Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1918)
- Date
- 1918-05-10
- Page
- Seite 219 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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SIS sprechun'gen, so gefährlich sie auch klingen, brauchen uns jedoch nicht zu schrecken; Ähnliche Zahlen, wenn auch freilich nicht ganz indieser Höhe, sind schon mehrfach genannt worden und haben sich als eitle Worte erwiesen. Selbst wenn es dem kriegsun'gewohnten mit Material in keiner Weise versehenen Staate gelingen sollte, eine auch nur einigermaßen beträchtliche Heeresmasse zu sammeln, so wäre die Uebersührung einer so ungeheuren Schar bei dem immer geringer werdenden Frachtraum eine Pure Unmöglichkeit. Unsere Gegner sprachen zwar wiederholt davon und erneuern diese Versicherung auch jetzt, daß sie mit größerer Macht und Entschiedenheit gegen die Unterseebootsgefahr aufzutreten gewillt sind; wir dürfen aber hoffen, daß das, was ihnen anderthalb Jahre hindurch trotz aller ihrer Anstrengungen nicht gelungen ist, auch ferner nicht möglich sein wird, sondern daß diese ungeheuer wirksame Waffe utts den Endsieg bereiten hilft. Freilich, bis dahin mag noch viel Zeit vergehen, denn unsere Gegner bleiben entschlossen in ihrem Widerstande. Allerdings ist in Frankreich die Opposition gegen Clemenceau im Wachsen, aber es ist fraglich, ob, wenn der eine Mann auch stürzt, damit eine Friedenspartei ans Ruder kommt, und gelegentlich erschallt von dort aus und auch aus anderen Staaten der Ruf, daß der Krieg mit Deutschlands Vernichtung -enden müsse. Wir können und wollen an diese Verkündigungen nicht glauben, wir harren des endlichen Sieges. * Die inneren Verhältnisse Preußens haben sich nicht erfreulich gestaltet. Fünf Tage lang ist im Preußischen Abgeordnetenhaus über die Wahlrechtsvorlage verhandelt worden. Alle Parteien haben ihre Redner ins Tressen geschickt; es fehlte nicht an aufregenden Zwischenfällen, an überraschenden Anträgen, unter denen sich auch schüchtern der vorwagte, das Wahlrecht fremdraffigen Elementen zu entziehen, worunter nur die Juden verstanden sein konnten (vgl. unten). Im allgemeinen darf man sagen, daß von den Rednern nichts wesentlich Neues vorgebracht wurde und eigentlich auch nicht vorgebracht werden konnte. Die Minister Drews, Friedberg unb der Reichskanzler haben den Standpunkt der Regierung, die Wahlrechtsvorlage dem Volke zu gewähren, aufs nachdrücklichste betont. Trotzdem ist am 2. Mai der entscheidende Schlag gefallen und die von der Regierung vorgeschlagene Wahlrechtsvorlage, d. h. deren wichtigster Paragraph, ist mit 235 liegen 183 Stimmen abgelehnt worden. So ist der 2. Mai ein schwarzer Tag für Preußen, um so schwärzer, als er bei unseren Gegnern ein ungeheures Triumphgeschrei erregen und die Meinung stärken wird, daß Preußen, ja ganz Deutschland ein zurückgebliebenes Land sei, dem sie, die Feinde, die Freiheit zu verschaffen das Recht und die Pflicht hätten. Während wir jetzt wie früher diese Einmischung der Ausländer in unfere inneren Verhältnisse aufs nachdrücklichste zu bekämpfen haben, können wir nicht umhin, das Ergebnis der Abstimmung als ein sehr trauriges Zeichen zu erklären. Daß die Konservativen versuchen, ihre unheilvolle Vorherrschaft zu behaupten, baß sie, die nur auf Grund des Dreiklassenwahlsystems ihre Mandate erlangt haben, sich mit Wut an -diesen, ihren einzigen -Rettungsanker anklammern, ist natürlich, daß aber auch die -iiationalliberalen, von denen höchstens die Hälfte für die Vorlage -gestimmt hat, so wenig politische Einsicht besitzen, baß sie durch ihre Stimmabgabe die Vorlage zu Fall gebracht haben, ist geradezu beschämend. Was nun geschehen wird, läßt sich nicht Voraussagen; der Reichskanzler hat versichert, daß er mit dem Wahlrecht stehe und falle. Aber selbst wenn er seinen Posten aufgibt, wird an der Sache nichts geändert; ein neuer Reichskanzler und wäre er noch entschiedener, würde die Gegner der Vorlage nicht zum Aufgeben ihrer Achinung zu zwingen wissen. - Es verlautet, daß die Krone gewillt sei, ihr Versprechen auszuführen, dem preußischen Volke das gleiche Wahlrecht zu gewähren. Wir müssen uns gedulden und abwarten was geschieht. Der Antrag, von dein oben die Rede war,- auf Ausschließung der „Fremdrassigen" war vom Abgeordneten Heins gestellt, und er rief eine Debatte hervor, über welche die Berliner Zeitungen folgendes berichten: Abg. Dr. Bell (Zentr.): Der Antrag Heins steht in keinem Verhältnis zum Ernst der Sache und verdient keine Erörterung. Die schwersten Bedenken haben wir gegen die Bestimmung, wonach die unter Polizeiaufsicht Stehenden kein Wahlrecht haben sollen. Abg. Heins (deutschvölkisch): Bei der Entscheidung über die hochwichtige Wahlrechtsfrage schaltet man alle unsere Kriegsteilnehmer aus. Was würde man sagen, wenn etwa alle - Börsenleute ausgeschlossen würden? Verantwortlich dafür ist die Staatsregierung. (Der Präsident ermahnt den Redner, zur Sache zu kommen.) Verschiedene Elemente, die die Vorlage befürworten^ darunter auch die königliche Staatsregierung (Heiterkeit und Unruhe), berufen stch.auf das Königswort. Ja, auf welches denn, auf das von Ostern oder vom Juli? (Erneute Mahnung des Präsidenten.) Sollen - die 18jährigen Rekruten auch schon das Wahlrecht haben? (Der Präsident macht den Redner daraus aufmerksam, daß die allgemeine Aussprache geschlossen ist.) Mein Antrag richtet sich nicht gegen die Polen, sondern gegen die Juden-. Der jüdische Abgeordnete Dr. David (Ohoxufe und Heiterkeit) hat einmal zugegeben, daß die Juden eine eigene Rasse sind. Von der konfessionellen Zählung ist es wieder still geworden, nachdem sie wohl für die Juden ein niederschmetterndes Ergebnis gehabt hat. Ueberall, in allen Ländern, finden sich die Juden zahlreich im Hinterlande. Und welche Rolle spielen die Juden in der Presse? 55 Männer leiten nach Rachenau die Geschicke Europas, unter ihnen sind viele Juden. (Zurufe links: Ahlwardt!) Die Juden wollten im Weltkriege stets unsere Macht im dunkeln halten, fia kämpften gegen den unbeschränkten U-Boot-Krieg, Man kann sich nicht des Verdachts erwehren, daß Amerika und- England mit ihnen in Verbindung gestanden haben. (Heftiger Widerspruch links.) Wenn der jüdische Einfluß erst ausgeschaltet ist, dann will auch ich Vertrauen zum Volke haben und ihm das gleiche Wahlrecht Zuerkennen. Bringen Sie (nach links) dieses Opfer und opfern Sie Ihre Juden! ((Stürmische Heiterkeit.) Moltke sagt, die Juden sind ein Staat im Staate. Maria Theresia (große Heiterkeit) äußerte sich ähnlich. Da mein Antrag keine Aussichten hat, ziehe ich ihn zurück. (Großes Hallo!) Wenn sie aber den verderblichen Einfluß des Judentums erkennen, werden Sie auch ohne den Antrag diese Bestimnmng beschließen. Bringen Sie das Opfer der Juden, vielleicht finden Sie Ersatz an deutschen Männern. (Heiterer Beifall links.) Abg. K a n z o w (Freis. Vp.) begründet den fortschrittlichen Antrag, Wir Vierinissen mit Bedauern- -den Abgeordneten- Frhrn. v. Zedlitz, dem wir von Herzen baldige Besserung wünschen. Er ist ein Generalstäbler der Politik — nicht so wie die Herren Rewoldt und Lüdecke. Die Freikonservativen lassen Herrn v. Kardorff nicht reden, aber die Konservativen lassen Herrn Heins reden. Das ist bedauerlich. (Zustimmung links.) Herr Heins ist eine symptomatische Erscheinung im neuen Deutschland. . Er ist Funktionär des „Evangelischen Bundes".^ (Hört, hört!) Demgegenüber stelle ich fest, daß vom Zentrum solche Ailsfälle niemals erhoben werden, wie denn das Zentrum überhaupt unser aller Dank verdient für sein Eintreten für das gleiche Wahlrecht. Herr Heins, der so viel vom Schützengraben redet, ist 1873 geboren; er war die ganze Kriogszeit in Berlin (Widerspruch des Abg. Heins). Wenn er sagt: Heraus mit den Juden aus der Presse und aus der Politik, so sollte -er doch auch gleich sagen: Heraus mit den Juden' aus der Wissenschaft und Wirtschaft! Welchen Dank verdienen so viele Angehörige der Wissenschaft und des Wirtschastslebens sowie der freien Berufe und auch 'gerade der Presse, vor allem aber die jüdischen Kriegsteilnehmer im Schützengraben, die ihre Pflicht -tun, genau sowie alle unfere Helden. Kinderei' ist es, die Engländer als Händler zu bezeichnen. Unsere Soldaten beurteilen die Engländer anders. Ebenso sinnlos ist es, vom jüdischen Händlergeist zu sprechen. Der von Herrn Heins zitierte Cha-mberlain, der erst nach -den deutschen Siegen die deutsche Staatsangehörigkeit^ erworben und für seine Verdienste das Eiserne Kreuz erhaltest hat, darf auf Befehl des Oberkommandos in der Presse nicht angegriffen