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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-03 · Heft 18 (3.5.1918) · p. Seite 214

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 18 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
Seite 214 (sequence 10)
Language
German
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Erhaltung der MeyfMeit .erscheint, für ihn -gibt es ein — der . Komperativ sei gestattet! — ethischeres Moment: das Sicheinswiffen von Gatte und Gattin, Eltern und Kindern, das Ginwirken der Gatten aufeinander und auf ihre Kinder zum. Ethischen. . Aber der Mensch soll über die vier Pfähle; seines Hauses hinausschreiten, Die Pflichten gegen Staat und Obrigkeit werden vom Talmud betont. Noch mehr, er wünscht das Verhältnis zu Staat und Obrigkeit verinnerlicht. Ebenso des Menschen zum Menschen. Ist doch Gott der Menschheitsgott, so daß Gottheit und Menschheit Korrelate bilden. Im Talmud sehen wir 'das alttestamentliche: „Liebe deinen rea, wie dich selbst!" als das Alpha und Omega der Religion gefeiert. Die Uebersetzüng von „reo" durch „Nächster", die ins Volksbewußtsein überging, birgt-Bedenkliches. Der „Nächste" konnte zum >,NSchsterey" wevdE). Eine Verirvung. Der Talmud entrinnt ihr. Er hat einen jeglichen wie zum Subjekt der Liebe so zu. ihrem Objekt erhöht. Täuschung und Schädigung, in welche Verbrämung sie sich Leiden mögen, dürfen von keinem und, gegen keinen geschehen. Schwur und Wort,'von Mensch zu Mensch, tragen den Adel der Heiligkeit. Das herrlichste Loblied auf die Ethik sind die Liebeswerke: Auf ihnen „beruht die Welt". Soll ja auch den Tieren menschliche Barmherzigkeit sich zuwenden. Vollends den Menschen. Allen. Selbst'den Feinden. Es ist, als hätte der Talmud jenes: „. . . lehrt mich der Feind, was ich soll" vorweggenommen. Die Liebestat gegen den Feind erklärt er für ethisch höher als die Liebestat gegen den Frennd. Und wie schärft er das soziale Gewissen! Sein Schaffen auf sozialem Gebiete ist ihm nicht nur eine Sache des eindringenden Verstandes, ist ihm eine Angelegenheit des flchlenden Herzens. Das Herz regiert in ihm derart, daß es im Strafrecht, also im Reiche der strengen Gerechtigkeit, mitschwingt. Sogar wer ein todeswürdiges Verbrechen beging, soll der Liebe nicht entbehren. Nur einen kleinen Ausschnitt aus dem gewaltigen Kreise der talmudischen Ethik boten wir. Hier gilt das Wort von embarras de richesse. Zur Frage der Anterbringung Milcher Kinder auk dem Lande im Wirtlchattsjahr Bl 8. Von Lehrer Adolf Rothschild (Achim-Bremen). erbände. Logen Gemeinden und sonstige Institutionen mit gemeinnützigen Bestrebungen in Ost und West, Nord und Süd haben bereits die vorbereitenden Arbeiten zur Unterbringung jüdischer Kinder aus dem Lande wieder ausgenommen. Sie fragen die vorjährigen, Interessenten an, ob, wie lange und wie viele Kinder Aufnahme finden können, und bitten wiederum um' tatkräftige Unterstützung. Man bedenke: von verschiedenen Seiten dieselben Fragen— cs handelt sich ja um dieselbe Sache—; aber die Antwort kann doch nicht die gleiche sein. Anstandshalber muß doch jedem Fragenden eine Antwort zuteil werden, aber nach einer Richtung hin kann nur eine Zusage erfolgen. Ich weiß nicht, ob es allgemein bekannt ist, daß auch durch das Städtische Jugendamt in Berlin durch Vermittlung des Philologenvereins Kinder höherer Lehranstalten zum Landaufenthalt untergebracht werden und daß sich die Fürsorge dieses Amtes auch auf die' Kinder jüdischer Religion erstreckt. Als Pflegebeiträge werden je nach den Vermögensverhältniffen 50 Pfennig bis 3 Mark täglich gefordert, falls eine unentgeltliche Unterbringung nicht möglich ist. Wieviel Porto, wieviel Papier, wjevicl Tinte, wieviel Zeit und Kraft in dieser an sich *) Cohen, Ethik des reinen Willens, «. 207. materialarmeir Zeit könnten '«rsprzch- .-wH-d.e»Ö'' tviMMWeiitek schon im 'FwchekMlL einer einheitlichen Regelung der Frage zur Schaffung eines ganzen Werkes stattgegeben worden wäre! Etwas Ganzes, etwas wirklich Großes auf diesem Gebiete kann nur durch die Errichtung einer Zentralstelle, deren Tätigkeit sich über ganz Deutschland zu erstrecken hätte, geschaffen werden. Es soll sich um keine neue Organisation handeln; die Zentralstelle kann vielleicht ein Reffort der Vereinigung jüdischer Organisationen in Deutschland bilden oder kann auch irgendeinem anderen Verbände angegliedert werden. Eine sachgemäß ausgestattete und richtig geleitete Zentralstelle — die ja auch mit der Zentralwohlsahrtsstelle in Berlin verschmolzen werden könnte — würde unter Vermeidung vieler Kosten ein Hilfswerk von größter Bedeutung darstellen, das alle hierfür in Betracht kommenden Kräfte zu erfassen imstande wäre. Die Zentralstelle hätte, um mich ganz kurz auszudrücken, die Auf. gäbe, die Familien zu sammeln und zu sichten, die Kinder äufnehmen wollen, die Verhältnisse der Eltern und die Kinder selbst zu prüfen, die verschickt werden sollen, und endlich die Gelder durch freiwillige Beiträge mit Hilfe der Presse zur Bestreitung der Kosten aufzubringen. . . Die jeweiligen Verhältnisse müffen einer eingehenden Prüfung unterzogen werden, um auch den Wohltätern auf dem Lande die paffenden Kinder in beiderseitigem Interesse überweisen zu können. Es würde den Rahmen dieses Aufsatzes überschreiten, wenn ich hier im einzelnen die Aufgaben' der Kleinarbeit anfithren wollte. Im vorigen Jahre ist nach verschiedenen Richtungen hin zum Schaden der Kinder und der Sache diel gefehlt worden. Mir will es fast scheinen, als wenn auch hier ein falscher Egoismus dem Plane einer einheitlichen Gestaltung sich hindernd entgegenstemmte. Zur weiteren Untersuchung der Frage sollen die Erfahrungen des letzten Jahres tzerangezogen werden. Wir haben darüber recht verschieden lautende Berichte gelesen. Ein Bericht muß auch immer richtig gewertet werden; er ist meistens subjektives Erzeugnis und kann daher nicht immer als Grundlage zum Aufbau bzw. Weiterbau eines Werkes dienen, den Maßstab für die richtige Beurteilung einer Sache abgeben. Das ist kein einwandfreies Material, wiewohl an der Aufrichtigkeit und an dem guten Willen des Berichterstatters nicht gezweifelt werden soll. Bei der Unterbringung jüdischer Kinder auf dem Lande haben wir keine besonders guten Erfahrungen gemacht. Von ä8 Familien haben 17 erklärt, nie wieder ein Kind aufzunehmen. Me das kommt? Die Kinder der Großstadt, deren Erziehung erklärlicherweise durch die. Einberufung des Vaters viel zu wünschen übrig läßt, zeigten sich in ihren Ansprüchen fast durchweg recht unbescheiden. Sie glaubten anscheinend, Friedensverhältnisse vorzufinden, und darin haben sie sich getäuscht. Es muß unbedingt ein Unterschied zwischen jüdischen und christlichen Kindern der Großstadt gemacht werden. Dazu gehört nur ein gang geringes psychologisches Verständnis. Die Juden aus dein Lande, die fast alle im Nebenberuf etwas Landwirtschaft betreiben, sind zmn.größten Teil nicht Selbstversorger, find somit wie die Großstädter auch auf die ihnen von der. Kommune zugewiesenen Rationen angewiesen. Ferner ist darin ein Mißstand: zu erblicken, daß die Kinder bei den jüdischen Fann lien ans dem Lande nicht genügend befchästigtwerden können - nicht so, wie es bei den Bauern der Fall ist, Der Müßiggang ist bekanntlich die Wurzel mancher Unzufriedenheit... Neben einer etwas trotzdem besieren Verpflegung in den jüdischen Familien auf dem Lande käme ja auch noch die. gesunde Lnft als Vorteil Mr die großstädtischen Kinder in Betracht, Von nicht zu uniWschätzender Bedeutung für-die Gra^e der

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