Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1918)
- Date
- 1918-05-03
- Page
- Seite 211 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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211 der Gebrauch bet hebräischen Sprache untersagt, Synagogen und Bethäuser würden für Lazarette requiriert. Auch nachdem die Revolution in Rußland ausgebrochen war und die neue russische Regierung im Gegensatz zu der alten, die alle Ungerechtigkeiten und Greuel begünstigt hatte, für die Juden einzutreten den Versuch gemacht hatte, nützte dies nicht das geringste. In der allgemeinen Not vielmehr wurden sie bei der Lebensmittelverteilung hinter den Rumänen zurückgestelltr reiche Juden wurden zu Schanzarbeiten gezwungen oder zur Vermeidung solcher Frondienste zur Hergäbe großer Summen gepreßt, Juden und Jüdinnen in grausamster Weise mißhandelt und von Vertretern der- Regierung wurde im frechsten Zynismus der Satz ausgesprochen: „Tie rumänische Regierung will ihre Juden los sein." Alle diese durch einwandfreie Zeugnisse sestgestellten und namentlich von den zionistischen Pressebureaus; veröffentlichten Tatsachen wurden von der Regierung in lügnerischer Weisedementiert. Auch der von der gesamten jüdischen Presse, auch in unserem Blatte, mitgeteilte offene Brief des gegenwärtigen Stockholmer Oberrabbiners Ehrenpreis verhallte wirkungslos. So bleibt unsere einzige Hoffnung, daß die Mittelmächte bei dem bevorstehenden Friedensschluß auf eine Umkehr der rumänischen Regierung mit aller Macht drängen. Wir schließen uns durchaus den Schlußsätzen der bemerkenswerten Schrift an, sie lauten: „Die zivilisierte Menschheit hat jetzt die Aufgabe, klar und deutlich pl bekunden, daß die Auffassung der rumänischen Regierung eine irrige ist. Es kann der Kulturmenschheit nicht gleichgültig sein, daß 250 OOOMenschen in Rumänien in Rechtlosigkeit und SKaverei dem Untexgang geweiht werden. Es ist ihre Pflicht, die letzten Sklaven Europas zu befreien. In allen Ländern, kriegführenden wie neutralen, unter allen Ylassen und Ständen der Kulturwelt hat man sich bei der Proklamierung der Forderungen auch der unglücklichen Juden Rumäniens erinnert und überall verlangt, daß diesmal endlich die mittelalterliche Judengesetzgebrmg in Rumänien aus der Welt verschwinde. Möge diese Forderung der gesamten, zivilisierten Menschheit bald in Erfüllung gehen." Eine gewisse Aussicht auf Erfüllung dieser Forderung rst vorhanden. Payl Nathan sagt in seinem schon in der Wochenübersicht erwähnten Artikel: „Zu den Verhandlungen in Bukarest,- Rumänien und seine Juden" („Berliner Tageblatt". -*'■ April) folgendes: „Es steht heute fest, daß die deutsche Reichsregierung im Hriedensvertrag mit Rumänien Bestimmungen hat aufnehmen lassen, die den Artikel 44 des Berliner Vertrages zur Wahrheit machen sollen. Freilich, ob in vollem Umfang j^de Bestimmung zur Ausführung gelangen soll, das ist leider sehr fraglich. .... \. Ter Wortlaut der Vereinbarung ist in Deutschland noch nicht bekannt, abxr in Rumänien behauptet man, den Inhalt der Vereinbarung zu kennen. Demnach soll vor Ratifizierung des Friedensvertrages von Rumänien ein Gesetz -erlassen werden, das in Anknüpfung an Artikel 44 des Berliner Vertrages den einheimischen Juden die bürgerliche und politische Gleichberechtigung gewährt, und zwar sollen die Gleichberechtigung sofort erhalten: 1. alle im Lande geborenen, dort ansässigen Juden, die von im Lande geborenen Eltern abstammen, und 2. alle Juden, die am Kriege teilgenommen haben, sei-es im aktiven Heere, sei es im Hilfsdienst. Die Frauen und Minderjährigen dieser Juden erlangen ebenfalls die Gleichberechtigung. Es scheint, daß aus dieser Grundlage in der Tat die rumänische Judenfrage einer Lösung nähergebracht werden soll, und es ist nicht daran zu zweifeln, daß die Regierungen der Mittelmächte ohne jeden Hintergedanken die Absicht gehabt haben, hiermit die Judensrage in Rumänien aus der Welt zu schaffen." Hoffen wir, daß damit endlich den Juden Rumäniens die Gleichstellung gewährt wird! Prof. Dr. Hermann Strauß. tzermsnn Strsuh. Prof. Dr. Hermann Strauß wurde am 28. April 1368 zu Heilbronn a. N. geboren. Nach mehrjähriger Assistentenzeit am Augusta-Hospital zu Berlin und an der medizinischen Universitätsklinik zu Gießen wurde er 1895 Oberarzt an der damals von Senator geleiteten 3. medizinischen Klinik der Kgl. Charitö und verblieb in dieser. Stellung über zehn Jahre. Nachdem er einige Jahre eine private Poliklinik für innere Krankheiten eingerichtet hatte, wurde er Anfang 1910 an die Innere Abteilung des Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde berufen. Hier konnte er noch an der Gestaltung und Einrichtung des Neubaues Mitwirken-. Strauß hat eine sehr rege wissenschaftliche Tätigkeit entfaltet und hierdurch auf vielen Gebieten fördernd und befruchtend gewirkt. Seit 1897 ist er Dozent an der Berliner Universität, seit 1902 Professor. Seine Arbeiten erstrecken sich auf fast alle Gebiete der inneren Medizin, doch hat er sich wissenschaftlich mit Vorliebe der Erforschung der Derdauungs-, Stoffwechsel-, Blut- und Nierenkrankheiten gewidmet. Eine Reihe von Monographien und Lehrbüchern zeugt neben zahlreichen, in medizinischen Zeitschriften- und Sammelwerken erschienenen Einzelveröffentlichungen hiervon. Besonders bekanntgewovden sind seine „Vorlesungen über Diätbehändlung innerer Krankheiten", sein Lehrbuch über die Diagnostik und Therapie der Nierenentzündungen sowie sein Buch über die Untersuchung der unteren Darmwege. Seine Bücher haben nicht nur wegen des Tatsacheninhalts, sondern auch wegen ihrer an Anregungen reichen Darstellung viel Beachtung gefunden. Strauß sind eine ganze Reihe grundlegender und wichtiger Entdeckungen zu danken, di« insbesondere de«