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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-03 · Heft 18 (3.5.1918) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 18 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Staatskasse im Beginn 60 Mark, nach vierzig JÄhrkn 68 WO Mark abgeliefert. Hier liegt zugleich auch^ die Deutschland besonders interessierende Gesund ungsmöglichkeit für das Türkische Reich. Als ein reiner AgrarstaaL mit Passiver Handelsbilanz und ständig steigender Staatsschuld (in den Anleihen sind allein 600 Millionen deutsches Kapital investiert), mit Latisundienwirtschaft und zu hohen Steuerschrauben bedarf, es für die Zeit nach dem Kriege vor allem Menschen. Als einziges Reservoir aber bietet sich nur Osteuropa mit seinen jüdischen Massen, die, auf heimischem Grund angesiedelt, ans der Wüste bald eine Oase erstehen lassen lverden. Ter Aufschwung der Produktion und ein 'blühendes Palästina, das noch dazu den englischen Wirtschaftsring im Osten sprengen würde, würde für die Deutschen, Türken und Juden gleiche Vorteile, gleiche Gesundung, gleiches Glück bedeuten. In der sich anschließenden Diskussion, die das lebhafte Interesse neuer weiter Kreise kundtat, sprachen unter anderen Bergrat G o t h c i n und Geheimrat Cleinow. Dem Ausschutz des neuen Komitees gehören unter anderen an die Neichstagsabgeordneten Gothein, F e h r e nbach, Junk und Noske sowie Professor Hans Delbrück, dem erweiterten Ausschuß unter anderen die Abgeordneten Graf W e st a r p, E r z b e r g e r, C o h e n, S ch e i d e m a n n, La ndrat a. D. Dewitz sowie die Professoren Hoetzsch, Weber, Wieder seid, Auhagen, Zoe p fl und Sombart. L/D Berlin, 30. April. Der am 9. Mai d, I. (Himmelfahrtstag) im Hotel „Russischex Hof" (Friedrichsbahnhof) Berlin NW 7, Georgenstraße 21/22, vormittags 9XA Uhr, stattfindeuden erweiterten . V o r st a n d s s i tz u n g (Vertreterversamml.ung) des Perbandes der jüdischen I u g e n d v e r e i n c Deutschlands liegt folgende Tagesordnung zugrunde: 1. Verständigungsgemeinschaft. 2. Die Wanderf.rage. 3. Gemeinde und Jugendvereine. 4. Jugendheime. 5. Das religiöse Bedürfnis der jüdischen Jugend. 6. Jugendpflege, Bildung von Gruppen Jugendlicher. 7. Verkehr mit den jüdischen Soldaten. 9. Rückkehr der jüdischen Krieger. Uebergang in. die Friedensverhältnisse. 9. Tätigkeit der weiblichen Jugend. 10. Bezirksverbände. 11. Neuaufnahmen. 12. Verschiedenes. LZ Königsberg, 26. April. D a s I s rae l i t i sche Wa i s e nhaus für Stadt und Provinz zu Königsberg i. Pr. hielt am 21. d. M. seine satzungsmäßige Hauptversammlllng ab. Der Vorsitzende, Stadtrat Prof. Dr. Lassar-Cohn, gab an Stelle des der Zeitverhältnisse wegen diesmal ausgefallenen Druckberichtes eine ausführliche Darlegung der Erziehungs- und Wirtschaftsverhältnisse der Anstalt im vergangenen Jahre. Trotz vielfacher erschwerender Umstände durch die Zeitlage wurde der Betrieb des Waisenhauses in befriedigender Weise durchgeführt. Die Anstalt war im vergangenen Jahre zum Teil mit Kriegerkindern und Kriegswaisen auch aus den besetzten Teilen Rußlands voll belegt. Von den ehemaligen Zöglingen der Anstalt sind bisher 45 zum Kriege eingezogen worden. Davon sind bereits 8 gefallen und 4 schnür verwundet worden. Sieben ehemalige Zöglinge find bisher mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Die gefallenen Zöglinge des Waisenhcnrses werden auf einer Kriegs-Ehrentafel in der Anstalt verewigt werden. Die Anstalt hat einen besonders schmerzlichen Verlust durch den Heimgang der Frau Geh. Kommerzienrat Henriette B e ck e r (Berlin) erfahren, die dem Waisenhause eine große Freundin und Wohltäterin gewesen ist. Die Wirtschaftskosten der Anstalt haben sich infolge der allgemeinen Teuerung niesentlich erhöht. Der entstandene Fehlbetrag wurde im vergangenen Jahre durch die außerordentlichen Spenden der Wohltäter und Freunde des Waisenhauses gedeckt. — Der V o r st a nd des Waisenhauses besteht zurzeit aus Stadtrat Prof. Dr. Lassar -Cohn, Vorsitzender, Kaufmann Julius Lazar, stellvertretender Vorsitzender, Kaufmann Alfred Lach m a n s k i, Schatzrireister, Kaufmann A. I. L e w i n, Konsul M i n k o w s k i, Bankdirettor Rei chm a nn, Rabbiner Dr. Vo ge l stein. — Ehrend a m e n des Hauses sind: Frau Doris Cohn, Frau Justizrat Holz, Frau Bankdirektor Marx und Frau Fabrikbesitzer Winter. — Tie Leitungder Anstalt sichren Herr und Frau Direktor Pe r i tz. W. Pvstn, 26. April. Der Ssniior der Posener Aerzteschaft, Geheimer Sanitätsrat Dr. Hermann Hirschberg, ist am 18. d. M. an den Folgen einer Operation im Alter von 83 Jahren gestorben. Der Entschlafene war am 6. Oktober 1835 als Sohn eines Kaufmanns in Gnesen geboren und trat 1854 nach medizinischem Staatsexamen al's Militärar-Lt in das Sanitätskorvs in Posen ein, wurde iWo Assistenzartp 1866 Stabs- und Bataillons arzt und 18.71 nach aktiver Teilnahme-an den drei Feldzügen stellvertretender Oberstabsarzt. Im Kriege gegen Frankreich erwarb er sich das Eiserne Kreuz am weißschwä-rzen Bande. 1866 war er durch den Roten AMrorden 4. KMsse mitSchwertern ausgezeichnet ^Wörden. An Auszeichnungen besaß er feEr die Landwehrdienstauszeichnung von 1870/71, das Erinnerungskreuz von 1866, die Zentenarmedaille und den Königlichen.Kronenorden 3. Klasse. Nach seinem Ausscheiden aus dem Militär dienst, ließ sich Dr. Hirschberg als Arzt in Posen nieder, wurde 1876 Kreiswundarzt des Stadt- und Landkreises Posen> 1888 Kreisshndikus des Kreises Posen-Ost. 1900 schied er als Geheimer Sanitätsrai! aus diesem Amte und widmete sich ausschließlich seiner Privatpraxis. Welch ungeteilter Wertschätzung der Entschlafene sich in weiten Kreisen zu erfreuen hatte, zeigtte sich gelegentlich seines 80..Geburtstages, den er am 6. Oktober 1915 unter allgemeiner Anteilnahme begehen konnte. Um den Entschlafenen, trauert außer der VerwandtschasL der weite Kreis der Freunde und Verehrer, denen er mit seinem ärztlichen Rate Hilfe geleistet > oder denen er im Leben nahegestanden hat. Die Beisetzung erfolgte am 21. d. M. unter großer Beteiligung von Leidtragenden weitester Kreise, die ein recht deutliches Zeugnis für die allgemeine Wertschätzung ablegte, deren sich der Entschlafene zu erfreuen gehabt hatte. Außer den Angehörigen, der Gattin, den Söhnen» Töchtern, Schwiegersöhnen usw. waren' u. a. erschienen: der Obergeneralarzt Dr. Rochs, der namens der Sanitätsoffiziere des fünften Armeekorps dem ehemaligen Kameraden einen prächtigen Kranz ins Grab legte, der Geheime Medizinalrat Dr. Schmidt und der Medizinalrat Stabsarzt Dr. Clauß, Chefarzt des Hauptfestungslazaretts. Ferner gaben, zahlreiche Aerzte, Vertreter der verschiedensten Berufs- und Standesvereine, denen der Verstorbene in führender Stellung angehört hatte, eine Abordnung, der uniformierten Kompagnie des Landwehrvereins, eine solche des Vereins ehemaliger 46er, beide mit der Fahne, und eine des Vereins der Ritter des Eisernen Kreuzes dem Verstorbenen das Atzte Geleit. Den Sarg'bedeckte eine Fülle kostbarer Kränze und Mümengewinde. die von den verschiedensten Seiten gewidmet lvorden waren. Die Trauerfeier leitete eine Trauermotette der Konzertsängerin Frau Be r g g r u en - K r i st e ll e r stimmungsvoll ein. In seiner Trauerrede rühmte Herr Gemeinderabbiner Prof. Dr. Bloch die Gnade des Höchstem, daß es 'dem Entschlafenen vergönnt war, von früher Jugend bis ins spä-te Alter hinein die ärztliche Kunst in idealer, patriarchalischer Weise auszuüben und den Kranken Hilfe, Trost und Zuspruch zu bringen. Daneben 'beteiligte er sich an zahlreichen bürgerlichen Bestrebungen, -nahm mit vaterländischer Begeisterung als Militärarzt an den Feldzügen 1866 und 1870/71 teil und begrüßte mit jubelnder Begeisterung noch in den letzten Tagen seines Erdenlebens die ruhmreichen deutschen Siege an der Westfront. Neben der Ausübung seines ärztlichen Berufes fand er lebhafte Freude an der Pflege der Tonkunst. Er hatte allezeit ein williges Herz und eine offene Hand für die Nöte der Menschheit und ließ seine ärztliche Hilfe in selbstloser Weise so manchem Minderbegüterten zuteil werden. Mit Trostesworten an die Hinterbliebenen schloß Herr Prof. Dr. Bloch seine Rede. Dann endete ein Trauergesang der Frau Berggruen-Kristellar die ergreifende Feier. Unter den Klängen des Liedes „Ich halb einen Kameraden" von 'der Kapelle des Fußartillerieregiments Nr. 5 setzte sich der stattliche Trauerzug nach dem Grabe in Bewegung, wo die Beisetzung erfolgte. Das Lied „Wie sie so sanft ruhu" und eine Sälve der uniformierten Kompagnie des Landesvereins bildeten den letzten Gruß an den edlen Mann, warmherzigen Menschen- und Vaterlandsfr eund und den Kameraden, dessen Andenken in der Geschichte Posens noch lange lebendig bleiben wird. M. Hamburg, 26. Apriil. Herr Jakob Hecht, der Begründer und Inhaber der weit über Hamburgs Grenzen hinaus bekannten Kunst- und Antiquitätenfirma, ist nach kurzer Krankheit aus dem Leben geschieden. Der Verblichene, der ein Alter von 65 Jahren erreicht hatte, gehörte zu den eifrigsten Kunstförderern unserer Stadt und genoß in den höchsten Kreisen große Achtung und Wertschätzung. In unserer Gemeinde zeichnete sich der Verblichene durch seine große Wohltätigkeit aus; mit Rat und Tat stand er den Bedürftigen bei, und hinterläßt sein Plötzliches Hinscheiden eine schwer aussüllbare Lücke. Jakob Hecht war der Begründer des Rembrandt

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