Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1918)
- Date
- 1918-05-03
- Page
- Seite 210 (sequence 6)
- Language
- German
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für die- DurchWruldg ^er ziomstisckkelr Äestveb^ttWN enthaLten, rnrd erwartet, daß bei der FriedmsDnhereW alle Möchte die öffentlichrechtlichen GpuMa-gm ftr.r die Whiasstmg derjirdischen Heimstätte in ' WlastiE- 'sichet.n tperben. ' AumäMNs. Bon Siji toift ®ei(itr, 3lt Erwartung des Friedensschlusses zwischen den Mittelmächten und Rumänienderwie wir hoffen, eine nicht bloß papierne Entscheidung über das Schicksal der Juden bringen wird, 'begrüßen wir' Zwei Schriften-)/die mit dem Aussprechen dieser Hoffnung zugleich eine lebendige Darstellung der Berhältnisse der Juden in Runränien geben. An der Hand der einen, - größeren dieser, Schriften, sei hier eine kurze Aufrollung des traurigen Kapitels versucht, Juden in der Wällachei, dein Gebrtzie/stus dem sich'später das Königreich, Rumänien entwickelt hat, gibt es seit 1367. Sie wdhyten in Dörfern und Städten, vermehrten sich -stärk, t'o»•Mi'ittn bie 3JHtte t>e§ 18. Jahrhstmderts karny ein Ort ohne sie war,. Sie wurden als Eingeborene betrachtet , uud erfreuten sich, auch noch bei Begründung des Königreichs Mumänien,' gewisser Freiheiten, so daß in, dem Grundgesetz von 1858 sie als gleichberechtigt mit den Bekenriern der änderen Religionen angesehen wurden. ' ' ,Jm JaWe 1858' dagegen ' beginnt "ihre Leidenszert. nsals^ lonrden" ihnen 'pölflische 'Rechteabgesprochön. Wurde., diese Äusnahmeregelauch im Jahre 1884 in gewisser Weise zrtrüchgenommen, so, daß eine Na tu ralisiernng u nd die damit im Zusammenhang stehende Gleichberechtigung von einem an-den Fürsten gerichteten nnd von diesem.bewilligten Gesuche abhängig gemacht wurde, so erlangte der Vorsthlag der-Regierung (des Fürsten Carol) 1866, die Juden mit den Christen gleichzustellen, keine Gesetzeskraft, vielmehr hieß es in der von der Konstituante beschlossenen Verfassung? «nur Christen können das rumänische Bürgerrecht erkatWst.,*'' ' ' /' Mt dieser Bestimmung beginnt recht eigentlich die,'trübe , Zeit.' Die ersten Verfolgungen datieren von 1867; sie setzen sichtrotz Protestes der Konsuln, trotz der Einmischung Napoleons in den folgenden Jahren fort. Die Folge davon war eine Abnahme der Zahl der, Juden. Hatte es. deren-1899 266 716 gegeben, von denen nur 4277 naturalisiert/waren,sö Mb es Ende' 1912 nur 239 967 Juden, und diese Zahl «lag sich in den söhgen-- dett Jahren noch beträchtlich verminderk-staben. Diese Juden wohnten, da ihnen der Aufenthalt in Dörfern und Landgemeinden fast zue Unmöglichkeit gÄNacht war/ beinaHe ausschließlich in den' Städten. Es gab unter ihnen viel Elend, aber sie wiesen auch hervorragende Gelehrte, Künstler, Großkausleirte auf, . . , Dw Verhältnisse besserten sich nicht durch den Berliner Kongreß vom 13. Juli 1878;- trotz der Annahme des berühmten Artikels 44 wurde im 8 7 der rumänischen Verfaffung Won 1879 zwar der Religionsunterschied nicht als hinderlich zur Erlangung ch /Die AudenPölitK der rnmänischeN Regierung/' Bon Dr. S, Bernstein. Heransgegebm vom Kopenhägener Bureau der Zionistischen' Organisation — (Deutsch,Englisch nnd Französisch.) -KMevHiwn, Martins Tvuelsens,/Bogtrykkeri 1918. , »Die -Zudeusrage in Rnmämcn". HeranSgegeben voin OoNitt« pro eausL inäme», Zürich, 1918. , >-, .-Die, zweite, später, aber wohl ohne Kenntnis der ersten: gesc^iebentz Schrift,-weit kürzer-als jene erste, ist eine.Denkschrist-die sich-'außer' dem geringeren Umfang, von der Hmiptschrist dadurch untekscheidet, daß sic im wesentkickMN die gesetzlichen BestimstuMtzen-ivSrtllch zmn Ausdruck bringt. Auf eine größere -zistaMMchhän^ßdel DärskeMmg verzichtet sie/ mahnt aber zürn Schluß mit eiNdHknglnHenMäÄen/'diä rnmiinische - Regierung, Gerechtigkeit zu M, Kl «ilv i".( der bürgerlichen Rechte erklärt, wohl aber durch ein besoiiderc: NatuMisationsgesetz, für, die Juden beschränkt urch ein zet)njähriger Aufenthalt für die Gewährung einer scflchen Naturalisation festgesetzt. Infolge dieser BMMNMM<-erhiÄten von 1879 bis 1912 nur 366 Juden dir vollkommene Gleichberechtigung. - Der "Kunstgriff, -den die. rumänische RWerstng seit 187» anwästdte, um die Juden ihrer Rechte zu berauben und sie zu verfolgen, bestand darin, daß sie jene als Fremde erklärte. Gegen diese Fremden wurde das Vagabundengesetz, später das Nihilistengefetz -angMündt. Ans Grüüd solcher Verfügungen wurden sie einfach ausgewiesen, so daß 1886 bis 1861 859. von 1894 bis 1964 sogar 6529 Persorwn aus Rumänien entferntwurden. Noch schlimmer wurde die Lage der Juden, als sich der Sozi«chiÄnüs in/Rümästien zu regen begann, äW sich in 'Jaflp eche jstdisch-soziülistische Gruppe bildete. Diese wurde nun al-: Schastsfeistd ih Mer Weise geknebelt, ihre Presse verboten, ihre Anführer und Deilstehrster entweder zum Militär eiugezogen oder ins Gefängnis gesteckt. Aber damit nicht genug: die Juden wurden fast, von allen Arbeitsberufen ausgeschlossen, die staatlichm Schulen wurden für die jüdischen Kinder gesperrt. Vergeblich versuchten gegen alle diese Schikanen, denen sich Mgnnigfgche gewalttätige Drohungen anreihten, die Vertreter-der äinwikaNifchen Regierung aufzutreten und eine Aenderung zu«vwirken. Die russischen Bauernunruhen I9o,> lind 1M6 -übten in Rirmänien eine für die Juden unheilvolle WirMitz-äus Ängtbtich, um den Wünschen der Bauern zu ge Nügdst, würden die noch nicht verwiesenen Juden, die man in unwahrer Weise als Anstifter der Unruhen denunzierte, au-: allen Dorfgemeinden rücksichtslos vertrieben. Zu diesen' -ungesetzlichen und gewalttätigen Maßregeln gesellten sich seit 1916 noch andere. Ausnahmegesetze gegen die „Fremden" .und „zum Schütze der nationalen Industrie" wäre» an der WgesordNUNg, sie verschwanden auch nicht, trotz der verständigen und mutigen Petitionen der rumänischen Inden, Auch deren starke Beteiligung an dem Kriege gegen Bulgarien 1913, auch die, Benüihungen Frankreichs und Italien:, Rumänien zu einer Besserstellung der Juden zu bewtgen »nd von einer solchen Konzession die -Unabtzängigkeitserklärung RuM«i?yS--MhKnHigM, machen, der warmherzige Appell der leitenden Minister,jener Länder, den jüdischen Kindern wenig- ■ shens den Antritt zu höheren Schulen, den Vaterlandsver! ttzidigern die ÄnfnahWe in die Werkstätten zu gewähreil, änderten nichts an ihrer Lage. Nur scheinbar wurde ihnen eine Besserung zuteil, obglen'i unterdessen auch im Lande ein Umschwung der öffentlichen Meinung ' eingetreten war. Deputierte und Senatoren setzten sich für sie ein, mänche Zeitungen unterstützten den nachdrücklichen Appell, den die 'Alliance hatte ertönen lassen. Txotzdem wurden weiter wie bisher' jüdische Soldaten einfach al-: Fremde MrWstefchM, Tausende von jüdischen Freiwilligen -wurden Käst aüs dey Listen geMMit.' , . Noch' schlimmer würde es seit Beginn des Weltkrieges und -stach Mn Eintreten Rumäniens in diesen Krieg. Schon 191 •'> hatten Jüdenvertreibungen stattgefunden: als Rumänien sich sAbst am Kriege beteiligte, nutzte den Juden die von ihnen eingenommene patriotische Haltung nicht das geringste, vielmehr wurden laut offiziellen Befehlen eines Generals die rumänischeste Soldaten gegen ihre jüdischen Kameraden antgehetzt. Die Mederlagcm Rumäniens wurden den Juden zngeschrieben und daraus wurde ein neues gefährliches Syste»! entwickelt, das davin bestand, jüdische Zivilisten und Soldaten als Spione zu verdächtigen. Ms Grund solcher Berdacht-:- gründe wurden viele Juden verhaftet und getötet, ohne vor ein ordentlichesiIericht gestellt zu sein. Den WVrigüÄAichenen