Papierfabriken, der Papierfabrik am Baum, erscheine, nicht genügend Papier geliefert werde; er werde in Bälde wegen Papiermangels den Zeitungsbetrieb einstellen müssen. Schuld daran seien die Kriegswirtschaftsstelle für das Zeitungsgewerbe in Berlin, der Verband deutscher Druckpapierfabriken in Berlin, die Schweinewirtschaft in den Berliner Zentralpalästen, per ganze Faultierbetrieb, die Riesenschlamperei, die tropenhaft ins rin geheure wachse. Statt Papier erhalte man frech-patzige Antwor^n aus Berlin, und man stehe vor der Einstellung des Betriebes, weßl i \ (

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