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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-03 · Heft 18 (3.5.1918) · p. Seite 212

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 18 (3.5.1918)
Date
1918-05-03
Page
Seite 212 (sequence 8)
Language
German
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§12 Behandlung der NievenkranEheitrn und der Keurterlung hon Stoffwechsel- und Berdäuungskrankheiten zugute gekommen sind. Auch als aka-demischer Lehrer hat er eine erfolgreiche Tätigkeit auf dem Gesamtgebiet der inneren Medizin entfaltet, so u. a. auch seit mehreren Jahren im Dienste der Heeresverwaltung als Fachbeirat für innere Medizin beim Gardekorps und beim Hl. Armeekorps. Mit Rücksicht auf die letztere Tätigkeit wurde er im vorigen Jahre durch Verleihung des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Auch an einer Reihe von Wohlfahrtsbestrebirngen hat Strauß aktiven Anteil genommen. Dem hochverdienten Mann, der in verhältnismäßig jungen Jahren so Ausgezeichnetes geleistet und eine so hohe Stellung errungen hat, sei ein weiteres langes Wirken zum Heile der leidenden Menschheit beschieden. Grmraloerlammluns des Wksmrems der Deutschen luden. ' 28. April fand unter Vorsitz des Herrn Dr. Jahres (g i in o n in Berlin, Gesellschaft der Freunde, die Sitzung des.Zentralkomitees und die Generalversammlung des Hilssv e re i n s de r De n tschen I nde n statt, die- -sehr gut besucht rvaren. Trotz der Erschwerungen des Reiseverkehrs waren auch Mitglieder aus allen Teilen des Reiches erschienen. Ter Vorsitzende schildert einleitend in kurzen Zügen die furchtbare Notlüge der Juden im Osten. Das Hilfswerk, das die Not in gewissem Umfange lindert, konnte mit Hilfe amerikanischer Unterstützungsgelder ins Wert gesetzt werden. Gr fuhrt aus, daß der Hilfsverein zur Erfüllung seiner sozialen, ' charitntiven und regulären kulturellen Tätigkeit, nur durch besondere Spenden in den Stand gesetzt worden ist, die auch im vergangenen Jahre über eine Million betrugen, und er ruft die weitere materielle tatkräftige Mitwirkung der Anwesenden an. Herr Tr. Nathan erstattet dann in großen Zügen Bericht über die gesamte Tätigkeit des Hilssvereins im abgelaufenen Jahre. Die K r i e g s h i l f s t ä t i gk e i t wurde auch im vierten Kriegsjahr in allergrößtem Umfange fortgesetzt. Besetzte Gebiete. Nach der Eroberung der ersten russischen (Gebietsteile hatte der Hilssverein in den Vereinigten Staaten von Amerika eine Hilfsaktion für dieselben mit Erfolg angeregt. Als das Hilsswerk größeren Umfang annahm, wurde für die Uebermittelung und Verwaltung der von dort gesandten Gelder das selbständige „Indische Hilfskomitee sür Polen und. Litauen zür Verwaltung amerikanischer Unterstützungsgelder" gebildet, dem neben Herrn Dr. James Simon als Vorsitzenden Herr'Dr. Paul Nathan und andere Persönlichkeiten des Hilfsvereins neben Vertretern anderer Vereine angehörten. Die Arbeiten, die außerordentlich schwierig und umfangreich waren, erledigte das Bureau des Hilssvereins, der zur Bewältigung dieser und anderer Arbeiten. der Hilfstätigkeit, zeitweilig mehr als 100 Hilfskräfte anstellen müßte. Aimähernd 2 5 00 00 0 Juden in den besetzten Gebieten haben zuerst alle Schrecken des Krieges miterlebt und sind wtzt feit fast vier Jahren, trotz allem Wohlwollen der Okkupationsbehörden, von den furchtbaren Folgen — Stocken von Handel und Wandel, Arbeitslosigkeit, bedrohlicher Knappheit der Lebensmittel— in schwerste Mitleidenschaft gezogen. Die Sterblichkeit hat namentlich in den Großstädten einen bedrohlichen Umsäng angenommen. ' . Aus den amerikanischen.Untevstü-tzungsgeldern sind seit Anfangs des. Krieges bis zum Ausbruch des Krieges mit den Vereinigten Staaten von Amerika durch das deutsche. Komitee verausgabt worden 12 458 671,22 Mark. ' Davon gelangten nach Polen (Deutsche Verwaltung) 7 404 405,38 Mark, nach Litauen 5 054265,84 Mark'. Daneben ist der Hilfsverein mit eigenen Mitteln eingetreten. ' Es wurden überall Volksküchen und ähnliche Einrichtungen geschaffend Zurzeit bestehen in den besetzten Gebieten etwa 600 Volksküchen, Abgabestellen für Kaiuralren, Deehallen, Schul- und Speiseanstalten, die von mehr als .400 000 Personen in Anspruch genommen werden. In Warschauallein sind an 100 000 Besucher oder Benutzer der Volksküchen vorhanden, außerdem werden dort noch 12-.bis 15 000 Schulkinder gespeist. In Wilna sind zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung, -also rund 40 000 Persönen, von den Volksküchen und ähnlichen Einrichtungen abhängig. Wo die Einrichtung von Volksküchen nicht angängig ist, sind Varunterstützungen eingetreten, die ebenfalls Hunderttausenden zugute kommen. Seitdem der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschlandausgebrochen ist, hat nach längerer Stockung ein neutralem holländisches Komitee die Unter st üh ungsaktion mit amerikanischen Geldern weitergeführt. Während der Unterbrechung des amerikanischen Hilfswerks mußte der Hilfsverein in noch erheblicherer Weise als vorher für die besetzten Gebiete aus eigenen Mitteln eintreten. Allein während der . Herbst feiertag-e 4917 sind».äüs' Mitteln des Hilfsvereins eine halbe Million Mark nach den besetzten Gebieten gesandt worden. II e berwei s u n g v o n G e l d m i t t e ln an Verwandte. Eine besonders schwierige Aufgabe war die Ueberweisung von Geldern, die die Verwandten aus Amerika oder aus anderen Staaten an den. Hilfsverein zur Weiterüberweisung in die besetzten Gebiete sandterr. Solcher Gelder überwies er im Jahre 1915 . T . . . . . . . % Million, 1916 ......... 3 Millionen, 1917/18 ...... über 5 Millionen. Das Bureau des Hilssvereins war der Mittelpunkt sür diese Art des Geldverkehrs nach den besetzten Gebieten geworden, nicht nur für die einzelnen internierten Personen, sondern auch für die großen Bankern Deutschlands und des Auslandes, die ausländischen Ad teilungen des Noten Kreuzes und für zahlreiche Behörden. U nt er st ütz ü n g.sk o m i te e für bedürftige Russe n. Auch für die Hilfstätigkeit für die in Deutschland vom Krieg überraschten, mittel- und hilflos zurückgebliebenen russischen Staatsangehörigen, die von dem interkonfessionellen „Unterstützungskomitee für die bedürftigen Russen" unter Förderung seitens des Reichsamt* des Innern, der Königlichen Kommandantur in Berlin und des Stellvertretenden Generalstabs in Berlin organisiert wurde, hat der Hils*- verein der Deutschen Juden sein Bureau zur Verfügung gestellt. Das Komitee verausgabte im ganzen 2% Millionen Mark während des Krieges, davon zahlte die frühere russische Regierung durch Ueberweisung an die spanische Botschaft über 2 Millionen Mark. Auch seit dem Ausbruch der Revolution sind von der russischen Negierung wiederum duxch Vermittlung der spanischen Botschaft einige Mittel zur Verfügung gestellt worden. Erhebliche Summen waren noch zugesagt worden; sie sind leider bei den noch ungeklärteil Verhältnissen in Rußland ausgeblieben, so daß der Hilfsverein au* eigenen Mitteln in erhöhtem Maße beitragen mußte. Arbeitersürs orge. Besondere Fürsorge wurde den in Deutschland befindlichen jüdischen Arbeitern aus den besetzten Gebieten zugewandt. Auch für die Besserstellung der jüdischen Arbeiter in den besetzter! Gebieten hat der Hilssverein Mittel he.rgegeben. Auf den Orient, aus die Türkei, insbesondere Palästina, mußte sich das Hilfswerk gleichfalls erstrecken. Hilsswerk für den Orient. An dem umfassenden Kriegshilfswerk, das in Konsiantinopel selbst und von Konstcmtinopel aus im türkischen Reich von jüdisch-osmamscher Seite ausgeübt wurde — es wurden im ganzen vom April I9.i»> bis Ende Dezember 1917 94 366,65 Pfund Sterling (rund 2 Millionen Mart) verteilt — hat sich der Hilssverein der Deutschen Inden irr Verbindung mit der Großloge sür Deutschland II. O. B. B. und dem Frankfurter Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Jllden 1916 und 1917 mit Beitrügen von rund % Million Mark beteiligt. Palast in a. Die Hilfstätigkeit für Palästina, das seit Frühjahr 1917 zlnn unmittelbaren Kriegsschauplatz geworden ist, wurde 1917 in erhöhtem Umfange fortgesührh insbesondere auch, als seit Eintreten der Vereinigten Staaten von Amerika in den Krieg das von den amerikanischen Jllden für Palästina geleistete Hilsswerk eine Unterbrechung erfuhr.

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