Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1918)
- Date
- 1918-05-03
- Page
- Seite 209 (sequence 5)
- Language
- German
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;itvurf/'*bk' Plünderer machten willig Platz lind schloffen sichzu weiterer Pttuliderungsarbert am gleichen Plätz zusammensobalddie Soldaten nur drei Schritte entfernt waren." c Die „Jüdische Rundschau" wettdet sich in ihrer Besprechung, der Vorgänge energisch gegen die Darstellung der polnischen Deputation, daß es sich Hierbei nur um Huygerkrawalle ^gehandelt habe. Die demolierten jüdischen Läden — es dürsten in der Stadt kaum noch ünzerstörte jüdische Läden zu finden sein — sagten wohl genug nur den rein antisemitischen Charätter dieser Ausschreitungen/ In der „Mornrng Post", vom 1. April führt ein Nüsse über das Schicksal 'der Ostjuden aus: Die Frage, was -aus Osteuropa werden soll, tritt täglich mehr in den Vordergrund. Bei dieser Frage äst bisher als sehr, wichtiger Faktor das Interesse der Juden im Osten außer acht gelassen worden. :Uach dem von der Royal Statistical Society.1918 herausgegebenen .Hrtifel „War Statistics of PoJan4 and Lithuania" von Geoffrey Irage wohnen auf -dem Gebiete der alten polnischen Republik'Polen im ganzen 5 780 483 Juden, meist in Städten als Handeltreibende. Tie Entwicklung dieser Juden ist durch die Aufwärtsentwicklung der Polen bedroht. Schon das Eindringen des polnischen Bauern in die Ttädte bedrohte zu Beginn dieses Jahrhunderts die soziale und wirtschaftliche Stellung der jiDischen Bevölkerung. Jetzt giht.es nur Zwei Möglichkeiten: . . 1. Entweder wird das polnische Volk in seiner mangelnden sozialen Struktur verharren, die einer der Hauptgründe des Falles des polnischen Staates war ... 2. Oder das polnische Volk wird seine soziale Struktur verbessern; eine polnische Mittelklasse wird entstehen; die Binder der polnischen Bauern werden sich in den Städten niederlaffen, die polnische Auswanderung wird abnehmen, und der Jude wird an stelle des Polen auswandern müssen. Eine dritte Möglichkeit ist aber bei dieser Auseinandersetzung ganz vergessen: es ist die, daß Polen und Juden, für welche beide in dem weiten Lande Platz ist, friedlich nebeneinander wohnen, sich, bei Wahrung ihrer Sonderart, bei Stärkung ihres verschiedenen Glaubens, zu einer Volksgemeinschast verschmelzen. * Das „Berliner Tageblatt" vom 26. April enthält folgende, wie mir scheint, sehr wichtige Mitteilung. Wir sind uns die Tätigkeit dieser deutschen Komitees sehr begierig, wollen uns einstweilen kein Urteil über die Zusammensetzung des Komitees und Ausschusses erlauben, stimmen aber grundsätzlich den Absichten des Komitees bei, die deutschen Interessen in Palästina }u stärken und der einseitigen Förderung des Zionismus durch die Entente entgegenzutreten. * Wie traurig die Stimmung in Rumä n ieit gegen die v\uben ist, geht aus einem.Artikel Paul Nathans im „Berliner Tageblatt" vom 26. April hervor, auf den wir schon in einem eigenen Artikel eingegangen sind. Wie wenig Logik und politisches Anstandsgefühl augenblicklich noch in Rumänien herrschen,, zeigt sich in einem Flugblatt an „die rumänischen Christlichen Brüder", das in Rumänien verteilt worden ist und in l^eni folgende Sätze Vorkommen: .! .Heute haben sich die Verräter mit Marghiloman an der Spitze., dcmaskiert. Sie sind in Wirklichkeit die gemeinsten Bürger und-die .. j ^"fluchten, die das Land verkauften. . . . Sieh nur hin,, welches! Gewinn unserer Feinde ist, mit denen sie den Frieden Machten^ i -ie Deutschelr nehmen -uns weg das, Brot, das Getreide, ..dgs-..P«t.rv-v le'lltt, Holz und.die Eiserchahnenauf ewig. . . .T Laßt rm eüch .das. unserer Urväter wieder auKeben und,Met alle - im' Layde belnwsichen Barbaren. Seid Rumänen, laßt euch, nicht vpn den schlechl^n Rumänen und den v ie r f lucht en Juden zerschmeitern." . . Die „Jüdische Rundschau" enthält folgende auffallende Mit-. teilung: '. . . ' / /;:.«v Die ' Z m a n g s e i n Z iehuntz. der ruf fr f ch e n Juden - i n - England. " ••••"• - Aus' London wird geineldet, daß die englische Reg-ierung darangeht, die in England 'lebenden russischen Inden zum Militärdienst heranzuziehen. Bekanntlich -beabsichtigte die Regierung schon feit längerer Zeit, die vielen Tausende russischer Judsn, die in LondM und anderen Städten leben, der Arrnee einzureihen, wagte es aber nicht infolge der energischen Protesteder verschiedenen russischen Regierungen. Jetzt, .da Rußland aus dem Kriege ausgeschieden ist. England mithin keine Rücksicht auf Rußland zu nehmen braucht, betrachtet es die russischen Bürger in Errgland als vogelfrei und zieht sie ein. Es darf angenommen werden, daß -der Maßnahme auch antisemitische Motive mit zugrunde liegen; ein Teil der englischen Presse wenigstens hat bereits seit Monaten eine Hetze gegen die russischen Juden in England geführt und ihre Einziehung gefordert. * Den Mitteilungen des Stockholmer Preffebureaus entnehmen wir die nachstehenden Mitteilungen: " Stockholm, 17. April 1918. B e fü r ch t u ngen fü r d a s L o s d e r beß a r a bi s che nIud e n. Die von Rumänien mit Zustimmung der Zentralmächte geplante Annexion Beßarabiens hat nach den uns vorliegenden Berichten aus verschiedenen Ländern die größte Bestürzung und Beunruhigung in der gesamten jüdischen Welt verursacht. Das entsetzliche Schicksal der Juden des gegenwärtigen Rumäniens läßt tatsächlich das Schlimmste für die 300 000 Juden Beßarabiens befürchten, die unter die Fuchtel, der herzlosen, korrupten, judenmordenden Bojarenregierung kommen sollen. Wenn auch die Frage der rumänischen Juden durch den Bukcp rester Frieden angeblich befriedigend gelöst ist, so steht e8 noch keineswegs fest, daß der die Juden betreffenden Bestimmung des Friedensvertrages eine Fassung gegeben worden ist, die alle möglichen Kniffe der rumänischen Staatsmänner von vornherein ausschließt. Aber selbst wenn die neue juristische Formel für die Regelung der rumänischen Judenfrage nichts zu wünschen übrig lassen würde, was sehr zu beziveifeln ist, so kommt es doch vor. allem auf . die Verwaltungspraxis an, und solange das. öffentliche Leben Rumäniens nicht auf eine gänzlich neue, demokratische Basis ge? stellt ist, ist dort eine wesentliche Aenderung im Los der Juden nicht zu erwarten. Die.Einverleibung Beßarabiens würde deshalb unter dem gegenwärtigen Regime geradezu eine Katastrophe für die Judenheit dieses Gebietes bedeuten. Einigungsversuch im jüdischen Hilfswerk Polens ge sch ei tert. Im jüdischen Kriegshilfswerk Polens! herrscht noch immer ein? höchst beklagenswerte Zersplitterung undein System der Verwaltung/ das der Hilfsaktion im höchsten Grade ablrüglich ist. Der vom neilgeschaffenen .Vermittlungskomitee in Holland für die Verteilung der/ amerikanischen Hilssgelder unternommene Versuch, eine. Einigung, aller in Betracht kommenden jüdischen Parteien Polens herbeizuführen, um die Reorganisation des Hilfswerkes vorzunehmen und einen gemeinsamen Ausschuß für die Verteilung der amerikanischen Hilfsgelder zu schaffen, ist gescheitert. Herr Dr. van Raalte, der Vertreter des holländischen Komitees, hat sich während seines Warschauer Besuches alle erdenkliche Mühe gegeben, um das Ernigungswerk zustande zu bringen, allein er ist namentlich cm dem Eigensinn der orthodoxen. Kreise in Warschau, gescheitert. ' T - ' O ■ ' Die belgischen Zionisten haben laut Mitteilung des Haager ' Pressehureaus Anfang April in Holland einen / Parteitag, abgehakten und dabei folgende Resolutionen gefaßt:. . ./ Die Kanferevz'.hät "rnit'.'dankbärer BefriedMnjz. Kenntnis genommen von derrückhcrÄosen' Erklärung der englischen. RegierMA! .die Verwirklichüng des' Zionismus -aufs kräftigste zirunterstützen, von dev vffiziellen VeröffenAichüng ' der Zulftzimnrüsig der " 'französischel r Regierung zu dev englischelr. Erktärüng und von den ünmngefchränöten Sympathien der Vereinigten .Staaten, Italiens und anderer Ententestaaten fiir die zionistische Lösung der Judenfrage. Sie Wüvdigt die Mzielle/Stellüngnahme zrim. Zionismus seiteus Oesterreichs, Deutschlands' und der Türkei MÄtten bedeuksanren politischen Faktor für die intevnätionäle Regelung d^r Jndenfräge, bo-' dauert aber, daß die Erklärungen noch keine genügende Garantien