Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1918)
- Date
- 1918-05-03
- Page
- Seite 216 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Heg f-iiljvt nach Berseeba und von dort weiter nach Jdumäa, von da nach Arabia. Es sind reiche Städte dort, glücklich« Städte. . . . Wir errichten ein Haus und sie , . . und sie... ,Sein Blick senkte sich.durchbohrend in den Abilkajins, der unbefangen schien. Abilkajin strich seinen Bart, dann umarmte er Amram: „Du sollst mein Sohn sein!" ■* Voran ritt Amrain auf einem reichgeschirrten Hengst, i» voller Rüstung. Ihm folgten zehn berittene Knechte. Dann kenn ein Zug beladener Maultiere, geleitet vom Hausverwalter und einigen Treibern. Hierauf eine Sänfte aus Ebenholz mit Metallbeschlägen und Silberzierat, getragen von vier Eselinnen, Zur Seite der Sänfte ritt Abilkajin, ebenfalls bewaffnet, und ein Trupp von. fünf Knechten bildete die' Nachhut. . Die Karawane nahm ihresi Weg durch-einsame Straßen. Das Geklapper der Hufe brach sich dumpf an den Mauern. Menschen begegnete man wenigen, und wenn sie kamen, besaßen sie nicht die Kraft, Feindseligkeiten zu beginnen. Auf den Treppen lagen Verschmachtete. Wahnsinnige lästerten, die Gottheit, ein Weib trug ihr gestorbenes Kind an der Brust und küßte es. Wie ein wüster Traum war das alles! War das die blühende, volkreiche Stadt? War das Zion? Sie verließen die Oberstadt und näherten sich dem Tale Thropaeon; sie erreichten bald das ausgetrocknete Bett der Wasserleitung, wo sonst das klare Wasser schäumte. Heute lag es trocken, nur in den Pfützen war versumpftes Naß. Sie ritten in die Wölbung ein; es wurde dunkel und kühl, aber die Luft war seltsam drückend. Es roch nach Rauch und Blut. Tie Leitung verengte sich, der Weg wurde steinig und beschwerlich, die Maultiere sanken in fußtiese Löcher ein und konnten nur mit großer Mühe herausgehoben werden. Nach einer Weile wurde die Leitung breiter und es ging schneller vorwärts. Die Sonne ging unter, als sie den Ausfluß erreichten. Der Gang weitete sich zu einer geräumigen Halle, die aus mächtigen Quadern errichtet war. Ihre Decke war zweimannshoch, und durch ein vergittertes Loch sah der aufsteigende Mond und glänzte der Widerschein der römischen Lagerfeuer. Sie machten halt. Die Maultiere wurden abgeladen und die Sänfte auf eine Erhöhung gestellt. Die Tiere fraßen gierig die ihnen vorgeworfene Gerste. In einer Höhlung wurde ein Feuer angemacht und Speise bereitet. Amram hüllte sich in eine Matte und lag abseits. Er sah scharf ins Graue, daraus die Feuer des Feindes stachen. Manchmal glaubte er, ihr Geschrei 31t vernehmen; doch es war Täuschung, war Gaukelei der erregte« Sinne. .... Er schlief ein, schlief lange und traunrlos. Es wurde still, ganz still. Ein Maultier scharrte zuweilen mit den Hufen, ein Knecht stöhnte im Schlaf, oder ein nächtiger Vogel rief in der Finsternis. ... * Die Karawane zog durch ebenes Land und auf verborgenen Wegen von Hebron. Man sah, daß der. Feind im Lande wütete, denn Rauchwolken schwelten zu allen Stunden. Gärten und Felder waren verwüstet, Dörfer und Gehöfte niedergebrannt und allerlei fremdes Raubgesindel streifte herum. Weil Abilkajin Zusammenstöße befürchtete, zogen sie eilig dahin und gönnten sich keine Rüst. Die Luft war heiß wie ein Glühofen und von tödlichen Miasmen geschwängert. Erst die Kühle des Abends brachte Erquickung. Sie näherten sich Etham und beschlossen nach kurzer Beratung, die Stadt zu umgehen, da man nicht wissen konnte, ob eine römische Besatzung in der Burg gelagert war. Es war spät am Nachmittag und die Knechte fielen vor Mattigkeit hin. Eleasar, der Liberianer, fieberte und mußte auf einer Bahre mitgenvmmpn werden. Amram beschloß, den Tag nicht westerzuziehen, und sie lagerten in einem Orangenhain, der von einem Bache durchschnitten würde. Me schlugen die Zelte im Halbkreise auf; in der Mtte wurde ein großes. PrächtigeK Zelt errichtet und ein kleineres, zierlicheres für die Tochter Abilkajins. , '=i ' .. Amram verbot, Feuer anzuinachen, da dadurch leicht feindliche Scharen herangelockt werden konnten. Er ließ kalte Speisen verabreichen, wie gedörrtes Fleisch, Datteln und ungesäuerte Brote. Dann stellte er Posten aus, urn herannahende Gefahren rechtzeitig abzuwehren. So vergingen mehrere Stunden der Rast. Amram war von einer tiefen Unruhe erfaßt und von einer trüben Bangnis, die ihm sonst fremd blieb. Er ging aus dem Lager, um sein Blut zu beruhigen. In sorgenden Gedanken versunken, bahnte er sich einen Weg durch das Pflanzengewirr und erreichte den Bach. Das Waffer floß spärlich sickernd, denn es hatte lange nicht geregnet. Amrain schöpfte mit hohler Hand und trank gebeugt, Plötzlich fuhr er zusammen: er glaubte den Klang menschlicher Stimmer« vernommen zu haben. Er horchte angestrengt, vernahm aber nichts mehr. „Es ist nichts!" dachte er. „Aber ich will hinübergehen, vielleicht, daß es die Knechte sind, die ihre Pflicht verabsäumen." Leise schlich er sich heran, entledigte sich seiner Sandalen, stieg in das Bett des Baches, bog um einen Vorsprung und sah zwei Männer im Gespräch. Der Platz war von Büschen dicht umgeben; auf einer schmalen Böschung graste ein magerer Schimmel und im Grase lag ein Dattelsack. Der ältere der Männer, der Kleidung nach ein Aegypter, war gut bewaffnet und sah ziemlich verwegen drein; der zweite schien jünger zu sein, war nach babylonischer Sitte gekleidet, einäugig und unbewaffnet. Amram verstand ihre Sprache nicht. Er glaubte, sie sprächen ägyptisch oder szhthisch; es waren aber auch griechische Worte untermengt, die er recht gut verstand. Er überlegte eben, ob er sich zeigen oder ungesehen den Rückzug antreten sollte, als ihn der Einäugige erblickte. Dieser sprang auf, rief ein warnendes Wort seinem Gefährten zu, der sich blitzschnell umwandte unb mit seinem Schwerte auf Amram eindrang. Es war ein kurzes Römerschwert, das er wirbelnd im Kreise schwenkte. „Verzeihe, Herr, wenn ich notgedrungen dein Gespräch belauscht habe. Ich bin ein Jdumäer aus Gerasa und ziehe nach Liberias in der Landschaft Galiläa", sagte Amram vortretend. Ans Vorsicht hielt er sein Schwert gelockert. Der andere senkte die Waffe. „Sei gegrüßt," entgegnete er, „von wannen du auch kommst. Wir sind friedliche Kaufleute, die nichts Böses im Sinne führen. Jedoch in diesem verfluchten Lande — das Feuer möge es verzehren — ist man vor Bösewichtern keine Stunde sicher. Die Straßen wimmeln von ihnen und erst vor zwei Monden erdolchte man hinterlistig einen Mann meines Blutes. Iß mit uns!" Er nahm eine Handvoll Datteln aus dem Sacke und reichte sie Amram, der sich setzte und zu essen begann. Er betrachtete seine Gastreunde, die schweigend verharrten. Der Jüngere streckte sich aus und schien bald eingeschlafen. Der Aeltere begann: „Wo ist dein Lager, Freund? Und wo deine Genossen?" „Ich bin allein," berichtete Amram. „Mein Maultier ist mir durchgegangen, und ich bin auf seiner Fährte. Mein Lager ist jenseits des Wafferlaufes, eine Wegstunde von hier." Sein Gegenüber antwortete nicht. Er sah Amram durchdringend an, der scheinbar gedankenlos an seiner Dattel kante. Als er gegessen hatte, wusch er die Hände im Bach und sagte: „Ich danke dir, Herr, für die Gastfreundschaft, die du mir erwiesen. Nun ist es Zeit, daß ich des Maultieres gedenke, denn es trägt meine ganze Habe mit sich. Wie leicht könnte« sich Räuber des Tieres bemächtigen." (Fvrtsetzuiig folgt.)