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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-03 · Heft 18 (3.5.1918) · p. Seite 215

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 18 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
Seite 215 (sequence 11)
Language
German
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■ajs iluterbriiiguug jüdischer Kinder aus dem Laude ist auch fügender Ünfftand: -er Krieg hat auf dem Laude recht mißliche Derhältttiffe «ach der Richtung hin geschaffen, daß viele jüdische Familien ihre rituelle Haussührung. ausgeben «mßten, jedenfalls.aufgegeben haben. Die Beamten der Keinen Gemeinden sind eingezogen und die Beschaffung ritueller Lebensmittel ist mit solchen-MwiekigDetten verknüpft, daß viele Familien zur Vermeidung einer Gefährdung ihrer Gesundheit schweren Herzens fich entschlossen haben, die rituelle Hausführung abzuschaffen. Die vielbeschäftigten Behörden haben vielerorts die Einfuhr ritueller Lebensmittel aus anderen Kommunen leider abgelehnt. Ich weiß nicht, ob es unter diesen Umständen nicht richtiger wäre, überhaupt von der Unterbringung jüdischer Kinder aus dem Lande in der gehandhabten Art inskünftig abzusehen und statt dessen eine Unzahl jüdischer Kolonien aus dem Lande ins Leben zu rufen. Geeignete Räume mit den dazu gehörigen Wirtschaftsgegenständen zur Unterbringung der Kinder dürften sich leicht iu den zahlreich leerstehenden Hotels und Gasthäusern finden lassen, An geeigneten aufsichtsführenden jüdischen Damen dürste es bei dem philanthropischen Sinn der Juden ganz bestimmt nicht fehlen. In einem abzuhaltenden Kursus könnte den Damen die nötige Unterweisung zur Leitung einer Kolonie zuteil werden. Was die Verpflegung anlangt, so dürste ein solches Unternehmen fraglos von den Kommunen in der tatkräftigsten Weise unterstützt werden, so daß. auch diese als gesichert betrachtet werden darf, In solchen Kolonien könnten auch unsere jüdischen Kinder sachgemäß beschäftigt werden. Fast in jedem kleineren Orte sind jetzt Ländereien in beliebiger Größe pachtweise zu bekommen, die von den Knaben und Mädchen bewirtschaftet (ich denke hier in erster Linie an Gemüse- und Kartofselbau) werden könnten, so daß ein Teil des Verbrauchs aus eigener Kraft gezüchtet werden kann. Kleintierzucht (Hühner, Gänse, Enten, Ziegen) könnte und müßte auch betrieben werden. Da wir aller Voraussicht nach auf Jahre mit Lebensmittelschwierigkeiten zu kämpfen haben werden, so könnten diese Kolonien in angegebener Art eine -dauernde Einrichtung werden — zum Wöhle der jüdischen Jugend und des Judentums. Erwähnen möchte ich noch, daß bei der Beschaffung ritueller Lebensmittel für solche Kolonien durch die Behörden keine nennenswerten Schwierigkeiten laut Erfahrung entstehen würden. Eine solche Kolonie dürfte im Höchsffalle aus 20 Kindern bestehen. Die Kosten müßten durch die Logen und durch freiwillige Beiträge, die bei dem bekannten Opfersinn unserer Glaubensgenossen für den guten Zweck reichlich fließeg dürften, bestritten werden. Dadurch wäre auch die Möglichkeit der Beteiligung unserer großstädtischen kapitalkräftigen jüdischen Bevölkerung -an diesem seltenen Hilsswerk geboten und beschränkte sich nicht nur agf den Wohltätrgkeitssinn der LgndbevöKerung, die ohnedies durch den Fortzug vieler Familien in idie Großstadt zur Ausrechterhaltung ihrer religiösen Institutionen stark belastet-ist. Durch die Einrichtung dieser Kolonien würde auch noch das beschämende Gefühl, das auf den Kindern — namentlich bei denjenigen, die einmal bessere Tage gesehenhaben — durch die unentgeltliche Unterbringung lastet und das bei den jüdischen Kindern in viel größerem Maße als bei den christlichen Kindern vorhanden ist, in Fortfall kommen. Die christlichen 'Kinder Wunen bei den Ballern durch chre Mithilfe eine gewisse Gegenleistung aufweifen, welche Gelegenheit bei den Jrrden in den meisten Fällen nicht geboten ist. Die jüdischen Kinder können auch bei den jüdischen Familien, die Landwirtschaft mehr als Liebhaberei, nicht als Evwerbszweig betreiben, nicht die nötige Aufficht und Anleitung bei ihren Arbeiten haben, weil sie meistens nicht selbst Mitarbeiten. So sind, die Kkntzer oft dem Müßiggang -preisgegeben, der nur Mißverhältnisse schafft. Ost spielt auch rin falsches Mitleid der Familien mit den Kindern ihres schwächlichen Zustandes wegen eine Rolle... Obige Ausführungen dürsten zur Evidenz die Notweudigkest zur Errichtung der in- Vorschlag gebrachten Kolonien erwiesen haben, und deren Verwirklichung würde im Interesse unserer leidenden jüdischen Großstadtjugend von großem Segen sein. Eine einheitliche Organisation wird schon den richtigen Weg finden. Mr Mucht aus Jerusalem. (1. Forts.) Von Jakob Finger mann. 3 m Garten stand ein äthiopischer Knecht und zog am Brunnenstrang. Das Wasser rauschte aus der Tiefe und siel Plätschernd in das Marm-orbecken. Abilkajin fühlte jetzt Tränen in den Augen. Er konnte fich der Ursache nicht klar werden, aber es war ihm, als wäre sein Verlust ins Unendliche vergrößert. Im Morgenlicht glitzerte der Tau, die Sonne spielte auf den Glaskugeln und auf den vergoldeten Lanzenspitzen der Gartenmauer. Es war ihr Schein rot wie Blick. Er kehrte um. Im Vorhose tönten die Ruse der Knechte, die laufend und schwitzend Geräte -abluden; andere waren beschäftigt, dieselben in Matten zu verpacken. In einer Ecke des Hofes hatten der Waffenmeister und sein Knecht ihre Werkstätte aufgeschlagen und hämmerten unermüdlich an verbogenen Schwertern, zerbeulten Panzern und Eisenkappen herum. Aus -der Tervaffe, die gegen Osten lag, saß Amram, die Arme verschränkt, und blickte indie Ferne. Die Rauchwolken brennender Dörfer trübten die klare Reine des Sommermorgens und der Schlachtruf der Kämpfenden klang schrecklich herüber. Die Stadt war menschenleer. Desto mehr wimmelten die Wälle von Kämpfern; sie schienen vonweitem wie Ameisenhaufen in ihrer regsamen Rührigkeit. Und die gewaltigen Wurfmaschinen, die man den Römern abgenommen hatte und nun zur Verteidigung der Stadt benutzte, glichen Fingern eines täppischen Riesen. Amram sah hinüber ins Gartenhaus mit den sandelholzvergitterten Fenstern, den dustfchwülen Rosenbüschen und aufstäubenden Springbrunnen, darin ein Märchen träumte. Er sah hin mit den Angen eines Jünglings, erschauernd von der süßen Unberührtheit des Ortes. Dann sank er in sich zusammen, fröstelte, zitterte; ein unbekanntes Granen schlich in sein Hirn, und es lohte in seinen Augen auf. Er stieg hinab und lenkt« die Schritte nach dem Vorhofe, um nach den Arbeiten zu sehen. Der Hausverwalter kam ihm entgegen. „Herr," sagte -er mit einer tiefen Verbeugung, „wenn die Sonne am höchsten steht, werdenwir reisefertig sein. Doch fehlt es an Tieren für die Habe." Amram nickte. Abilkajin kam, ihm den Morgengruß zu entbieten. „Glaubst du, Freund, daß wir nach Masada gehen sollen? Der Weg-ist gefährlich,-doch einsam. Es wird Zeit und Mühe, vielleicht die Haut kosten. Doch ist man dort vorläufig in Sicherheit." Amram lächelte, und -dies goß Mkde über sein Gesicht. „Gastsreund," evwi-derte er, „dein Rat scheint gilt zu sein. Auch-ich glaube, -daß wir in Masada vor den Römern sicher sind. Aber-was wäre damit gewonnen? Nichts! Kaum den Klauen des Löwen entronnen, sich wieder in eine Falle begeben; wäre unklug." Er hielt ein, dann fuhr er fort: „Mein

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